Buch Ruth 1 Noomi und Ruth 21.01.18

 

In dieser Woche war die Allianzgebetswoche. Am Dienstag gestaltete unsere Gemeinde das Thema „In der Fremde Heimat finden“. Grundlage war die Aussage von Ruth in Rut 1:

16 …Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

Danach kam jemand auf mich zu und meinte, ich hätte das Wichtigste vergessen. Auf meine Nachfrage erhielt ich die Antwort, dass ich den Grund für die Bereitschaft von Boas, Ruth zu heiraten, nicht genannt hätte. Dann klärte er mich über seine Sicht der Dinge auf. Ich muss gestehen, dass war – und ist - nicht meine Sicht. Darauf werde ich allerdings erst in der nächsten Predigt eingehen können. Doch es veranlasste mich, mich nochmals intensiver mit dem Buch Rut zu beschäftigen.

Die Zeit, in der das Buch spielt, ist die Zeit der Richter. Das erfahren wir bereits aus dem ersten Vers. Rut. 1:

1 Und es geschah in den Tagen, als die Richter richteten, da entstand eine Hungersnot im Land. …

Das Buch der Richter kommt vor dem Buch Rut und dort erfahren wir im letzten Vers, dass es zu dieser Zeit keinen König gab und jeder tat, was recht war in seinen Augen. Ri. 21:

25 Zu der Zeit war kein König in Israel; jeder tat, was ihn recht dünkte.

Der erste Teil dieser Aussage ist befremdlich. Das Volk Israel hatte einen König. Gott war ihr König. Somit kann diese Aussage nur bedeuten, dass das Volk Israel Gott als ihren König nicht mehr anerkannte. Das Volk Israel hatte bis zu Josua starke Anführer. Und dem Volk ging es gut, wenn dieser Anführer den Willen Gottes beachtet hat. Danach kam die Zeit der Richter. Die Richter hatten die Aufgabe, im Land Recht zu sprechen. Doch nicht alle scheinen sich unter die Führung Gottes gestellt zu haben. So kam es wie es kommen musste: Jeder tat, was er selbst für richtig hielt. Das Problem ist: Wenn wir nicht unter der Führung Gottes stehen, wenn wir uns nicht vom Heiligen Geist leiten lassen, werden auch wir anfangen, das zu tun, was wir für richtig halten.

Das traurige Ergebnis des Zustandes Israels zeigt uns der erste Vers dieses ersten Kapitels. Es entstand eine Hungersnot im Land. Von diesem Land hat Gott verheißen, dass darin Milch und Honig fließen. Es sollte ein Land sein, in dem es genug zum Leben geben sollte, um den Bedarf der Menschen zu decken, und in dem sogar Überfluss herrschen sollte.

Die Geschichte beginnt damit, dass Elimelech mit seiner Frau Noomi und den Söhnen Machlon und Kiljon in das Land Moab auswandert. Interessant ist, dass Elimelech „mein Gott ist König“ bedeutet. Obwohl die Menschen damals Gott nicht mehr als ihren König betrachteten, wird durch den Namen Elimelech betont, dass Gott König ist. Unabhängig davon, ob wir Gott als den anerkennen, der er ist, ist und bleibt er der, der er ist. Gott verändert sich nicht. Ich bin davon ausgegangen, dass Elimelech aufgrund seines Namens ein gottesfürchtiger Mann gewesen sein muss. Damals spiegelte sich in den Namen das Wesen des Namensträgers wieder. Aber es gibt auch eine andere Meinung. Diese geht davon aus, dass die Hungersnot eine Prüfung war, die Elimelech nicht bestanden hat. Und diese Prüfung soll darin bestanden haben, Gott in dieser Hungersnot zu vertrauen. Die Israeliten befanden sich in dem Land, das Gott ihnen verheißen hat. Doch Elimelech verlässt das Land. Er bleibt nicht im verheißenen Land. Wir können nun darüber streiten, ob es mangelnder Glaube oder die Führung Gottes war, die ihn nach Moab ziehen ließ. Ich weiß es nicht.

Eines steht fest: Auch wir können durch äußere Umstände unter Druck geraten. Und wenn der Druck zu stark wird, kann es passieren, dass wir die Dinge, die wir zuvor im Glauben getan haben, oder den Platz, an den uns Gott gestellt hat, hinterfragen, obwohl wir zuvor Gewissheit darüber hatten. Das Problem besteht nicht darin, Dinge zu hinterfragen und Gott zu suchen. Das Problem entsteht, wenn wir zu zweifeln beginnen und aufgrund der Zweifel aufhören, Gott zu vertrauen.

Elimelech stirbt im Land Moab. Diejenigen, die davon ausgehen, dass er aus mangelndem Glauben das verheißene Land verlassen hat, erkennen in seinem Tod die Konsequenz für seinen Unglauben. Er habe durch seine Auswanderung dem Tod in Juda entrinnen wollen. Doch der Tod habe ihn in dem Land ereilt, das er für sicher hielt. Noomi und ihre Söhne Machlon und Kiljon bleiben nach seinem Tod in Moab. Die Söhne heiraten sogar moabitische Frauen. Diese Frauen heißen Orpa und Ruth. Lasst uns einen Blick auf die Bedeutung der Namen werfen:

· Machlon  = „Kränklicher“.

· Kiljon = „Schwächlicher“.

· Orpa  = „die den Rücken kehrende“.

· Ruth = „Labsal“. Labsal bedeutet: Erfrischung, Linderung, Segen, Wohltat, Erquickung, Wonne. Dieses Wort wurde 2007 zum viertschönsten bedrohten Wort der deutschen Sprache gewählt.

· Noomi = Liebe, Lieblichkeit

Nach zehn Jahren in der Fremde sterben die beiden Söhne Noomis. Das mag nicht verwundern, da der eine schwächlich und der andere kränklich war. Noomi beschließt daraufhin, wieder nach Betlehem, „Brothaus“, zurückzukehren. Als sie nach Moab auswanderten, gab es kein Brot in Betlehem. Das „Brothaus“ war leer. Doch Gott hat die Situation verändert. Er hat sich erbarmt. Und das hat Noomi erfahren. Ihre Schwiegertöchter hängen sehr an Noomi. Die Liebe, die von Noomi ausgeht, scheint zu einer engen Beziehung geführt zu haben. Daher begleiten sie Noomi. Das ist für sie selbstverständlich. Doch Noomi wird sich bewusst, dass die beiden Frauen in Juda keine Zukunft haben. Sie haben niemand, der sie versorgt. Noomi hat auch keinen weiteren Sohn, der die Verantwortung für sie übernehmen hätte können. Noomi kann zuerst die beiden Frauen nicht überzeugen in ihrer Heimat zu bleiben, daher zeigt sie  sehr deutlich auf, dass das Leben in Juda sehr schwierig für sie werden wird. Kinderlose Witwen waren arm dran. Noomi wusste das. Sie wollte nicht, dass die beiden Frauen das gleiche Schicksal ereilt, das sie in Juda haben würde. Orpa und Ruth weinen bei den Worten Noomis. Sie haben Noomi sehr gern, sie wollen sie nicht verlassen. Orpa küsst sogar Noomi. Beide treffen schließlich eine Entscheidung. Orpa kehrt Noomi den Rücken zu, was aufgrund ihres Namens nicht verwunderlich ist. Sie kehrt in ihr Land und sie kehrt zu ihren Göttern zurück. Sie hängt an Noomi, doch mehr noch hängt sie an dem Land ihrer Geburt. Doch Ruth lässt sich von ihrem Entschluss, Noomi zu begleiten, nicht abbringen. Ihre Motivation entspringt nicht nur aus ihrer Liebe zu Noomi, sondern auch aus dem Vertrauen zu dem Gott Noomis. Sie spricht in Rut 1:

16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Noomi merkt, dass es zwecklos ist, weiter auf Ruth einzureden. Ruth hat eine Entscheidung getroffen und sie lässt sich nicht davon abbringen. Schauen wir uns die einzelnen Punkte ihres Statements genau an:

· Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte.
Ruth fühlt sich durch Noomi bedrängt, als diese sie davon überzeugen will, in Moab zu bleiben. Und Ruth setzt den Worten Noomis deutlich entgegen: Ich werde bei dir bleiben. Ruth liebt Noomi. Wenn wir jemand lieben, wollen wir Gemeinschaft mit dieser Person haben. Wir wollen so oft wie möglich mit dieser Peron zusammen sein. Eine Trennung ist unvorstellbar.

· Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.
Ruth liebt Noomi von ganzem Herzen. Sie sagt Noomi zu, bei ihr zu bleiben. Die Zukunft ist ungewiss. Ruth geht in ein ihr unbekanntes Land. Doch eines ist gewiss. Es kann kommen, was kommen mag: Ruth wird bei Noomi bleiben.

· Dein Volk ist mein Volk, ..

Ruth identifiziert sich mit dem Volk Gottes.

· .. und dein Gott ist mein Gott.

Sie setzt ihr Vertrauen in den lebendigen Gott.

· Wo du stirbst, da sterbe ich, da will ich auch begraben werden.

Ruth identifiziert sich über den Tod hinaus mit Noomi.

· Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Sie setzt ihr ganzes Vertrauen in den lebendigen Gott. Sie macht deutlich: Er ist derjenige, der über ihr Schicksal entscheiden wird.

Ich habe mich gefragt: Wie ist es dazu gekommen, dass Ruth diese Worte sprechen konnte? Was hat sie  veranlasst zu sagen „dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott? Wieso ist sie bereit, Noomi sogar bis in den Tod zu folgen? Was hat sie dazu bewegt? Als Ruth diese Worte spricht, steht sie einer alten, zerbrochenen, leidgeprüften, perspektivlosen, einsamen Frau gegenüber. Angesichts dieser Tatsache erscheinen die Aussagen Ruths äußerst töricht.

Ich habe bereits angedeutet, dass Noomi zu ihren Schwiegertöchtern eine besondere Beziehung gehabt hat. Ich gehe davon aus, dass Noomi voller Herzlichkeit, Güte, Freundlichkeit und voller Liebe war. Die Früchte des Geistes waren in ihr stark ausgeprägt. Gottes Liebe hat sich in Noomi offenbart. Und sie hat Gottes Liebe weitergegeben. Sie war in ihrem Lebensstil ein Zeugnis für Ruth. Ruth stellt fest, dass ihre Schwiegermutter voller Vertrauen gegenüber dem lebendigen Gott ist. Und das gibt ihr eine neue Sicht. Eigentlich müsste sie hoffnungslos und perspektivlos sein, sich alleingelassen und hilflos fühlen, da sie am Tiefpunkt ihres Lebens angekommen ist. Die Situation scheint ausweglos zu sein. Doch sie trifft eine Entscheidung. Sie entscheidet sich für ein Leben mit Gott. Sie nimmt ihn als ihren persönlichen Gott an und vertraut ihm.

Durch das Glaubenszeugnis der Noomi findet Ruth zu Gott. Da stellt sich die Frage: Wie sieht unser Glaubensleben aus? Verändern wir durch unser Zeugnis das Leben anderer Menschen? Sind wir Werkzeug für Gott und ein Segen für andere Menschen, die ihn noch nicht kennen? Erkennen andere, dass wir Christen sind? Sind wir Gott so nah, dass er durch uns wirken kann? Sind wir Gott so nah, dass andere seine Liebe durch uns spüren?

Ruth vertraut Gott bedingungslos. Sie sagt nicht: Gott, ich bin bereit, an dich zu glauben, wenn du dies oder jenes tust. Das Gegenteil ist der Fall: Sie vertraut Gott 100%ig ihr Leben an. Sie erlaubt Gott, das mit ihr tun zu dürfen, was er mit ihr zu tun gedenkt. Da stellt sich die Frage: Wie sieht unser Vertrauen zu Gott aus? Wer ist der Herr über unserem Leben? Ist es Gott oder sind es wir? Wie viel trauen wir Gott zu? Trauen wir ihm zu, dass er unser Leben zum Guten lenkt? Lassen wir zu, dass er uns verändern kann? Wollen wir überhaupt (noch) verändert werden?

Die gute Nachricht ist: Jesus lebt. Er ist für uns gestorben, damit wir die Ewigkeit mit ihm verbringen können. Und sein Plan für unser Leben ist gut.

Jesus weiß um unser Versagen, unsere Niederlagen, unsere eigenen Wege. Doch er vergibt uns. Wir dürfen sein Angebot der Vergebung jeden Tag aufs Neue annehmen.

Es geht nicht darum, aus eigener Kraft heraus ein Leben zur Ehre Gottes leben zu wollen. Es geht darum, sein Leben wie Ruth in Gottes Hände zu legen. Es geht darum, ihm unser Leben anzuvertrauen. Wenn wir das tun, werden wir Gottes Wirken in unserem Leben erleben.

Ich kann euch nur ermutigen, jeden Tag aufs Neue Gott euer Leben anzuvertrauen.

 

Gott segne euch!