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Wie Gott uns sieht!

Ich habe heute Spiegel mitgebracht. Sehen wir in einen Spiegel, können wir uns sehen. Wir sehen allerdings nur unser Äußeres. Wir sehen die Farbe unserer Augen. Wir sehen die Form unserer Nase. Wir sehen das Lächeln um unsere Mundwinkel. Wir sehen, ob unser Haar noch so sitzt, wie wir es am Morgen zurecht gemacht haben. Wir sehen auch, ob unsere Müdigkeit inzwischen von uns gewichen ist.

Aber was sagt unser äußeres Erscheinungsbild über uns aus? Sagt es irgendetwas über unsere Persönlichkeit aus? Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass es relativ wenig über uns aussagt. Dennoch neigen wir dazu, Rückschlüsse auf die Persönlichkeit eines Menschen aufgrund seines Erscheinungsbildes zu ziehen. Wir sehen die Art, wie jemand gekleidet ist, das Auto, das er fährt, das Haus, die Wohnung, in der er wohnt, das Handy, das er besitzt, und ordnen die Person aufgrund dessen in unser Schubladensystem ein. Jeder hat sein eigenes System und jede Schublade hat dabei seine eigene Beschriftung. Auf den einen stehen vielleicht nett, höflich, zuvorkommend, freundlich, auf anderen stehen arrogant, eingebildet. Die Zuordnung erfolgt sekundenschnell, ohne dass wir dabei darüber nachdenken müssen. Oft unterliegt diese Zuordnung allerdings den eigenen Vorurteilen und sie muss deshalb revidiert werden, lernen wir den anderen erst näher kennen.

Die Fragen, die ich heute stellen möchte, beziehen sich aber nicht auf andere Menschen und wie wir sie sehen. Sie beziehen sich auf uns und lauten: Wie sehen wir uns selbst? Was für eine Meinung haben wir über uns? Von wem oder was lassen wir diese Meinung beeinflussen? Ist unser Bild über uns positiv oder denken wir eher negativ über uns?

Es ist wichtig zu wissen, wie wir uns selbst sehen. Unser Selbstbild beeinflusst bspw. unser Verhalten. und unser Selbstvertrauen. Wer sich unbegabt, schwach und hässlich findet, verhält sich entsprechend. Wer sich allen anderen überlegen fühlt, bringt dies auch zum Ausdruck. Wer sich nichts zutraut, der kann beim besten Willen kein Selbstvertrauen verströmen.

Bei unserem Selbstbild besteht ebenfalls die Gefahr, dass wir uns falsch einschätzen. Wie bekommen wir nun ein realistisches Bild von uns selbst? Zu wissen, wie Gott uns sieht, kann uns dabei helfen, ein realistisches Bild von uns zu bekommen. Um herauszufinden, wie Gott uns Menschen sieht, sind wir auf die Bibel und die Prophetie angewiesen. Die Bibel ist nicht nur eine Offenbarung über Gott, sondern auch darüber, wer der Mensch ist und wie Gott den Menschen sieht.

Fünf heilsame Menschenbilder sind in der Bibel zu entdecken:

Ich bin ein Geschöpf Gottes.
Gott hat uns erschaffen, deshalb dürfen wir ihm gegenüber auch bekennen: "Ich bin dein Geschöpf!" Ich bin kein Zufallsprodukt, ich bin keine Laune der Natur. Ich bin, weil Gott mich erschaffen hat. In Psalm 139,13f steht:

13 Denn du bildetest meine Nieren. Du wobst mich in meiner Mutter Leib.
14 Ich preise dich darüber, dass ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl.

Die Frage ist, ist das für uns nur ein dogmatischer Satz, ein Lehrsatz, oder ein Lebensgefühl? Es kann zum Lebensgefühl werden, wenn der Wahrheitsgehalt dieser Aussage in uns lebendig geworden ist. Ist er in dir bereits lebendig geworden? Ist dir wirklich bewusst, dass du auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht worden bist? Ist dir bewusst, dass du ein wunderbares Werk Gottes bist? Wenn es dir noch nicht bewusst ist, lass es heute in dein Herz hinein und bewahre es in dir: Du bist auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht. Du bist ein wunderbares Werk Gottes.

Ich bin mit Ehre und Hoheit gekrönt.

Das Gefühl für unseren Selbstwert beziehen wir normalerweise aus dem Vergleich mit andern Menschen. Es geht bei diesem Vergleich darum, besser abzuschneiden als der andere. Die Bibel sieht dich aber anders. Gott vergleicht dich nicht mit anderen und beurteilt dich nicht im Verhältnis zu anderen Menschen. Alle Menschen, also auch du, sind in Gottes Augen wertvoll. Du bist so wertvoll, dass Gott bereit war, seinen über alles geliebten Sohn für dich zu opfern. Dieses Opfer geschah aus Liebe heraus. Gott ist so sehr an dir interessiert - er hat dich ja auch erschaffen -, dass er möchte, dass du sein Kind wirst, bist und bleibst. Sein Kind werden/ wurden wir durch die Wiedergeburt. Joh. 1:

12 so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben;
13 die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Gott hat uns würdig gemacht, seine Kinder sein zu können. Diese Würde und Ehre haben wir nicht aufgrund unserer Fähigkeiten und Leistungen erhalten, sondern allein aus Gnade. Es gibt für mich keine höhere Stellung auf Erden, als Gottes Kind zu sein.

Es ist wichtig, dass wir uns lossagen von allen Lügen, die wir aufgrund von Leistung und Versagen über uns selber bilden. Denn unabhängig davon, ob wir in unserem Leben Erfolg haben oder scheitern und versagen, bleibt die Würde und Ehre, die Gott uns gibt, bestehen.

Der Psalmist sagt in Ps. 8,6 über den Menschen: "Denn du hast ihn wenig geringer gemacht als Engel, mit Herrlichkeit und Pracht krönst du ihn."

Gott freut sich über mich.

"Wie der Bräutigam sich freut an seiner Braut, so freut sich der Herr an dir" (Jes. 62,5). Das sagte Jesaja zum Volk Israel, obwohl es kläglich versagt hatte. Gott freut sich also nicht nur über uns, wenn wir Erfolg haben und besondere Leistungen erbringen. Wir können daraus schließen, dass Gott andere Prioritäten setzt. Ich habe mir überlegt, welche Kriterien das sein können und mir ist dazu eingefallen, dass Gott uns mit einem besonderen Blick betrachtet, er sieht auf unser Herz. 1. Sam. 16,7:

Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und auf seinen hohen Wuchs! Denn ich habe ihn verworfen. Denn der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, aber der HERR sieht auf das Herz.

Unser Herz ist also Grund seiner Freude. Wenn du jetzt denkst: "Hilfe, mein Herz mag gerade keine Freude für Gott darstellen!", dann kann ich dir mit den Worten von Jesus sagen:

Ich sage euch: So wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die die Buße nicht nötig haben (Lk. 15,7).

Wenn du aus irgendeinem Grund traurig sein solltest, sieht Gott das auch: Ps. 34,19.

Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.

Ist dir bewusst, dass sich Gott über dich freut? Wenn du tief durchdrungen bist von der Freude Gottes über dich, wirst du dies nach außen ausstrahlen.

Ich bin vergänglich.

Ps 103, 13-16:

13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
14 Denn er kennt unser Gebilde, gedenkt, dass wir Staub sind.
15 Der Mensch - wie Gras sind seine Tage, wie die Blume des Feldes, so blüht er.
16 Denn fährt ein Wind darüber, so ist sie nicht mehr und ihr Ort kennt sie nicht mehr.

Der Prediger schreibt in seinem Buch über die Nichtigkeit des Lebens und sagt, alles ist Nichtigkeit. Unter Nichtigkeit ist Bedeutungslosigkeit einer Sache zu verstehen, kann aber auch Vergänglichkeit ausdrücken. Und obwohl der Prediger das ganze Leben als bedeutungslos und vergänglich wahrnimmt, erkennt er dennoch, dass Zufriedenheit allein durch Gottesfurcht erlangt werden kann.

Wir verdrängen gern unsere Vergänglichkeit. Wir wollen ewig jung und gesund sein. Aber auch diesen Punkt dürfen wir realistisch betrachten. Auch wenn unser Leben auf der Erde vergänglich ist, haben wir unsere Zukunft in der Ewigkeit mit Gott. Joh. 3,16:

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Du darfst dir also sicher sein, dass du Zufriedenheit durch Gottesfurcht erlangst und dass nach deinem irdischen Dasein dein Leben im Himmel weitergehen wird.

Ich bin ein sündiger Mensch.

An letzter Stelle geht es darum, sich dem Dunkeln in uns zu stellen. Würde dies an erster Stelle stehen, wären wir womöglich nicht mehr bereit, uns die anderen, positiven Aspekte zu betrachten. Gott zeigt uns die eigene Dunkelheit im Augenblick unserer Erlösung. Er erlöst uns vom Dunkeln in dem Moment, in dem wir uns zu ihm hinwenden. Dass wir zu ihm umkehren können, beruht auf seiner Güte. Röm. 2,4:

Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut und weißt nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?

Petrus kommt zu der Selbsterkenntnis, ein sündiger Mensch zu sein, nachdem ihm Jesus nach einer erfolglosen, fischlosen Nacht einen großen Fischfang beschert hat. (Lk 5,1-11). Er bittet Jesus daraufhin: "Gehe von mir hinaus". Aber Jesus erfüllt diese Bitte nicht, sondern ehrt ihn mit einer großen Berufung - er soll Menschenfischer werden (V.10). Die nächste Stufe der Selbsterkenntnis erfährt Petrus im Scheitern seines hohen Ideals, das er von sich selbst hat (Lk 22,33.61-62). Er erklärt sich bereit, für Jesus zu sterben, verleugnet ihn dann aber drei Mal. Aber unter dem liebenden Auge von Jesus kann er sich selbst in die Augen sehen. Das Kreuz von Golgatha macht beides offenbar: Unser menschliches Herz - wozu wir fähig sind - und Gottes Erlösung. Die Erlösung ist wichtig, denn sie ist das Fundament unseres Glaubens.

Wir haben jetzt einige Dinge darüber angesprochen, wie Gott uns sieht. Ich hoffe, es war auferbauend für euch. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht Halt machen, denn:

Gott hat einen Plan mit uns.

Dazu möchte ich euch eine Geschichte von Sören Kierkegaard erzählen. Er war ein Philosoph des 19. Jahrhunderts und hat sich intensiv mit dem Thema Wahrheit und Erlösung auseinandergesetzt. In seinen Schriften hat er sich als engagierter Verfechter der Idee des Christentums gegen die Realität der Christenheit gezeigt. Dementsprechend kritisch ist nun auch seine Geschichte:

Die Christen leben wie Gänse in einem Hof. An jedem siebten Tag wird eine Parade abgehalten und der beredsamste Gänserich steht auf einem Zaun und schnattert über das Wunder der Gänse. Er erzählt von den Taten der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten, und lobt die Gnade und Barmherzigkeit des Schöpfers, der den Gänsen Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse sind tief gerührt, senken in Ergriffenheit die Köpfe und loben die Predigt und den beredten Gänserich. Aber das ist auch alles. Eines tun sie nicht: Sie fliegen nicht, denn das Korn ist gut und der Hof ist sicher.

Ich denke, niemand von uns will so eine Gans oder so ein Gänserich sein. Genauso wie Gott den Gänsen Flügel gab, um fliegen zu können, hat er uns begabt. Er hat uns mit den verschiedensten Begabungen ausgestattet. Wir haben nicht alle dieselbe Begabung. Jeder hat die Begabung, die Gott für ihn vorgesehen hat. In der Bibel wird für Begabung das Wort Talent verwendet. In Mt. 25 finden wir dazu das Gleichnis von den anvertrauten Talenten.

Gott hat uns Begabungen geschenkt, damit wir sie anwenden. Wir müssen nicht unter unseren Möglichkeiten leben. Wir werden im Wort Gottes sogar aufgefordert, unser Licht nicht unter unseren Scheffel, sondern auf einen Leuchter zu stellen (Lk 11,33 Niemand aber, der eine Leuchte angezündet hat, stellt sie ins Versteck, auch nicht unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, damit die Hereinkommenden den Schein sehen.).

Ich weiß nicht, welche Begabung du hast. Aber ich weiß, es gibt mindestens einen Bereich, in dem du Stärken hast, in dem du einfach nur spitze bist, in dem du begabt bist. Vielleicht kennst du selbst noch nicht deine Begabung, aber lass dir heute sagen: Du hast Potential aufgrund deiner Begabung, die in dir steckt, die Gott dir geschenkt hat.

Jede Gemeinde ist auf die Begabungen seiner Mitglieder angewiesen. Sie braucht die Mitarbeit ihrer Mitglieder. Dabei soll die Mitarbeit unserer Begabung entsprechen. In der Mitarbeit machen wir eine dreifache Gotteserfahrung:

- Ich kann etwas. Gott hat mich mit tollen Fähigkeiten ausgestattet.

- Ich bin ein geliebtes Geschöpf Gottes.

- Ich bin etwas. Durch Jesus Christus hat Gott mir seine ganze Liebe offenbart. Ich merke: ich gehöre zur Gemeinde Jesu Christi, ich bin ein willkommener und unverzichtbarer Teil davon.

- Ich bewirke etwas. Ich merke: Gottes schöpferischer Geist verleiht mir Kräfte und Möglichkeiten, von denen ich bisher nicht zu träumen wagte.

Wir berauben uns um diese Erfahrungen, wenn wir unsere Begabungen nicht einsetzen.

Lasst uns zum Abschluss David betrachten: Gott sieht vorausschauend das Potential, das in dem Hirtenjungen David steckt - seine Qualitäten, seinen Charakter, seinen Mut und seine Bereitschaft, auf Gott zu hören und sich von ihm formen zu lassen. 1. Sam. 13,14 wird über David gesagt, dass er ein Mensch nach dem Herzen Gottes ist.

Gott sieht auch dein Potential, er weiß, was du kannst, wer du bist und was du bewirken kannst. Deshalb kann ich dich nur ermutigen, dein Potential kennen zu lernen. Wir haben zum einen uns und können uns gegenseitig ermutigen, zum anderen können wir durch unseren Helfer, den Heiligen Geist, unsere Begabung erkennen.


Gemeinde Gottes Nördlingen

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