|
|
Der gute Hirte
Das
Bild des Hirten kommt sowohl im AT wie auch im NT immer wieder
vor. Wenn wir einen Hirten betrachten, was sehen wir dann?
Der Beruf des Hirte
Wir sehen einen Mann mit einfacher Kleidung, seiner Arbeitskleidung.
Sie ist zweckmäßig und hält warm und trocken. Er hat Stiefel an und
keine modischen Schuhe, damit er nicht ständig darauf achten muss, wo
er hintritt. Er hat meist einen Hut auf und einen Umhang um, damit er
vor Wind und Regen geschützt ist. Dann hat er noch einen langen Stab.
Er kann sich darauf stützen, wenn die Schafe fressen. Er hilft ihm,
zusätzlichen Halt beim Weitergehen zu finden. Und er kann damit die
Schafe lenken. Das äußere Erscheinungsbild ist also sehr einfach
gehalten.
Aber
gerade dieses einfache Erscheinungsbild bewirkt etwas in uns. An was
denken wir denn, wenn wir eine Schafherde sehen, die auf einer schönen
Wiese grast und von einem Hirten bewacht wird? Rührt dieses Bild
unsere Seele an? Das Bild strahlt idyllisch. Es strahlt Frieden und
Ruhe aus. Es lässt uns einen Moment unsere Hektik des Alltags vergessen
und uns innehalten. Für einen Moment werden wir herausgerissen aus
unserer Welt. Das Bild des Hirten, der seine Herde weidet, scheint aus
einer anderen Zeit zu stammen, steht im Kontrast zur Welt, wie wir sie
heute wahrnehmen. Bei vielen entsteht eine Sehnsucht nach Geborgenheit
oder nach sicherer Wegbegleitung.
Auch wenn dieses Bild idyllisch wirkt, ist die Aufgabe eines Hirten nicht unbedingt einfach. Was hat er zu tun:
* Er gibt den Weg vor und führt seine Schafe.
* Er hält sie zusammen.
* Er sucht diejenigen, die sich verlaufen haben.
* Er schützt sie vor Gefahr.
* Er verteidigt sie vor den Angriffen wilder Tiere.
* Er bringt sie zu guten Weideplätzen.
* Er macht ihnen Mut, wenn es durch finstere Schluchten und unwegsames Gelände geht.
* Er bleibt auch nachts bei den Schafen.
* Sein Leben lebt er für das Wohlergehen seiner Schafe.
Hirten
sehen ihren Beruf als Lebensaufgabe und nicht als reinen Broterwerb an.
Arbeite ich nur, um Geld zu verdienen, hängt mein Herz nicht an diesem
Beruf. Der Hirte hängt an seinen Schafen. Er hat eine Beziehung zu
ihnen. Er kennt jedes einzelne Schaf und weiß, wie es jedem geht. Er
weiß, welches Schaf besondere Fürsorge benötigt, weil es krank ist. Er
weiß, welches Schaf schwach auf den Beinen ist. Er sorgt sich um jedes
einzelne Schaf. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, für die Schafe zu
leben. Er ist bereit, sein Leben für sie zu geben (s. David).
Ist
das Hirtenleben ein einfacher Beruf? Ein Hirte hat Verantwortung für
seine Schafe. Das stelle ich mir nicht einfach vor. Schafe sind nämlich
ganz schön eigenwillige Tiere. Sie sehen nur ihre eigenen Bedürfnisse
und wollen diese befriedigt haben. Sie sind egozentrisch. Sie nehmen
keine Rücksicht auf ihren Hirten. Damit muss ein Hirte umgehen. Er muss
das einzelne Schaf, aber auch seine Herde im Blick haben. Da ist es
kein Wunder, dass man als Hirte den ganzen Tag arbeitet. Er ist „rund
um den Uhr“ für die Schafe da.
Um
die Arbeit als Hirte tun zu können, muss ein Hirte seine Schafe lieben
können. Ohne diese Grundhaltung stelle ich mir die Arbeit mit den
Schafen aufgrund ihrer Eigenheiten sehr schwierig vor. Nur aufgrund der
Liebe ist ein Hirte in der Lage, sein Leben für die Schafe zu geben.
Unterscheid zwischen guten und schlechten Hirten/ der Mietling
Ich
habe mich gefragt, warum Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Es heißt
nicht nur: Ich bin der Hirte. Betrachten wir die anderen
Ich-Botschaften, sehen wir, dass keine Adjektive gebraucht werden
Es
heißt:
und nicht:
-
Ich bin die Auferstehung und das
Leben.
- die einzige Auferstehung
-
Ich bin die
Tür.
- die offene Tür
- Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. - der besondere Weg..
-
Ich bin das
Licht..
- das helle Licht
-
Ich bin das Brot des
Lebens.
- das schmackhafte Brot
-
Ich bin der
Weinstock.
- der größte Weinstock.
Ich
denke, das war bei den anderen Botschaften einfach nicht erforderlich.
Sie waren eindeutig. Eine nähere Erklärung durch Adjektive war nicht
notwendig.
Bei
dem Bild des Hirten fehlt diese Eindeutigkeit. Es scheinen nicht alle
Hirten ihre Aufgabe ernst zu nehmen. Deshalb scheint es auch schlechte
Hirten zu geben. Schlechte Hirten kommen ihrer Verantwortung nicht
nach. Die Schafe werden nicht gesund gepflegt, wenn sie krank sind. Sie
sterben. Die Schafe, die sich verlaufen, werden nicht gesucht. Sie
gehen verloren. Diesen Hirten ist das Wohlergehen der Schafe
gleichgültig. Sie sorgen sich nicht um die Schafe. Sie bringen die
Schafe in Gefahr und überlassen sie ihrem Schicksal. Sie erwecken den
Anschein, Hirten zu sein, sie sind es aber nicht, da sie ihrer
Verantwortung nicht nachkommen. Die Priorität setzen sie nicht auf das
Wohlergehen der Schafe, sondern auf ihr eigenes Vorwärtskommen.
In Vers 12 werden diese Personen Mietlinge genannt. Sie arbeiten als Hirten nur wegen des Geldes.
„12
der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören,
sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf
stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sei -,
13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.“
Wenn
Jesus also von sich sagt, dass er der gute Hirte ist, hebt er sich ab
von den unguten Hirten, die ihren Beruf nicht als Lebensaufgabe,
sondern nur als Broterwerb verstehen. Er setzt sein Leben ein für die
Schafe. Ihm ist seine Herde sogar wichtiger als sein Leben. Er hat sein
Leben für seine Schafe gelassen.
Habt
ihr euch schon einmal überlegt, wo der Hirte seinen Platz hat, wenn er
seine Herde führt? Geht er den Schafen voran oder treibt er sie von
Hinten an? Er geht ihnen voran. Das können wir in Vers 4 nachlesen:
„4 Wenn seine Schafe den Stall verlassen haben, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.“
Hierzu eine kleine Geschichte:
Ein
Fremdenführer in Israel erklärte einmal einer Gruppe von Touristen: „In
Ihrem Land haben sie wahrscheinlich schon beobachtet, dass die Hirten
hinter den Schafen hergehen und sie über die Felder und Straßen
treiben. Bei uns ist das anders. Der Hirte geht vor der Herde her und
führt sie.“
Zur
großen Erheiterung der Touristen wurde die erste Schafherde, der sie
begegneten, getrieben und nicht geführt. Dem Fremdenführer war das
überaus peinlich. Er fragte den Mann hinter der Herde: „Wieso treiben
sie die Tiere? Ich dachte immer, dass die Hirten im Orient ihre Schafe
führen!“
„Das ist richtig“, antwortete der Mann. „Der Hirte führt seine Herde. Aber ich bin kein Hirte. Ich bin Metzger“.
Wenn
wir andere führen wollen, müssen wir ihnen vorangehen. Und genau das
tut Jesus. Er geht uns voran. Er zeigt uns den Weg. Auch wenn der Weg
unsicher scheint, können wir diesen Weg gehen, weil wir darauf
vertrauen dürfen, dass er uns sicher führen wird.
Satan, der Dieb
Im
Gegensatz dazu ist Satan ein Dieb, ein Metzger und ein Vernichter. Er
hat kein Interesse daran, dass es uns gut geht. Er hat nur eigene
Interessen. Diese verfolgt er zielstrebig. In Vers 10 steht:
„10 Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.“
Satan will uns also berauben, niedermetzeln und uns den Tod bringen.
Gegenüberstellung Hirte - Dieb
Jesus gab sein Leben, um uns dadurch ewiges Leben zu schenken. Satan will uns unser Leben nehmen. Jesus zeigt uns den Weg, er sagt die Wahrheit.
Satan führt uns in die
Irre und belügt uns.
Jesus schenkt uns Leben in Überfluss.
Satan
bringt uns den Tod.
Jesus hat durch seinen Tod die Verbindung zu Gott wiederhergestellt. Satan will uns von Gott trennen.
Durch Jesus haben wir die Vergebung unserer Sünden.
Satan führt uns in Versuchung.
Er will, dass wir sündigen.
Jesus liebt uns.
Satan benutzt uns.
Jesus ist um unser Wohl besorgt.
Satan
interessiert unser Wohl nicht.
Jesus bietet uns Schutz.
Satan führt uns ins Verderben.
Jesus lässt uns nicht allein.
Satan will, dass wir allein und
einsam sind.
Jesus tritt für uns ein.
Satan geht gegen uns vor.
Das Schaf
Jetzt
haben wir uns den Hirten betrachtet, den Unterschied zwischen einem
guten und einem schlechten Hirten herausgestellt, den Mietling und den
Dieb angeschaut. Jetzt wollen wir unser Augenmerk auf die Schafe lenken.
Wenn
ich zu meinem Mann sage: „Du Schaf“, könnte es passieren, dass er
gekränkt oder beleidigt ist. Schlimmer ist, wenn wir zueinander
sagen würden: „Du dummes oder du blödes Schaf“. Diese Aussagen sind
beleidigend und verletzend. Ich möchte weder als dumm, noch als blöd
betitelt werden. Und als Schaf bezeichnet zu werden ist auch nicht
besonders nett. Schafen werden negative Eigenschaften nachgesagt.
Einige habe ich bereits genannt. Schafe sind eigenwillig und haben
wenig Geduld. Sie wollen ihre Bedürfnisse nach Hunger und Durst sofort
befriedigt haben. Sie schauen nur auf sich selbst. Können wir uns in
manchen dieser Eigenschaften wiederfinden?
Aber
Schafe haben auch die Eigenschaft, die Stimme ihres Hirten zu erkennen.
Sie kennen ihren Hirten seit ihrer Geburt. Sie haben von klein an zu
ihm Vertrauen fassen können, weil sie seine Fürsorge erlebt haben. Sie
wissen, sie können sich auf ihn verlassen. Sie machen sich keine Sorgen
darüber, ob sie auch morgen, übermorgen und die nächsten Wochen über
versorgt werden. Sie haben keine Angst vor wilden Tieren, sie wissen,
der Hirte wird sie beschützen. Sie haben keine Angst, dass sie verloren
gehen. Sie wissen, der Hirte schaut nach ihnen. Sie machen sich um
nichts Sorgen, weil sie wissen, der Hirte ist da und kümmert sich um
alles.
Mischt
man für die Nacht verschiedene Herden in einen Stall, werden sie ganz
leicht voneinander getrennt, indem die Hirten die Schafe rufen. Joh. 10.
4
Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen
her, und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme.
5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen seine Stimme der Fremden nicht.
Jetzt
stellt sich uns die Frage: Kennen wir die Stimme Jesu? Lassen wir uns
von ihm führen? Folgen wir ihm nach? Haben wir zu ihm, unserem Hirten,
das Vertrauen eines Schafes? Jesus treibt uns nicht an, sondern er geht
uns voraus und ruft und bei unserem Namen. Wir entscheiden selbst, ob
wir ihm folgen wollen. Es ist unser freier Wille. Jesus sagt uns in
Joh. 10 Folgendes zu:
27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;
28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.
30 Ich und der Vater sind eins.
Dennoch wird Gott in Psalm 23 mit einem Hirten verglichen. Auch Jesus sagt von sich, er ist der gute Hirte.
Sind
das nicht wunderbare Zusagen? Gehören wir zu Jesus, werden wir seine
Stimme hören und ihm folgen. Wir werden nicht umkommen. Niemand wird
uns aus Jesu Hand reißen. Diese Zusagen vermitteln Geborgenheit und
Sicherheit. Dann sagt Jesus noch etwas über die Größe Gottes: Gott ist
größer als alles. Niemand kann uns aus seiner Hand reißen. Ich frage
euch: Wo kann man sicherer sein als in der Hand unseres allmächtigen
himmlischen Vaters.
Gottes Segen
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
|
|