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Die Goldene Regel
In unserem Leben begegnen wir vielen Regeln. Welche fallen euch denn dazu ein?
-Straßenordnung
-Hausordnung
-Familienregeln
-Gesetze
-Spielregeln
-Benimmregeln
-Gottes Gebote
Warum benötigen wir Regeln?
Regeln können:
- uns Orientierung und ein Gefühl von Sicherheit in unserem Handeln
vermitteln. Beispiel: Ohne Regeln im Straßenverkehr wäre der Verkehr
auf der Straße chaotisch.
- uns aufzeigen, was wir von anderen erwarten können und was von uns
erwartet wird. Beispiel: Damit das Zusammenleben in einem
Mehrfamilienhaus oder in Einrichtungen gelingt, sind Hausordnungen
sinnvoll. Durch Regeln wird also deutlich, dass jeder Bedürfnisse hat,
auf die Rücksicht genommen werden sollen.
- uns Struktur in unserem Alltag geben. Beispiel: Regeln geben vor,
wann wir was wie zu tun haben. Sie können unser Leben dadurch
vereinfachen.
- fördern das Zusammenleben. Beispiel: Familien- und Benimmregeln sind
wichtig, um als Familie und in der Gemeinschaft mit anderen in Harmonie
und Ausgewogenheit zusammen zu leben.
- uns und andere vor Gefahren schützen, wenn wir uns daran halten.
Berauben wir uns durch Regeln unserer Freiheit?
Besonders Teenager stellen Regeln und Grenzen oft sehr in Frage.
Vielleicht geht es uns manchmal genauso. Wir begegnen Regeln, die wir
für unsinnig halten und bei denen wir uns letztlich nur gegängelt
fühlen. Der Punkt ist: Einerseits brauchen wir Freiheiten, um uns
entwickeln zu können, andererseits aber auch Grenzen, um uns und andere
nicht zu gefährden. Freiheit bedeutet nicht Grenzenlosigkeit.
Ein Beispiel aus der Kindererziehung, das für mich während meines
Studiums so beeindruckend war, dass ich es nicht vergessen habe. Stell
dir vor: Du bist mit deinem Kind auf einem Schiff und es steigt auf die
Reling. Du weißt, das ist lebensgefährlich, weil dein Kind jeden Moment
abstürzen könnte. Was tust du? Gehst du hin und klärst dein Kind über
die Gefahr, in der es sich befindet auf in der Erwartung, dass dein
Kind vernünftig genug ist, um alleine von der Reling zu steigen? Sicher
nicht! Bis du mit deiner Erklärung fertig wärst, wäre dein Kind schon
lange ertrunken. Was tust du also? Du rennst hin, nimmst dein Kind von
der Reling herunter und setzt dadurch eine deutliche Grenze. Regeln und
Grenzen schützen unsere Kinder und uns vor Gefahren.
Was passiert bei einer Nichteinhaltung von Regeln?
Es folgen Konsequenzen. Diese sind uns im Normalfall bekannt. Halten
wir uns nicht an die vorgegebene Hausordnung, kann nach einigen
Abmahnungen die Kündigung folgen.
Halten wir uns nicht an staatliche Gesetze, kommt es zur Strafverfolgung.
Im familiären und zwischenmenschlichen Bereich sind Konsequenzen
individuell. Gerade in diesem Bereich sollten Regeln und Grenzen
allerdings Spielraum lassen für unvorhersehbare Geschehnisse und
Befindlichkeiten.
Allerdings geht es mir heute nicht um die Straßenverkehrsordnung,
Familienregeln oder Gesetze, sondern um eine ganz besondere Regel. Sie
wird Goldene Regel genannt: Wer von euch kennt die Goldene Regel?
"Was du nicht willst, dass man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu."
Interessant ist, dass dieser Grundsatz in den verschiedensten Religionen auf ähnliche Arten wiedergegeben ist.
- Konfuzius soll gesagt haben: Das ist‚ gegenseitige Rücksichtnahme'
(shu). Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen
Menschen zufügen."
- Der Hinduismus lehrt: Man soll niemals einem Anderen antun, was man
für das eigene Selbst als verletzend betrachtet. Dies, im Kern, ist die
Regel aller Rechtschaffenheit
- Der Buddhismus sagt: "Was für mich eine unliebe und unangenehme Sache
ist, das ist auch für den anderen eine unliebe und unangenehme Sache.
Was da für mich eine unliebe und unangenehme Sache ist, wie könnte ich
das einem anderen aufladen?"
Diese Regel scheint also eine sehr wichtige zu sein. Sie wird zwar
immer wieder anders formuliert, aber der Sinn bleibt derselbe. Dass
diese Regel wichtig ist, ist nachvollziehbar. Keiner von uns will
anderen einen Schaden zufügen - weder bewusst noch unbewusst. Dennoch,
und das ist mir vor kurzem so richtig bewusst geworden, werden wir es
nie ganz vermeiden können, andere zu verletzen. Bspw. lassen wir in
einem Moment der Unachtsamkeit die Lieblungstasse unseres Gastgebers
fallen. Sie zerbricht. Wenn wir Glück haben, können wir sie ersetzen.
Oder wir schieben unseren Einkaufswagen zu unserem Auto und beschädigen
dabei ein Auto, als wir unerwartet zu stolpern beginnen. Der Schaden
des Autos lässt sich beheben. Der Ärger - manchmal vor allem über
uns - mag etwas länger anhalten. Dann kann es zu Unfällen kommen, bei
denen wir andere verletzen. Manchmal sagen wir vielleicht auch etwas,
wodurch der andere gekränkt ist, ohne dass uns das vielleicht bewusst
ist. Bedeutet das nun, dass es egal ist, wie wir leben, da wir andere
irgendwann sowieso auf die eine oder andere Art verletzen? Keinesfalls.
Es geht darum, dass wir uns zwar bewusst sind, dass Verletzungen
passieren können, wir uns aber bemühen, so zu leben, dass wir andere
nicht verletzen. Wenn wir also nach dieser Goldenen Regel handeln, dann
sind wir bemüht, anderen Menschen durch das, was wir nicht tun, nicht
schaden zu wollen. Es geht darum, dass wir also negatives bzw.
schädliches Verhalten unterlassen.
Mir ist allerdings aufgefallen, dass dieser Grundsatz so nicht im Wort Gottes steht.
Wer weiß denn,
- wie die Worte im Wort Gottes stehen?
"Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!"
- wer sie formuliert hat
Jesus
- wo sie im Wort Gottes zu finden sie in:
Mt. 7,12
Jesus hat diese Worte am Ende seiner Bergpredigt gesagt. Wir können in
den Evangelien oft lesen, dass Jesus predigte. Dann kommt meist in
einem Schlagwort, woüber er gepredigt hat, ohne dass darauf vertieft
eingegangen wird. Manchmal folgt ein Gleichnis. Aber die Bergpredigt
ist die einzige Predigt Jesu, in der über mehrere Kapitel Jesu Worte
niedergeschrieben wurden. In der Bergpredigt geht es Jesus vor allem um
unseren Lebensstil, unsere Beziehung zu den Menschen und unsere
Beziehung zu Gott. Ich möchte euch an dieser Stelle einfach bitten,
euch die Bergpredigt durchzulesen. Ich bin immer wieder über die
Klarheit der Worte Jesu erstaunt.
Jesus sagt: "Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen."
Wir können also sehen, dass im Neuen Testament diese Regel positiv
formuliert wird. Wir werden nicht dazu aufgefordert, negatives
Verhalten zu unterlassen, sondern zum Tun angehalten. Dabei soll unser
Tun positiv sein. Wie komme ich darauf? Wir sollen das tun, was wir von
anderen erwarten. In der Regel erwarten wir doch von unseren
Mitmenschen positives Verhalten uns gegenüber. Wenn wir tun, was wir
von anderen erwarten, werden wir sie positiv behandeln.
Es geht also nicht darum, dass wir tun, was andere von uns erwarten. Es
geht nicht um ein Reagieren auf das, was andere wollen, sondern um ein
bewusstes Agieren. Ich gehe sogar noch weiter. Ich behaupte: Wir geben
dabei den Maßstab vor. Wir entscheiden selbst, was wir tun.
Das Anlegen des Maßstabs ist ebenso klar: Wir tun, was wir von anderen
erwarten. Das kann bei jedem von uns etwas anderes sein? Die Frage ist:
Was erwartet jeder einzelne von uns von anderen? Wer hat eine Idee?
Wir erwarten doch, dass
" andere respektvoll mit uns umgehen.
" sie uns Gutes tun.
" sie uns wohl gesonnen sind.
" sie gut über uns denken.
" sie tolerant gegenüber unseren Schwächen sind.
" sie liebevoll mit uns umgehen.
" sie uns vergeben, wenn wir ihnen etwas angetan haben.
" sie in Frieden mit uns leben wollen und ihren Anteil dazu tun.
Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass unser Handeln gleichzeitig
unabhängig davon ist, wie uns andere behandeln. Ich kann nicht lesen:
Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen, aber nur, wenn
sie euch ebenso behandeln. Es gibt keine Wenn-dann-Bedingung. Es geht
nicht darum, dass der andere zuerst lieb zu uns sein muss, damit wir
auch lieb zu ihm sein können. Wir sind aufgefordert, anderen so zu
begegnen, wie wir es uns selbst von ihnen wünschen.
Heißt das nun, dass wir alles ertragen müssen? Ich frage euch, hat
Jesus alles ertragen? Er hat den Leidensweg ertragen - ja. Das war sein
Auftrag, den er aus Liebe zu seinem Vater und aus Liebe zu uns auf sich
genommen hat. Aber er hat nicht alles kritiklos ertragen, was ihm an
negativen Dingen begegnet ist. Er hat nicht ertragen, dass im Haus
seines Vaters Handel betrieben und Geld gewechselt wurde. Er hat den
Pharisäern immer wieder sehr kritisch seine Meinung über ihr
heuchlerisches Verhalten gesagt. Es gibt manche Beispiele, in denen
Jesus den Menschen in aller Deutlichkeit ihr Fehlverhalten, ihre Sünde
oder den Weg Gottes aufgezeigt hat. Kritik zu üben, kritisch zu sein
und bei sündhaftem Verhalten in aller Deutlichkeit die Haltung Gottes
zu vertreten in der Gefahr, dass der andere dann nicht mehr mit einem
redet, weil er verärgert ist, ist biblisch. Jesus war nicht abhängig
von dem, was die Menschen über ihn dachten. Er war nur von einem
abhängig: seinem Vater.
Die Kritik, die Jesus geübt hat, war von verschiedenen Aspekten geprägt:
- Jesus war aufrichtig im Reden und im Handeln. Sein Reden und sein
Handeln waren immer in Übereinstimmung miteinander. Er hat den Menschen
aufgezeigt, wo sie in ihrem Glaubensleben stehen. Er hat ihnen die
Wahrheit über sie gesagt. Entsprechend ihres Glaubens hat er an ihnen
gehandelt.
- Der Ursprung seiner Kritik war Liebe. Jetzt könnt ihr fragen, wo war
die Liebe, als er die Händler und Geldwechsler vertrieben hat. Er war
ihnen gegenüber nicht verständnis- und rücksichtsvoll. Er ging nicht in
aller Ruhe zu ihnen hin und hat vorsichtig darum gebeten, dass sie doch
den Vorraum des Tempels verlassen sollten. Er hat getobt. Wo ist darin
also eine liebevolle Handlung zu sehen? Wisst ihr, seine erste Liebe
galt seinem Vater. Er wusste, was richtig war in den Augen seines
Vaters, und er handelte danach. Er sorgte dafür, dass diese Menschen
verschwunden sind. Jesus liebte auch die Menschen. Menschen die
Wahrheit zu sagen, ist bei Jesus Ausdruck seiner Liebe zu ihnen. Er hat
sie nicht in Unwissenheit über ihren geistlichen Zustand gelassen.
Dadurch hatten sie die Chance, über sich nachzudenken und ihr Verhalten
auch zu ändern. Sie hatten die Chance, Buße zu tun. Zudem kannte er die
Menschen, mit denen er es zu tun hatte. Er konnte in ihr Herz blicken.
Er wusste, was er ihnen sagen musste.
Ein paar Denkanstöße:
Wie geht es uns damit? Sagen wir anderen immer die Wahrheit darüber,
was wir bspw. über ihre Einstellungen in Glaubensfragen denken oder
wollen wir keinen Anstoß erregen. Üben wir Kritik? Trauen wir uns,
unsere Meinung zu sagen? Wisst ihr, Jesus war ein Stein des Anstoßes.
Ihm war an erster Stelle wichtig, was sein Vater über ihn dachte.
Will ich überhaupt kritisiert werden? Ja, wenn sie positiv ist :-).
Spaß beiseite. Kritik ist wichtig, sie sollte aber konstruktiv sein.
Ihr kennt sicher auch Menschen, die den ganzen lieben langen Tag nur am
Nörgeln sind und an allem etwas Negatives auszusetzen haben. Nörgelei
meine ich nicht. Ich meine Kritik, die mir zeigt, wo ich stehe - mit
meinen Schwächen, aber auch mit meinen Stärken, und die mir die Chance
zur Veränderung gibt, wo ich falsch liege. Nur das Negative zu
kritisieren, ohne das Positive zu erwähnen, ist destruktiv und wird
mich nicht aufbauen. Wird nur das Positive genannt und das Negative
verschwiegen, bekomme ich ein falsches Bild von mir. Die Ausgewogenheit
ist wichtig. Ist unsere Kritik ausgewogen?
Was ist unser Maßstab im Umgang mit anderen? Wir haben immer die
Möglichkeit, uns an Gottes Wort zu orientieren. Wir sollten danach
streben, dass sein Wort unser Denken und Handeln bestimmt. In Bezug auf
den Bibelvers haben wir immer die Möglichkeit, zuerst zu überlegen, wie
wir behandelt werden wollten. Mir ist bewusst geworden bei der
Vorbereitung, dass das einen barmherziger werden lässt.
Von was sind wir abhängig? Sind wir abhängig von dem, was Menschen über
uns sagen oder von dem, was Gott über uns denkt? Diese Frage muss jeder
für sich selber beantworten.
Wie schaffen wir es, andere so zu behandeln, wie wir behandelt werden
woEs kommt immer wieder vor, dass Menschen in eine Doppelrolle geraten.
Ein Vater vergibt seinem Kind im familiären Rahmen bedingungslos, wenn
es Reue zeigt. Ist dieser Vater allerdings Rektor an einer Schule und
sein Sohn ein Schüler an genau derselben Schule, kann er den Sohn als
Schüler nicht so behandeln, wie er ihn als Sohn behandeln würde. Als
Rektor muss der Vater Fehlverhalten seines Sohnes ahnden, damit die
Disziplin an der Schule aufrechterhalten bleiben kann. Die anderen
Schüler würden die ungleiche Behandlung mitbekommen, sie als ungerecht
empfinden und den Rektor in seiner Funktion nicht mehr respektieren
Auch wenn diese Beispiele hinken, so machen sie doch das Dilemma Gottes
deutlich: Wie kann Gott vergeben – wonach sich sein Herz sehnt – und
gleichzeitig „Richter der ganzen Erde“ sein? Vergebung und Gericht –
das passt nach unserem menschlichen Verständnis nicht zusammen. Wir
können nicht gleichzeitig gerecht handeln und gnädig sein. Wir üben
entweder Gerechtigkeit oder Gnade aus.
Wie ist das bei Gott?
Ps. 89, 15: Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir ein
Jetzt stellt sich die Frage: Wie kann Gott gleichzeitig gerecht und gnädig sein?
Wir wissen, unser Gott ist ein gerechter und heiliger Gott und auch ein
Gott der Barmherzigkeit und Nachsicht. Gott handelt aber nie im
Widerspruch zu seiner eigenen Gerechtigkeit. Die göttliche Vergebung
darf sein Gesetz nicht beugen. Es gäbe sonst keine Gerechtigkeit mehr.
Als gerechter Gott hat er gerechte Gesetze festgelegt. Die ersten vier
Gebote betreffen den Dienst an Gott und seine Verehrung. Durch diese
Gebote wird deutlich: Gott ist an uns interessiert. Er liebt uns. Er
möchte Gemeinschaft mit uns. Die weiteren sechs Gebote regeln den
gesellschaftlichen Umgang der Menschen miteinander. Gott hat eine klare
Vorstellung darüber, wie wir ihm begegnen und wie wir andere Menschen
behandeln sollen.
Warum wurden die Gebote notwendig? Sie wurden notwendig, weil durch den
Sündenfall eine ungetrübte, natürliche Beziehung zu Gott nicht mehr
möglich war. Mit der eigenwilligen Entscheidung der ersten Menschen,
gegen Gottes Anordnung zu handeln, verloren sie und auch wir das
Vorrecht, Gott zu begegnen und mit ihm von Angesicht zu Angesicht zu
sprechen (1. Mos. 2-3). Durch ihren Ungehorsam sündigten sie. Gott
hatte sie zuvor nicht in Ungewissheit gelassen. Er hatte ihnen eine
klare Anweisung gegeben. Interessant ist dabei, dass es nur eine
einzige Anweisung war. Sie sollten nicht vom Baum der Erkenntnis von
Gut und Böse essen. Adam und Eva gelang es nicht, diese einzige Regel
einzuhalten. Sie ließen sich verunsichern. Dies führte dazu, dass sie
an Gott zweifelten. Sie waren sich nicht mehr sicher, ob Gott ehrlich
ihnen gegenüber war. Sie stellten somit Gottes Glaubwürdigkeit und
seine Wahrhaftigkeit in Frage.
Die Konsequenz ihrer Sünde war, dass es eine unverhüllte und offene
Begegnung mit Gott nicht mehr geben konnte, denn dies hätte den Tod zur
Folge gehabt (2. Mos. 33,20). Wenn der Mensch sich ab diesem Zeitpunkt
Gott nahen wollte, war ein Tieropfer nötig. Das Opfer starb
stellvertretend für die Sünden desjenigen, der das Opfer dargebracht
hat. Das Blut des Opfers bewirkte eine Entsühnung (3. Mos. 17,11), so
dass der Sünder dadurch rein und heilig vor Gott stehen konnte. Gott
ist gerecht und heilig. Nur wer gerecht und heilig ist, kann sich Gott
nahen. Gott forderte sein Volk immer wieder auf:
„Darum heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott. (3. Mos. 20,7).“
Das Volk Gottes hatte im Alten Testament durch die Tieropfer zwar die
Möglichkeit, immer wieder rein vor Gott stehen zu können, aber das Volk
wartete dennoch auf den Messias, der ihnen von Gott verheißen worden
war. Gott versprach ihnen, einen Retter, einen Erlöser zu schicken.
Dieser Retter sollte die Kluft zwischen Gott und den Menschen
überbrücken und die Menschheit von ihren Sünden erlösen. Diese Kluft
ist da, weil die Sünde der Menschen so groß und die Heiligkeit Gottes
so rein ist. Diese Kluft vermag der Mensch von sich aus nicht zu
überbrücken. Gott hat diese Kluft überbrückt – durch den Kreuzestod
seines Sohnes.
Durch seinen Tod stellte Jesus alles zur Verfügung, was der Sünder in
Bezug auf die Sünde benötigt hat. Somit wurde der Sünder in die Lage
versetzt, ewige Gemeinschaft mit Gott zu haben. Gleichzeitig hat Jesus
damit alle Anforderungen erfüllt, die für einen rechtschaffenen und
gerechten Gott Voraussetzung dafür waren, dass er Sünde vergeben und
wieder Gemeinschaft mit dem Menschen haben kann.
Die Botschaft vom Kreuz ist die Antwort Gottes, um gleichzeitig gerecht und gnädig sein zu können.
Sünde hat Konsequenzen. Sie trennt uns von Gott und hat den Tod zur
Folge. Das ist Gottes gerechte Strafe für die Sünde. Gott kann aufgrund
seiner Gerechtigkeit nicht anders als den Sünder für seine Schuld zu
bestrafen.
Er hat als Richter den Entschluss gefasst, die Strafe selbst zu
bezahlen. Jesus und somit Gott selbst hat stellvertretend für uns die
Strafe auf sich genommen. Jesus war selbst ohne Sünde und nahm dennoch
unsere Schuld auf sich. Er hat mit seinem Blut für unsere Schuld
bezahlt. Somit kann Gott dem Sünder gnädig sein, wenn dieser an ihn
glaubt, da Jesus bereits für die gerechte Strafe mit seinem Blut
bezahlt hat.
Joh. 3,16: Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen
eigenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.
Die Botschaft vom Kreuz ist somit eine Botschaft mit Ewigkeitsgarantie.
Sie verheißt uns ewiges Leben. Wir wären ganz schön überheblich, wenn
wir denken würden, wir hätten die Vergebung Gottes nicht nötig. Adam
und Eva hatten nur ein Gebot – und scheiterten. Sie konnten einerseits
der Versuchung nicht widerstehen, andererseits hatten sie Zweifel an
Gott. Es wäre naiv zu denken, dass es uns gelingen könnte, ein Leben
ohne Sünde zu führen, wenn es nicht einmal diesen beiden Menschen
möglich war, ein Gebot einzuhalten.
Die Botschaft vom Kreuz ist eine Botschaft der Liebe Gottes. Gott war
bereit, unsere Strafe auf sich zu nehmen – das tut nur derjenige, der
den anderen liebt. Unser Schicksal ist Gott nicht gleichgültig. Er
empfindet auch keine Schadenfreude, wenn wir den Weg der Verdammnis
wählen. Gott hat uns erschaffen – aus Liebe. Er will Gemeinschaft in
Ewigkeit mit uns haben – aus Liebe. Er hat die Strafe auf sich genommen
– ebenfalls aus Liebe. Gott verliert seinen Plan mit der Menschheit
nicht aus dem Blickfeld. Er könnte sich von uns wegen unserer Sünden
enttäuscht abwenden. Er tut es nicht – aus Liebe. Er wendet sich uns zu
– aus Liebe. Er wartet auf uns – aus Liebe. Er wartet darauf, dass wir
uns ihm wieder zuwenden – aus Liebe. Seine Geduld ist grenzenlos – aus
Liebe.
Die Botschaft vom Kreuz ist eine Botschaft der persönlichen
Entscheidung. Diese Botschaft betrifft jeden Menschen. Wenn ein Mensch
denkt, diese Botschaft hat nichts mit ihm zu tun, hat er bereits eine
Entscheidung getroffen. Er hat sich entschieden, nicht an Gott zu
glauben. Es kann sein, dass diese Entscheidung mit einer „falschen“
Vorstellung über den Glauben zustande gekommen ist. Der Glaube hat aber
nichts mit Ritualen, nichts mit Gesetzlichkeit, nichts mit
Freudlosigkeit usw. zu tun. Es geht um meine, deine, unsere persönliche
Entscheidung und um meine, deine, unsere persönliche Beziehung zu Gott.
Der Kreuzestod geschah nicht in der Anonymität der jüdischen Kultur und
der damaligen Welt. Die Menschen wussten davon. Die Aufschrift des
Kreuzes Jesus wurde in drei Sprachen verfasst. Gott bleibt auch heute
nicht anonym. Er macht sich auch heute noch präsent durch seine
Nachfolger und den Heiligen Geist. Er möchte auch heute noch,
dass wir Menschen an ihn glauben.
Die Botschaft vom Kreuz ist eine Botschaft, die uns Hoffnung gibt.
Betrachten wir Hiob, er hat alles verloren. Sein Leben war scheinbar
verloren, sinnlos, hoffnungslos. Sein Leid ließ ihn jammern, klagen und
hadern. In der Begegnung mit Gott hat er Hoffnung erfahren. Er hat
erkannt, mein Leben dreht sich nicht nur um mich, mein Leben dreht sich
um Gott. Er hat erkannt, dass das Leben mehr ist als Reichtum,
Ansehen, Gesundheit und Familie. Er hat erkannt, mein Leben kommt von
Gott.
Die Botschaft vom Kreuz ist eine Botschaft der Freude. Sie ist eine Freude in vielerlei Hinsicht.
Durch die Botschaft vom Kreuz haben wir Frieden mit Gott und wir finden Frieden mit uns selbst durch die Vergebung Jesu.
Durch die Botschaft vom Kreuz erfahren wir die Liebe Gottes, die er zu uns hat
Durch die Botschaft vom Kreuz erleben wir die Gnade Gottes, weil er die
gerechte Strafe, die uns gegolten hätte auf sich genommen hat.
Durch die Botschaft vom Kreuz haben wir Hoffnung auf ein Leben in Ewigkeit mit Gott.
Die Botschaft vom Kreuz endet nicht mit dem Kreuz. Jesus ist am dritten Tag nach seinem Tod am Kreuz auferstanden.
Ohne die Auferstehung wäre unsere Predigt, unser Glaube inhaltslos. Wir
hätten nur die Botschaft des Todes und der Trauer um einen besonderen
Mann. Das Evangelium wäre ohne Auferstehung kraftlos. Erst durch die
Auferstehung und den Sieg Jesu über Tod, Hölle und Grab hat das
Evangelium seine Kraft erhalten, die sie heute noch hat.
Ohne die Auferstehung wäre der Tod Jesu nur dem Tod eines Märtyrers
gleichgekommen, der für seinen Glauben starb. Die Auferstehung
demonstriert, Jesus ist der Sohn Gottes
Ohne die Botschaft vom Kreuz gäbe es keine Vergebung der Sünden. Durch
Jesus haben wir die Vergebung. Er wurde uns zur Gerechtigkeit vor Gott.
Wäre Jesus tot, wie könnten wir durch ihn Vergebung haben? Ein toter
Mensch hat keine Kraft. Durch seine Auferstehung verleiht er uns die
Kraft, die uns die Vergebung bringt
Jesus ist der Erstling der Entschlafenen (1. Kor. 15,20). Wir
hätten keine Hoffnung auf ein ewiges Leben, wäre Jesus nicht
auferstanden.
Mit der Auferstehung Jesu und der Ausgießung des Heiligen Geistes an
Pfingsten erleben die Menschen plötzlich die lang verheißene
Herzensveränderung aus Hesekiel 11,19 (Gott gibt uns ein neues Herz und
einen neuen Geist). Wer immer den stellvertretenden Tod Jesu für sich
persönlich in Anspruch nimmt, erfährt eine neue Realität Gottes. Jesus
verändert Menschen und schenkt ihnen eine neue Beziehung zum
himmlischen Vater. Die Kraft Gottes wird im Leben real erfahrbar.
Welche Rolle spielt Jesus in deinem Leben? Spürst du die Kraft Gottes
in deinem Leben? Von mir kann ich sagen, dass mein Leben aus Höhen und
Tiefen besteht. Mein Tief im letzten Jahr habe ich als besonders tief
erlebt. Allein die Tatsache, als Christ an einer Depression erkrankt zu
sein, war schwer für mich zu akzeptieren. Ich – krank – und dann noch
depressiv – das geht von Haus aus nicht. Das passt nicht in mein
Lebensschema. Das passt nicht in mein Bild, das ich von mir haben will.
Ich wusste sehr schnell, dass ich offen damit umgehen musste. Das war
schwer. Das Positive war, dass ich wusste, Gott ist da. Auch wenn
es mir nicht gut ging, war er da. Ich erlebte Gottes Nähe immer wieder.
Bin ich gesund? Ich würde sagen, ich bin auf dem Weg dahin. Gott ist
nach wie vor dabei, mein Bild von ihm und mein Bild von mir und mein
Bild von anderen gerade zu rücken, da wo es krankt. Warum erzähle ich
das?
Wenn Gott die Kraft hat, mein Leben zu verändern, kann er es auch mit
jedem anderen. Ich wünsche jedem von euch Gottes Kraft und Segen. Amen!
Das gelingt uns nur mit Gottes Hilfe und nur, wenn wir eng mit ihm
verbunden sind. Jesus hat täglich bereits in den Morgenstunden Gottes
Gegenwart gesucht. Ich möchte das Bild der Tankstelle benützen: Jesus
hat sich bereits am frühen Morgen mit der Kraft und der Liebe und der
Freude und der Langmut und dem Frieden usw. bei Gott aufgetankt, um den
Tag bestreiten zu können und um seinen Auftrag nicht aus den Augen zu
verlieren. Jesus wusste: Gott ist da - bei allem was ich tu. Er wusste,
was er wann, wo, wie, mit wem oder für wen, warum zu tun hatte, weil er
in Beziehung mit seinem Vater gelebt hat. Er hatte Autorität und
Sicherheit in dem, was er tat.
Ich kann von mir nur sagen, ich bin noch weit davon entfernt. Ich trete
immer noch immer wieder in die Falle, mich abhängig von Menschen zu
machen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich lerne es nie. In der Theorie
weiß ich das. Die Praxis ist´s, die mich scheitern lässt. Der Geist ist
willig, das Fleisch ist schwach. Aber dennoch merke ich, Gott hat mich
fest in seiner Hand, auch wenn ich immer wieder Tiefschläge erlebe,
weil ich immer wieder - manchmal sogar immer dieselben - Fehler mache.
Er lässt diese Tiefen zu, damit ich mich wieder besinne: Gott soll die
Priorität in meinem Leben gehören.
Zum Abschluss möchte ich uns zusprechen: Gott liebt uns so sehr, dass
er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der ihn annimmt, ewiges
Leben hat. Wir sind schuldig vor Gott, er liebt und vergibt uns
trotzdem, darum lasst uns andere mit der Liebe Gottes begegnen, die er
uns schenkt.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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