Das
Geheimnis des Fruchtbringens
Joh.
15
1
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. 2
Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg; und
jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet
habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich
selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr
nicht, ihr bleibt denn in mir. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die
Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn
getrennt von mir könnt ihr nichts tun. 6 Wenn jemand nicht in mir
bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man
sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr
in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten,
was ihr wollt, und es wird euch geschehen. 8 Hierin wird mein Vater
verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.
Einleitende
Worte
Heute
feiern wir das Erntedankfest. Wir danken Gott für die Ernte. Wir
haben auch allen Grund, Gott dafür zu danken und ihm die Ehre zu
geben. Denn der Mensch hat nur eine begrenzte Einflussmöglichkeit.
Er kann im Frühjahr den Boden für die Saat bearbeiten und er kann
die Samen aussäen. Ein Same muss in die Erde fallen, Um das Wachstum
zu forcieren kann er seine Pflanzen vor der Einwucherung durch
Unkraut bewahren, indem er das Unkraut entfernt. Auf äußere
Bedingungen wie bspw. auf das Wetter hat er keinen Einfluss. Hagel
kann die Pflanzen zerstören. Große Hitze kann die Pflanzen
verdorren lassen. Eine Ungezieferplage kann ebenfalls Pflanzen
zerstören.
Es
sind einige Früchte aus der diesjährigen Ernte heute mitgebracht
worden. Ich kann nur staunen über die Größe einiger dieser
Früchte. Der Kürbis ist bombastisch groß, die Karotten sind
riesig. Wenn wir die Samen dazu betrachten, die im Vergleich dazu
winzig sind, können wir doch alle nur staunen. Für mich ist es ein
Wunder, dass aus winzigen Samen riesige Pflanzen entstehen können.
In Joh 12,24 kommt dieses Wunder zum Ausdruck: "Ein Weizenkorn,
das nicht in den Boden kommt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn.
In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst
dabei stirbt." Dieses Prinzip des Fruchtbringens hat Gott schon
bei der Erschaffung der Erde hergestellt. In 1.Mo 1,11 lesen
wir: "Und Gott sprach: Die Erde lasse Gras hervorsprossen,
Kraut, das Samen hervorbringt, Fruchtbäume, die auf der Erde Früchte
tragen nach ihrer Art, in denen ihr Same ist! Und es geschah so."
Wir stellen also fest, dass Gott alle Bedingungen dafür geschaffen
hat, dass ein Same Frucht bringen kann.
Wenn
in unserem Text von der Frucht gesprochen wird, bezieht sich dies auf
die Frucht des Geistes. Die Frucht des Geistes wird in Galater 5,22f
(Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Sanftmut, Enthaltsamkeit) angesprochen. Vielleicht können sich ja
noch einige von euch an die Predigt von letzter Woche erinnern. Heute
möchte ich den Schwerpunkt auf das Geheimnis und die Bedeutung des
Fruchtbringens legen. Es gibt zwei Geheimnisse.
1.
Geheimnis - in Christus bleiben
Joh.
15, 4 Bleibt fest mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch
verbunden bleiben! Denn so wie eine Rebe nur am Weinstock Früchte
tragen kann, so werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir
verbunden bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben.
Wer bei mir bleibt, so wie ich bei ihm bleibe, der trägt viel
Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts ausrichten.
Jesus
bezeichnet sich als der Weinstock, wir sind die Reben. Die Frucht an
den Reben kann nur entstehen, wenn das Leben des Weinstocks durch die
Reben fließt. Ist die Rebe vom Weinstock getrennt, verdorrt sie.
Genauso muss das Leben Jesu durch uns fließen, damit wir Frucht
bringen können. Wir müssen in ihm bleiben. Getrennt von ihm können
wir nichts tun.
Jeder
Christ kann in seinem Leben die Frucht des Geistes wachsen sehen. In
ihm wohnt seit seiner Errettung der Heilige Geist. Die Frucht des
Geistes ist aber keine unmittelbare Wirkung der Taufe im Heiligen
Geist. Deshalb kann keiner sagen, ich kann keine Frucht bringen, weil
ich die Taufe mit dem Heiligen Geist noch nicht empfangen habe. Das
ist keine Entschuldigung. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass es
einerseits zutiefst geistliche Christen gibt, die keine
Pfingsterfahrung gemacht haben, andererseits Christen, die die Taufe
im Heiligen Geist erfahren haben, aber keine Anzeichen der Frucht des
Geistes haben? Warum ist das so? Das ist so, weil die Frucht des
Geistes nur wächst, wenn wir kontinuierlich in Christus bleiben. Es
hat nichts damit zu tun, ob man mit dem Heiligen Geist getauft wurde.
Die Taufe im Heiligen Geist will ich damit nicht klein reden. Sie ist
ein unbeschreibliches, einmaliges Erlebnis, das ich jedem wünsche.
Sie setzt viele, wunderbare Dinge frei. Sie ist aber nicht die
Krönung unseres Christenlebens. Was ist für euch die Krönung eures
Christenlebens?
Die
Krönung ist, wenn unser Leben täglich geisterfüllt und reichlich
mit der Frucht des Geistes ausgestattet ist.
Es
ist von immenser Bedeutung, in Christus zu bleiben. In Vers 2 sagt er
nämlich: "Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die
nimmt er weg;". Die Formulierung "an mir" zeigt klar
und deutlich, dass die Reben, die weggenommen werden, ursprünglich
echte Reben am Weinstock waren. Sie haben den Kontakt zur Quelle des
Lebens nicht lange genug aufrecht erhalten, um Frucht bringen zu
können.
Ist
euch aufgefallen, dass die Rebe und nicht die Frucht weggenommen
wird? Es werden nur die Reben weggenommen, die keine Frucht bringen.
Was passiert mit der Rebe? Sie wird zuerst hinausgeworfen, verdorrt,
wird ins Feuer geworfen und verbrennt. Uns geht es genauso, bringen
wir keine Frucht.
Darf
von einem Christen erwartet werden, dass er Frucht bringt? Natürlich!
Wenn es egal wäre, ob Reben Frucht bringen, müssten sie ja nicht
weggenommen werden. Frucht von einem Christen zu erwarten ist nicht
unangemessen, da es Gott ist, der die dafür erforderlichen Elemente
zur Verfügung stellt. Der Christ ist nur für eins verantwortlich:
Er muss in Christus bleiben. Die Frucht ist die natürliche Folge des
In-Christus-Bleibens. Bleibt er nicht in Christus, wird er verworfen.
Wir
haben jetzt ständig davon gesprochen, in Christus zu bleiben. Was
bedeutet es, in Christus zu bleiben? Bleiben wir im Bild des
Weinstocks und der Reben. Die Reben sind aufs engste mit dem
Weinstock verbunden. Sie wachsen aus ihm heraus und dürfen nicht von
ihm, der Quelle ihres Lebens, getrennt werden. Übertragen wir das
auf uns, bedeutet das, dass wir eine absolut intakte Gemeinschaft zu
Christus haben müssen. Auf was gründet sich unsere Beziehung zu
ihm? Sie gründet sich auf einen unerschütterlichen Glauben an das,
was er für uns getan hat und wer wir in ihm sind. Sie basiert
darauf, dass wir uns an seiner Gnade erfreuen und uns dessen bewusst
sind, dass wir durch ihn erlöst, gerechtfertigt, in die Familie
Gottes hineingeboren, Söhne und Töchter und Erben sind. Wenn dies
allerdings zur Selbstverständlichkeit unseres Lebens wird, wird
unsere Beziehung zu ihm erkalten. Deshalb ist es so wichtig, dass wir
diese Dinge in unserem Bewusstsein behalten. Dadurch haben wir immer
Grund zum Loben und zum Danken und im Gebet halten wir unsere
Gemeinschaft mit Jesus aufrecht. Bleiben wir in ihm, bekommen wir
Sehnsucht danach, uns vom Heiligen Geist leiten zu lassen und im
Geist zu leben und zu wandeln (Gal. 5,16.25).
2.
Geheimnis - der Reinigungs- bzw. der Beschneidungsprozess
Joh.
15, 2 Jede Rebe an mir, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie
mehr Frucht bringe. In der Bibel "Hoffnung für alle"
finden wir folgende Übersetzung: Joh. 15, 2 Aber die
Frucht tragenden Reben beschneidet er sorgfältig, damit sie noch
mehr Frucht bringen.
Hier
geht es um das Reinigen bzw. das Beschneiden. Ziel dabei ist, dass
die Reben, die Frucht bringen, noch mehr Frucht bringen. Es geht also
um einen positiven Prozess. Die Frucht in uns wird dabei vermehrt.
Gott geht dabei vor wie ein Gärtner (Vers 1) und arbeitet dabei mit
dem, was wir haben. Er sagt nicht: "Die Frucht muss erst eine
gewisse Reife haben, dann könnt ihr zu mir kommen." Gott nimmt
uns an, wie wir jetzt gerade sind.
Das
Wachstum von Pflanzen unterliegt einem Prozess. Aus einem Samen
entsteht nicht von heute auf morgen eine Pflanze. Unser Glaube wird
in Mt. 17, 20f mit einem Senfkorn verglichen. Ein Senfkorn ist sehr
klein und es entsteht daraus ein riesiger Baum. So ist auch unser
Glaube zum Wachstum und zum Fruchtbringen bestimmt. Dies ist ein
Prozess. Durch die Reinigung bzw. Beschneidung möchte Gott uns
verändern und Wachstum und Frucht in uns entstehen lassen.
Von
einem Reinigungsprozess hat sicher jeder von euch eine klare
Vorstellung. Joh 1,9 besagt: "Wenn wir aber unsre Sünden
bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt
und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit." Der Heilige Geist
offenbart uns unsere Sünden und Gott vergibt uns unsere Sünden,
damit wir rein vor ihm stehen können. Die Reinigung hat Jesus durch
seinen Tod am Kreuz möglich gemacht. Und was tun wir dabei? Wir
bekennen unsere Schuld.
Wie
können wir uns den Beschneidungsprozess in der Praxis vorstellen? Im
AT ist die Beschneidung des Mannes das Bundeszeichen zwischen Gott
und seinem Volk. Dieses Zeichen ist zwar für den Beschnittenen
sichtbar, aber vor der Welt verborgen. Man kann nicht damit prahlen.
Das Zeichen betrifft die persönliche Beziehung zwischen dem
beschnittenen Mann und Gott. Die Zugehörigkeit zu dem lebendigen
Gott kann Fremden gegenüber also nur durch das Verhalten offenbar
werden.
Die
Beschneidung im Neuen Bund betrifft unser Herz. Genauer gesagt
unseren Charakter bzw. unsere Charakereigenschaften. Daran können
Außenstehende erkennen, dass wir zu Christus gehören. Unsere
Beschneidung wird also ebenfalls nur durch unser Verhalten sichtbar.
Die
Beschneidung unterliegt einem Prozess. Sind wir eng mit Christus
verbunden und öffnen wir uns für das Wirken des Heiligen Geistes an
uns, zeigt uns der Heilige Geist auf, in welchen Bereichen wir eine
Veränderung unseres Charakters benötigen. Dann stellt sich die
Frage, ob und wie wir darauf reagieren. Strecken wir uns danach aus,
uns verändern zu lassen bzw. uns überhaupt verändern zu wollen?
Ich
stelle mir das so vor: Durch unsere Errettung ist Jesus in unser
Leben gekommen. Mit ihm ist die Liebe in unser Herz eingezogen. Aber
diese Frucht der Liebe, die da zu wachsen beginnt, ist anfangs noch
recht zart und klein. Unsere alten Charaktereigenschaften, die der
Liebe entgegengesetzt sind, wollen weiterhin ihre Vorherrschaft
behalten. Was macht Gott, schneidet er jetzt die alten
Charaktereingenschaften aus unserem Herzen heraus. Nein! Ich habe mir
überlegt, dass das doch das Einfachste wäre. Was weg ist weg.
Gottes Vorgehensweise ist aber anders. Er schneidet die Frucht der
Liebe zurück, damit diese mehr und mehr zum Vorschein kommt. Nach
jedem Schnitt entstehen weitere Verzweigungen der Liebe. Die Freude
in uns wird bspw. immer mehr ausgeprägt. Güte kommt irgendwann zum
Vorschein und wird zur tätigen Liebe. Durch die entstehende Langmut
wird unsere Liebe unermüdlich. Gott beschäftigt sich nicht mit
unseren alten, negativen Charaktereigenschaften. Er betrachtet uns
mit Augen der Liebe. Er sieht uns so wie wir einmal sein werden.
Wisst ihr, ein Diamant muss erst geschliffen werden, damit sein
Leuchten zum Vorschein kommt. Der Juwelier sieht den Diamanten aber
von Anfang an in seiner Schönheit, die anfangs noch gar nicht
vorhanden ist. Er hat eine klare Vorstellung davon, wie der Diamant
einmal sein wird. Gott geht mit uns genauso um. Er hat ein positives
Bild von uns und arbeitet mit seinem Schneidewerkzeug an uns, bis wir
so sind, wie er uns haben möchte. Das ist ein Prozess, der auf der
Erde nie aufhören wird. Gott ist auch in seiner Funktion als
Weingärtner ein Gott der Liebe. Deshalb dürfen wir uns ihm
anvertrauen und brauchen keine Angst vor dem Beschneidungsprozess zu
haben. Wichtig ist aber, dass wir ja dazu sagen und uns nach dieser
Veränderung ausstrecken.
Unsere
alten Charaktereigenschaften muss Gott nicht beschneiden, da diese
mit der Taufe gestorben sind. Das Problem ist nur, dass sie dennoch
immer wieder zum Vorschein kommen wollen. Dadurch entsteht ein Kampf
zwischen dem alten und dem neuen Menschen. Der Sieg über unsere
alten Charaktereigenschaften gelingt uns nicht von heute auf morgen,
da unser altes Verhalten einem Automatismus unterliegt. Diesen gilt
es zu durchbrechen bis unser neues Verhalten automatisiert ist. Geben
wir auf, unterliegen wir im Kampf. Seien wir deshalb wie ein
Stehaufmännchen, das jedes Mal aufsteht, wenn es am Boden liegt.
Lasst uns auf Jesus schauen (Hebr 12, 1ff) und in dem Bewusstsein
aufstehen, dass Jesus den Sieg über den Feind bereits errungen hat.
Abschließende
Worte
Abschließend
möchte ich euch die provozierende Frage stellen: Seid ihr überhaupt
daran interessiert, Frucht zu bringen? Das Wollen ist eine wichtige
Voraussetzung, weil Gott uns nicht als Marionetten erschaffen hat und
er uns nicht gegen unseren Willen verändern wird. Vielleicht ist der
eine oder andere müde geworden. Vielleicht hat der eine oder andere
in dem Bestreben aufgegeben, Jesus ähnlich zu werden, weil er zu oft
das Gefühl des Versagens erlebt hat. Das ist schmerzhaft. Ich weiß
das aus eigener Erfahrung. Aber ich weiß auch, dass es gelingen
kann, durch den Schmerz hindurchzugehen, aufzustehen und den Kampf
gegen alte Charaktereigenschaften zu gewinnen. Deshalb ist es so
immens wichtig, dass wir eng mit Jesus verbunden sind, weil es nur
mit ihm gelingen kann.
Wisst
ihr, wir haben Gott, Jesus und den Heiligen Geist auf unserer Seite.
Zudem können wir Gott bitten, uns das Wollen und das Gelingen zu
schenken (Phil. 2,13). Ich frage euch, was kann denn dann noch
schiefgehen? Also lasst es uns angehen!
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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