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Die Stimme Gottes hören
Wer von euch kann sich denn noch an das Thema von letzter Woche
erinnern? Andrea hat uns ermutigt, als Gemeinde nach vorne zu gehen.
Womit endete ihre Predigt? Ich habe auf jeden Fall die Aufforderung
herausgehört, auf Gottes Stimme hören zu sollen. Das soll das heutige
Thema meiner Predigt sein. Ich möchte zu Beginn eine Bibelstelle aus 1.
Sam. 3 vorlesen.
4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich!
5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich
gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und
lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen.
6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli
und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach:
Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich
schlafen.
7 Aber Samuel hatte den HERRN noch nicht erkannt, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart.
8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum dritten Mal. Und er stand auf
und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen.
Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief,
9 und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du
gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel
ging hin und legte sich an seinen Ort.
10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.
11 Und der HERR sprach zu Samuel
Wir kennen diese Geschichte. Samuel war noch ein Knabe. Und obwohl er
noch ein Knabe war, sprach Gott zu ihm. Das Problem dabei war, dass
Samuel zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Stimme Gottes kannte. Er lief
zu Eli, da er davon ausging, dass dieser ihn gerufen hat. Aber Eli war
weise genug, Samuel zu erklären, was er zu tun hatte. Die Anweisung
Elis war ganz einfach. Samuel sollte Gott antworten, dass er bereit ist
zu hören. Aber gerade diese Anweisung stellt immer wieder aufs Neue –
auch für uns heute noch - eine Herausforderung dar. Warum? Wir sind
herausgefordert, uns zu entscheiden, Gottes Stimme hören zu wollen oder
uns zurückzunehmen. Diese Entscheidung stellt ein Wagnis dar. Ich wage,
Gott zu vertrauen, dass er es ist, der zu mir spricht. Dabei kommt es
nicht darauf an, wie intensiv der Eindruck ist. Mose scheint es da
einfacher gehabt zu haben. Mit dem brennenden Dornbusch hat er ein
intensives Erlebnis gehabt. Das machte ihn neugierig und offen für
Neues, Unbekanntes. Jetzt kann jemand einwerfen: Ja, wenn mir Gott
heute noch in einem brennenden Dornbusch begegnen würde, ja, dann würde
ich zuhören und auch tun, was Gott sagt. Ich wage zu bezweifeln, dass
das so wäre. Mose hat die Stimme gehört, ihm war bewusst, es ist Gott,
der da zu ihm spricht, dennoch hatte er so seine Probleme mit dem
Gehorsam.
Ein anderes Beispiel ist Abraham. Wir wissen kaum etwas über ihn aus
der Zeit vor seiner Berufung. War er eine herausragende Persönlichkeit?
Hatte er besondere Führungsqualitäten oder andere besondere Begabungen
und Fähigkeiten. War sein Lebenswandel außergewöhnlich? Ich gehe nicht
davon aus. Wenn das wichtig für seine Berufung gewesen wäre, würde es
im Wort Gottes stehen. Es ist nicht wichtig. Gott beruft uns in die
Beziehung zu ihm. Er beruft uns mit unserem Namen. Das ist von
Bedeutung. Derjenige, der mit Namen berufen wird, kann durch niemand
anders ersetzt werden. Abraham hat sich berufen lassen, er hat auf die
Stimme Gottes gehört und ihr vertraut. Er hat das Land verlassen, in
dem er in Sicherheit gelebt hat, und hat sich auf eine ungewisse
Zukunft eingelassen. Warum? Er hat es gemacht, weil er auf die
Stimme Gottes gehört und ihr vertraut hat. Er hat es gemacht, obwohl es
ein Wagnis war. Er hat es gemacht, obwohl ihn andere sicher als
verrückt betrachtet haben, weil er ein Leben in Sicherheit aufgab.
Noah war auch jemand, der etwas Verrücktes gemacht hat. Er hat ein
großes Schiff gebaut, obwohl kein See, kein Meer in der Nähe war. Er
war vermutlich dem Spott anderer ausgesetzt. Er hat es ertragen. Warum?
Noah war sich sicher, Gottes Stimme gehört zu haben. Er war sich
sicher, er konnte dieser Stimme vertrauen. Er war sich sicher, nicht
enttäuscht zu werden. Deshalb konnte er gehorsam sein.
Was können wir daraus schließen?
Können wir eine bestimmte Technik oder Methode erkennen? Nein! Die
Menschen aus der Bibel haben keine Technik angewendet, um Gottes Stimme
hören zu können. Als sie die Stimme gehört haben, hat sich Gott zu
erkennen gegeben. Sie waren aber nicht nur bereit, die Stimme zu hören,
sondern sie haben zugehört und sich darauf eingelassen, was ihnen Gott
zu sagen hatte. Dadurch sind sie eine Beziehung mit ihm eingegangen.
Diese Beziehung hat sich darin gezeigt, dass sie Vertrauen zu ihm
hatten. Sie haben die Entscheidung getroffen, sich herausfordern lassen
und zu tun, was Gott ihnen sagte.
Wie steht es um uns?
Haben wir das Vertrauen, dass Gott auch heute noch ganz konkret zu uns
spricht? Wenn wir dieses Vertrauen nicht investieren, werden wir keine
Erfahrungen mit dem Hören auf die Stimme Gottes machen.
Lassen wir uns herausfordern, indem wir uns entscheiden, Gottes Stimme
hören zu wollen, oder nehmen wir uns zurück? Wenn wir uns zurücknehmen,
nehmen wir Gott die Möglichkeit, zu uns reden zu können. Wir berauben
uns selbst.
Gehen wir das Wagnis ein, Gott durch unser Handeln Antwort auf sein
Reden zu geben? Gehen wir dieses Wagnis ein, auch wenn wir verunsichert
sind, ob es wirklich Gottes Stimme war? Wisst ihr, ein Kind lernt nicht
laufen, wenn es sich nicht traut, sich auf die Füße zu stellen. Ein
Kind, das Laufen lernt, wird anfangs immer und immer wieder hinfallen.
Was passiert, wenn das Kind umfällt? Bleibt es liegen? Nein! Es
probiert es wieder von Neuem und irgendwann wird es laufen gelernt
haben. So sollte es auch bei uns sein. Wagen wir Schritte im Glauben zu
gehen, auch wenn wir die Folgen nicht immer absehen können? Wagen wir
Schritte im Glauben zu gehen, auch wenn wir Angst haben, wir könnten
uns verhört haben? Wagen wir Schritte im Glauben zu gehen trotz der
Angst vor dem Unbekannten? Wagen wir Schritte im Glauben zu gehen trotz
schmerzhafter Erfahrungen, trotz der Angst vor Fehlern, vor Strafe, vor
Leid oder Ablehnung? Ist unsere Angst berechtigt? Ich denke schon.
Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst, doch ich habe die Welt
überwunden. Jesus ist stärker als all das, was uns in der Welt begegnet
und uns Angst machen kann. Er hat die Welt überwunden. Und in seiner
Kraft, durch ihn, gelingt uns das auch. Deshalb brauchen wir uns
von unserer Angst nicht lähmen lassen. Wir wollen doch alle im Glauben
wachsen! Aber wir werden im Glauben nicht wachsen, wenn wir uns nur an
bekannten Dingen festhalten. Außerdem hat Gott nicht gesagt, dass wir
als Christen nie Schwierigkeiten haben werden. Er hat auch nicht
gesagt, dass wir uns immer gut fühlen werden. Aber er hat uns zugesagt,
dass er bei uns sein wird. Dies zeigt deutlich, wie wichtig ihm die
Beziehung zu uns ist.
Machen wir unser Vertrauen davon abhängig, wie intensiv wir Gottes
Stimme erleben, oder vertrauen wir darauf, dass es tatsächlich Gott
ist, der zu uns spricht? Wenn uns das Vertrauen fehlt, kann die
Intensität des Eindrucks sehr stark sein, wir werden dennoch nicht auf
die Stimme Gottes hören. Wenn wir aber Vertrauen haben, werden wir auch
auf einen kleinen Wink Gottes reagieren. Wir werden unsere Ohren
spitzen und zuhören.
Wollen wir Gott in eine bestimmte Schublade stecken? Wollen wir, dass
er zu uns redet, wie wir es uns vorstellen? Hätten wir gern eine
Gebrauchsanleitung für das Hören auf Gottes Stimme. Wäre es nicht
schön, wenn es einen Knopf gäbe, auf den wir drücken können, um mit
Gott sofort Kontakt zu haben? Es könnte passieren, dass uns jetzt ein
„Ja“ herausrutscht. Aber wir würden Gott damit in seinen Möglichkeiten
beschränken. Bei diesen Vorstellungen würde es nur noch um unseren
Willen, um unsere Vorstellungen, um unsere Bedürfnisse gehen. Wir
würden Gott als Automaten betrachten, der von uns nur noch bedient zu
werden braucht. Aber es geht nicht um unsere Vorstellungen und
Erwartungen. Es geht um eine lebendige Beziehung zu Gott.
Was macht es uns schwer, auf die Stimme Gottes zu hören? Was hindert uns, die Stimme Gottes zu hören?
Dafür gibt es sicher die verschiedensten Gründe. Vielleicht haben wir
die Erfahrung gemacht, dass wir bei dem Versuch, auf Gottes
Stimme hören zu wollen, ihn zu erleben, enttäuscht worden sind.
Deshalb ist Angst entstanden, nochmals in die Irre geführt zu werden.
Vielleicht wollen wir aber nur unabhängig sein, wollen selbst
Entscheidungen treffen. Gott lässt uns diese Entscheidungen treffen,
aber auch die Konsequenzen unserer Entscheidungen erleben. Er drängt
sich uns nicht auf. Vielleicht haben wir auch ein verzerrtes
Gottesbild, wodurch Zweifel in uns entstehen. Wir sehen, wie Gott im
Leben anderer wirkt und fragen uns, warum erlebe ich solche Dinge
nicht. Wir zweifeln zwar nicht an seiner Existenz, aber an seiner Liebe
für uns.
Was sagt Gott?
In Jes. 43 steht:
1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich
nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen
gerufen; du bist mein!
4 du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe.
Gott sagt zu dir – heute – und jeden Tag auf´s Neue: Du bist erlöst, er
hat dich bei deinem Namen gerufen, du bist sein, du bist wert geachtet,
du bist herrlich, er hat dich lieb.
Jesus ist für uns gestorben, damit wir seine Kinder sind. In Joh. 1, 12
steht: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder
zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.
Gott ist es, der eine Beziehung zu uns herstellt. Er sagt uns Erlösung
zu. Er sagt uns zu, seine Kinder werden zu dürfen. Durch das Opfer Jesu
hat er den Weg dafür bereitet. Wir sind versöhnt mit Gott, nehmen wir
dieses Opfer an. Das Wunderbare ist, dass dadurch der Heilige Geist in
uns lebendig wird.
Betrachten wir weitere Verheißungen:
Joh. 14,26: Aber der Tröster, der heilige Geist, ... der wird euch
alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Joh. 16,13: Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.
Röm. 8,16: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.
2. Kor. 13,13: und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.
Kennen wir Gottes Stimme?
Dazu möchte ich aus Joh. 10 lesen. Jesus sagt:
11 Ich bin der gute Hirte.
27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;
28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.
Jesus vergleicht uns hier mit Schafen. Wir sind seine Schafe. Wir
gehören ihm. Wir sind sein Eigentum. Er hat für uns die Aufgabe des
guten Hirten übernommen. Ein guter Hirte pflegt eine enge, fürsorgliche
Beziehung zu seinen Schafen. Seine Schafe vertrauen ihm, deshalb hören
sie auf ihn. Mir geht es oft so, dass ich will, dass mir Gott den
ganzen Weg – quasi von A bis Z – zeigt. Ich will Sicherheit, will
wissen, wo es hingeht, was auf mich zukommt. Aber habt ihr schon einmal
erlebt, dass sich ein Hirte vor oder inmitten seiner Herde gestellt hat
und seinen Schafen genau erklärt hat, wie der Weg aussieht? Sicherheit
entsteht nicht durch das Wissen über den Weg, sondern durch die Nähe
und Gegenwart Gottes. Seine Nähe schafft Vertrauen und Geborgenheit –
trotz auftretender Schwierigkeiten.
Haben wir dieses Vertrauen? Wir wissen, dass wir dieses Vertrauen haben
dürfen, aber haben wir es wirklich? Haben wir eine offene,
vertrauensvolle und wahrhaftige Beziehung zu Jesus? Hören wir auf seine
Stimme? Hören wir noch seine Stimme? Erleben wir seine Gegenwart oder
haben wir das Gefühl, getrennt von ihm zu sein?
Wenn wir diese Fragen mit Nein beantworten müssen, haben wir eine
Beziehungsstörung. Sünde führt zu einer Beziehungsstörung. Diese lässt
sich nur beheben, wenn wir unsere Sünde bekennen. Vielleicht lässt sich
die Sünde in unserem Leben gar nicht so leicht entdecken, weil es ein
schleichender Prozess war, und wir der Meinung sind, Dinge, die wir
tun, für Gott zu tun. Deshalb ist es wichtig, dass wir immer wieder
unsere Motivation überprüfen: Tun wir Dinge, weil Gott es uns gesagt
hat oder weil wir denken, Gott will, dass wir diese Dinge tun? Tun wir
Dinge, die Gott uns gesagt hat, sind wir im Willen Gottes. Denken wir,
diese Dinge für Gott zu tun, könnten wir in die Irre gegangen sein.
Deshalb
- achten wir darauf, dass wir im Vertrauen zu Gott leben
- überlassen wir die Führung in unserem Leben Gott.
- lasst uns immer wieder überprüfen, warum wir etwas tun.
- lasst uns umkehren, umdenken und bereit sein, auf Gott zu hören.
- legen wir unser Augenmerk auf die Beziehung zu Gott und nicht auf blinden Aktionismus.
- lasst uns unsere Sünden bekennen und die Vergebung annehmen, damit die
Beziehungsstörung beseitigt werden kann.
- lasst uns lernen, Gottes Stimme immer besser zu hören.
- lasst uns offen sein, bereit sein für Gott und sein Reden.
- lasst uns unsere Vorstellungen darüber, wie Gott reden soll, loslassen.
- lasst uns unsere Lösungen und Antworten für unsere Lebenssituation beiseite legen und bereit sein, Antworten Gottes zu hören.
- lasst uns offen sein für die Antworten Gottes, auch wenn uns diese nicht gefällt und seine Antworten annehmen.
- lasst uns Gott bitten, zu uns in konkrete Situationen sprechen zu dürfen.
Wir brauchen keine Angst vor dem Reden Gottes haben, denn er kennt uns
nicht nur, sondern er ist voller Liebe für uns. Er weiß, wie wir
denken, und er kennt unsere Gefühle. Daher spricht er zu jedem so, dass
jeder ihn auf seine eigene Art verstehen kann. Ich möchte uns
ermutigen, neu das Wagnis einzugehen, auf seine Stimme zu hören und ihr
zu vertrauen. Gottes Liebe sei mit euch.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
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