Abendmahl/14.12.2014

In den Gemeinden gibt es wichtige Handlungen, die uns von Jesus aufgetragen wurden. Eine der Handlungen ist die Glaubenstaufe, eine andere ist das Abendmahl. Über die Taufe habe ich vor einer Zeit gepredigt, daher möchte ich mich heute dem Abendmahl widmen. Jesus hat uns nicht nur aufgetragen, das Abendmahl zu feiern, er hat es sogar eingesetzt. Wir lesen davon in drei Evangelien (Mk. 14, 12-24, Mt. 26,17-30,  Lk. 22,13-19). Im Gegensatz legt Johannes seinen Schwerpunkt nicht auf das Abendmahl, sondern auf die Dinge, die an diesem Tag sonst noch passieren. Es beginnt in Kapitel 13. Dort lesen wir von der Fußwaschung, vom bevorstehenden Verrat des Judas, von der Verherrlichung Jesu und dem neuen Gebot und der Verleugnung des Petrus. Jesus zeigt in Kapitel 14 auf, dass er der Weg zum Vater ist und verheißt den Heiligen Geist und seinen Frieden. Es folgt in Kapitel 15 das Gleichnis vom Weinstock, eine Rede Jesu über das Gebot der Liebe und den Hass dieser Welt. In Kapitel 16 geht es um das Werk des Heiligen Geistes und Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern. Im anschließenden Kapitel folgt das hohepriesterliche Gebet Jesu. Das Abendmahl wird nicht erwähnt. Erwähnung findet allerdings die Vorbereitung der Jünger auf seinen bevorstehenden Tod. Dies beschreibt Johannes sehr ausführlich und macht deutlich, dass Jesus nicht wollte, dass seine Jünger in Ungewissheit sind. Wir dürfen davon ausgehen, dass Johannes die drei anderen Evangelien kannte. Sein Evangelium ist das letzte, das geschrieben wurde. Johannes benennt in Joh. 20 das Ziel seines Evangeliums:

30 Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch.

31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Das Ziel des Johannes war also nicht, das Leben Jesu detailliert darzustellen, sondern die Menschen zum Glauben zu führen. Abhängig von diesem Ziel hat er die Auswahl getroffen, was in seinem Evangelium stehen sollte. Johannes scheint der Meinung gewesen zu sein, dass die Beschreibung des Abendmahls nicht dazu beiträgt, Menschen zum Glauben zu führen. Die Feier des Abendmahls ist allerdings für die bereits Glaubenden sehr wichtig. Das, was Jesus in den Kapiteln 13-17 des Johannesevangeliums sprach, stärkte nicht nur damals seine Jünger im Glauben, sondern dient auch heute noch dazu, Menschen im Glauben zu stärken. 

Jetzt zurück zum Abendmahl. Ich lese aus Lk. 22:

13 Sie (Petrus und Johannes) gingen hin und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.

14 Und als die Stunde kam, setzte er (Jesus) sich nieder und die Apostel mit ihm.

15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide.

16 Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes.

17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch;

18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt.

19 Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.

Diese Szene ereignet sich am Passafest. Wir wissen, dass das Passafest das höchste jüdische Fest und ein Fest der Freude ist. Es wird seit 3500 Jahren gefeiert. Es soll nicht nur zur Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten dienen, sondern ein Nacherleben der damaligen Situation der Israeliten sein. Jeder soll das Gefühl bekommen, an diesem Tag dabei gewesen zu sein, an dem Gott sein Volk aus Ägypten gerettet hat.

Wie wurde dieses Fest gefeiert? Es beginnt mit einer Feier in der Synagoge. Da-nach geht jeder nach Hause, um dort gemeinsam mit Freunden die Sedermahlzeit einzunehmen. Dieses bestand aus

•    drei Matzen (drei ungesäuerte Brote, die daran erinnern, dass den Israeliten keine Zeit blieb, um das Brot durchsäuern zu lassen),

•    einem grünen Kraut (Symbol für den Ysopbüschel, mit dem die Israeliten ihren Türpfosten mit Blut bestrichen haben, um damit das Leben ihrer Erstgeborenen zu retten, und Symbol für die fruchtbare Erde, die Gott schenkt),

•    einem Bitterkraut (Symbol für das bittere Leben der Väter in Ägypten und in der Diaspora)

•    einem Fruchtbrei (bestehend aus Äpfeln, Feigen, Nüssen, Mandeln und Zimt zur Erinnerung an den Lehm der Ziegel, die die Israeliten herstellen mussten),

•    ein hartgekochtes Ei (steht für das Ende des Tempeldienstes und für die Hoffnung, dass dieser wieder eingesetzt wird),

•    ein gerösteter Lammknochen mit etwas Fleisch (erinnert an das Passahlamm, das seit dem Auszug aus Ägypten bis zur Zerstörung des Tempels am Sederabend gegessen wurde),

•    eine Schale mit Salzwasser (als Zeichen für die Tränen, die während der Gefangenschaft geweint wurden und für das salzige Wasser des Schilfmeeres, durch das sie gezogen sind)

•    und vier Kelche Wein (diese werden im Verlauf des Abends getrunken und leiten die vier Abschnitte des Abends ein: Kelch der Heiligung, des Gerichts, der Erlösung und des Lobpreises).

Der Hausherr führt entsprechend der Haggada, das gleichzeitig ein Erzählbuch und eine Gottesdienstordnung ist, durch den Abend, der aus vier Teilen besteht. Zu Beginn jeden Teils wird ein Kelch getrunken. Im ersten Teil wird die Sedermahlzeit eingenommen, wobei eine Matze gebrochen und die Hälfte davon verteilt wird, die Geschichte des Auszugs aus Ägypten erzählt wird, Psalmen gesungen werden und eine Ausdeutung der Speisen des Sedertellers vorgenommen wird. Auf den zweiten Teil folgt die eigentliche Abendmahlzeit, die der Sättigung dient. Es beginnt mit dem Tischgebet und dem Brotbrechen. Dem dritten Kelch folgt das „große Hallel“, die Psalmen 113-118 und andere Lieder, die den Wunsch nach baldiger Erlösung durch den Messias ausdrücken. Das Fest klingt mit dem vierten Becher aus. Es werden noch Lieder über Gottes große Taten und der Not und Hoffnung Israels gesungen.

Was erfahren wir in unserer Bibelstelle? Jesus trägt Petrus und Johannes auf, alles für das Passafest vorzubereiten. Sie haben dafür einiges zu tun, wie wir gerade gesehen haben. Unter anderem schlachteten sie das Passalamm. Jesus und die anderen Jünger kommen nach, um gemeinsam das Passafest zu feiern. Allerdings ist es dieses Mal mehr als nur die Feier des Passafestes. Jesus weicht vom eigentlichen Verlauf des Passafestes ab. Dennoch haben das Brot und der Kelch mit Wein eine große Bedeutung. Allerdings ändert sich die Symbolik. Das verwundert uns nicht, da wir wissen, dass der Wunsch nach baldiger Erlösung, der durch den dritten Kelch symbolisiert wird, sich tatsächlich bald erfüllen würde. Dadurch verändert sich alles. Jesus führt an diesem Abend das Abendmahl ein. Er gibt seinen Jüngern auf, sich an das, was ihm bevorstehen würde, zu erinnern. Ich kann mir vorstellen, dass die Jünger in dieser Situation überfordert waren. Sie haben trotz der Worte Jesu keine Vorstellung von dem, was wirklich passieren würde. Sie nehmen den Kelch und das Brot, für das Jesus zuvor gedankt hat, und essen und trinken davon. Sie können aber noch nicht ermessen, was es bedeutet. Dies begreifen sie erst nach seiner Auferstehung, als ihnen Jesus erscheint.

Ich habe vorher gesagt, dass das Passafest ein Fest der Freue ist. Ich weiß nicht, ob sich die Jünger an diesem Tag wirklich freuen konnten, denn Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern. Er weiß, dass sein Tod bevorsteht. Dies teilt er ihnen mit. Eigentlich sollte man meinen, dass er Trost bei seinen Jüngern findet, aber er ist derjenige, der seine Jünger tröstet, ermutigt und auferbaut. Er ist derjenige, der ihnen gut zuspricht, ihnen Hoffnung vermittelt und ihnen einen Ausblick für die Zukunft gibt. Trost sucht Jesus nicht bei seinen Jüngern, sondern bei seinem Vater im Gebet, als er im Garten Getsemane war.

Welche Bedeutung hat das Abendmahl?

Beim Passafest mit Jesus, in der Zeit danach und manchmal auch heute noch tranken und trinken beim Abendmahl alle aus einem Becher, obwohl damals für die allgemeine Mahlzeit jeder seinen eigenen Becher hatte. So wird angezeigt: Ein Gefäß und ein Kelch und ein Blut ist das Zeichen des neuen Bundes, an dem wir alle teilhaben.

Das Brot, das Jesus brach und austeilte, sollten die Jünger zu seinem Gedächtnis essen. Die Betonung liegt mehr auf dem Zerbrechen aus auf dem Essen. Das Zerbrechen, Verteilen und Essen eines gesamten Fladenbrotes symbolisierte die Einheit des Leibes Christi in uns allen. Es wird alles aufgegessen! Nichts bleibt übrig.

Im Vordergrund stehen also nicht Brot und Wein, sondern das Teilen und das Genießen dieses ganzen Brotes und das Trinken aus einem Becher. Die zu ihm Gehörenden haben Teil an Christi Werk der Vergebung, der Erlösung durch sein Blut, der Versöhnung mit Gott und am Reich Gottes.

Das Abendmahl ist ein Bundesmahl. Das Blut Jesu ist ein Opferblut, das einen neuen Bund angekündigt hat. Der Kelch, samt dem Inhalt, deutet auf diesen neuen Bund hin. Dieser neue Bund gilt auch heute noch für uns! Jesu Tod ist die Bezahlung unserer Schuld vor Gott. Er ist die Kraft, die neues Leben gibt. Jesus vergoss sein Blut für uns. Die Betonung liegt mehr auf dem Vergießen als auf dem Trinken.

Das Abendmahl ist ein Dankes- und Anbetungsmahl. Apg. 2,47:

Sie lobten Gott und ließen ihre Güte walten gegenüber dem ganzen Volk.“

Es war Lobpreis mit Herzen, Mund und Händen! Die Gewissheit durch Jesu Leiden, Kreuz und Auferstehung Vergebung und Versöhnung erfahren und Frieden mit Gott bekommen zu haben, gereinigt zu sein und darum das Abendmahl feiern zu können, ist Grund zur Freude und löst Dank und Lobpreis aus! Das allein wäre schon ausreichend Grund genug das Mahl zu feiern.

Somit ist es auch ein Freudenmahl. Es ist keine Trauerfeier, in der wir über den Tod Jesu trauern, sondern ein Mahl der Freude, da Jesus vom Tod auferstanden ist und uns Erlösung unserer Schuld gebracht hat. Glauben wir das? Das Abendmahl ist wie die Taufe kein Heilsmittel. Glaube ist Voraussetzung nicht nur für die Taufe, sondern auch für das Abendmahl.

Wir wissen, dass vor der Vergebung die Buße kommt. Deshalb ist die Zeit vor dem Mahl sehr wichtig. Es sollte eine Zeit des Gebets und der Stille sein. Es geht darum, Dinge in Ordnung zu bringen, die den Herrn betrübt haben.

Das Abendmahl ist ein Gedächtnismahl oder Erinnerungsmahl. Jesus sagt: Das tut zu meinem Gedächtnis.  Er meint damit: Denkt dabei an mich! Erinnert euch daran, was ich um eurer Sünden willen erlitten habe. Vergesst nicht, welche Qual ich auf mich genommen habe.

Das Abendmahl ist ein Verkündigungsmahl. 1.Kor. 11:

26 Wenn ihr das Mahl feiert, verkündigt ihr den Tod des Herrn bis er kommt!

Jemand, der tot ist,  kann nicht wiederkommen. Jesus aber ist nicht tot, er ist auferstanden und lebendig. Unsere Aufgabe ist es, dies zu verkündigen, bis er wiederkommt. Das Abendmahl ist somit ein klares Signal für die Wiederkunft Jesu.

Das Abendmahl ist ein Liebesmahl. Jesus erbrachte aus Liebe zu seinem Vater und aus Liebe zu uns das Opfer seines Todes. Als Gemeinde stellen wir eine Einheit dar, die in Liebe miteinander verbunden sein soll.

Das Abendmahl ist ein Gemeinschaftsmahl. 1. Kor. 10:

16 Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist die Gemeinschaft mit dem Blut Christi; das Brot ist die Gemeinschaft des Leibes Christi!

Nicht allein der auferstandene Herr segnet das Mahl, das Brot und den Kelch, an dem wir teilhaben, sondern wir alle segnen das Mahl! Sind wir uns dessen bewusst? Geben wir den Kelch segnend an alle weiter, die das Mahl mitfeiern? Oder schließen wir, aus welchen Gründen auch immer, jemanden aus?

Abendmahl

Das Abendmahl ist ein Stärkungsmahl. Als Christen sind wir eine neue Schöpfung. Dennoch benötigen wir fortlaufend Kräftigung unseres geistlichen Lebens, um als Gläubige bestehen zu können. Wir benötigen kontinuierliche Stärkung des Glaubens. Hoffnung muss immer wieder belebt werden. Und die Liebe braucht immer wieder neu Impulse.

Das Abendmahl ist ein Hoffnungsmahl. Wir hoffen auf die Wiederkunft Jesu und auf das große Abendmahl im Himmel in der Herrlichkeit bei Christus. Offb. 19:

9 Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind!

In welcher Haltung feiern wir das Abendmahl?

1.Kor. 11:

27 Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und Blut des Herrn.

28 Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch.

In Vers 27 geht es darum, dass wir nicht unwürdig von dem Brot essen oder aus dem Kelch des Herrn trinken sollen. Wenn wir dies tun, werden wir schuldig am Leib und Blut des Herrn. Dabei ist zu beachten:

•    Es heißt nicht: Wer unwürdig ist und von dem Brot isst oder aus dem Kelch trinkt.

•    Es heißt: Wer unwürdig isst und trinkt.

Das ist ein Unterschied. Die erste Aussage bezieht sich auf die Würdigkeit bzw. Unwürdigkeit der Person. Dies ist hier allerdings nicht gemeint. Aus uns heraus wären wir sowieso nicht würdig, mit Jesus Gemeinschaft zu haben. Dieser Vers bezieht sich auf das gierige und unmäßige Verhalten der Korinther im Umgang mit Essen und Trinken aus den Versen 20 bis 22.

In Vers 28 geht es um unsere Herzenshaltung. Paulus fordert uns auf, uns und unsere Herzenshaltung selbst zu prüfen. Er geht davon aus, dass diese Selbstprüfung – wenn erforderlich – die Konsequenz der Veränderung hat, so dass jeder von dem Brot essen und dem Kelch trinken kann. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns zeigt, wo etwas zwischen ihm und uns steht. Und wir dürfen Buße tun und uns neu zu Gott hinwenden. Gott weist uns nicht zurück. Somit können wir am Abendmahl teilnehmen.

Lass uns also gemeinsam das Abendmahl feiern. Lasst uns dankbar sein und Gott loben und preisen. Lasst uns fröhlich sein. Gott hat durch Jesus den Weg bereitet. Es geht jetzt darum, diesen Weg mit Gott zu gehen. Lasst uns nicht auf irgendwelche Umstände unseres Lebens schauen, sondern lasst uns darauf vertrauen, dass Gott alles im Blick hat und seine lenkende Hand alles führt und leitet.