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Glaube wie ein Senfkorn
Ich habe mir überlegt, mit euch heute über das persönliche Wachstum im
Glauben zu sprechen. Glaube, das wissen wir, entsteht durch die Predigt
und wird uns aus Gnade von Gott geschenkt. Aber die Frage, die ich uns
stellen will, ist, wie wächst unser Glaube? Ist Wachstum auch ein
Geschenk Gottes? Um dies genauer zu betrachten, möchte ich mit euch Lk.
17, 5-6 lesen.
Betrachten wir die Situation: Jesus war mitten unter seinen Jüngern und
lehrte sie. Sie erlebten seine Wunder und erkannten seine Vollmacht,
und trotzdem bitten sie um mehr Glauben. Was ist passiert? In den
Zeilen zuvor geht es um Verführung und Vergebungsbereitschaft. Die
Jünger hatten bei diesen Worten Jesu vielleicht das Gefühl, nicht genug
Glauben zu besitzen, sahen sich dem Ganzen nicht gewachsen, hatten
vielleicht Versagensängste. Und sie hatten für sich eine Lösung: Sie
wollten mehr Glauben von Jesus und forderten diesen von Jesus ein.
Jetzt könnten wir sagen, das ist doch positiv, wir könnten
einwenden, Jesus hätte sich darüber freuen können, dass die Jünger
ihren Mangel erkannt haben und deshalb mehr Glauben haben wollen.
Jesus hätte begeistert darüber sein und sagen sollen: Toll, genau
das ist es, was ihr braucht, endlich habt ihr es begriffen.
Warum hat Jesus aber ganz anders reagiert?
Warum ist er nicht auf ihre Bitte eingegangen und hat ihre Bitte erfüllt? Warum gibt er ihnen quasi ein Rätsel auf?
Jesus vergleicht in seiner Antwort den Glauben mit einem Senfkorn. Dazu
muss man wissen, ein Senfkorn ist ganz klein. Meint Jesus bei seinem
Vergleich, dass es genug ist, einen kleinen Glauben zu haben. Das
bezweifle ich, weil Jesus in Mt. 17,20 die Jünger wegen ihres
Kleinglaubens kritisiert. Also ist Kleinglaube nicht gut und nicht das,
was er uns mit dem Senfkorn mitteilen will.
Ich denke, dass Jesus den Jüngern und auch uns damit deutlich machen
will, dass es nicht darum geht, dass er uns einen großen Glauben
schenken muss, damit wir einen großen Glauben haben können. Das
Senfkorn ist klein, aber indem es in die Erde fällt, indem es bewässert
wird und genügend Sonne bekommt, beginnt es zu wachsen und es entsteht
eine große Pflanze. Und wie aus dem Senfkorn etwas Großes entsteht,
wenn die Rahmenbedingungen stimmen, kann unser Glaube wachsen, wenn wir
die richtigen Rahmenbedingungen in unserem Leben setzen.
Glaube wächst, indem wir im Glauben Erfahrungen mit Gott machen. Je
mehr wir unser Vertrauen auf Gott setzen, je mehr erleben wir mit Gott
und je mehr sind wir in der Lage, ihm immer mehr zu Vertrauen. Das ist
ein positiver Kreislauf. Glaube wächst also, indem wir Glauben in Gott
investieren. Und dafür ist nicht Jesus verantwortlich, dafür sind wir
selbst verantwortlich.
Als Beispiel will ich euch ganz kurz eine Sache erzählen: Der Auspuff
meines Autos ratterte und ich wusste, irgendwann fällt er weg. Da
Zeit Mangelware für mich ist, hatte ich keine Zeit, in die Werkstatt zu
gehen. Ich bat Gott darum, dass der Auspuff, wenn er denn abfallen
sollte, vor der Garage abfällt. So war es dann auch – und ich war froh
und dankbar, dass es nicht unterwegs passiert ist. Als ich später mal
dies Zeugnis erzählte, wurde ich gefragt, warum ich denn nicht dafür
gebetet habe, dass der Auspuff hält. Das habe ich mich dann im ersten
Moment auch gefragt. Aber die Antwort ist einfach: Ich hatte Glauben
für mein Gebet. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, für mehr zu
bitten. Und dennoch hat es meinen Glauben und mein Vertrauen zu
Gott gestärkt.
Aber was hat es jetzt mit der anderen Pflanze, dem Maulbeerfeigenbaum,
auf sich? Ich denke, dieser Baum wird oft außer Acht gelassen. Dieser
Baum ist ebenfalls etwas ganz besonderes, denn seine Wurzeln reichen
sehr tief. Normalerweise durfte damals ein Baum nicht näher als 25
Ellen an einen Brunnen gepflanzt werden, ein Maulbeerfeigenbaum musste
aber in einer Entfernung von 50 Ellen gepflanzt werden, damit er die
Brunnenwand nicht mit seinen Wurzeln beschädigen konnte. Dieser Baum
stellt also ein Symbol von Macht und Kraft dar.
Im natürlichen Bereich ist es unmöglich, diesen Baum herauszureißen.
Aber Jesus sagt hier ja auch gar nicht, dass wir den Baum herausreißen
werden, wenn wir Glauben wie ein Senfkorn haben. Er sagt, dass sich der
Baum selbst entwurzelt, wenn dies ihm aufgrund des Glaubens befohlen
wird.
Hier stehen sich also zwei Mächte gegenüber. Die Kraft und Macht im
natürlichen Bereich und die Macht des Glaubens. David hätte mit seiner
natürlichen Kraft Goliath nie und nimmer besiegen können. Im
natürlichen Bereich wäre auf jeden Fall Goliath der Sieger gewesen.
Aber David hatte schon so viele Dinge im Glauben an Gott erlebt, dass
er sich sicher war, dass er siegen wird. Sein Glaube wuchs wie ein
Senfkorn. Ein anderes Beispiel ist Petrus. Indem er Jesus vertraute,
ging er auf dem Wasser. Dies hat allein sein Glaube bewirkt, auch wenn
dieser nur wenige Augenblicke andauerte und er dann sank und von Jesus
gerettet werden musste. Aber Jesus lässt uns nicht untergehen.
Die Macht des Glaubens ist die Vollmacht, die wir erhalten, wenn wir
uns immer mehr auf ein Leben mit Gott einlassen. Es ist die Vollmacht,
in der sich im natürlichen Bereich Dinge verändern, die nach den
Naturgesetzen unveränderbar sind.
In der Gemeinde gibt es immer wieder Zeugnisse, bei denen deutlich
wird, dass Regeln, die im natürlichen Bereich gelten, plötzlich und aus
unerklärlichen Gründen nicht mehr gelten, wenn Glaube investiert wurde.
Da denke ich bspw. an die Überweisung auf Heidis Konto – die
Überweisung fand statt, der Sachbearbeiter konnte sich dies aber nicht
erklären.
Ich möchte uns ermutigen, nicht klein von uns und unserem Glauben zu
denken, nicht zu denken, ja wenn ich Reinhard Bonnke wäre oder dessen
Glauben hätte, ja dann könnte mich Gott gebrauchen – ich denke, dass
wir dies nicht tun sollen, wurde auch in der Predigt vom Sonntag
deutlich. Denn Gott gebraucht uns und unseren Glauben, um seine Werke
mit und durch uns hier auf Erden zu tun.
Ich kann mich daran erinnern, dass es in meinem Leben auch schon Gebete
gab, in denen ich Gott um mehr Glauben gebeten habe. Aber durch diese
Stelle habe ich neu begriffen, dass es darum geht, dass ich mit dem
Glauben, den ich habe, vor Gott trete und nicht erst warte, dass Gott
mir größeren Glauben schenkt. Gott belohnt unseren Glauben. Er ist
treu. Und indem wir Glauben investieren und merken, dass sich durch
unseren Senfkorn-Glauben Dinge verändern, wird unser Glaube wachsen.
Beim nächsten Mal ist der Glaube schon so groß wie das keimende
Senfkorn, dann ist das erste Blatt sichtbar usw. In diesem Sinne Gott
mit euch.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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