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Warum sind Ziele wichtig?

Dazu möchte ich euch einen Auszug aus "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll vorlesen

"Grinse-Katze", begann sie ein wenig zaghaft.
"Würdest du mir sagen, welchen Weg ich von hier aus nehmen soll?"
"Kommt drauf an, wohin du von hier aus gehen möchtest", antwortete die Katze.
"Es ist mir gar nicht so wichtig, wohin", sagte Alice.
"Dann spielt es auch keine Rolle, welchen Weg du nimmst", sagte die Katze.

Die Katze bringt es auf den Punkt, ohne ein gesetztes Ziel ist es gleichgültig, welcher Weg eingeschlagen wird. Alice scheint an dieser Stelle ziellos und planlos zu sein. Sie ist deshalb nicht entscheidungsfähig. Sie weiß zwar, dass sie gehen soll, aber sie weiß nicht wohin.

Ein anderes Beispiel: Vergleichen wir einmal unser Leben mit einer Schiffsreise und
stellt euch vor, ihr wärt mit einem wundervollen Schiff auf dem Meer unterwegs,… aber ihr wüsstet gar nicht, wo eure Reise hingehen soll. Ihr habt kein Ziel. Das wäre schon ein bisschen komisch, oder?! Natürlich kann es sein, dass ihr per Zufall auf den Malediven landet, aber es kann genau so gut sein, dass ihr per Zufall im Rhein-Main-Donau-Kanal landet.

Wenn wir es dem Zufall überlassen, wohin das Schiff unseres Lebens steuert, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir an einem Ort ankommen, der uns überhaupt nicht gefällt.

Cicero, ein römischer Politiker, der 106 v.Chr. bis 43 v.Chr. gelebt hat, hat gesagt:

"Wer kein Ziel hat, für den ist kein Wind der richtige."

Wenn wir kein Ziel haben, werden wir auch nie mit den Umständen in unserem Leben zufrieden sein. Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen. Wir können den Wind - egal ob er von vorne oder hinten bläst - nicht nutzen, weil wir ziellos sind. Wir können jetzt dem Wind die Schuld geben, wenn sich unsere Richtung als "falsch" erweist. Das Problem ist aber, dass derjenige, der keine Ziele hat, nirgendwo ankommt.

Ziele sind wichtig, weil sie

"        uns die Richtung angeben, wohin es gehen soll.
"        uns in unseren Entscheidungen Sicherheit geben.
"        planvolles Handeln möglich machen.
"        unserem Handeln einen Sinn geben.
"        unsere Energie und Aufmerksamkeit bündeln.
"        unsere Kreativität fördern.
"        uns motivieren.

Laotse, ein chinesischer Philosoph im 6. Jhrh. v.Chr., hat gesagt: Wer sein Ziel kennt, der findet den Weg. Als Christen kennen wir unser persönliches Hauptziel und wir kennen den Weg. Hauptziel im unserem irdischen Dasein ist, Jesus immer ähnlicher zu werden. Hauptziel für die Ewigkeit ist, diese mit ihm, seinem Vater und dem Heiligen Geist zu verbringen. Jesus gibt uns den Weg vor. Er sagt in Joh. 14,6: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Aber welche Ziele haben wir sonst noch? Welche Ziele hat Gott mit uns? Wir können das Wort Gottes betrachten, um für uns Ziele herausfinden zu können. Es ist wichtig, dass wir aus dem Wort Gottes das herauslesen, was Gott uns sagen möchte, und nicht in das Wort Gottes Dinge hineinlesen, die wir gern hören würden. Gott agiert zielgerichtet. Um Ziele formulieren zu können, benötigen wir eine Vision.

Spr. 29,18: Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk wild und wüst; aber wohl dem, der auf die Weisung achtet!

In einer Vision erhalten wir ein Bild von dem, was zukünftig sein wird. Visionen sind von Gott geschenkt. Wir können aus der Bibel unterschiedliche Arten erkennen, wie Gott verschie-densten Menschen Visionen geschenkt hat.

-        Mose bspw. hat das Herz Gottes erfasst.
-        Nehemia hat die Not der Menschen erkannt.
-        Paulus hat seine Vision auf eine sehr dramatische Weise erhalten.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt: Schenkt Gott heute noch Visionen? Die Antwort lautet JA. Wir dürfen und sollen uns auch heute noch nach einer Vision von Gott, einer Vision für unser Leben und einer Vision auch für die Gemeinde ausstrecken. Wir dürfen ihm vertrauen: Er wird sie uns zeigen - auf eine Art, die wir verstehen werden. Ich kann euch versprechen: Das Empfangen der Vision ist im Vergleich zur Umsetzung einfach. Die Vision ist ein geistlicher Bestandteil - dabei ist unser Hören auf Gottes Stimme gefragt. von Bei der Umsetzung geht es eher um technische Elemente - das sind Dinge, bei denen unser Handeln gefragt ist.

Was meine ich nun mit den technischen Elementen:

-        Formulierung von Zielen
-        Formulierung der dazugehörenden Werte
-        Formulierung der anzuwendenden Strategien.

Wichtig ist, dass alle vier Bereiche dieselbe Richtung haben, die von der Vision vorgeben wird. Die theoretische Umsetzung sieht folgendermaßen aus.

 
1. Formulierung der Vision

Eine Vision sollte in 2-3 Sätzen formuliert werden und sollte beschreiben, was du "siehst". Die Sprache sollte allgemein verständlich sein.

Ich gebe euch ein Beispiel: Jemand bekommt die Vision, im Lobpreisteam mitzuwirken und Gitarre zu spielen. Er hat davor noch nie eine Gitarre in der Hand gehabt, aber Gott legt ihm das aufs Herz. Kann er jetzt sagen: Gott hat mir die Vision geschenkt, also werde ich ab kommenden Sonntag mit einer Gitarre vorne stehen und mitspielen, weil Gott mir auch die Fähigkeit schenkt? Nein - das funktioniert in der Regel nicht, wobei Gott die Möglichkeit hätte, ihm diese praktische Fähigkeit von einem Moment zum anderen zu schenken.

Die Vision könnte lauten:

Ich wirke im Lobpreisteam aktiv mit und spiele Gitarre. Dadurch verstärke ich das Team und trage dazu bei, die Menschen in den Lobpreis Gottes zu führen. Ich lasse mich dabei vom Geist Gottes leiten.

In den nächsten Schritten geht es um die technischen Elemente:

2. Formulierung der dazugehörenden Werte

Bei den Werten geht es um die moralische und ethische Unterstützung der Vision (15-20 Sätze). Die Werte definieren die Begriffe, die in der Vision enthalten sind. Warum ist das erforderlich? Dies ist wichtig, da Worte von verschiedenen Menschen unterschiedlich verstanden werden können. Dies liegt an den unterschiedlichen Denkstilen der Menschen. Unterschiedliche Vorstellungen der Begriffe in der Theorie verursachen unterschiedliche methodische Ansätze in der Praxis. Ist man sich nicht in den Werten einig, sind Konflikte vorprogrammiert. Deshalb ist eine klare Formulierung der Werte notwendig. Man sollte auch darauf achten, dass sie keine Slogans darstellen.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar ist sich einig, ein Haus bauen zu wollen. Wenn sie sich aber nicht einig sind, wie das Haus aussehen soll, und mit dem Bau anfangen, ohne darüber zu sprechen, entsteht ein Chaos. Der eine will einen Keller, der andere nicht. Der eine will ein Flachdach, der andere ein steiles Dach usw.

Ich war vor Jahren einmal in einem Treffen eines Lobpreisteams dabei. Wir sprachen über unsere Vision, unsere Ziele und die Umsetzung der Ziele. Ich erinnere mich noch an meine Enttäuschung, dass scheinbar nichts von dem umgesetzt wurde, was wir besprochen hatten. Damals wurde mir bewusst, dass die anderen den verwendeten Worten eine andere Bedeutung gaben als ich. Wir haben nur scheinbar dieselbe Sprache gesprochen. Um Enttäuschungen zu vermeiden und um Klarheit zu erreichen ist die Definition von Worten sehr wichtig, die in der Vision enthalten sind.

In unserem Beispiel haben wir verschiedene Worte, die wir einmal genauer betrachten:

-        im Lobpreisteam aktiv mitwirken
-        Gitarre spielen
-        das Team verstärken
-        Menschen in den Lobpreis führen
-        vom Geist Gottes leiten lassen


Jetzt kann ich behaupten, dass diese Aussagen der Vision eindeutig sind. Aber sind sie das wirklich? Für mich sind sie eindeutig, aber die Frage ist doch, sind sie auch für die anderen klar? Zu klären ist:

-        Ist meine aktive Mitarbeit im Lobpreisteam wirklich erwünscht?
-        Wenn ja, welche Art der Aktivität ist gewollt?
-        Ab wann ist Gitarre spielen Gitarre spielen? Kann ich sagen, ich kann Gitarre spielen, wenn ich zwei Akkorde beherrsche?
-        Will das Team eine Verstärkung?
-        Wie werden Menschen in den Lobpreis geführt?
-        Wer übernimmt diese Verantwortung?
-        Wer übernimmt die geistliche Autorität?

Aus der Beantwortung dieser Fragen entsteht die Formulierung der Werte. Diese könnte lauten:

Unser Lobpreisteam besteht aus Menschen, die Freude am Lobpreis Gottes haben und ein Herz dafür haben, andere in den Lobpreis Gottes führen zu wollen. Voraussetzung ist die Berufung und die musikalische Begabung. Die geistliche Autorität übernimmt derjenige, der sensibel für die Stimme Gottes ist usw.

Ich kann also für mich klären:

-        Habe ich Freude am Lobpreis Gottes.
-        Habe ich ein Herz, andere in den Lobpreis Gottes führen zu wollen.
-        Habe ich eine Berufung?
-        Habe ich eine musikalische Begabung?
-        Bin ich sensibel für die Stimme Gottes?

Erst wenn diese Fragen geklärt sind, ist der nächste Schritt sinnvoll.

3. Formulierung der Ziele

Die Ziele beschreiben die Umsetzung der Werte und spiegeln die Vision wider. Die Werte werden dadurch spezifiziert. Bei Zielen ohne Vision stellt sich die Frage, warum dieses Ziel verfolgt wird.

Ziele sollen

-        spezifisch sein/ klar formuliert sein
-        messbar
-        erreichbar
-        realistisch
-        und in einem konkreten Zeitrahmen stehen.

Ein Ziel zu verfolgen, das für uns nicht erreichbar ist, ist sinnlos. Ziele sollten auch keine Träume sein, aber unsere Träume lassen sich zu Zielen umformulieren. Es geht also darum, Ideen zu entwickeln, sie sind sehr wertvoll, denn sie verändern die Welt. Wenn die Umsetzung der Idee möglich ist, dann sollten wir uns nicht daran hindern lassen und sie zu Zielen formulieren. Wichtig ist, sich Kernprioritäten (ca. 7) zu setzen. Versuche nicht, das zu tun, was andere von dir wollen.

-        Ich lerne Gitarre spielen.
-        Ich lerne pro Woche einen neuen Akkord.
-        Spätestens in einem Jahr werde ich mir genug Gitarrenkenntnisse angeeignet haben, um im Lobpreisteam mitspielen zu können.
-        Ich übernehme bereits jetzt schon Teilaufgaben im Lobpreisteam.
-        Ich habe eine lebendige Beziehung zu Gott.

4. Formulierung der anzuwendenden Strategien

Strategien helfen uns, unsere Ziele zu erreichen. Sie zeigen die einzelnen Handlungsschritte und unser Handwerkszeug auf, das wir benötigen. Bei den Handlungsschritten geht es um praktische Dinge, die letztlich banal sein können, aber dennoch zur Erreichung des Ziels sehr wichtig sind.

Der Küchendienst nach dem Gottesdienst ist bspw. eine strategische Aufgabe, um das Ziel der Gemeinschaft zu fördern. Zum persönlichen Handwerkszeug gehören Dinge wie Zeitmanagement, Umgang mit Entscheidungen und Stress, Kommunikation usw. und bedeutet letztlich auch Disziplin. Deine persönliche Vision und die Vision der Gemeinde können unterschiedlich sein. Unterstütze mit deiner Vision die Gemeinde. Eine persönliche Vision darf nicht die Gemeinde bestimmen. Wichtig ist, dass du deine Vision in die Gemeinschaft einbringst, aber dich auch der Gemeinschaftsvision unterordnest.

Strategie

-        Ich kaufe mir eine Gitarre und das nötige Zubehör.
-        Ich nehme Gitarrenunterricht.
-        Ich übe jeden Tag eine halbe Stunde.
-        Ich gehe zum Üben in einen Kellerraum.
-        Ich werde an den Proben des Lobpreisteams teilnehmen.
-        Ich lerne das Lobpreisteam kennen.
-        Ich höre auf die Stimme Gottes.
-        Ich habe eine lebendige Beziehung zu Gott.


Wie geht es weiter?

Wir haben die Wahl. Wir können uns entscheiden, so weiter zu machen wie bisher - dann wird keine Veränderung eintreten. Aus Erfahrung weiß ich, dass Veränderungen Angst machen können. Verändert sich etwas, verändert sich auch die bisherige Handlungsweise. Wir können uns nicht mehr auf das alte Vorgehen, auf das Bekannte verlassen. Wir beschreiten neuen Raum und wissen nicht, was auf uns zukommt.

Wir können uns aber auch entscheiden, uns nach einer gemeinsamen Vision auszustrecken. Wir sind in der Lage, Werte festzulegen, Ziele zu vereinbaren und Strategien zu entwickeln.

Wir wissen, dass jede Gemeinde und jeder einzelne von uns einen ganz bestimmten Auftrag hat. Unsere Gemeinde und unser Leben ist kein Zufallsprodukt. Aber es liegt an uns, unseren Auftrag wahrzunehmen und umzusetzen.

Wenn wir uns in unserem Leben nur treiben lassen von dem, was auf uns zukommt, tun wir nicht das, wofür wir hier sind. Lasst uns nicht eines Tages auf unser Leben zurückblicken und uns fragen: Was haben wir in unserem Leben gemacht? Was haben wir erreicht? Lasst uns auch nicht abhängig sein von der Meinung anderer Menschen, die uns klein halten wollen. Wir werden eines Tages nicht die Risiken bereuen, die wir eingegangen sind, sondern die Chancen, die wir haben verstreichen lassen. Also: Lasst uns unseren Auftrag erfüllen, lasst uns unsere Vision entdecken und lasst uns vorangehen. Lasst uns nicht stehen bleiben, denn Stillstand bedeutet immer Rückschritt. Gott ist mit uns. Amen!



Gemeinde Gottes Nördlingen

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