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Gnade Gottes

Jeder von uns kennt die Geschichte des verlorenen Sohnes. Wir wissen, dass der jüngere Sohn die Auszahlung seines Erbes wollte. Der Vater zahlt ihm dieses aus. Ich habe mich gefragt: Warum tat er das? Wir kennen die Beziehung der beiden nicht. Wir wissen nicht, ob sie eine gute Beziehung oder eine von Verletzungen belastete Beziehung hatten. Aber deutlich wird, dass der Sohn eine Sehnsucht nach einem anderen Leben als dem, was er beim Vater hatte, sehnte. Hätte sich der Vater nicht weigern können? Hätte er seinem Sohn nicht verbieten können wegzugehen? Ja – er hätte es tun können, davon bin ich überzeugt. Aber was wäre passiert? Das Herz des Sohnes wäre doch nicht beim Vater gewesen. Zwang hätte nicht dazu geführt, dass sich Vater und Sohn verstanden hätten. Die Beziehung wäre zukünftig gestört gewesen. Sie wären sich zwar körperlich gesehen nah gewesen, aber sich doch fremd geworden. Der Vater war sich dessen vermutlich bewusst, dass er seinen Sohn nicht mit Zwang halten kann. Er war sich auch dessen bewusst, dass die Auszahlung des Erbes und das damit verbundene Weggehen des Sohnes in der damaligen Tradition bedeutet haben, dass er für seinen Sohn gestorben war. In den Augen des Sohnes war somit der Vater tot. Der Sohn wusste somit, eine Rückkehr in das Vaterhaus ist nicht möglich.

Wir wissen, wie die Geschichte des Sohnes weitergeht. Er führt ein Leben in „Saus und Braus“. Er genießt sein Leben. Aber er vergisst dabei: Er hat kein Einkommen und lebt nur von dem, was er bekommen hat. Er legt die Talente – wenn wir ein anderes Gleichnis mit einbeziehen - nicht an, sondern gibt sie in vollen Zügen aus. Dies macht er solange, bis kein Geld mehr übrigbleibt. Wie hat der Sohn gelebt? Er hat die Konsequenzen seines Handelns nicht bedacht. Er hat in den Tag hinein gelebt und gemeint, es könnte immer so weitergehen. Und dann kam der gesellschaftliche Absturz – ohne Geld war er nichts wert. Keiner seiner bisherigen Freunde wollte noch etwas von ihm wissen.

In dieser Situation ist ihm bewusst, er muss sich um sein Auskommen sorgen. Er muss Arbeit suchen. Er findet tatsächlich Arbeit, die aber nicht seinen eigentlichen Fähigkeiten und auch nicht seiner Erziehung entspricht. Als Schweinehirte hatte er mit unreinen Tieren zu tun. Er leidet trotz seiner Arbeit unter Hunger. In dieser existentiellen Not denkt er zum ersten Mal wieder an seinen Vater. Er denkt an seinen Vater, obwohl er von ihm das Erbe ausbezahlen ließ. Er weiß auch um die Konsequenz. Ihm ist bewusst, als Sohn kann er deshalb nicht zurückkehren, aber er hofft, als Knecht dort arbeiten zu können. Er weiß, die Knechte seines Vaters leiden keine Not.

Der Vater hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Er wartet auf die Rückkehr seines Sohnes, obwohl sein Sohn sich von ihm entfernt hat, ihn, den Vater für tot erklärt hat. Der Sohn ist somit auch für den Vater tot. Der Vater hat von sich aus keine Chance, die Beziehung wiederherzustellen. Aber seine Liebe seinem Sohn gegenüber ist nicht tot. Was tut der Vater, als der Sohn zurückkehrt. Er sieht die Reue seines Sohnes und vergibt ihm. Er ist glücklich. Sein Sohn steht nun lebendig vor ihm. Sein Sohn hat seinen Fehler erkannt und steht demütig vor ihm. Der Sohn freut sich auch, weil e mit dieser Vergebung nicht gerechnet hat, nicht rechnen konnte.

Unser himmlischer Vater ist dem Demütigen gnädig. Die Entscheidung, sich von unserem himmlischen Vater abzuwenden und in Sünde zu leben, bedeutet immer, dass wir von ihm getrennt sind. Die Konsequenz der Sünde ist der Tod. Um diesem geistlichen Tod zu entgehen und Gemeinschaft mit dem Vater haben zu können, ist Vergebung erforderlich.

Kann ein Christ auch geistlich tot sein?

Offb. 3
1 Und dem Engel der Gemeinde in "Sardes" schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot.
3 So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße.

Was macht uns lebendig?

Joh. 6.63
Der Geist ist's, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.

Jesus macht hier deutlich, wie wichtig es ist, auf sein Wort zu hören. Hören ist hier im zweifachen Sinn gemeint:
-        mit den Ohren hören
-        auf sein Wort in der Tat hören, also mit Taten zeigen

Unsere eigenen Ideen, unsere eigenen Vorstellungen über Gott helfen uns nicht weiter. Wichtig ist, dass wir Gott immer besser kennen lernen, ihn im Herzen tragen und nach dem leben, was wir aus seinem Wort verstanden haben.

Wir wissen, wir haben Vergebung in Jesus. Und ich gehe davon aus, dass jeder von uns diese Vergebung immer wieder aufs Neue in Anspruch nimmt. Jesu Tod wäre für uns umsonst gewesen, wenn wir diese Vergebung nicht in Anspruch nehmen würden.

Wir wissen auch, dass Jesus uns das Kommen des Heiligen Geistes verheißen hat. Aus dem Wort Gottes wissen wir, dass er sehr viele Aufgaben inne hat, um uns in unserem Leben zu unterstützen. Nehmen wir das in Anspruch?

Gott kann uns seine Liebe, seine Gnade, die Vergebung durch Jesus, die Kraft des Heiligen Geistes und seine Gaben anbieten, aber annehmen kann er es nicht für uns. Es ist unsere Entscheidung. Es ist einerseits eine Grundsatzentscheidung, andererseits eine Entscheidung, die wir tagtäglich treffen können.

Gott liebt uns. Er liebt uns, wie der Vater seinen verlorenen Sohn geliebt hat. Es kann uns nur eine Person von ihm trennen. Diese eine Person sind wir selbst. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns immer wieder bewusst werden, wo wir stehen. Lasst uns Gott Antwort geben. Dies kann in der Stille sein. Wer laut beten will, darf sich frei dazu fühlen.


Gemeinde Gottes Nördlingen

Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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