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Thema vor einer Woche: der verlorene Sohn – Schwerpunkt geistlicher Tod
Zwei Fragen sind mir noch wichtig:
1. Kannte der jüngere Sohn seinen Vater?
Was
soll diese Frage? Eigentlich müsste man doch davon ausgehen können,
dass der Sohn seinen Vater kennt. Er ist bei ihm groß geworden und
wurde von ihm erzogen. Warum der Sohn seinen Vater verlassen hat, sind
Spekulationen. Wir wissen nicht, ob sie Streit hatten. Das Leben
scheint dem Sohn beim Vater auf jeden Fall nicht mehr gefallen zu
haben. Der Alltag, die Arbeit beim Vater war vielleicht nicht das, was
er sich erhofft oder gewünscht hat. Er hatte Sehnsucht nach einem
anderen Leben. Er verließ deshalb seinen Vater.
Als
sich der jüngere Sohn entschloss, zurückzukehren, hatte er nicht damit
gerechnet, als Sohn wieder angenommen zu werden. Er war davon
überzeugt, dass das nicht in Frage kommt. Deshalb hat er bei seinem
Entschluss, nach Hause zu gehen, die Bitte eingeplant, Knecht seines
Vaters sein zu dürfen. Er wusste, aufgrund der Tradition ist es nicht
möglich, zu seinem Vater zurück zu kehren, hat man das Erbe
eingefordert. Durch die vorzeitige Auszahlung des Erbes war die
Beziehung der beiden tot. Er hatte die Hoffnung, als Knecht bei seinem
Vater arbeiten zu dürfen, sonst hätte er sich nicht auf den Weg
gemacht. Aber er hat nie und nimmer damit gerechnet, dass er als Sohn
wieder auf- und angenommen wird. Deshalb ist meine Frage
gerechtfertigt. Ich behaupte, der Sohn kannte seinen Vater nicht. Der
Sohn kannte nicht das Wesen seines Vaters. Der Sohn wusste nichts von
der Liebe, die der Vater für ihn hatte. Der Sohn wusste nichts um die
Trauer des Vaters aufgrund seines Fortgehens. Der Sohn wusste nichts
von der Gnade und Barmherzigkeit seines Vaters.
Vielleicht
mag der Sohn diese Dinge mit dem Verstand gewusst haben, aber er hat
sie nicht in seinem Herzen erfasst. Hätte der Sohn den Vater verlassen
können, wenn es ihm in seinem Inneren bewusst gewesen wäre? Ich kann es
mir nicht vorstellen. Liebe, die wahrgenommen wird, verbindet einander.
Sie trennt nicht. Liebe, die wahrgenommen wird, lässt Menschen
aufeinander zugehen. Sie gehen nicht auseinander. Liebe, die
wahrgenommen wird, erklärt den, der Liebe schenkt, nicht für tot. Er
ist froh, dass dieser lebt.
Deshalb schließe ich daraus, dass der Sohn seinen Vater nicht gekannt hat!
Kannte der ältere Sohn seinen Vater?
Der
ältere Sohn blieb bei seinem Vater. Er hat nicht die Auszahlung seines
Erbes gefordert. Er hat seinen Vater nicht für tot erklärt. Er hat
weiterhin mit seinem Vater zusammengelebt und nach den Traditionen
gelebt. Er hat sich im Gegensatz zu seinem Bruder in das System
eingefügt und ist nicht aus diesem System ausgebrochen. Er hat für
seinen Vater gearbeitet. Eigentlich müsste man doch meinen, der ältere
Sohn kannte den Vater! Kannte er ihn wirklich?
Es gibt zwei Aspekte, die mich daran zweifeln lassen:
*
Der ältere Sohn hat die Reaktion seines Vaters bei der Rückkehr seines
Bruders nicht verstanden. Entsprechend der damaligen Tradition war die
Rückkehr des Bruders nach der Auszahlung des Erbes auch nicht mehr
möglich. Gemäß dieser Tradition hatte der ältere Bruder eine klare
Erwartungshaltung an seinen Vater: Sein Vater hat nur noch einen Sohn:
Das war der ältere Sohn.
Aber
was macht der Vater? Er nimmt den Bruder wieder auf als seinen Sohn. Er
kann das nicht verstehen. Der Vater macht deutlich, dass dies für ihn
eine Selbstverständlichkeit war. Hätte der ältere Sohn seinen Vater
gekannt, hätte er um dessen Herzenshaltung gewusst. Er hätte gewusst,
dass die Liebe des Vaters größer ist als jede Tradition.
*
Der ältere Sohn wirft dem Vater vor, dass dieser nie für ihn ein Lamm?
geschlachtet hat. Auch über diese Haltung ist der Vater erstaunt. Für
den Vater ist klar: Was mir gehört, gehört meinem Sohn, der bei mir
ist. Warum wusste der ältere Sohn nichts davon? Ich behaupte: er kannte
auch in dieser Sache die Herzenshaltung seines Vaters nicht. Er hätte
jeder Zeit mit seinen Freunden ein Feste feiern dürfen und dazu ein
Tier schlachten dürfen.
Der
ältere Sohn kannte somit auch nicht das Herz seines Vaters. Er wusste
um Werte, um Erwartungen und um Traditionen, aber das Wichtigste, das
Herz seines Vaters, hat er nicht ergriffen.
Was
sagt uns das? Kennen wir Gott? Wisst ihr, wir werden nur Bruchstücke
des Wesens Gottes erfassen. Aber das Wichtigste ist nicht das, was wir
mit dem Verstand wahrnehmen, sondern das, was wir mit unserem Herzen
erfassen. Bleibt unser Glaube nur auf der Verstandesebene, besteht die
Gefahr, in eine Gesetzlichkeit zu verfallen. Eine andere Gefahr ist,
dass wir die Ehrfurcht vor der Größe Gottes verlieren können, denken
wir, Gott nur auf der Gefühlsebene verstehen zu brauchen. Gott hat uns
als Personen mit Gefühl und Verstand erschaffen. Beides gehört zu
unserer Persönlichkeit, deshalb sind beide Bereiche wichtig.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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