Danken

Wir wissen, dass die Israeliten zur Zeit Jakobs und Josefs nach Ägypten gekommen sind. Josef war dort ein mächtiger Mann. 400 Jahre später haben die Ägypter allerdings Josef vergessen und die Israeliten sind in Ägypten Landarbeiter und Sklaven. Sie sind im Wesentlichen rechtlos und sie leiden unter den Ägyptern. Gott sieht das Leid seines Volkes und greift ein: durch einen Säugling einer levitischen israelitischen Familie. Dieser wird von seinen Eltern in einem Schilfkorb im Nil ausgesetzt, um ihn vor der vom Pharao angeordneten Tötung der männlichen israelitischen Kinder zu bewahren. Er wird von einer Tochter des  Pharaos gefunden und aus Mitleid unter dem Namen Mose adoptiert. Interessant ist, dass zum Stillen seine leibliche Mutter als Amme bestimmt wird.

Mose wächst unter den Ägyptern auf, erhält ihre Bildung und wird mit ihrer Kultur vertraut, fühlt sich als Hebräer. Er will dem israelitischen Volk aus eigener Kraft helfen. Nachdem er allerdings einen Ägypter erschlagen hat, der einen Hebräer bedrohte, flieht er aus dem Land, und heiratet Zippora, die Tochter des midianitischen Priesters Jetro. Hier offenbart sich ihm JHWH im brennenden Dornbusch, der Gott Israels, und teilt Mose seinen Rettungsplan für das Volk Israel mit: Mose soll nach Ägypten zurückkehren, die Israeliten von dort herausführen, und sein älterer Bruder Aaron soll sein Sprecher sein.

Der Bitte Moses und Aarons, die Israeliten ziehen zu lassen, begegnet der Pharao mit einer Erhöhung der Zwangsarbeit. Daraufhin sucht Gott die Ägypter zuerst durch neun Plagen heim, um den Pharao zu bewegen, die Israeliten ziehen zu lassen.

    Das Nilwasser wird zu Blut;

    Frösche wimmeln im Land;

    Mücken plagen Mensch und Tier;

    Stechfliegen plagen Mensch und Tier;

    Eine Seuche rafft das Vieh dahin;

    Bei Mensch und Vieh brechen Geschwüre auf;

    Hagelstürme verwüsten das Land;

    Heuschrecken fressen das Land kahl;

    Drei Tage herrscht Dunkelheit im Land;

Obwohl von den immer bedrohlicher werdenden Plagen erschrocken, gewährt der Pharao den Auszug der Israeliten nicht. Das Volk der Kinder Israels wird im Übrigen von den Plagen verschont.

Erst die letzte, zehnte Plage, der Tod aller männlichen Erstgeborenen der Ägypter, überzeugt den Pharao, die Israeliten ziehen zu lassen. Das jüdische Pessachfest, dessen Vorschriften Gott Mose am Vorabend des Auszugs offenbart, erinnert an das Verschonen der Erstgeborenen der Israeliten.

Die Israeliten brechen von Sukkot zum Schilfmeer (dem Roten Meer oder einem nahegelegenen See) auf und werden vom ägyptischen Heer verfolgt, da der Pharao die Erlaubnis zum Auszug bereut. Der Furcht der Israeliten begegnet ihr Gott mit der Trockenlegung des Schilfmeeres, wodurch ihnen ein Fluchtweg eröffnet wird. Die verfolgenden Ägypter ertrinken in den wieder einfallenden Wassermassen. Es folgt ein Lobgesang der Geretteten. Sie haben allen Grund dazu. Sie haben erlebt, dass Gott sie vor den Plagen bewahrt geblieben sind, dass sie von ihm aus Ägypten geführt worden sind und er sie gerettet hat, als sie von Pharao und seinem Heer verfolgt worden sind. Bleiben sie in dieser dankbaren Haltung? Nein!

Als die Israeliten von Elim zum Sinai aufbrechen bekommen sie Hunger und Durst. Sie erleben, dass sie in der Wüste nichts zu essen und zu trinken finden. Wie reagieren sie? Gehen sie zu Gott? Vertrauen sie darauf, dass er sich auch weiterhin um sie kümmert? Nein! Bei den ersten Schwierigkeiten murren sie. Sie murren aber nicht gegen Gott, sondern gegen Mose und auch Aaron: 2. Mos. 16,3:

„Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.“

2. Mos. 17,3:

Als aber dort das Volk nach Wasser dürstete, murrten sie wider Mose und sprachen: Warum hast du uns aus Ägypten ziehen lassen, dass du uns, unsere Kinder und unser Vieh vor Durst sterben lässt?

Mose gibt dem Volk allerdings zu verstehen, dass sie letztlich gegen Gott murren. Zur Verteidigung der Israeliten könnte man sagen, dass sie die Erfahrung der Versorgung Gottes bis dahin noch nicht selbst erlebt haben. Wenn wir jetzt aber zwei Kapitel vorblättern, können wir in 4. Mos. 11, 4b-6 lesen:

4b Da fingen auch die Israeliten wieder an zu weinen und sprachen: Wer wird uns Fleisch zu essen geben?

5 Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und an die Kürbisse, die Melonen, den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch.

6 Nun aber ist unsere Seele matt, denn unsere Augen sehen nichts als das Manna.“

Wir merken, die Israeliten sind unzufrieden. Sie sind unzufrieden über die Art der Versorgung Gottes. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch daran erinnern könnt, als eure Kinder klein waren. Ihr habt euch stunden lang in die Küche gestellt, habt gekocht und habt nur gehört: „Iiiiiiii, schon wieder Gemüsesuppe!“

Die Israeliten sind undankbar. Sie erleben jeden Tag das Wunder der göttlichen Fürsorge. Es ist für sie aber nichts mehr Besonderes. Sie haben sich daran gewöhnt. Sie haben sich daran satt gegessen. Sie sehnen sich sogar nach Ägypten zurück. Sie erinnern sich nicht mehr an die Sklaverei, an ihr Leid, an ihre Plackerei. Sie erinnern sich nur noch an die vermeintlich positiven Dinge: Es gab verschiedene Dinge zu essen. Ich wage zu bezweifeln, dass sie wirklich eine große Auswahl an Speisen und diese in Fülle hatten. Zudem ist Sklaverei ein hoher Preis – auch für einen reichhaltig gestalteten Speisezettel. Das Manna kam auf jeden Fall in Fülle auf die Erde. Alle, das waren immerhin 600 000 Männer, hinzu kamen die Frauen und die Kinder, wurden satt.

Dennoch murren sie. Klagen und Nörgelei tritt dann auf, wenn wir uns an die Segnungen Gottes gewöhnt haben. Anstatt dankbar zu sein, üben wir Kritik. Als ich vor ein paar Monaten Urlaub hatte, habe ich zu Hause gekocht – jeden Tag. Ich wollte meine Familie verwöhnen, da ja ansonsten ich verwöhnt werde. Als mir das Essen anbrennt, meint ein Familienmitglied beim Vorbeigehen: „Muss denn das Essen jeden Tag gleich schmecken?“ Da will man dem anderen doch am liebsten die Pfanne hinterher werfen! Kennt ihr das. Aber die Person hat dabei gegrinst. Hätte die Person nicht gegrinst, wäre ich ganz schön beleidigt gewesen. Es verletzt uns, wenn unser Tun für andere von diesen nicht gewürdigt wird. Gott ist zornig über das Volk und er züchtigt es für ihr Murren. Er gibt ihnen Fleisch, lässt aber gleichzeitig eine Plage über sie kommen. Es brachte ihnen den Tod.

Anstatt Gott für das dankbar zu sein, was wir bekommen, beschweren wir uns und verlangen nach anderen Dingen. Ich bin davon überzeugt, dass wir dennoch nicht mehr dankbar wären, würden wir die anderen Dinge bekommen, da wir inzwischen übersättigt sind und uns an die Segnungen gewöhnt haben.

Was können wir dagegen tun? Das beste Heilmittel gegen das sündige Nörgeln und Klagen ist das bewusste Danken für alles, was Gott gibt und tut. Ein dankbares Herz, das das Wunder der Güte und Gnade Gottes als großes Geschenk empfindet, nimmt seine Segnungen nicht so schnell als selbstverständlich an. Wir können von Kindern lernen, die begeisterungsfähig sind für die kleinen Dinge des Lebens.

Wisst ihr, Gott muss uns nicht segnen. Er tut es trotzdem. Fangen wir also wieder an, über Gott und seine Segnungen zu staunen und dankbar zu sein.