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Die Notwendigkeit der Erschütterungen in unserem Leben
Es gibt verschiedene Phasen im Leben. Es gibt Höhen und Tiefen. Es gibt
Wüstenzeiten und Wachstumsphasen. Es gibt aber auch Erschütterungen, in
denen das Gefühl entsteht, dass etwas in uns zusammenbricht. Ich weiß
nicht, ob ihr Erschütterungen in euerem Leben kennt. Aber ich erlebe so
etwas manchmal in meinem Leben. Um euch zu erklären, was ich darunter
verstehe, möchte ich Petrus als ein Beispiel aus der Bibel hernehmen.
Simon Petrus hat eine umfangreiche Offenbarung über Jesus empfangen. Er
ist der erste der Jünger, dem offenbar geworden ist, wer Jesus wirklich
ist. Er erlebt sehr viel mit Jesus und ist der einzige der Jünger, der
auf dem Wasser ging. Auf dem Berg der Verklärung erlebt er Jesus, Moses
und Elia.
Aber bis zu dem Abend, an dem Jesus verraten wurde, lebt Petrus nicht
im Charakter und in der Demut Jesu. Petrus hat sein Leben und seinen
Dienst auf vergangene Siege und Stolz aufgebaut. Er hat einen starken
Willen und eine persönliche Selbstsicherheit. Das können wir an der
Situation beim letzten Abendmahl erkennen. Jesus teilt seinen Jüngern
mit, dass er verraten wird, und zwar von jemand unter ihnen. Und was
tun seine Jünger? Im ersten Moment befragen sie sich (Lk. 22,23), wer
es wohl sei, aber im nächsten Bibelvers sehen wir, dass sie darüber in
Streit geraten, wer von ihnen für den Größten zu halten sei. Dadurch
wird ihr Stolz und Egoismus deutlich. Ihre Sorge gilt nicht Jesus,
sondern sie verstricken sich in ein Gerangel um Macht und Autorität. Es
ist Petrus, der dieses Streitgespräch angezettelt hat. Er ist davon
überzeugt, dass er der Größte unter den zwölf Jüngern ist. Die
Grundlage für dieses Bewusstsein ist nicht Liebe sondern Stolz.
Jesus hätte zu Recht verletzt reagieren können, da er ihnen von dem
Leid und der Qual erzählt, die ihn erwarten sollte und die Jünger
interessiert nur ihre Stellung. Sie denken nur an sich selbst. Wie
reagiert Jesus? Wirft er sie hinaus? Wird er zornig? Nein, er reagiert
in Liebe und macht ihnen deutlich, dass sie jetzt nicht wie Söhne des
Königreichs reagiert haben, sondern wie gewöhnliche Menschen (Lk. 22,
25-27).
In Vers 37 sagt Jesus zu Petrus: Simon, Simon, siehe der Satan hat euer
begehrt, um euch zu sichten wie den Weizen. Im griechischen Urtext
steht für das Wort sichten „siniazo“ und es bedeutet in einem Sieb
schütteln. Im übertragenen Sinn ist damit gemeint, den Glauben einer
Person durch innere Erschütterung bis an den Rand der Kapitulation
prüfen.
Im nächsten Vers wird deutlich, dass Jesus für Petrus betet. Allerdings
betet er nicht darum, dass Petrus dieser Prüfung entkommen kann. Er
betet darum, dass der Glaube von Petrus in diesem Prozess nicht
schwächer wird. Diese Prüfung ist erforderlich, damit in Petrus ein
neuer Charakter geformt werden kann, den er benötigt, um seine
Bestimmung zu erfüllen und seine Brüder zu stärken.
Satans Plan war, Petrus so zu erschüttern, dass er seinen Glauben
aufgeben würde, und ihn zu vernichten. Doch Gott hat mit dieser
Erschütterung einen anderen Plan verfolgt. Gott denkt viel weiter als
Satan.
Ziel Gottes bei Petrus war:
· Petrus sollte zukünftig auf Gottes Fundament stehen.
· Er sollte aufwachen und seinen wahren Zustand erkennen.
· Er sollte die reifen Früchte ernten, nachdem das Abgestorbene beseitigt worden ist.
Vor der Erschütterung war Petrus mutig:
· Er sagt: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und sogar in den Tod zu gehen.
· Als die Tempelwache in den
Garten Gethsemane kommt, um Jesus festzunehmen, zieht er sein Schwert
und schlägt einem Diener des Hohenpriesters das rechte Ohr ab (Joh.
18,10).
Seine Stärke beruht auf seinem Selbstvertrauen und nicht auf die Demut
vor Gott. Dieser mutige Petrus begegnet nun nach der Festnahme Jesu
einer kleinen Dienstmagd. Er ließ sich von ihr einschüchtern und
streitet alles ab. Hier wird deutlich, dass es nicht die großen Dinge
sind, die Menschen zu Fall bringen, sondern dass es die kleinen Sachen
sind, die einem zu schaffen machen. Daran erkennen wir die
Sinnlosigkeit des Selbstvertrauens. Nachdem Petrus noch zwei weitere
Male Jesus verleugnet und danach der Hahn kräht – so wie es Jesus
voraussagte – weinte Jesus bitterlich. Sein Selbstvertrauen ist
erschüttert.
Petrus und Judas sind sich in vielen Punkten ähnlich. Dies geht bis zu
dem Punkt, an dem beide Jesus ablehnen. Trotzdem gibt es einen
gewaltigen Unterschied:
· Judas hat sich niemals danach gesehnt, Jesus in einer solchen Tiefe kennen zu lernen wie Petrus.
· Judas war nicht in Jesus gegründet,
auch wenn es äußerlich so schien, als würde er Jesus lieben und auch
wenn er wie die anderen elf Jünger Dämonen austrieb, Kranke heilte und
die frohe Botschaft predigte.
· Judas hatte von Anfang an seine eigenen Pläne.
· Judas tat für seine
selbstsüchtigen Motive niemals Buße. Schon während der Zeit mit Jesus
nahm er bspw. Geld aus der Kasse.
Am Tag der Gefangennahme Jesu tat beiden Männern leid, was sie getan
hatten. Judas hatte aber nicht das Fundament, das Petrus hatte. Judas
empfand Reue und wusste, dass er gesündigt hatte. Eber er hatte nicht
die Offenbarung über Jesus, sonst wäre er zu ihm zurückgekehrt und
hätte ihm seine Sünde bekannt. Weil er sich der Güte des Herrn bewusst
gewesen wäre. Sein Freitod verdeutlichte, dass er weiterhin versuchte,
unabhängig von Gott und seiner Gnade zu leben. Die Erschütterung
zeigte, dass Judas kein Fundament in Jesus hatte, obwohl er Jesus drei
Jahre lang nachgefolgt war.
Petrus, der ebenfalls eine Erschütterung erlebte, konnte nun nicht
länger prahlen, der Größte zu sein. Er hatte sein Selbstvertrauen
verloren. Er demütigte sich vor Gott und erfuhr dadurch Gottes Gnade.
Demut ist die Voraussetzung, um die Gnade Gottes empfangen zu können.
Petrus wusste dies (1.Petr. 5,5).
Die Erschütterung brachte Petrus an einen Punkt, an der er am liebsten
aufgegeben hätte. Dies entnehmen wir der Botschaft des Engels,
der Maria am Grab empfing (Mk. 16,7). Dieser Engel erwähnte Petrus
besonders.
Petrus erlebte nicht nur die Vergebung Jesu, Jesus baute ihn auch
wieder auf. Erst durch die Erschütterung konnte Petrus eine
Schlüsselfigur in der Gemeinde werden. Er verkündigte mutig denen, die
Jesus gekreuzigt hatten, seine Auferstehung. Petrus stand vor dem
gesamten Rat mit großer Kühnheit und Autorität und war nicht mehr
schwach wie vor dem Dienstmädchen, vor der er Jesus verleugnete.
Prüfungen zeigen, was sich wirklich im Herzen eines Menschen befindet.
Finden wir in der Erschütterung den Weg zur Demut, werden unsere
Wurzeln tiefer und unsere Zukunft stabiler.
Satan macht heute noch, was er von Anfang an gemacht hat: Er möchte uns
von unserem Vertrauen zu Gott abbringen, indem er versucht, das Bild
Gottes zu verzerren, seine Gebote zu verdrehen, seinen Charakter in
Frage zu stellen und in ein falsches Licht zu stellen.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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