Home      Andachten          Predigten           Zeugnisse           Geschichten           Themen
  * Über uns
  * Gottesdienst
  * Gebetstreffen
  * Hauskreis
  * Kinder/Jugend
  * Unser Glaube
  * Andachten
  * Predigten
  * Zeugnisse
  * Geschichten
  * Themen
  * Anfahrt
  * GeGo KdöR

Gott ernst nehmen - Jona

Ich möchte mit ein paar allgemeinen Fragen beginnen:

Ist Gott gut?
Liebt er die  Menschen?
Sorgt er für die Menschen?
Ist er gnädig?

Jetzt stelle ich Fragen an dich persönlich?

Ist Gott zu dir gut?
Sorgt er für dich?
Weiß Gott um deine Schwierigkeiten und Nöte?
Ist er dir gegenüber gnädig?
Kennt dich Gott?
Liebt er dich?

Wie sieht es nun mit dir aus?

Kennst du Gott?
Liebst du ihn?
Nimmst du ihn ernst?

Wenn du die letzte Frage mit ja beantwortet hast, frage ich dich:

Tust du alles, von dem du weißt, dass Gott will, dass du es tust?

Wisst ihr, wir sagen so oft, dass wir Gott kennen, dass wir ihn lieben, trotzdem sind wir sehr oft ungehorsam. Betrachten wir das Wort Gottes, finden wir immer wieder Menschen, die das gleiche Problem hatten. Darunter ist Jona, den ich mit euch heute näher betrachten werde.

Wir kennen alle die Geschichte von Jona. Er war ein Prophet. Ein Prophet wird von Gott zu diesem Dienst berufen. Der Auftrag des Propheten ist, die Botschaft, die ihm von Gott eingegeben wird, zu verkündigen. Die Erwartung, die wir alle an Propheten haben, ist die, dass sie ihren Auftrag ausführen. Vom Postboten erwarte ich, dass er mir wochentags die Post bringt, vom Elektriker, dass er meine Steckdosen und Lichtschalter den geltenden Vorschriften entsprechend installiert, damit sie funktionieren, vom Verkäufer, dass er mich freundlich und kompetent bedient. Wir haben klare Vorstellungen, was die Menschen in ihrem jeweiligen Beruf zu leisten haben. Genauso haben wir klare Vorstellungen darüber, wie sich die Menschen, die im Dienst Gottes stehen, zu verhalten haben. Wir gehen davon aus, dass sie eine enge Beziehung zu Gott haben, seinen Willen tun, den Menschen mit Liebe begegnen und Gott ernst nehmen. Passt Jona in dieses Bild?

Hat Jona eine Beziehung zu Gott?

Diese Frage möchte ich mit "ja" beantworten. In Jona 1,1 steht
"Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais."
Wir können also sehen: Gott spricht zu Jona und Jona hört, was Gott zu ihm sagt.

In Vers 9 sagt Jona zu denen, die mit ihm auf dem Schiff sind:

"Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat."
Diese Aussage macht deutlich, dass Jona Gott kennt und weiß, dass er heilig ist. Aus diesem Grund hat Jona Ehrfurcht vor Gott.

Tut Jona Gottes Willen?

Diese Frage muss mit Nein und Ja beantwortet werden.
Nein! Jona bekommt einen klaren Auftrag von Gott und macht sich sofort auf den Weg. Er benötigt dafür nicht einmal eine Bedenkzeit. Das Problem dabei ist, dass er sich nicht auf den Weg macht, um Gottes Willen zu tun, sondern um sich vor diesem Auftrag zu drücken. Er will diesen Auftrag nicht übernehmen. Er trifft eine klare Entscheidung gegen den Willen Gottes. Er hat seine eigenen Vorstellungen über die Zukunft der Menschen in Ninive. Diese Vorstellungen treffen nicht mit denen von Gott überein.

Jona tut also zu diesem Zeitpunkt nicht den Willen Gottes. Er ist Ungehorsam. Erst als er selbst die Gnade Gottes erlebt, ist er bereit, Gottes Willen zu tun. Er erlebt, dass er nicht sterben muss, als er von den Männern auf seinen eigenen Wunsch hin ins Meer geworfen wird, sondern von Gott durch einen Wal gerettet wird. Er verbringt drei Tage und drei Nächte im Bauch dieses Fisches. Er hat Zeit über, alles nach zu denken. Ihm wird die Gnade Gottes bewusst und er wendet sich ihm erneut zu. Er nimmt Gott ge-genüber eine dankbare Haltung ein und ist bereit, seine Gelübde zu erfüllen. Erst als er Buße tut, seine Haltung Gott gegenüber verändert und Bereitschaft zum Gehorsam zeigt, lässt ihn Gott aus dem Bauch des Fisches heraus.

Ja! Als Jona nochmals den Auftrag bekommt, nach Ninive zu gehen und Gottes Botschaft zu predigen, macht er sich diesmal sofort auf dem direkten Weg dorthin

Begegnet Jona den Menschen mit Liebe?

Als der Sturm auf dem Meer getobt hat, ist Jona den Männern auf dem Schiff gegenüber offen und erzählt ihnen von seiner Flucht. Ihm ist bewusst, dass er aufgrund sei-nes Ungehorsams die Schuld an dem Sturm hat. Er geht davon aus, dass dieser Sturm die Strafe Gottes ist und er den Tod verdient hat. Er ist bereit, sein Schicksal anzunehmen und die Verantwortung und die Konsequenzen für sein Handeln zu übernehmen. Dies zeigt, dass ihm das Schicksal dieser Männer nicht gleichgültig war. Er will sie we-gen seines Ungehorsams nicht mit in den Tod reißen. Ihnen gegenüber übernimmt er Verantwortung und er hat Mitgefühl. Dies macht deutlich, dass er sie liebt.

Den Menschen von Ninive gegenüber hat er keine Liebe - bis zum Schluss. Er predigt den Menschen Gottes Gericht - so wie es ihm von Gott aufgetragen wurde. Er erwartet, dass Gott dieses Gericht über die Menschen von Ninive kommen lässt, so wie er es ihnen angekündigt hat. Er will die Vernichtung Ninives und somit der Menschen, die dort leben. Ihnen gegenüber Gnade zu zeigen, kommt für ihn nicht in Frage.

Woran lag das? Ninive (das heutige Mossul) war eine der Hauptstädte und somit ein politisches Zentrum von Assyrien. Zur Zeit des Propheten Jona war dieses Land auf dem Weg zur Weltmacht. Die assyrische Armee bestand hauptsächlich aus Berufskriegern. Sie zeichneten sich durch eine für damalige Verhältnisse hervorragende Bewaffnung, hohe Disziplin und straffe Organisation aus - und auch durch äußerste Brutalität.

Die Assyrer verschleppten die komplette Bevölkerung eroberter Gebiete in andere Landstriche ihres Großreiches und zerstörten damit deren bisherige kulturelle Identität. Assyrien stellte durch seine aggressive Eroberungspolitik eine Bedrohung für sämtliche umliegenden Völker dar.

Israel war zwar zur Zeit Jonas nicht unmittelbar in Gefahr, da die Assyrer sich damals auf ihre Verteidigung im Norden ihres Landes konzentrierten, aber die Assyrer waren auch Israel gegenüber feindlich gesinnt. Aufgrund dessen wollte Jona die Vernichtung Ninives.

Nimmt Jona Gott ernst?

Um jemand ernst nehmen zu können, muss man ihn kennen. Jona kennt Gott. Sein Ungehorsam beruht auf seiner Kenntnis der Gnade Gottes. Jona betet in Jona 4,2 fol-gendes zu Gott:

"Ach, HERR, das ist's ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war, weshalb ich auch eilends nach Tarsis fliehen wollte; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen."

Er ist ungehorsam, weil er das Wesen Gottes kennt und nicht will, dass die Menschen von Ninive Gottes Gnade, Barmherzigkeit, Langmut und große Güte erfahren. Er hat klare Vorstellungen darüber, was mit Ninive geschehen soll. Er will, dass Gottes Gericht über sie kommt. Er ist sich bewusst, dass sich seine Einstellung ihnen gegenüber nicht mit dem Wesen Gottes vereinbaren lässt. Deshalb ist er anfangs in dieser Sache nicht bereit, bei der Umsetzung des Willens Gottes mitzuwirken. Er ist anfangs nicht bereit, Gottes Werkzeug zu sein. Vielleicht hofft er, dass Gott keinen anderen Propheten findet, der diese Aufgabe übernimmt, so dass die Menschen von Ninive keine Chance zur Buße haben und Gott sein Gericht über sie kommen lassen muss.

Jona weiß, dass sein Verhalten vor Gott nicht korrekt ist. Er weiß, dass Gott von ihm Gehorsam fordert und Ungehorsam Sünde ist. Er weiß, sein Verhalten Gott gegenüber hat Konsequenzen. Deshalb möchte er aus dem Einflussbereich Gottes fliehen. Damit gibt er gleichzeitig seine Beziehung zu Gott auf. Wir lesen in Jona 1,3

"Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren und dem HERRN aus den Augen zu kommen."

Allerdings wird deutlich, dass Jona nur eine begrenzte Vorstellung von der Größe Gottes hat. Er denkt, vor Gottes Einflussbereich fliehen zu können, indem er ans Ende der damals bekannten Welt reist. Er erlebt, dass es unmöglich ist, vor Gott zu fliehen.

Jona macht die Erfahrung, dass Gott nicht auf sein Versagen sieht, sondern ihm verzeiht und ihm einen Neubeginn schenkt. Er erlebt die Liebe Gottes. Dadurch ist er fähig, den Auftrag Gottes zu tun. Er verkündet das Gericht Gottes in Ninive und wartet dann den Tag des Gerichts ab.

Jona muss aber erfahren, dass dieses Gericht ausbleibt und Gott den Menschen in Ninive Gnade gewährt. Er kann das Handeln Gottes nicht verstehen. Er kann es nicht verstehen, obwohl er selbst wenige Tage vorher die Gnade Gottes erfahren hat. Daran scheint er sich nicht zu erinnern. Vielleicht ist er aber auch der Meinung, dass die Gnade Gottes nur Gottes Volk gilt. Jona ist  Hebräer, aber die Menschen aus Ninive sind Assyrer, sie kennen Gott nicht.

Vielleicht hat Jona auch nur Angst um seinen Ruf. Er möchte nicht als falscher Prophet dastehen. Nachdem das Gericht nicht eintrifft, fühlt er sich von Gott vielleicht bloßgestellt.

Vielleicht stehen auch politische Gründe dahinter. Die Niniviten waren Feinde Israels. Durch die Vernichtung Ninives wäre die Bedrohung Israels durch Assyrien vielleicht geringer geworden.

Über die Gnade Gottes den Niniviten gegenüber ist Jona sehr verärgert. Jonas Haltung ihnen gegenüber hat sich während seiner Flucht und der Zeit  im Bauch des Fisches nicht verändert. Er erfüllt den Auftrag Gottes, das Gericht über Ninive zu predigen, mit der Haltung, dass Ninive von Gott vernichtet werden soll.

Jona steigert sich in diesen Ärger hinein und macht Gott gegenüber seinem Ärger Luft. Um Gott zu zeigen, wie ärgerlich er ist, fordert er Gott auf, ihm sein Leben zu nehmen. Vielleicht will Jona Gott damit provozieren, sein Handeln zu überdenken. Vielleicht will er Gott damit vor die Wahl stellen: Entweder nimmst du mein Leben oder du vernichtest Ninive. Auf Gottes Frage "Meinst du, dass du mit Recht zürnst (Jona 4,4)" reagiert Jona nicht. Trotzig baut sich Jona eine Hütte, um abzuwarten und zu beobachten, was mit Ninive passiert. Obwohl Gott bereits seine Entscheidung getroffen und den Menschen von Ninive Gnade erwiesen hat, verlässt Jona diesen Ort nicht. Vielleicht hat sich Jona tatsächlich eingebildet, dass sein Ärger und sein Ausharren an Ort und Stelle Eindruck bei Gott hinterlassen werden. Vielleicht denkt er, dass Gott gar keine Wahl hat, weil Gott zu ihm stehen wird, weil er Hebräer ist. Er scheint wirklich davon auszugehen, dass sich Gott die Sache mit Ninive nochmals überlegen wird.

Gott hat Geduld mit Jona. Er lässt Jona weiterhin nicht allein. Genauso wie er für Jona während dessen vermeintlicher Flucht gesorgt hat, ist er auch jetzt für Jona da. Gott lässt an einem Tag eine Rizinusstaude - sie heißt auch Wunderbaum - wachsen. Sie kann bis zu 13 m hoch werden. Am anderen Tag lässt Gott sie verdorren. Jona ist erneut wütend und cholerisch. Er will sterben. Gott fragt ihn: "Meinst du, dass du mit Recht zürnst um der Staude willen?" Diesmal reagiert Jona auf die Frage Gottes, indem er sie bejaht. Jona ist davon überzeugt, ein Recht auf seinen Zorn zu haben. Er scheint verblendet und respektlos zu sein. Gott antwortet ihm (Jona 4, 10ff):

10 Und der HERR sprach: Dich jammert die Staude, um die du dich nicht gemüht hast, hast sie auch nicht aufgezogen, die in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb,

11 und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertundzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?

Gott konfrontiert Jona mit seiner begrenzten, engstirnigen Sichtweise: "Du regst dich über das Verdorren einer Pflanze auf, und ich soll nicht davon bewegt werden, dass 120 000 Menschen und viele Tiere zugrunde gehen?"

Damit endet das Buch. Wir erfahren nicht, wie Jona darauf reagiert. Aber Gott macht unmissverständlich deutlich, dass er ein gnädiger Gott ist. Seine Gnade gilt allen Menschen, er sorgt sich um sie. Seine Gnade begrenzt sich nicht auf die, die ihn kennen. Er ist sogar den Feinden Israels gegenüber gnädig.  Auch wenn er ein Gericht ausspricht oder aussprechen lässt, beharrt er nicht auf dessen Erfüllung, sondern hat Mitleid mit den Menschen, wenn sie Buße tun. Er besteht auch nicht auf eine prinzipielle Durchsetzung seiner Gerechtigkeit. Ihm ist die Begnadigung schuldig gewordener Menschen wichtiger.

Zum Schluss möchte ich folgende Fragen stellen:

- Finden wir uns manchmal in Jona wieder?
- Haben wir wirklich eine enge Beziehung zu Gott?
- Tun wir immer seinen Willen?
- Begegnen wir den Menschen mit Liebe?
- Und nehmen wir Gott ernst?

Gott ernst nehmen bedeutet, dass wir sein Wesen ernst nehmen:

" Gott ist Liebe. Er liebt uns Menschen, aber er liebt die Sünde nicht.
" Gott ist heilig. In seiner Gegenwart hat Sünde keinen Platz.
" Gott ist gerecht. Der Lohn der Sünde ist der Tod.
" Gott ist gnädig. Er vergibt dem, der Buße tut.

Ich habe immer wieder meine eigenen Vorstellungen darüber, wie Gott in bestimmten Situationen handeln sollte. Manchmal habe ich auch ganz klare Erwartungen an ihn. Aber es kann passieren, dass Gottes Vorstelllungen und Erwartungen nicht mit den meinen übereinstimmen. Jona hatte dieses Problem. Jonas Denken und Gottes Handeln passten nicht zusammen: Jona predigt Gericht und will Vernichtung - Gott lässt Gericht predigen und will Errettung.

Werden wir ärgerlich, wenn Gott nicht tut, was wir wollen? Ich gebe zu, dass ich des Öfteren mit Unverständnis reagiert habe und manchmal auch wütend war. Ich wollte Gottes Handeln nicht verstehen, weil ich mich von ihm nicht verstanden fühlte. Ich wollte, dass sich Gott auf meine Seite stellt und mir Recht gibt. Aber das Buch Jona macht deutlich. Gott stellt sich zu den Menschen, die Buße tun.

Gott kümmert sich sowohl um den einzelnen Menschen wie auch um eine ganze Stadt. Das eine schließt das andere nicht aus. Er hat Geduld mit Jona und ist den Niniviten gegenüber voller Gnade. Er entscheidet sich nicht für den einen Menschen und gegen den anderen. Er begegnet jedem Menschen, er geht jedem nach. Die Frage ist: Wie reagieren wir auf die Begegnung Gottes? Bleiben wir in unserer Sünde verharren oder tun wir Buße? Ich durfte in meinem Leben immer wieder die Geduld Gottes und seine Gnade mit mir erleben. Gott sprach immer wieder klare Worte in meine Lebenssituationen hinein. Manchmal wirkten diese Worte hart, aber ich entdeckte darin dennoch seine Liebe für mich. Würde Gott mich immer nur in Watte packen, mich schonen, mir nicht die Wahrheit sagen, hätte ich keine Chance, mich weiterzuentwickeln und mich zu verändern.

Gott erwartet bei unserer Bekehrung nicht, dass wir sofort ein perfektes Christenleben führen, sondern dass wir in Beziehung mit ihm bleiben und uns immer mehr von ihm verändern lassen. Als Christ hört die Schule Gottes, in der wir uns befinden, nie auf. Ich möchte uns ermutigen, Lernende Gottes zu bleiben. Gottes Segen.


Gemeinde Gottes Nördlingen

Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
                                                                    Impressum         Kontakt           Gästebuch