Dan 2 20.08.2017

Im ersten Teil der Predigt über Dan haben wir festgestellt, dass er der erste Sohn Bilhas, der Magd Rahels, und der fünfte Sohn Jakobs ist. Die Geburt Dans ist für Rahel der Beweis dafür, dass Gott ihr im Konflikt mit Lea Recht verschafft hat. Sie hat diesem seinen Namen gegeben, da er nach der damaligen Sitte als ihr Sohn gegolten hat. Der Name Dan bedeutet: Gott hat Gericht gehalten bzw. Gott hat Recht verschafft. Manche übersetzen Dan auch mit „Richter“. Obwohl Dan nur einen in der Bibel benannten Nachkommen hat, wird er nach Juda zum zweitgrößten Stamm. Das Land, das sie erhalten, ist im Verhältnis dazu allerdings sehr klein. Daher machen sie sich auf in den Norden und erobern das Land, in dem harmlose und arglose Menschen leben. Sie gründen dort die Stadt Dan. Der Ausdruck „Von Berscheba bis Dan“ bedeutet „ganz Israel“.

Dan bekommt an siebter Stelle den Segen seines Vaters. Die Verheißung Jakobs lautet: 1. Mos. 49:



16 Dan wird Richter sein in seinem Volk wie nur irgendein Stamm in Israel.

17 Dan wird eine Schlange werden auf dem Wege und eine Otter auf dem Steige und das Pferd in die Fersen beißen, dass sein Reiter zurückfalle.

18 Herr, ich warte auf dein Heil!

Wir haben uns bereits überlegt, was ein Richter tut und folgendes festgestellt:

· Ein Richter spricht Recht gegen jedermann aus.

· Er achtet nicht auf die Person oder die Stellung einer Person, sondern allein auf die Einhaltung des bestehenden Rechts.

Im Buch der Richter gibt es zwei Arten von Richtern. Es gibt die großen und die kleinen Richter. Die großen Richter sind charismatische Heerführer, die gegen Israels Feinde kämpfen, die kleinen Richter üben die Aufgabe eines Richters oder eines lokalen Fürsten aus. Simson, der aus dem Stamm Dan kommt, zählt zu den großen Richtern.

Es ist aufgrund des Namens nicht verwunderlich, dass im Segen Jakobs Dan zum Richter über sein Volk bestimmt wird. Es heißt, er ist Richter wie jeder Stamm unter den Stämmen Israels. Wir können davon ausgehen, dass jeder Stamm seine eigenen kleinen Richter hat. Dies kann bedeuten: Der Stamm Dan tut sich in seiner Rolle als Richter nicht besonders hervor oder Dan steht seinen Brüder in nichts nach, obwohl er nur von einer Magd geboren wurde. Die Aufgabe der Richter ist sehr wichtig, da wir bei Sebulon und Issachar bereits gesehen haben, dass die Gefahr für die Stämme Israels sehr groß ist, sich von Gott abzuwenden. Das wird in den Erzählungen der großen Richter deutlich (bspw. Otniël, Ehud, Barak, Gideon, Jiftach und Simson). Sie folgen immer dem gleichen Kreislauf:

· Abfall Israels von Gott, Anbetung von Baal oder anderen kanaanitischen Göttern

· Bedrohung und Unterdrückung durch Fremdvölker

· Hilfeschrei zu Gott

· Erweckung eines Richters (Retters) durch Gott

· Rettung Israels durch den Richter

· Erneuter Abfall Israels von Gott

In Richter 2, 16 - 23 wird deutlich, dass die Richter von Gott berufen sind, das Volk zu retten. Das Problem ist, dass das Volk nichts daraus zu lernen scheint. Immer und immer wieder verlassen sie Gott. Daraufhin erleben sie, dass sie durch andere Völker unterdrückt werden. In dieser Situation erinnern sie sich an den Gott ihrer Väter und schreien zu ihm. Gott erweckt Richter und schickt ihnen dadurch Hilfe. Doch sobald die Gefahr vorbei ist, vergessen sie Gott und gehen erneut eigene Wege.

Der zweite Teil der Verheißung Jakobs lautet (1. Mos. 49):



17 Dan wird eine Schlange werden auf dem Wege und eine Otter auf dem Steige und das Pferd in die Fersen beißen, dass sein Reiter zurückfalle.

Hier taucht das Bild der Schlange auf. Schlangen sind faszinierende und zugleich unheimliche Tiere. Obwohl sie keine Beine haben, können sie sich mit ihrem langen schlanken Körper blitzschnell fortbewegen. Sie kriechen auf dem Boden und sind dabei sehr leise. Manche Schlangen sind giftig und ihr Biss kann lebensgefährlich sein.



Schlangen können nicht besonders gut sehen, doch dafür ist ihr Geruchssinn sehr gut ausgebildet. Mit ihrer gespaltenen Zunge nehmen Schlangen ganz feine Duftspuren wahr. Die Zähne im Maul der Schlangen dienen nicht zum Kauen, sondern zum Festhalten der Beute.

Was ist die Besonderheit von Ottern? Sie gehören der Gattung der Vipern an. Vipern sind Giftschlangen. Ihre Färbungen entsprechen im Regelfall dem Untergrund, auf dem sie leben. Sie reichen von Grau über Rotbraun und verschiedene Brauntöne bis hin zu Schwarz. Sie haben schlitzförmige Pupillen. Typisch ist der scheinbar strenge Blick, der von einer Oberaugenplatte herrührt.

Kreuzottern, die in Deutschland vorkommen, sind scheu und beißen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Das ist der Fall, wenn man auf sie tritt, sie reizt oder anfasst. Sie haben große Giftzähne, allerdings nur einen geringen Giftvorrat.

Die hier erwähnte Hornotter ist eine kleine sandfarbene Schlange. Sie verdankt ihren Namen zwei kleinen Schuppen oberhalb der Augen. Wegen seiner Farbe fällt das Tier nicht auf und kann deshalb völlig unerwartet eine tödliche Wunde verursachen.

Was tun wir, wenn wir Schlangen auf unserem Weg begegnen? Ich habe auf jeden Fall Respekt vor ihnen. Lieber nehme ich einen Umweg in Kauf, als mich der Gefahr auszusetzen, von ihnen gebissen zu werden.

Schlangen haben keinen guten Ruf – viele Menschen verbinden mit ihnen Angst und Schrecken. In der Bibel verführt Satan in Gestalt der Schlange Eva und Adam dazu, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Daraufhin verflucht Gott die Schlange in Vers 14 und Satan in Vers 15. 1. Mos. 3:



14 Da sprach Gott der HERR zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang.

15 Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.

Das Bild der Schlange weist vermutlich auf zwei Dinge hin. Zum einen können wir davon ausgehen, dass dieser Stamm ein Stamm aus Kriegern ist. Er weiß seine Widersacher durch einen unerwarteten Angriff zu besiegen, so wie es gefährliche Schlangen tun. Der Feind hat aufgrund der listigen, unkonventionellen Kriegskunst Dans keine Chance. Die Kämpfer aus dem Stamm Dan legen ihre Hände nicht in ihren Schoß, um abzuwarten, was passiert, sondern gehen mutig, offensiv und aktiv voran.

Zum anderen stellt sich die Frage, inwieweit es eine Verbindung des Segens Jakobs und den Worten Gottes bzgl. 1. Mos. 3,15 gibt. In beiden Versen finden wir die Aussage des in die Ferse Beißens/ Stechens. Viele sind der Meinung, dass dies nur bedeuten kann, dass der Antichrist aus dem Stamm Dan kommt. Was wissen wir dazu? Wir wissen aus dem Wort Gottes, dass Dan als erster Stamm den Götzendienst eingeführt (Ri. 18) und diesen bis zu ihrer Wegführung nach Babylon nicht aufgegeben hat. Zudem spricht in 3. Mos. 24 ein Daniter die erste Gotteslästerung aus. Der Stamm Dan ist somit eng mit dem Götzendienst verbunden. Anstatt Gott zu ehren und zu dienen, lässt sich dieser Stamm von Satan verführen/ in die Irre führen.

Was ist nun? Im Segen für Sebulon haben wir gesehen, dass Israel unter die Nationen zerstreut werden wird, und im Segen für Issachar wurde deutlich, dass Israel völlig von den Nationen abhängig sein wird. Deshalb benötigt das Volk Israel einen Führer. Dan als Krieger und Richter nimmt diese Rolle ein, folgt allerdings nicht den Wegen Gottes und führt das Volk in den Götzendienst. Somit nimmt der Stamm Dan keine positive Rolle unter den Stämmen ein.

Daher ist der dritte Teil des Segens Jakobs für Dan sehr wichtig. 1. Mos. 49:

18 Herr, ich warte auf dein Heil!

In diesem Vers kommt zum ersten Mal (von über achtzig Malen) das Wort Rettung oder Heil (Jeschua) im Grundtext vor. Dieses Wort finden wir besonders häufig in den Psalmen und im Buch Jesaja (Jes. 12,2.3; 49,6; 62,11). Jeschua bedeutet: der Herr ist Rettung (Mt. 1,21). An manchen Stellen wird es gleichbedeutend mit dem Messias verwendet. Jakob betet und wartet nicht nur für eine zeitliche Befreiung, sondern drückt sein Verlangen nach einem persönlichen Erretter aus.

Und diese Rettung benötigt nicht nur Israel, sondern die gesamte Menschheit. Wir wissen, um die Verdorbenheit des Menschen und um die Macht des Bösen, die im Antichrist völlig offenbar werden wird. Dafür wird allein Gott eine Lösung geben können.

Im AT sehen wir, dass das Volk Israel viele Erfahrungen gemacht hat, von Gott gerettet worden zu sein. Und genauso wird es auch in der Zukunft von all seinen Feinden errettet werden. Gott wird für sie streiten.

Es fällt auf, dass der Stamm Dan in der Aufzählung der Versiegelten aus Israel in Offb. 7 fehlt. Bleibt von Dan also nichts mehr übrig? Im Segen Moses lesen wir Folgendes über Dan (5. Mos. 33,22):

Und von Dan sprach er: Dan ist ein junger Löwe, der hervorspringt aus Basan.

Hier wird nichts Ungünstiges von Dan erwähnt. Die kämpferische Natur wird im Bild des jungen Löwen deutlich. Zudem können wir feststellen: In Hesekiel 48 fehlt Dan bei der Verteilung des Landes nicht. Er erhält sogar als erster der Stämme sein Erbteil im Norden Israels. Das zeigt uns: Gottes Gnade wird über die Bosheit des Menschen und die Macht Satans triumphieren.

Wir haben festgestellt, dass der Segen Jakobs für seine Söhne eine klare inhaltliche aufeinanderfolgende Struktur hat. Jeder Mensch ist von Natur aus böse und verdorben. Wir sind alle Sünder. Das zeigen die drei ersten Söhne. Daher benötigen wir einen Retter, dessen Kommen bereits im Segen für Juda prophezeit wird. Als Errettete schenkt Gott uns eine Heimat (Sebulon). Doch auch als Errettete stehen wir in Gefahr, erneut zu sündigen und uns von Gott abzuwenden (Sebulon, Issachar). Deshalb ist es wichtig, dass Gott uns immer wieder jemand schickt, der uns aufrüttelt und uns den Weg der Wahrheit weist (Dan). Doch leider ist Dan dem Götzendienst verfallen.

Was bedeutet das für uns? Ich denke, jeder von uns kennt das Folgende: Regelmäßig kommen wir in Lebensphasen, die sich nach Kampf anfühlen. Oft genug sind wir aufgefordert, neue Schritte zu gehen und Gewohntes hinter uns zu lassen. Das ist nicht immer einfach. Oft ist es gefährlich. Doch um im Leben weiter zu kommen oder geistlich zu wachsen ist es unabdingbar. Wir dürfen wie Dan mutig und entschlossen sein. Doch unser Mut und unsere Entschlossenheit, unser Aktionismus und unsere Initiative sollten sich auf die Wege Gottes und seine Pläne beziehen. Achten wir nicht darauf, welchen Wegen wir folgen, kann es uns wie dem Stamm Dan gehen. Denn auch wir stehen in der Gefahr, uns von den Gegebenheiten unseres Lebens ablenken zu lassen und Gott dadurch zu vergessen. Aus Erfahrung kann ich sagen: Gott ist treu. Er steht zu mir und hilft mir, auch wenn ich von seinen Wegen abgekommen bin. Er steht zu mir, auch wenn ich erneut gesündigt habe. Gott vergibt, wenn ich ihn mit aufrichtigem Herzen um Vergebung bitte – und vergisst. Er wirft mir nicht vor, was ich getan habe, sondern betrachtet mich durch das Blut Jesu, durch das ich rein und heilig vor ihm stehen kann. Ohne diese Gnade könnte ich nicht vor ihm bestehen.

Ich bin Gott für seine Gnade, die er für mich und jeden anderen Menschen hat, sehr dankbar. Ich kann nur staunen über diese Gnade und die Liebe Gottes. Gott hätte bereits zu Adam sagen können: „Ich mühe mich mit diesen Menschen nicht ab. Sie sind es nicht Wert, mir Gedanken um sie zu machen.“ Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Wir sind es ihm Wert, dass er sich Gedanken um uns macht. Wir sind es ihm Wert, dass er einen Rettungsplan entwickelt hat. Wir sind es ihm Wert, dass er bis heute an diesem Rettungsplan festgehalten hat. Wir sind es ihm Wert, dass er zu seinem Wort steht. Wir sind es ihm Wert, dass er bereit war, seinen Sohn zu opfern, damit wir Leben haben. Wir sind es ihm Wert, uns seine Kinder nennen zu dürfen.

Im Alltag, in unserem persönlichen Glaubensleben erleben wir ständig, dass Jesus mit uns ist. Er hilft uns, den Weg als Überwinder zu gehen, sein Wort zu bewahren und Jesus zu verkündigen. Und auch wir, die wir Jesus nachfolgen, geraten oft in Not. Wenn wir in unserer Not dann nur noch sagen können, dass wir völlig hilflos sind, dürfen wir wie Jakob beten: „Auf deine Rettung harre ich, Herr!“. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott kommt und uns rettet.