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Beziehungspflege zu Gott

Ihr wisst, ich bin verheiratet. Damit eine Ehe funktionieren kann, ist es wichtig, miteinander in Beziehung zu sein. Eine Beziehung hat nur Bestand, wenn wir sie pflegen. Es ist aber nicht nur wichtig, dass wir mit unserem Ehepartner, mit unseren Kindern, Eltern und Freunden in Kontakt sind, sondern dass wir auch zu Gott eine Beziehung aufbauen und aufrechterhalten. Unsere Beziehung zu Gott soll auf Liebe beruhen. Das weiß zumindest unser Verstand. Das wussten auch die ersten Christen. Schauen wir uns die Epheser an. Sie wurden in Offenbarung 2 zuerst gelobt, aber ihnen wurde vorgeworfen, die erste Liebe verlassen zu haben. Ich habe mir überlegt, was die erste Liebe ist bzw. wie sie ist. Ich denke, dass die meisten von uns das Gefühl des Verliebtseins kennen. In dieser Phase wollen die ineinander Verliebten ständig miteinander zusammen sein. Sie denken ständig aneinander und erleben permanente Glücksgefühle, sind sie beieinander. Man sagt so schön, sie haben Schmetterlinge im Bauch oder sie schweben auf einer rosaroten Wolke.

In Offenbarung 2,5 wird nun den Ephesern gesagt, sie sollen aufgrund dessen, dass sie ihre erste Liebe verlassen haben, Buße tun und ihre ersten Werke tun. Jeder von uns weiß, was mit Buße gemeint ist. Es geht dabei um Umkehr und um die Änderung der Gesinnung und des Verhaltens. Aber was sind die ersten Werke? Was war unser erstes Werk, als wir uns zu Gott bekehrten

Unser erstes Werk war, dass wir begonnen haben, Gott kennen zu lernen. Das Kennen lernen hat nichts mit einem theoretischen Verständnis zu tun, sondern entspringt aus den Erfahrungen heraus, die wir mit Gott machen. Erkennen wir das Wesen Gottes, erleben wir sein Wesen. Erkennen und Erleben sind also eng miteinander verbunden. Ziel des Kennen-Lernens Gottes ist die Begegnung mit der Liebe Gottes.

Wie haben wir Gott kennen gelernt? Wir haben Zeit mit ihm verbracht, haben uns mit seinem Wort auseinandergesetzt. Manches haben wir vielleicht nicht sofort verstanden, andere Dinge sind in unser Herz gefallen und haben Glauben in uns bewirkt. Und dann kam der spannende Teil: Wir haben Erfahrungen im Glauben gemacht, indem wir unseren Glauben in bestimmten Situationen, in denen wir die Hilfe Gottes benötigt haben, investiert haben. Wir haben gemerkt: Je mehr wir unser Vertrauen auf Gott setzen, desto mehr erleben wir mit Gott und umso mehr sind wir in der Lage, ihm immer mehr zu Vertrauen. Das ist ein positiver Kreislauf. Unsere Beziehung zu Gott wächst also, indem wir Glauben in ihn investieren. Bei Helga war es bspw. so: Sie hat begriffen, was es bedeutet, dass Gott unser Arzt ist. Sie hat in dieses Wort Glauben investiert, indem sie dieses Wort in ihrer Erkrankung in Anspruch genommen hat. Sie hat Gott vertraut, dass er ihr Arzt ist, so dass es sie nicht mehr drängte zu verschiedensten weltlichen Ärzten zu gehen. Gott hat ihren Glauben belohnt, indem er sie geheilt hat. Dies hat dazu beigetragen, dass ihre Beziehung zu Gott tiefer geworden ist und ihr Vertrauen zu ihm - gerade bei Erkrankungen - gewachsen ist.

Das Zuhören ist in der Beziehung zu Gott eine wichtige Sache. Wer das Hören in der Stille übt, hört Gott auch im lautesten Alltagsgeschrei. Es ist wie mit den Handys. Wer seinen Klingelton kennt, hört ihn auch mitten im Einkaufszentrum, wer das Handy nie benutzt, merkt nicht, wenn es mal klingelt. Der Ton geht in der Geräuschkulisse unter. Wenn manche Christen sagen, dass sie Gottes Stimme in ihrem Leben viel weniger hören als andere, dann liegt es nahe, nicht den Klingelton ihres Handys zu verändern oder ihn sogar lauter zu stellen, sondern den Umgang mit dem Handy einzuüben, und Gottes Nähe und Gegenwart regelmäßiger aufzusuchen. Vielleicht gibt es sogar  Situationen in deinem Leben, in denen du das Handy einfach abschaltest, weil du von Gott nicht gestört werden willst und dir das Dazwischen- reden Gottes lästig ist. Da kommt es leicht vor, dass das Handy gar nicht mehr angeschaltet wird, weil es vergessen wird. Du wunderst dich vielleicht dann, dass Gott so gar nicht mehr auf dich reagiert. Warum sollte er auch, wenn du ihn bewusst aussperrst und dann sogar vergisst, die Tür wieder zu öffnen? Zeigt sich in dem Vergessen nicht am deutlichsten, in welcher Gefahr wir stehen: wir Gott brauchen oft nur als Müllkippe und nicht als willkommenen Vater im Himmel.

Bei diesem Beispiel mit dem Handy wird deutlich, dass eine Beziehung auf Gegenseitigkeit beruht. Wenn einer von beiden offline ist, d.h. wenn einer die Leitung abgeschalten hat, funktioniert die Kontaktaufnahme nicht. Wir können uns sicher sein, dass Gott immer da ist. Wir bestimmen, wie nah wir Gott sind und wie viel Nähe wir zulassen können.

Problematisch ist, wenn ich mit jemand Gemeinschaft habe, der mir immer nur einen Monolog hält  Er kann mich nicht kennen lernen. Ich erfahre zwar viel von dem anderen, aber die Beziehung beruht auf Einseitigkeit. Es kommt in gut funktionierenden Beziehungen häufig vor, dass einer lange redet - und der andere ebenso lange liebevoll und geduldig zuhört. Dies schadet der Beziehung nicht, weil es kein Dauerzustand ist. So hört Gott gerne und geduldig zu, wenn wir im Gebet unser Herz vor ihm ausschütten. Er ist auch ein geduldiger Zuhörer, wenn ich meine Pläne und Überlegungen, meine Fragen und Erlebnisse vor ihm ausspreche, mich mit ihm berede. Es sollte aber auch bei ihm kein Dauerzustand sein.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber in meiner Beziehung zu Gott stehe ich oft in der Gefahr, dass ich das Zuhören vergesse. Häufig erlebe ich Zeiten, in denen ich in meinen Alltag so eingebunden und beansprucht bin, dass ich abends nur noch müde ins Bett falle. Tagsüber finde ich in solchen Zeiten ebenfalls kaum Zeit für Gott. Meine Gebete sind dann nur Stoßgebete, in denen ich Gott meine Bitten vorbringe. Sie haben aber nichts mit Beziehungspflege zu tun. In diesen Zeiten vernachlässige ich die Beziehung zu Gott. Das ist aber nicht Gottes Wille für mein Leben. Er hat klare Vorstellungen davon, wie ich meine Beziehung zu ihm zu gestalten habe.

Lesen wir dazu Matthäus 6,5-15

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn  sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Jesus fordert uns in dieser Bibelstelle auf, uns in unser stilles Kämmerlein zurückzuziehen. Dieses Kämmerlein stellt einen Ort dar, an dem wir nicht abgelenkt werden und an dem wir ungestört sind. Dieses Kämmerlein ist ein ganz privater Bereich für die Zeit mit Gott. Was macht diesen Ort so besonders? Er ist deshalb besonders, weil er dazu dient, Zeit mit ihm zu verbringen, uns nach ihm auszustrecken und unsere persönliche Beziehung zu ihm zu pflegen. An diesem Ort bewegen sich unsere Gedanken in Gottes Richtung.  Es ist ein Ort, an dem wir vor Gott zur Ruhe kommen. Dabei geht es sowohl um die äußerliche wie auch die innerliche Ruhe. Im stillen Kämmerlein bin ich mit Gott allein. An diesem Ort dürfen wir sein, wie wir sind. Ich gehe ins Gebet, d.h. ich spreche mit Gott und höre zu, was er zu sagen hat. Mit diesem Gebet in der Stille pflege ich meine Beziehung zu ihm. Das geschieht auf einer ganz persönlichen Ebene, nur zwischen ihm und mir. Wenn wir laut mit Freunden, in der Kleingruppe, im Gebetskreis oder in der Öffentlichkeit beten, achten wir meist darauf, wie wir beten, denn andere sollen durch unser Gebet bspw. auferbaut werden. Im stillen Kämmerlein geht es aber nicht um andere, sondern in erster Linie um meine persönliche Beziehung zu Gott.

Vielleicht sagt ihr  jetzt: Ja, das hört sich gut an, aber vorstellen kann ich mir das nicht, mit Gott allein in der Abstellkammer zu sitzen, eine Kerze anzuzünden und mit ihm zu reden. Dann bittet ihn doch, dass er euch zu dem Ort führt, an dem ihr mit ihm allein sein könntt und das nicht als Muss oder Zwang erlebt, sondern als ganz große Freude. Denn wo euer Ort der Stille vor Gott ist und wie ihr ihn gestalten, muss jeder für sich selbst herausfinden. Der eine benötigt vielleicht wirklich eine Kerze, um Ruhe vor Gott finden zu können, der andere stellt eine Lobpreis-CD an, um sich für Gott öffnen zu können. Wieder andere lieben die freie Natur als Ort der Zwiesprache mit Gott. Ich habe sogar jemand kennen gelernt, der sich am besten auf Gott konzentrieren konnte, wenn er in einem Café saß und Getümmel um ihn herum war. Wenn er zu Hause dann unruhig wurde, wurde er von seiner Frau in ein Café geschickt. Sie wusste nämlich, dass er danach ausgeglichen zurück kam, weil er im Café die Gegenwart Gottes  wahrgenommen hat und Gottes Liebe neu in sich aufnehmen konnte. Jesus hat die Stille vor Gott ebenfalls gesucht. Wir können immer wieder im Wort Gottes lesen, dass er sich zurückzog, im mit Gott alleine zu sein.

Wer merkt, dass er auf dem Gebiet der stillen Zeit mit Gott Probleme hat, der kann Gott bitten, dass er dabei hilft, regelmäßig Zeit mit ihm zu verbringen. Er kann ihn bitten, dass Gott einen Hunger nach mehr von ihm schenkt, nach seiner Gegenwart, seinem Wort. Er kann ihn bitten, dass er durch den Heiligen Geist zu ihm spricht. Gott hat seinen Heiligen Geist gesandt, damit seine Kinder mit ihm in Verbindung sein können und ihn besser verstehen können. (Joh. 14,26: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.). So kann ich als Christ Gott auch heute noch  bitten, dass er mich mehr und mehr mit seinem Heiligen Geist erfüllt.

Ihr wisst, dass Gottes einzigartiger Charakter Güte, Liebe, Gnade und so vieles  mehr ist, was für uns Menschen einfach gut und anziehend ist! Je mehr wir das wahre Bild von Gottes Charakter entdecken, desto mehr werden wir uns danach sehnen, noch mehr von ihm zu lernen und mit ihm zu erleben! Viele Menschen haben ein falsches und in Wirklichkeit auch "unattraktives" Bild von Gott. Ist euch bewusst, welches Bild ihr von Gott habt? Ist Gott für euch ein zorniger Gott,  ein strenger Gott, ein ferner Gott oder ein liebender Gott? 1. Joh. 4,8 sagt, dass Gott Liebe ist. Wenn dies so ist, können wir 1. Kor. 13,4-8 auch so lesen:

Gott ist geduldig und freundlich. Er ist nicht verbissen, er prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Er verletzt nicht den Anstand und sucht nicht seinen eigenen Vorteil, er lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend! Gott freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Gott ist immer bereit zu verzeihen, er vertraut stets und er verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende. Gottes Liebe wird niemals vergehen!

Liebe ist auch eine Entscheidung, und damit zum Teil unabhängig von Gefühlen. Ein Beispiel: Als wir heirateten, entschieden wir uns, miteinander zu leben, in guten und in schlechten Zeiten, das bedeutet unter anderem: Mit oder ohne schöne Gefühle. Liebe ist die Entscheidung zur Verbindlichkeit. Unsere Liebe kann nur wachsen, wenn wir uns entscheiden, auch in Zeiten, in denen ich keine romantischen oder schönen Gefühle habe, dem anderen treu zu bleiben. Gefühle der Liebe sind manchmal da, und manchmal nicht. Wenn die Gefühle nicht da sind, heißt dies aber noch lange nicht, dass wir uns nicht mehr lieben. Wenn wir eine Weile weniger Zeit miteinander verbringen, ist das für unsere Beziehung nicht besonders förderlich, doch es beendet unsere Beziehung und unsere Liebe nicht. Vor Jahren habe ich mir einmal folgenden Spruch aufgeschrieben: Die große Liebe erkennt man nicht an der Stärke, sondern an der Dauer.

Gott hat jeden von uns geplant, gewollt und wunderbar gemacht (Ps. 139). In Gottes Augen sind wir also wunderbar! Ihr wisst, dass Gott uns liebt. Habt ihr euch schon einmal überlegt, warum er das tut? Anhand eines Beispiels möchte ich euch aufzeigen, warum Gott uns liebt: Wenn Säuglinge zur Welt kommen, werden sie von ihren Eltern geliebt. Sie werden von ihren Eltern geliebt, obwohl sie schwach und hilflos sind. Sie sind vollkommen unselbständig bei ihrer Geburt. Sie können nur daliegen, schlafen, schauen, schreien, lächeln. Sie benötigen die Fürsorge ihrer Eltern. Ohne diese Fürsorge ihrer Eltern würden sie nicht überleben. Diese Fürsorge beruht auf der Liebe der Eltern. Die Säuglinge können noch nichts leisten, um sich die Liebe ihrer Eltern verdienen zu können. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn sie werden von ihren Eltern bedingungslos geliebt. Gott hat uns ihm ähnlich gemacht. Wenn wir Menschen also in der Lage sind, uns bedingungslos um unsere Kinder zu kümmern und sie bedingungslos zu lieben, können wir doch daraus schließen, dass wir, weil wir Gottes Kinder sind, von ihm ebenfalls bedingungslos geliebt werden.

Kennt ihr solche Gebete: Herr, wenn du dieses Gebet von mir erhörst, werde ich dies oder jenes für dich tun! Mancher mag sogar gebetet haben: Ich gehe sogar in den Urwald und esse Spinnen. Erhört Gott solche Gebete? Erhört er sie, auch wenn er weiß, dass wir sie nicht einhalten werden oder nicht einhalten können? Wisst ihr, aus Erfahrung kann ich sagen: Auch wenn ich nicht immer eingehalten habe, was ich versprochen habe, war er dennoch - wenn auch nicht immer - bereit, ein solches Gebet zu erhören. Er hat mir einen Vertrauensvorschuss gegeben - aus Liebe. Gleichzeitig hat er mir dadurch gezeigt, wo ich im Glauben stehe. Ich war beschämt, über mein Versagen. Inzwischen habe ich gelernt, dass ich Gott nichts versprechen muss, um seine Hilfe und Unterstützung zu erleben. Er liebt mich um meinetwillen. Ich bin sein Kind. Es macht ihm Freude, uns helfen zu dürfen, so wie es uns Freude macht, unseren Kindern zu helfen. Außerdem: Unser Vater im Himmel weiß, was wir benötigen, wir brauchen es ihm eigentlich nicht erst ausführlich zu erzählen. Wir müssen auch keine besonderen Worte gebrauchen oder ihm gar zu schmeicheln versuchen, damit er uns erhört. Es geht auch nicht darum, ein schönes Gebet zu sprechen. Wir benötigen  keine besondere Form der Poesie. Das, was unser Vater im Himmel zu hören verlangt, ist der Ruf des Glaubens. Was er sehen will, ist ein demütiges, ein kindliches Herz. Er wartet darauf, dass er uns gnädig sein kann. Ehe wir rufen, will er uns erhören, während wir noch reden, will er uns antworten.

Wenn Gott vorher schon weiß, was wir wollen, könnte man dann nicht genauso gut schweigen, fragt sich vielleicht mancher? Es gibt ja das Sprichwort: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Es gibt allerdings keine funktionierende Beziehung, in der man sich anschweigt! Wo das Schweigen herrscht, ist die Beziehung tot.

 Ich möchte euch ermutigen: Haltet eine lebendige Beziehung zu Gott aufrecht. Bleibt mit ihm im Kontakt. Gott ist ein guter Zuhörer, aber vergesst nicht, auch auf das zu hören, was er euch sagen möchte. Gottes Segen!



Gemeinde Gottes Nördlingen

Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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