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Ein Leib viele Glieder
Röm. 12,4 Unser Körper besteht aus vielen Teilen, die ganz
unterschiedliche Aufgaben haben. 5 Ebenso ist es mit uns Christen.
Gemeinsam bilden wir alle den Leib Christi, und jeder Einzelne ist auf
die anderen angewiesen. 6 Gott hat jedem von uns unterschiedliche Gaben
geschenkt.
Unsere Einzigartigkeit
Bevor
ich jetzt auf den Leib zu sprechen komme, möchte ich auf das einzelne
Glied eingehen. Jeder von uns ist einzigartig. In dieser
Einzigartigkeit hat uns Gott erschaffen. Wir sind nicht am Fließband
entstanden, wir sind "hand made", eine Handarbeit Gottes (Hiob 10,8).
Jeder von uns ist ein Meisterstück Gottes, ein Original. Es gibt keinen
von uns ein zweites Mal. Jeder ist eindeutig identifizierbar, somit
kann keiner mit jemand anderem verwechselt werden. Unser Finger- und
Fußabdruck und unsere DNA sind einmalig. In Psalm 139 können wir lesen,
dass jeder von uns von Gott wunderbar und auf erstaunliche,
ausgezeichnete Weise geplant, gewollt und gemacht wurde. Dass es uns
gibt, ist kein Zufall, keine Laune der Natur. Es hat auch nichts mit
Schicksal oder mit Glück und Pech zu tun. Unsere Eltern mögen uns
vielleicht als Unfall betrachten, aber das sind wir keineswegs bei
Gott. Und in 1. Mos. 1,27 sagt Gott über unsere Erschaffung, sie ist
sehr gut. Wir können also erkennen, dass jeder von uns speziell,
genial, einmalig und einzigartig ist. In dieser Einzigartigkeit
gebraucht uns Gott.
Jeder
von uns hat ein spezielles Design. Unser Design besteht aus unserer
Persönlichkeit, unseren Erfahrungen, unseren Gaben und unserem Herzen.
Die
Persönlichkeit umfasst die einzigartigen psychologischen Eigenschaften
eines Menschen. Darin unterscheidet er sich von anderen. Temperament
und Charakter sind dabei Teilaspekte unserer Persönlichkeit.
Unsere Persönlichkeit dient dazu, unsere Bestimmung zu erfüllen.
Jeder
Mensch macht seine eigenen Erfahrungen und erlebt sie auf seine eigene
Art. Manche dieser Erfahrungen machen wir freiwillig, manche
unfreiwillig. Es gibt schöne und unschöne Erfahrungen. Auf manche
hätten wir gern verzichtet, manche sind uns wertvoll. All unsere
Erfahrungen prägen uns und tragen zu der Veränderung bei, die Gott in
uns bewirken will. Sie dienen ebenfalls dazu, unsere Bestimmung
erfüllen zu können.
Zu
den Gaben, die wir haben, zählen nicht nur die geistlichen Gaben,
sondern auch die natürlichen Gaben. In beiden Bereichen gibt es die
unterschiedlichsten Gaben. Jeder von uns ist begabt. Unser Problem ist
aber oft, dass wir unseren Blick auf die eigenen Unfähigkeiten und die
Unfähigkeiten der anderen wenden anstatt die Fähigkeiten in den Fokus
zu stellen.
Im
natürlichen Bereich dient unsere Begabung dazu, dass wir in diesem
Bereich Dinge schnell und leicht erlernen. Wir haben Fähigkeiten, die
andere in diesem Bereich nicht haben.
Die
geistlichen Gaben sind wie die natürlichen Begabungen ein Geschenk von
Gott. Sie sind niemals nur für den Einzelnen da, sie sind Geschenk
Gottes an die Gemeinde. Eine Gabe ist damit zum einen Geschenk und
gleichzeitig auch Berufung und Auftrag.
In
der Vielzahl von Gaben, die es gibt, bekommt die Gemeinde alles, was
notwendig ist, um den von Gott gegebenen Auftrag ausführen zu können.
Daher ist es durchaus legitim nach der persönlichen Gabe zu fragen und
diese dann auch einzusetzen. Gott möchte, dass wir unsere Gaben für
unsere Bestimmung einsetzen.
In
1. Tim. 4,14 werden wir aufgefordert, die Gabe, die Gott uns geschenkt
hat, nicht zu vernachlässigen. Was passiert, wenn wir das tun? Die
Fähigkeit, die wir erhalten haben, geht abhanden. Im natürlichen
Bereich fehlt uns dann aufgrund der fehlenden Übung die
Geschicklichkeit, im geistlichen Bereich zieht sich der Heilige Geist
zurück.
Gaben,
die nicht eingesetzt werden, nutzen niemanden. Es ist dann so, als wenn
wir im Winter in einem Haus sitzen, einen Ofen, Holz, Anschürmaterial
und ein Feuerzeug zur Verfügung haben, aber damit kein Feuer anschüren.
Wir frieren, obwohl alles da ist, was wir benötigen würden, um nicht
frieren zu müssen. Der Ofen und alles andere sind nutzlos, wenn wir
damit nicht ein Feuer machen. Gaben, die von uns nicht eingesetzt
werden, sind genauso nutzlos.
Bald
ist Weihnachten. Stellt euch vor, ihr beschenkt jemanden, dieser
bedankt sich zwar artig, legt aber das Geschenk in die Ecke und benutzt
es nicht. Und wenn wir nach Jahren wieder bei ihm vorbeikommen, liegt
das Geschenk immer noch am gleichen Platz - unbenutzt. Es ist wie neu.
Nichts daran ist kaputt gegangen. Wie würde es euch dabei gehen? Die
meisten von euch werden frustriert sein. Denn ihr habt euch ja etwas
dabei gedacht, als ihr dem anderen das Geschenk überreicht habt. Die
Gaben, die Gott uns gibt, sind Geschenke an uns, um uns gegenseitig in
unserem Leben zu unterstützen, zu ergänzen, zu ermutigen und
aufzubauen. Im Gleichnis mit den Talenten wird derjenige gerügt, der
seine Talente vergräbt, damit sie nicht verloren gehen. Warum wird er
gerügt? Er hat seine Talente nicht bekommen, um sie brachliegen zu
lassen. Sie waren dazu gedacht, um sie einzusetzen und sie dadurch zu
vermehren
Jetzt
stellt sich die Frage, bekommen wir das Geschenk der Geistesgabe
automatisch oder gibt es Voraussetzungen? In 1. Kor 12,31 lesen wir:
…jeder Einzelne soll sich um die Gaben bemühen, die der Gemeinde am
meisten nützen. Gleichzeitig steht in 1. Kor 12,11: Und so empfängt
jeder die Gabe, die der Geist ihm zugedacht hat. Ist das ein
Widerspruch? Nein! Unsere Verantwortung ist, dass wir uns um Gaben
bemühen, uns danach ausstrecken und bereit sind, das Geschenk
anzunehmen. Die Aufgabe des Heiligen Geistes ist die Austeilung der
Gaben.
In
unserem Herzen befinden sich unser Denken, unser Fühlen und unser
Wille, unsere Interessen, unsere Wünsche, unsere Träume, unsere
Hoffnungen und unsere Leidenschaft. Die Frage ist, welche Dinge rufen
in uns Leidenschaft hervor. Sind es die weltlichen oder die geistlichen
Dinge? Unser Herz ist ebenfalls dazu da, damit wir unsere Bestimmung
erfüllen.
Wissen
wir um unser persönliches Design? Kennen wir unsere Persönlichkeit?
Beziehen wir unsere Erfahrungen in unser Leben ein? Kennen wir unsere
Gaben? Wissen wir, wofür unser Herz brennt? Wisst ihr, Gott will euer
persönliches Design in seinen Dienst, in den Dienst seiner Gemeinde
stellen.
Unsere Einzigartigkeit im Dienst in der Gemeinde
Warum
sollen wir dienen? Wisst ihr, eine Gemeinde funktioniert anders als ein
Fußballverein. Im Fußballteam ist meine fußballerische Begabung
wichtig. Meine Leistung ist gefragt. Sie bestimmt meinen Wert für den
Verein. Ziel ist, die fußballerischen Fähigkeiten der Mannschaft immer
mehr zu verbessern, um einen Sieg nach dem anderen zu erreichen. In der
Gemeinde ist das anders. Ziel der Gemeinde ist unsere Vervollkommnung,
damit wir einander und der Welt dienen.
In
einer Gemeinde sollen alle Dienste vorhanden sein. Wichtig ist, dass
wir dafür ein Bewusstsein bekommen. Wenn ich euch frage, warum ihr
heute hier seid, was werdet ihr sagen? Ich habe mich bei der
Vorbereitung der Predigt ebenfalls gefragt, warum ich in den
Gottesdienst gehe. Ganz spontan ist mir gekommen: Ich möchte auferbaut
werden. Genauso wie ich hat jeder von euch seine ganz bestimmte
Erwartung an den Gottesdienst und an die Gemeinde. Das Problem dabei
ist: Kommen alle nur mit ihren Erwartungen und kommt keiner, der bereit
ist, zu dienen, wird die Erwartung von keinem einzigen gestillt werden.
Gott
hat eine klare Vorstellung, wie der Leib der Gemeinde funktionieren
soll. Röm. 12,5: Gemeinsam bilden wir alle den Leib Christi, und jeder
Einzelne ist auf die anderen angewiesen. 1. Kor 12,12: So wie unser
Leib aus vielen Gliedern besteht und diese Glieder einen Leib bilden,
so besteht auch die Gemeinde Christi aus vielen Gliedern und ist doch
ein einziger Leib. Jedes Glied des Leibes hat eine Aufgabe. Nur wenn
jedes Glied seine ihm bestimmte Aufgabe übernimmt, funktioniert der
Leib.
Häufig
findet sich bei uns Christen das Streben nach Perfektion. Das ist
unangemessen Die Haltung dabei ist, dass man eine Gabe, die nicht zur
Perfektion kultiviert wurde, erst gar nicht einsetzt. Dieses Denken
entspricht nicht biblischen Maßstäben. Natürlich soll jeder bemüht
sein, das Beste zu geben. Doch Gott möchte keine Perfektionisten,
sondern Menschen, die von Herzen gerne dienen. Dienen wir von ganzem
Herzen, geben wir 100 % unserer Möglichkeiten. Was bei mir 100 % sind,
sind beim anderen vielleicht erst 50 %. Aber ich bin gefragt, meine 100
% zu geben, und der andere ist gefragt, seine 100 % zu geben.
Ich
möchte einfach einmal die Frage stellen: Kennst du deinen Dienst, deine
Berufung? Tatsache ist, dass wir berufen sind - da führt gar kein Weg
daran vorbei. Jes. 49,1 besagt: Der Herr hat mich berufen vom
Mutterleib an, hat von meiner Mutter Schoß an meinen Namen genannt. 1.
Kor 12,28: Jedem hat Gott seine ganz bestimmte Aufgabe in der Gemeinde
zugeteilt. Wir dürfen nicht denken, dass es in einer Gemeinde nur um
die scheinbar wichtigen Aufgaben geht wie bspw. den Hirten, den Apostel
oder den Lehrer. Es gibt viele andere Aufgaben. Dazu zählt bspw. die
Gastfreundschaft oder die Fürbitte. Manche haben in diesem Bereich eine
besondere Gabe bekommen und sind in einem besonderen Maße dazu
beauftragt, diesen Dienst zu tun. Dann gibt es Dienste, die scheinbar
jeder tun kann. Ich denke da an das Reinigen der Gemeinderäume. Diese
Aufgabe ist sehr wichtig. Ist euch das bewusst? Dieser Dienst trägt
nämlich ebenfalls zur Erbauung der Gemeinde bei, ist euch das bewusst?
Komme ich in gepflegte Räumlichkeiten, fühle ich mich wohl und ich
werde dadurch auf den Gottesdienst eingestimmt. In ungepflegten
Räumlichkeiten würde sich keiner wohl fühlen und es würde uns schwer
fallen, uns auf den Gottesdienst konzentrieren zu können.
Unser persönliches Wachstum und das Wachstum der Gemeinde
Woran
erkennen wir einen geistlichen Menschen oder eine geistliche Gemeinde?
Stellen die Gaben ein Kriterium dafür dar? Nein! Die Gaben sind kein
Kriterium für die Qualität des geistlichen Lebens eines Menschen. Sie
sind kein Beleg dafür, wie intensiv das geistliche Leben gestaltet
wird. Die Christen in Korinth hatten an keiner Gnadengabe Mangel (1.
Kor. 1,7). Gleichzeitig bezeichnet sie Paulus als fleischlich und
schuldig, da sie in ihrer Mitte viele Situationen zugelassen haben, die
nicht auf geistlichen Fortschritt schließen lassen.
Die
Frucht des Geistes (Gal. 5,22f) stellt das ausschlaggebende Kriterium
dafür dar, inwieweit sich das geistliche Leben und der Charakter eines
Menschen entwickelt haben. Unser Charakter soll dem Charakter Jesu
immer ähnlicher werden. In Jesus kam die Frucht des Geistes in seiner
Vollkommenheit zum Ausdruck.
Die
Frucht des Geistes ist die Folge des In-Christus-Bleibens und auch des
Beschneidungsprozesses (Joh. 15). Sie entwickelt sich allmählich durch
einen Wachstumsprozess. Die Ausprägung der Frucht des Geistes ist ein
echtes Indiz dafür, wie konstant sich jemand diesem Prozess unterzieht.
Es
gibt nur eine Frucht des Geistes. Diese Frucht ist die Liebe. Die acht
aufgezählten Tugenden sind die verschiedenen Eigenschaften oder
Facetten der Liebe. Ein Mann namens Moody hat die Tugenden der Liebe
folgendermaßen charakterisiert:
Freude
= frohlockende Liebe
Langmut = unermüdliche
Liebe
Friede
= ruhende Liebe
Freundlichkeit =
duldsame Liebe
Güte
= tätige Liebe
Sanftmut
= disziplinierte Liebe
Treue
= kämpfende Liebe
Enthaltsamkeit = sich übende Liebe
Bei
der Frucht des Geistes geht es nicht darum, was wir für den Herrn tun,
sondern wie wir es tun. Wenn zwei Menschen dasselbe tun, muss es noch
lange nicht dasselbe sein und dieselbe Wirkung haben. Die Wirkung ist
vom wie unseres Handelns abhängig.
Obwohl
konkrete Unterschiede zwischen der Liebe und der Gabe bestehen, gibt es
dennoch einen überaus wichtigen Zusammenhang. Nicht ohne Grund steht
der Inhalt von 1. Kor. 13, der sich mit der Liebe beschäftigt, zwischen
den Kapiteln 12 und 14, die die Geistesgaben zum Thema haben. Dadurch
wird die enge Beziehung zwischen der Frucht und den Gaben deutlich.
Paulus lässt keinen Zweifel daran, dass die Gaben ohne die Frucht keine
Kraft haben und nur wenig nützen. Die Gaben werden ohne die Frucht des
Geistes belanglos. Umgekehrt dürfen wir uns gewiss sein, dass die
Ausübung der Gaben große Kraft hat, wenn sie von der Frucht eines
geistlichen Lebensstils begleitet werden. Diese sind außerordentlich
nützlich.
In
dem Maße, in dem jeder einzelne in der Frucht des Geistes wächst, und
der Dienst in der Gemeinde in der Frucht des Geistes zunimmt, wächst
auch die Gemeinde geistlich.
Abschließend
möchte ich euch ermutigen, das Wunder eurer Einzigartigkeit anzunehmen.
Setzt euch mit euren Gaben und eurem Dienst auseinander und bleibt in
Liebe miteinander verbunden.
Vergesst bei all diesen Dingen aber nicht, wer das Haupt der Gemeinde ist - Jesus Christus.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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