Buch Ruth 4 Boas wird Löser 15.04.18

Heute wollen wir uns dem letzten Kapitel des Buches Ruth widmen. In Kapitel 3 haben wir erfahren, dass Boas bereit ist, Verantwortung für Ruth und Noomi zu übernehmen. Er weiß um seine Rolle als Löser, er weiß aber auch um einen anderen, näheren Verwandten, der ein Vorrecht als Löser hat. Er verspricht Ruth, bereits am anderen Morgen zu klären, wer Löser werden wird. Boas schiebt die Angelegenheit somit nicht auf die lange Bank. Er sitzt die Situation nicht aus. Er steht zu seinem Wort. Jesus steht ebenfalls zu seinem Wort. Er tut, was er sagt. Er war bereit, für uns zum Erlöser zu werden. Dafür gab er sein Leben. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass sein Werk am Kreuz nicht das Ende seines Lebens war. Es war auch nicht das Ende zwischen der Geschichte zwischen Gott und den Menschen. Es war und ist immer noch die Rettung für uns.

Zudem haben wir erfahren, dass Noomi Gott vertraut. Sie ist zuversichtlich, dass diese Angelegenheit ein gutes Ende nehmen wird und Boas für Ruth eintreten wird.

Kommen wir nun zu Kapitel 4:

1 Boas ging hinauf ins Tor und setzte sich daselbst. Und siehe, als der Löser vorüberging, von dem er geredet hatte, sprach Boas: Komm, setz dich her, es geht um dich! Und er kam herüber und setzte sich dort hin.

Wir erfahren, dass sich Boas ins Tor setzt, um auf den näheren Verwandten zu warten. Als dieser kommt, bittet Boas ihn, sich zu ihm zu setzen. Der nähere Verwandte nimmt Platz. Wir wissen nicht, was dieser gedacht hat, als Boas ihm sagt, es gehe um ihn. Vielleicht war er neugierig. Vielleicht war er auch voller Sorge, weil er nicht weiß, um was es geht. Vielleicht geschah es auch nur aus Respekt Boas gegenüber.

Interessant ist, dass Boas im Tor wartet. Durch ein Tor gehen Menschen hindurch. Jesus sagt von sich selbst in Joh. 10:

9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Jesus spricht auch heute noch zu uns. Er fordert uns auf, zu ihm zu kommen. Er schickt uns nicht weg. Und es ist sogar eine Zusage damit verbunden, wenn wir zu ihm kommen: Wir werden selig werden. Andrea hat vor kurzem für das Wort „selig“ beneidenswert verwendet. Das Leben mit Jesus führt also dazu, dass andere uns um unsere Art zu leben beneiden werden.

Wir wissen, was Boas vorhat. Er will dafür sorgen, dass es Noomi und Ruth wohlergeht. Im Gegensatz dazu will Jesus für alle Menschen sorgen. Das Angebot, zu ihm kommen zu dürfen, gilt für alle Menschen. Jeder, der zu ihm kommt, und sein Angebot annimmt, wird selig werden.

2 Und Boas nahm zehn Männer von den Ältesten der Stadt und sprach: Setzt euch hierher! Und sie setzten sich.

Zudem fordert er zehn Älteste der Stadt auf, sich ebenfalls zu setzen. Welche Rolle nehmen die Ältesten ein? Die Ältesten, die es in jeder Stadt zur damaligen Zeit gibt, sind Mitglieder der Gemeinschaft, die Verantwortung tragen. Sie können in allen Angelegenheiten des Allgemeinwohls handeln und in jeder Notsituation gerufen werden. Sie haben somit die Autorität, Entscheidungen zu treffen. Boas geht es allerdings mehr darum, dass die Ältesten als Zeugen fungieren. Dies wird im Folgenden deutlich. Er spricht nämlich nicht zu den Ältesten, sondern zu dem näheren Verwandten.

3 Da sprach er zu dem Löser: Noomi, die aus dem Lande der Moabiter zurückgekommen ist, bietet feil den Anteil an dem Feld, der unserm Bruder Elimelech gehörte.

4 Darum gedachte ich's vor deine Ohren zu bringen und zu sagen: Willst du es lösen, so kaufe es vor den Bürgern und vor den Ältesten meines Volks; willst du es aber nicht lösen, so sage mir's, dass ich's wisse; denn es ist kein anderer Löser da als du und ich nach dir. Er sprach: Ich will's lösen.

Der nähere Verwandte überlegt nicht lange. Er ist bereit, das Land Elimelechs zu lösen. Er denkt dabei vermutlich nur an den Gewinn, der ihm dieses Land bringen wird. Doch Boas spricht weiter zu ihm:

5 Boas sprach: An dem Tage, da du von Noomi das Feld kaufst, musst du auch Rut, die Moabiterin, die Frau des Verstorbenen, nehmen, um den Namen des Verstorbenen zu erhalten auf seinem Erbteil.

6 Da antwortete er: Ich vermag es nicht zu lösen, sonst würde ich mein Erbteil schädigen. Löse dir zugut, was ich hätte lösen sollen; denn ich vermag es nicht zu lösen.

Als der nähere Verwandte dies hört, winkt er ab. Er hat kein Interesse mehr daran, in die Rolle des Lösers zu schlüpfen. Boas erwartet nämlich die Erfüllung einer weiteren Bestimmung des Gesetzes. Es geht um die Schwagerpflicht. 5. Mos. 25:

5 Wenn Brüder beieinander wohnen und einer stirbt ohne Söhne, so soll die Frau des Verstorbenen nicht die Frau eines Mannes aus einer andern Sippe werden, sondern ihr Schwager soll zu ihr gehen und sie zur Frau nehmen und mit ihr die Schwagerehe schließen.

Dem näheren Verwandten geht es in erster Linie um sein Haus, seine Nachkommen, seinen Reichtum und sein Erbe. Es geht ihm nicht um Elimelech und dessen Haus. Wenn er Ruth zur Frau nimmt, bedeutet dies, dass das Kind aus dieser Beziehung als Nachkomme Elimelechs gilt. Diesem Kind fällt das Land Elimelechs und auch ein Erbteil von ihm zu. Dem näheren Verwandten wird bewusst, dass dadurch auch das Erbe für seine Kinder, die er mit einer anderen Frau hat, geringer ausfallen würde. Deshalb schreckt er davor zurück, Löser zu werden.

Wieso gibt es zwei Löser? Der nähere Verwandte ist ein Bild für den fleischlichen Menschen. Er weiß um das Gesetz, er möchte, aber er kann es nicht erfüllen. Dies zeigt deutlich: Es ist nicht möglich, Rettung/ Erlösung durch das Gesetz zu finden. Boas hingegen ist ein Bild für Jesus. Boas ist bereit, das Gesetz zu erfüllen und erweist dadurch Ruth und Noomi Gnade. Jesus erfüllte das Gesetz – bis zu seinem Tod am Kreuz - und wurde zum Erlöser für die gesamte Menschheit. Durch seinen Kreuzestod ist das Zeitalter der Gnade Gottes angebrochen. Er tat es aus Liebe zu seinem Vater, er tat es aus Liebe zu uns, er tat es freiwillig. Er hat sich  entschieden, seinem Vater gegenüber Gehorsam zu sein. Wir wissen, wir benötigen Gottes Gnade, denn uns gelingt es genauso wenig wie dem näheren Verwandten, das Gesetz Gottes zu erfüllen. Paulus sagt in Röm. 7:

18 Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Lesen wir weiter in Rut 4:

7 Es war aber von alters her ein Brauch in Israel: Wenn einer eine Sache bekräftigen wollte, die eine Lösung oder einen Tausch betraf, so zog er seinen Schuh aus und gab ihn dem andern; das diente zur Bezeugung in Israel.

8 Und der Löser sprach zu Boas: Kaufe du es!, und zog seinen Schuh aus.

9 Und Boas sprach zu den Ältesten und zu allem Volk: Ihr seid heute Zeugen, dass

ich von Noomi alles gekauft habe, was Elimelech, und alles, was Kiljon und Machlon gehört hat.

10 Dazu habe ich mir auch Rut, die Moabiterin, die Frau Machlons, zur Frau genommen, dass ich den Namen des Verstorbenen erhalte auf seinem Erbteil und sein Name nicht ausgerottet werde unter seinen Brüdern und aus dem Tor seiner Stadt; dessen seid ihr heute Zeugen.

Der Löser bezeugt, dass er Boas das Land Elimelechs zum Kauf überlässt. Und Boas macht den Ältesten und dem Volk bewusst, dass sie Zeugen sind, dass er nicht nur das Land Elimelechs erworben hat, sondern auch dessen Schwiegertochter Ruth zur Frau genommen hat. Damit drückt er offen vor dem Volk aus, dass Ruth, die Witwe aus Moab, die Moabitin, zwar nach dem Gesetz keinen Anteil an Israels Segnungen hatte, jetzt aber Anteil daran hat. Das ist Gnade, unumschränkte, überströmende Gnade.

11 Und alles Volk, das im Tor war, samt den Ältesten sprach: Wir sind Zeugen. Der HERR mache die Frau, die in dein Haus kommt, wie Rahel und Lea, die beide das Haus Israel gebaut haben; sei stark in Efrata, und dein Name werde gepriesen zu Bethlehem.

12 Und dein Haus werde wie das Haus des Perez, den Tamar dem Juda gebar, durch die Nachkommen, die dir der HERR geben wird von dieser jungen Frau.

Die Menschen und auch die Ältesten nehmen ihre Verantwortung wahr. Sie stehen dazu, Zeugen für das zu sein, was sie gehört und gesehen haben. Und danach sprechen sie einen Segen aus über Ruth, über Boas, über sein Haus und über seine Nachkommen. Worin besteht dieser Segen? Ruth soll werden wie Rahel und Lea. Diese waren die Frauen Jakobs, die ihm gemeinsam mit den beiden Nebenfrauen zwölf Söhne geschenkt und somit den Grundstein für das Haus Israel gelegt haben. Wir wissen aus Mt. 1,3 und auch aus den nachfolgenden Versen, dass Ruth Vorfahrin von David und sogar von Jesus ist. Somit hat sich dieser Segen erfüllt. Boas soll stark sein, sein Name soll gepriesen werden. Da Boas ein Bild für Jesus ist, hat sich auch dies erfüllt. Perez, der Sohn Judas, ist Teil des Stammbaums Jesu nach Mt. 1,3. Boas gehört zur siebten Generation nach Juda.

13 So nahm Boas die Rut, dass sie seine Frau wurde. Und als er zu ihr einging, gab ihr der HERR, dass sie schwanger ward, und sie gebar einen Sohn.

Wir erfahren, dass Ruth, nachdem Boas sie zur Frau genommen hat, schwanger wird und einen Sohn bekommt. Ruth hatte mit ihrem ersten Mann kein Kind. Wir wissen nicht, woher diese Kinderlosigkeit kam. Vielleicht war Ruth sogar unfruchtbar. Jetzt erfährt sie die Gnade Gottes.

14 Da sprachen die Frauen zu Noomi: Gelobt sei der HERR, der dir heute den Löser nicht versagt hat! Sein Name werde gerühmt in Israel!

15 Der wird dich erquicken und dein Alter versorgen. Denn deine Schwiegertochter, die dich geliebt hat, hat ihn geboren, die dir mehr wert ist als sieben Söhne.

Interessant ist, dass die Frauen zu Noomi und nicht zu Ruth sprechen. Wir erinnern uns: Als Noomi aus Moab nach Betlehem zurückgekehrt ist, ist sie bitter. Sie ist leer nach Betlehem zurückgekehrt, obwohl sie reich nach Moab gegangen ist. Nun sagen die Frauen: „Gelobt sei der HERR, der dir heute den Löser nicht versagt hat!“ Dies zeigt, dass nicht nur Ruth, sondern auch Noomi durch das Handeln von Boas gesegnet ist. Wir erfahren den Grund: Der Enkel Noomis wird für sie zum Segen sein. Er wird nicht nur ihr Herz erfreuen, sondern sie auch im Alter versorgen. Die Frauen nehmen wahr, dass sie durch Ruth reicher beschenkt worden ist als durch sieben Söhne. Wie kommen sie darauf? Sie haben die Beziehung der beiden Frauen beobachtet und dabei festgestellt, wie sehr Ruth Noomi liebt und wie treu Ruth gegenüber Noomi ist. Sie haben vielleicht selbst Söhne und stellen fest, dass diese viel distanzierter mit ihnen umgehen.

16 Und Noomi nahm das Kind und legte es auf ihren Schoß und ward seine Wärterin.

Noomi scheint im Haushalt der Ruth oder in der Nähe zu leben. Sie übernimmt Verantwortung für ihren Enkel, indem sie auf ihn aufpasst.

17a Und ihre Nachbarinnen gaben ihm einen Namen und sprachen: Noomi ist ein Sohn geboren; und sie nannten ihn Obed.

In der Vergangenheit haben wir festgestellt, dass häufig die Mütter ihren Kindern den Namen gegeben haben. Hier verhält es sich anders. Die Nachbarinnen suchen den Namen aus und nennen das Kind Obed. Obed bedeutet Diener oder Anbeter. Wir wissen, Obed ist der Enkel Noomis. Doch die Nachbarinnen bezeichnen ihn als deren Sohn. Dies hängt mit der Verantwortung zusammen, die Obed für Noomi übernimmt, wenn diese alt und gebrechlich ist.

17b Der ist der Vater Isais, welcher Davids Vater ist.

18 Dies ist das Geschlecht des Perez: Perez zeugte Hezron;

19 Hezron zeugte Ram; Ram zeugte Amminadab;

20 Amminadab zeugte Nachschon; Nachschon zeugte Salmon;

21 Salmon zeugte Boas; Boas zeugte Obed;

22 Obed zeugte Isai; Isai zeugte David.

Das ist ein Teil des Geschlechtsregisters, das uns zehn Namen der Vorväter Davids nennt. Diese Namen finden wir ebenfalls im Geschlechtsregister in Matthäus 1, das uns von Adam bis zu Jesus führt.

Jetzt sind wir am Ende des Buches Ruth angekommen. Dieses Buch ist ein Buch der Gnade. Wir erleben Gottes Gnade an den beiden Hauptpersonen dieser Geschichte. Gott erweist seine Gnade an zwei Frauen. Der Status der Frauen war damals nicht sehr hoch. Hinzu kam, dass sie Witwen waren und kinderlos sind. Das ist zur damaligen Zeit ein hartes Schicksal, weil die Männer die Verantwortung und die Sorge für die Frauen übernommen haben. Ohne Mann waren die Frauen finanziell, sozial und materiell nicht abgesichert. Hinzu kommt, dass eine der beiden Frauen nicht einmal zum Volk Gottes gehörte.

Dies zeigt uns Gottes Liebe uns Menschen gegenüber. Wir denken in Schubladen. Wir achten auf die Äußerlichkeiten. Doch Gott schaut auf das Herz des Menschen. Und wir erleben auch heute noch: Die Gnade Gottes kennt keine Schranken!

Du darfst gewiss sein, Gott kennt auch dich. Er weiß um alles. Er kennt deine Situation, er kennt dein Herz. Und er bietet dir heute seine Hilfe an. Genauso wie er den beiden Frauen durch seine Gnade aus einer ausweglosen, vorgezeichneten Situation herausgeholfen hat, kann er auch dir helfen. Er lässt dich nicht allein. Er streckt seine Hand nach dir aus. Ergreife sie.

 

Gott segne dich.