Buch Ruth 2 Ruth und Boas 11.02.18

Bei meiner letzten Predigt haben wir mit dem Buch Rut begonnen. Wir haben festgestellt, dass Noomi zum Glaubenszeugnis für Ruth wurde, so dass sich Ruth entschieden hat, ihr Volk zu verlassen und sich dem Gott und dem Volk Noomis zuzuwenden. Das einzige, was Ruth über das Volk Israel wusste, war das, was ihr von Noomi gesagt oder vorgelebt worden ist. Und das scheint aussagekräftig gewesen zu sein. Das sehen wir an der Entscheidung Ruths. Sie  vertraut Gott 100%ig. Sie erlaubt Gott, mit ihr zu tun, was er gedenkt.

Das erste Kapitel endet mit der Ankunft von Noomi und Ruth in Betlehem zur Zeit der Gerstenernte. Die Menschen dort erkennen Noomi. Sie erwidert ihnen (Rut 1):

20 Sie aber sprach zu ihnen: Nennt mich nicht Noomi, sondern Mara; denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan.

21 Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wieder heimgebracht. Warum nennt ihr mich denn Noomi, da doch der HERR mich gedemütigt hat und der Allmächtige mir Leid angetan hat?

Noomi hat im Land der Moabiter viel Leid erfahren. Dies spricht sie sofort an. Sie verschweigt nicht, wie sie ihre Situation sieht. Sie beschönigt sie nicht. Bei ihrer Auswanderung war sie vermutlich reich. Zumindest hatte sie so viel, dass sie sagen kann: „Voll zog ich aus!“. Bei ihrer Rückkehr ist sie arm. Sie steckt nicht nur in finanzieller Armut, sondern auch in einer sozialen Krise. Sie hat keinen Versorger. Ihr Mann und ihre Söhne sind im Land der Moabiter verstorben. Sie sagt dazu: „Leer hat mich der Herr heimgebracht!“. Dies scheint eine sachliche Wiedergabe ihrer Situation zu sein. Doch es liegt auch eine Bewertung der Situation darin. Wir erfahren im Buch Rut nicht, dass Elimelech von Gott nach Moab geführt worden ist. Noomi sagt: „Voll zog ich aus!“ Die Betonung liegt auf dem Wort „ich“. Die Entscheidung lag also bei Noomi und ihrem Mann. Doch bei ihrer Rückkehr sagt sie: „Aber leer hat mich der Herr wieder heimgebracht!“ Noomi bringt zum Ausdruck: Ich war reich, als ich Betlehem verlassen habe.  Gott hat mich zurückgebracht - arm. Wenn wir die anderen Verse anschauen, merken wir an den Äußerungen Noomis zudem, dass sie unglücklich ist. Sie will nicht mehr Noomi, sondern Mara heißen. Sie ist verbittert und so will sie Mara, die Bittere, genannt werden. Sie weiß, dass Gott der Allmächtige das Leben und das Schicksal der Menschen in seiner Hand hat. Sie bringt das mit den Worten „der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan“, „der Herr hat mich gedemütigt“ und „der Allmächtige hat mir Leid angetan“ zum Ausdruck.

Das erste Kapitel endet mit der Feststellung, dass bei der Rückkehr der beiden Frauen die Gerstenernte begonnen hat. Diese ist in den Monaten März und April. Zu diesem Zeitpunkt findet das Passahfest statt. Rut 1:

22 Es war aber um die Zeit, da die Gerstenernte anging, als Noomi mit ihrer Schwiegertochter Rut, der Moabiterin, zurückkam vom Moabiterland nach Bethlehem.

Das zweite Kapitel beginnt mit der Einführung von Boas und der Erklärung, in welcher verwandtschaftlichen Beziehung dieser zu Noomi steht. Er ist verwandt mit dem Mann Noomis. Sein Name bedeutet: In Ihm (Gott) ist Kraft. In Ihm bin ich stark. Zudem wird über seine gesellschaftliche Stellung und eine Charaktereigenschaft berichtet. Rut 2:

1 Nun hatte Noomi einen Verwandten ihres Mannes, einen angesehenen und redlichen Mann aus der Sippe Elimelechs, und sein Name war Boas.

Wer sind die Eltern von Boas? Das erfahren wir aus dem Matthäusevangelium. Mt. 1:

5 Salmon zeugte Boas mit der Rahab. Boas zeugte Obed mit der Rut. Obed zeugte Isai.

Wir wissen, dass Rahab eine Prostituierte war, die den Israeliten bei der Eroberung Jerichos geholfen hat. Und Salmon ist ein Nachfahre Judas. Rahab und Salmon heiraten und haben mindestens ein Kind - Boas. Jetzt können wir uns fragen: Kann aus diesem Sohn etwas Gutes werden? Wird dieser Sohn nicht der Unmoral seiner Mutter folgen? Dass das nicht der Fall ist, wird uns bereits aus dem ersten Vers des zweiten Kapitels deutlich. Er wird als redlich bezeichnet. Wikipedia definiert Redlichkeit wie folgt:

Als Redlichkeit bezeichnet man die Tugend und Charaktereigenschaft einer Person, entsprechend den Regeln einer Gemeinschaft gerecht, aufrichtig oder loyal zu sein. Der Kern der Redlichkeit ist die Übereinstimmung der Rede einer Person mit dem, was diese Person tut.

Da Boas als redlich bezeichnet wird, können wir nachvollziehen, dass er auch bei den Menschen angesehen ist. Sie wissen, sie können sich auf Boas verlassen. Ansehen zu haben bedeutet, dass man geachtet und wertgeschätzt wird und die Menschen eine hohe Meinung von einem haben.

Der zweite Vers des zweiten Kapitels knüpft an das Thema der Gerstenernte an. Wir finden in den ersten fünf Büchern Mose Rechte für die Armen, Witwen und Waisen.

3. Mos. 19:

9 Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht alles bis an die Ecken deines Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten.

10 Auch sollst du in deinem Weinberg nicht Nachlese halten noch die abgefallenen Beeren auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott.

3. Mos. 23:

22 Wenn ihr aber die Ernte eures Landes einbringt, sollt ihr nicht alles bis an die Ecken des Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten, sondern sollt es den Armen und Fremdlingen lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.

5. Mos. 24:

19 Wenn du auf deinem Acker geerntet und eine Garbe vergessen hast auf dem Acker, so sollst du nicht umkehren, sie zu holen, sondern sie soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen, auf dass dich der HERR, dein Gott, segne in allen Werken deiner Hände.

20 Wenn du deine Ölbäume geschüttelt hast, so sollst du nicht die Zweige absuchen; es soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen.

21 Wenn du deinen Weinberg abgelesen hast, so sollst du nicht nachlesen; es soll dem Fremdling, der Waise und der Witwe zufallen.

22 Denn du sollst daran denken, dass du Knecht in Ägyptenland gewesen bist. Darum gebiete ich dir, dass du solches tust.

Ruth kennt dieses Recht. Sie ist soeben erst in Betlehem angekommen und übernimmt sofort Verantwortung, indem sie entscheidet, auf den Feldern Ähren zu lesen. Sie weiß, dass dies ein Recht ist, dass ihr als Fremde und Witwe zusteht. Allerdings kennt sie die nachbarschaftlichen Strukturen noch nicht. Sie weiß nicht, wer ihr erlauben wird, Ähren zu lesen. Daher macht sie sich auf den Weg, kommt an ein Feld und bittet um Erlaubnis, dies tun zu dürfen. Es stellt sich im Nachhinein für Ruth heraus, dass es Boas gehört. Dieser sieht Ruth und erkundigt sich bei den Knechten nach ihr. Er erfährt, dass sie fleißig ist.

7 Sie hat gesagt: Lasst mich doch auflesen und sammeln hinter den Garben den Schnittern nach, und ist gekommen und dageblieben vom Morgen an bis jetzt und ist nicht einmal kurz heimgegangen.

Boas spricht Ruth an und fordert sie auf, auch weiterhin auf seinem Feld zu bleiben. Er stellt sie unter seinen Schutz und unterstützt sie.

8 Da sprach Boas zu Rut: Hörst du wohl, meine Tochter? Du sollst nicht auf einen andern Acker gehen, um aufzulesen; geh auch nicht von hier weg, sondern halt dich zu meinen Mägden.

9 Und sieh, wo sie schneiden im Felde, da geh ihnen nach. Ich habe meinen Knechten geboten, dass dich niemand antaste. Und wenn dich dürstet, so geh hin zu den Gefäßen und trinke von dem, was meine Knechte schöpfen.

14 Boas sprach zu ihr, als Essenszeit war: Komm hierher und iss vom Brot und tauche deinen Bissen in den Essigtrank! Und sie setzte sich zur Seite der Schnitter. Er aber legte ihr geröstete Körner vor, und sie aß und wurde satt und ließ noch übrig.

15 Und als sie sich aufmachte zu lesen, gebot Boas seinen Knechten und sprach: Lasst sie auch zwischen den Garben lesen und beschämt sie nicht;

16 auch zieht etwas für sie aus den Garben heraus und lasst es liegen, dass sie es auflese, und niemand schelte sie darum.

Ruth wundert sich über die Freundlichkeit und Gnade von Boas, da sie doch eine Fremde in diesem Land ist.

10 Da fiel sie auf ihr Angesicht und beugte sich nieder zur Erde und sprach zu ihm: Womit hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, dass du mir freundlich bist, die ich doch eine Fremde bin?

Ruth erfährt Anerkennung von Boas aufgrund ihres Handelns an Noomi.

11 Boas antwortete und sprach zu ihr: Man hat mir alles angesagt, was du getan hast an deiner Schwiegermutter nach deines Mannes Tod; dass du verlassen hast deinen Vater und deine Mutter und dein Vaterland und zu einem Volk gezogen bist, das du vorher nicht kanntest.

12 Der HERR vergelte dir deine Tat, und dein Lohn möge vollkommen sein bei dem HERRN, dem Gott Israels, zu dem du gekommen bist, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest.

Aufgrund der Unterstützung von Boas ist es nicht verwunderlich, dass Ruth bis zum Abend etwa 15 kg Gerstenkörner gesammelt hat. Durch die tägliche Nachlese kann sie den Lebensunterhalt für sich und Noomi sichern.

17 Bis zum Abend arbeitete Ruth auf dem Feld. Als sie die Ähren ausklopfte, hatte sie etwa 15 Kilogramm Gerste beisammen. (Hoffnung für alle)

Zudem bringt Ruth von dem Essen, das sie übrig gelassen hat, Noomi mit. Wir können uns die Verwunderung und Freude von Noomi vorstellen, als sie erfährt, dass Ruth auf dem Feld von Boas war. Sie erklärt Ruth, wer Boas ist, und sie ist Gott gegenüber dankbar. Sie erkennt hinter der Güte von Boas die Hand Gottes. Wir erinnern uns an die Frustration von Noomi bei ihrer Rückkehr. Sie wollte Mara genannt werden. Doch nun kehrt Hoffnung in ihr Herz. Sie merkt: Gott hat sich nicht von ihr abgewendet. Er ist barmherzig. Noomi gibt Ruth den Rat, das Angebot von Boas auf seinen Feldern zu bleiben, anzunehmen. Dadurch ist sie sicher vor Belästigungen und Übergriffen von Arbeitern, die respektlos und unsittlich mit (fremden) Frauen umgehen. Die Weizenernte beginnt sieben Wochen nach der Gerstenernte zur Zeit des Wochenfestes. Somit ist Ruth vier Monate auf den Feldern, um Nachlese zu betreiben. Sie bleibt auch nach der Getreideernte bei Noomi. Dies zeigt ihre loyale Liebe, die sie für Noomi hat. Rut 2:

20 Noomi aber sprach zu ihrer Schwiegertochter: Gesegnet sei er vom HERRN, der seine Barmherzigkeit nicht abgewendet hat von den Lebendigen und von den Toten. Und Noomi sprach zu ihr: Der Mann steht uns nahe; er gehört zu unsern Lösern.

21 Rut, die Moabiterin, sprach: Er sprach auch das zu mir: Du sollst dich zu meinen Leuten halten, bis sie mir alles eingeerntet haben.

22 Noomi sprach zu Rut, ihrer Schwiegertochter: Es ist gut, meine Tochter, dass du mit seinen Mägden hinausgehst, damit dir nicht jemand auf einem andern Acker etwas zuleide tue.

23 So hielt sie sich beim Ährenlesen zu den Mägden des Boas, bis die Gerstenernte und Weizenernte beendet war. Und dann blieb sie bei ihrer Schwiegermutter.

Dass Boas mit Elimelech, dem Mann Noomis, verwandt ist, haben wir bereits im ersten Vers erfahren. Nun fügt sie hinzu, dass Boas zu den Lösern gehört. Was ist ein Löser? Gehen wir dazu in das AT. 3. Mos. 25:

24 Und bei all eurem Grundbesitz sollt ihr für das Land die Einlösung gewähren.

25 Wenn dein Bruder verarmt und etwas von seinem Besitz verkauft, so soll sein nächster Verwandter kommen und einlösen, was sein Bruder verkauft hat.

3. Mos. 27:



24 Aber im Erlassjahr soll der Acker wieder an den gelangen, von dem er ihn gekauft hat, dem er als sein Erbteil gehört.

Gott hat den einzelnen Vätern/ Familien im verheißenen Land ein Stück Land als Erbteil zugeteilt. Dieses Erbteil, dieses Stück Land soll innerhalb der Sippe bleiben und soll nicht verkauft werden. Gott möchte gewährleisten, dass das Land in Familienbesitz bleibt und somit die Lebensgrundlage jeder Familie erhalten bleibt. Doch da es dennoch vorkommt, dass Land verkauft werden muss, hat Gott Vorkehrungen getroffen, damit es wieder an die Sippe zurückfallen kann. Dazu dient das Erlassjahr, das alle 50 Jahre erfolgt, und in dem der verkaufte Grundbesitz den ehemaligen Besitzern wieder zurückgegeben werden muss. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, das Land durch einen Verwandten einzulösen. Wir können davon ausgehen, dass Elimelech sein Land verkauft hat, als er nach Moab gezogen ist. Noomi hat kein Vermögen, um es zurückzukaufen. Sie ist arm. Daher benötigt sie einen Verwandten ihres Mannes, der bereit ist, das Land wieder zu kaufen und somit zum Löser wird.

Zu den einzelnen Personen können wir zusammenfassend sagen:

Noomi war am Ende des ersten Kapitels verbittert. Sie kehrte nach Betlehem zurück, nachdem sie in Moab alles verloren hat. Doch in Betlehem hat sie auch nichts. Sie ist arm, sie ist Witwe, sie hat keine Söhne mehr und sie fühlt sich von Gott verlassen. Sie macht Gott verantwortlich für ihr Leid. Doch am Ende des zweiten Kapitels kehrt Hoffnung in ihr Leben ein. Sie erlebt, dass Gott sie nicht verlassen hat, dass er barmherzig ist und für sie sorgt. Zudem wird ihr bewusst, dass es einen Löser gibt.

Boas wird seinem Ruf, redlich zu sein, gerecht. Er lässt sich von Gott gebrauchen und gewährleistet, dass Noomi und Ruth durch die Ährenlese während der Zeit der Getreideernte versorgt sind. Er achtet das Gesetz Gottes, schätzt die Haltung Ruths Noomi gegenüber und stellt sie unter seinen Schutz. Durch die Ährenlese sind Ruth und Noomi nicht auf Almosen angewiesen und können ihren Lebensunterhalt sichern.



Ruth ist Noomi gegenüber weiterhin loyal und voller Liebe. Dies zeigt sich dadurch, dass sie aktiv wird. Sie übernimmt Verantwortung und arbeitet für Noomis und ihren Lebensunterhalt. Wir wissen nicht, wer sie auf das Recht der Ährenlese aufmerksam gemacht hat. Doch sie erkennt, dass das Recht der Ährenlese eine wunderbare Möglichkeit ist, die Gott geschaffen hat, dass ihre Versorgung gewährleistet ist. Boas sagt ihr zu, dass sie bei Gott Zuflucht finden soll. Und sie erlebt, dass Gott ihr Versorger ist. Ruth sammelte 15 Kg am ersten Tag. Wenn wir davon ausgehen, dass Ruth währen der viermonatigen Erntezeit nur an fünf Tagen pro Woche auf dem Feld war, hat sie insgesamt 12 Zentner Getreide gesammelt. Es gibt eine Studie aus Amerika, die besagt, dass der Mensch jährlich 200 kg Obst, 200 kg Gemüse, 110 kg Getreide/ Mais und 90 kg Eier/ Fleisch/ Fisch benötigt. Ich kenne die Preise der damaligen Zeit nicht, doch somit können sich Noomi und Ruth durch den Verkauf der restlichen acht Zentner zumindest einen Teil der anderen Lebensmittel leisten. 

Wir sehen: Auf Gott ist Verlass. Er versorgt die beiden Frauen, obwohl sie mittellos sind. Er hat ein System in Israel eingeführt, durch das Arme und Schwache, Witwen und Waisen Versorgung erfahren. Wie tut er das? Er leitet die Schritte von Ruth und führt sie auf das Feld von Boas. Er bewegt das Herz von Boas, so dass Ruth unter dessen Schutz steht. Er schenkt Noomi Hoffnung und Weisheit. Dazu mehr in der nächsten Predigt.

So dürfen auch wir uns auf Gott verlassen. Er hilft uns auch heute noch so, wie er damals den Menschen geholfen hat. Er lässt uns nicht vereinsamt, unversorgt, verzweifelt, verbittert zurück, sondern verändert unsere Lebenssituation. Wir dürfen ihm vertrauen. Er lenkt auch unser Leben, er hat auch unser Leben in seiner Hand und auch wir stehen unter seinem Schutz.

 

Gott segne euch!