|
|
Wandeln im Geist
Gal. 5,13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur
gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das Fleisch, sondern dient
einander durch die Liebe! 14 Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort
erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." 15
Wenn ihr aber einander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht
voneinander verzehrt werdet! 16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und
ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. 17 Denn das
Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch;
denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was
ihr wollt. 18 Wenn ihr aber durch den Geist geleitet werdet, seid ihr
nicht unter dem Gesetz. 19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches;
es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, Zauberei,
Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien,
Zwistigkeiten, Parteiungen, 21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und
dergleichen. Von diesen sage ich euch im Voraus, so wie ich vorher
sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.
22 Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut,
Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese
ist das Gesetz nicht gerichtet. 24 Die aber dem Christus Jesus
angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden
gekreuzigt. 25 Wenn wir durch den Geist leben, so lasst uns durch den
Geist wandeln! 26 Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, indem wir
einander herausfordern, einander beneiden.
Wir sind zur Freiheit berufen worden.
Dies haben die Galater vergessen. Sie begannen ihr Leben als Christen
damit, dass sie an Jesus Christus glaubten. Ihr Glaubenswandel war von
Beginn an übernatürlich und sie erlebten viele Wunder. Aber sie ließen
sich plötzlich von den Judaisten beirren, die ihnen erklärten, sie
müssten dem Gesetz gegenüber gehorsam sein. Obwohl sie Erfahrungen im
Glauben machten, wollten sie sich nun dem Gesetz unterordnen.
Ist euch bewusst, dass ihr zur Freiheit berufen worden seid? Dies gilt
nämlich nicht nur für die Galater, sondern auch für uns heute, hier und
jetzt. Was bedeutet Freiheit? Freiheit ist das Gegenteil von
Gefangenschaft und Gebundenheit. Wir können nicht nur äußerlich
gefangen, sondern auch äußerlich frei sein, aber innerlich an
irgendetwas gebunden. Wir können bspw. Süchte oder Zwänge haben. Im
Lexikon steht, dass Freiheit Unabhängigkeit von äußeren oder inneren
Zwängen sowie fremder Gewalt ist.
Was bedeutet nun für uns, zur Freiheit berufen worden zu sein? Was
meint Paulus damit? Wir wissen, dass Jesus in Joh. 14,6 sagt: Ich bin
der Weg, die Wahrheit und das Leben. In Joh. 8,32 steht: und die
Wahrheit wird euch frei machen. Wir werden also durch Jesus frei, weil
er die Wahrheit ist. In Joh. 8, 36 wird nochmals bestätigt, dass wir
durch Jesus frei werden: So euch der Sohn frei macht, so seid ihr recht
frei. Von was macht uns Jesus frei?
- Wir sind frei vom Gesetz (Röm. 7,1-25).
Für Paulus ist das Gesetz ein Joch der Sklaverei. Menschen, die nach
dem Gesetz leben, sind für ihn Sklaven des Gesetzes. Sie dienen
dem Gesetz, indem sie versuchen, das Gesetz zu halten. Sie
möchten dadurch Rechtfertigung vor Gott erlangen. Da aber kein Mensch
in der Lage ist, das Gesetz vollständig zu halten, gelingt es niemand,
durch das Gesetz Rechtfertigung zu erlangen. Paulus macht deutlich,
dass der Mensch allein aus Glauben und nicht aufgrund des Gesetzes
gerechtfertigt ist.
- Wir sind frei von Sünde (Röm. 6,1-23).
Jeder Mensch ist ein Sünder vor Gott. Aber in Jesus haben wir zum einen
die Vergebung unserer Sünden, zum anderen sind wir durch ihn der Sünde
gestorben. Die Sünde hat dadurch keine Macht mehr über uns. Wir
erlangen dadurch die Freiheit, Dinge nicht mehr tun zu müssen, die wir
davor taten, obwohl wir sie nicht tun wollten.
- Wir sind frei vom Tod (Röm. 8,1-39).
Durch Jesus werden wir die Auferstehung erleben und ewiges Leben
erlangen. Wir wissen also um unsere Zukunft und brauchen keine Angst
mehr davor zu haben.
Wie hat Jesus diese Freiheit möglich gemacht? Sie wurde erst möglich
durch seinen Tod am Kreuz. Er hat das Kreuz freiwillig auf sich
genommen und er war Gott gegenüber gehorsam bis zu seinem Tod am Kreuz.
Dadurch, dass wir zu Jesus gehören, sind unser Fleisch und unsere
Begierden mit ihm am Kreuz gestorben. Deshalb kann Paulus sagen
(Gal.5, 1): Ihr seid durch Jesus Christus zur Freiheit berufen worden!
Durch das Kreuz erleben wir die Gnade der Freiheit in Jesus Christus.
Ohne das Kreuz hätten wir keine Freiheit in Jesus Christus. Kreuz und
Freiheit gehören also zusammen. Verstehen wir die Bedeutung des
Kreuzes, lernen wir auch unsere Freiheit zu schätzen.
Wie gehen wir mit unserer Freiheit um?
Paulus warnt die Galater, ihre Freiheit nicht dazu zu gebrauchen, um
dem Fleisch zu dienen. Er fordert sie auf: Wandelt im Geist, und ihr
werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen. In der Taufe wurde
unser alter Mensch mit Jesus gekreuzigt. Dadurch hört der Leib auf, der
Sünde zu dienen (Röm. 6,6). Ihr erlebt aber sicher auch immer wieder,
dass euer alter Mensch aufstehen möchte. Wie geht ihr damit um? Wie
entscheidet ihr euch? Gebt ihr dem Drängen des alten Menschen und der
Lust des Fleisches, nach oder ergreift ihr die Möglichkeit, weiter im
Geist zu wandeln? Jeder von euch will sicher der Lust des Fleisches
widerstehen. Wir wissen, dass dies oft ein Kampf ist. Das Fleisch
begehrt gegen den Geist auf und der Geist gegen das Fleisch. Was
passiert, wenn es nicht gelingt, dem Fleisch zu widerstehen? Geht zu
eurem Vater im Himmel, bekennt es und empfangt seine Vergebung. Gott
verdammt uns nicht. Wir brauchen es auch nicht zu tun. Gott hat uns die
Möglichkeit geschenkt, im Geist leben und wandeln zu können. Und wir
dürfen lernen, darin auch zu leben und wandeln. Das geht nicht von
heute auf morgen. Zum einen unterliegt gas Leben und das Wandeln im
Geist einem Wachstumsprozess, zum anderen müssen wir uns immer wieder
entscheiden, darin leben und wandeln zu wollen.
Paulus fordert die Galater auf, ihre Freiheit zu verwenden, um einander
durch die Liebe zu dienen. Er erinnert sie daran, ihren Nächsten zu
lieben, wie sich selbst. Aufgrund der Lehre der Judaisten scheinen sie
dies ebenfalls vergessen zu haben. Sie haben ihre Prioritäten
verändert. Indem sie das Gesetz in den Vordergrund gestellt haben,
haben sie den Dienst und ihre Liebe füreinander vergessen.
Wenn man nach dem Gesetzt lebt, entstehen anderen gegenüber Vergleichs-
möglichkeiten. Man kann feststellen, wer welche Gesetze wie einhält.
Dadurch kann untereinander sehr schnell Konkurrenz auftreten. Jeder
will in der Einhaltung des Gesetzes der Beste sein. Der Dienst und die
Liebe treten in den Hintergrund. Deshalb warnt Paulus: Lasst uns nicht
nach eitler Ehre trachten, indem wir einander herausfordern, einander
beneiden. Er musste sie wieder an ganz elementare Dinge des Christseins
erinnern - an den Dienst füreinander und an die Liebe. Diese beiden
Dinge sind für uns nicht messbar. Sie sind eine Sache unseres Herzens.
Der einzige, der in unser Herz blicken kann, ist Gott. Aber dennoch
sind diese Dinge offenbar. Wir können erkennen, ob jemand die Werke des
Fleisches oder die Frucht des Geistes hervorbringt. Einen
geisterfüllten Menschen kann man an seiner Frucht erkennen, einen
fleischlichen Menschen kann man anhand seiner Werke identifizieren.
Der Unterschied zwischen den Werken des Fleisches und der Frucht des Geistes
Sehen wir uns das Auto an. Das Auto (selbst hergestelltes Holzauto) ist
ein Werk. Es kommt aus der Werkstatt und ist aus der dortigen
Erfindungskraft entstanden. Menschliche Anstrengung war erforderlich.
Eine Werkstatt arbeitet mit totem Material - mit Holz, Stein, Metall.
Wir können also sagen, dass Werke im Reich der toten Dinge angesiedelt
sind. Da das Werk aus totem Material besteht, ist es dem Prozess des
Verfalls unterworfen. Die besten Werke des Menschen verblassen,
vergehen und zerfallen mit der Zeit oder scheitern auch manchmal
bereits im Ansatz.
So ist es auch mit den Werken des Fleisches. Sie entstehen aus eigenem
Bemühen, eigener Anstrengung, eigener Überlegung und sie sind dennoch
tot. Unsere Motivation dafür kommt aus unseren Begierden, die zur Sünde
führen. Wir wissen, dass der Lohn der Sünde der Tod ist.
Als Werk des Fleisches wird bezeichnet: Unzucht, Unreinheit,
Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit,
Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten,
Parteiungen, Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen.
Eine Frucht kommt aus dem Garten. Sie entsteht aus dem stillen Wachstum
überschwänglichen Lebens. Ein Garten kultiviert lebende Kräfte und
bringt sie an ihr festgesetztes Ziel. Die Frucht ist das Werk Gottes.
Sie wird nicht durch das Bemühen des Menschen hervorgebracht. Sie ist
weder eine Erfindung noch ein Produkt des Menschen.
Die Frucht des Geistes wird durch das Wirken Gottes bewirkt. In Joh.
15, 1 kommt klar zum Ausdruck, dass Gott der Gärtner ist. Jesus sagt in
dieser Stelle: Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der
Weingärtner. Ein Gärtner ist für das Wachstum seiner Pflanzen
verantwortlich. So fördert auch Gott unser Wachstum bzgl. der Frucht
unseres Geistes, wenn wir im Geist leben und wandeln. Das Leben und das
Wandeln im Geist ist unsere Verantwortung, damit Gott seine Arbeit als
Gärtner an uns tun kann und wir Frucht bringen können.
Ist euch schon einmal aufgefallen, dass zwar von den Werken des Fleisches
- Mehrzahl -, aber nur von der Frucht, also einer Frucht des Geistes,
die Rede ist? Es werden aber insgesamt neun Dinge als Frucht des
Geistes benannt. Vielleicht kann man es so verstehen, dass die Frucht
des Geistes die Liebe ist, und die weiteren Dinge (Freude, Friede,
Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit) als die
Eigenschaften oder der Ausdruck der Liebe zu sehen sind. Deutlich wird,
dass es bei der Frucht des Geistes auf jeden Fall um unseren Charakter
und um unsere Charaktereigenschaften geht. Unser Charakter soll
dem Charakter Jesu dabei immer ähnlicher werden. In Jesus kam die
Frucht des Geistes in seiner Vollkommenheit zum Ausdruck.
Wandeln im Geist
Paulus fordert uns auf: Wandelt im Geist! Wie soll das gehen? Was ist
darunter zu verstehen? In Vers 25 steht: Wenn wir durch den Geist
leben, so lasst uns durch den Geist wandeln! Leben und Wandeln sind
also zwei unterschiedliche Dinge.
Wie sieht euer Leben aus? Lebt ihr durch den Geist? Wie wir leben,
hängt damit zusammen, welche Prioritäten wir im Leben setzen und welche
Entscheidung wir treffen. Wollen wir überhaupt durch den Geist leben?
Diese Frage sollte sich ein Gläubiger nicht stellen müssen. Es sollte
eine Selbstverständlichkeit sein, dass ein Gläubiger durch den Geist
lebt. Lebt ein Mensch nicht durch den Geist, lebt er automatisch durch
das Fleisch. Damit uns ein Leben durch den Geist gelingt, hat der
Heilige Geist die Aufgabe, unser Beistand zu sein. Sein Aufgabenbereich
ist sehr vielfältig. Lassen wir uns vom Heiligen Geist in unserem Leben
leiten und ist unser Geist mit ihm verbunden, leben wir durch den Geist.
Leben wir durch den Geist, entsteht ein Wandeln im Geist oder ein
Wandeln durch den Geist. Ein Wandeln hat mit einer Veränderung zu tun.
Gott hat aus Liebe zu uns seinen Sohn hingegeben. Er liebt uns aber so
sehr, dass er nicht will, dass wir so bleiben, wie wir bei unserer
Errettung waren. Er möchte uns verändern. Deshalb ist er unser Gärtner.
Ziel der Veränderung ist, dass wir Jesus immer ähnlicher werden. Unser
Charakter wird seinem immer ähnlicher werden, unterziehen wir uns dem
Prozess des Wachstums der Frucht des Geistes.
Sind wir in den Prozess der Veränderung und des Wachstums eingebunden,
kommen wir erst gar nicht in die Gefahr, die Begierden des Fleisches zu
erfüllen. Deshalb ist es so wichtig, klare Prioritäten in unserem Leben
zu setzen. Die Entscheidung unserer Prioritäten bestimmt, in welche
Richtung wir uns entwickeln.
Abschließende Worte
Aus dem Abschnitt aus dem Galaterbrief wird deutlich, dass wir als
Christen darauf achten müssen, unsere Freiheit bewusst einzusetzen.
Wir entscheiden selbst, ob wir uns vom Heiligen Geist führen
lassen oder unserem Fleisch Raum lassen. Entscheiden wir uns aber für
das Fleisch, stehen wir in der Gefahr, unsere Freiheit zu verlieren und
erneut in Gefangenschaft zu geraten (s. Galater: Joch des Gesetzes).
Gott liebt uns. Bei ihm brauchen wir keine Angst vor Veränderung zu
haben. Wir dürfen ihm vertrauen und uns getrost in seine Hände begeben.
Er weiß, wie er als Gärtner uns, die Reben, zu behandeln hat. Lasst uns
bereit sein, unseren Charakter von ihm verändern zu lassen. Lasst uns
danach streben.
Gemeinde Gottes Nördlingen
Hahnengasse 2
86720 Nördlingen
Tel.: 07362/21423
|
|