Der gute Hirte/12.03.2014

Das Bild des Hirten kommt sowohl im AT wie auch im NT immer wieder vor. Wenn wir einen Hirten betrachten, was sehen wir dann?

Der Beruf des Hirte

Wir sehen einen Mann mit einfacher Kleidung, seiner Arbeitskleidung. Sie ist zweckmäßig und hält warm und trocken. Er hat Stiefel an und keine modischen Schuhe, damit er nicht ständig darauf achten muss, wo er hintritt. Er hat meist einen Hut auf und einen Umhang um, damit er vor Wind und Regen geschützt ist. Dann hat er noch einen langen Stab. Er kann sich darauf stützen, wenn die Schafe fressen. Er hilft ihm, zusätzlichen Halt beim Weitergehen zu finden. Und er kann damit die Schafe lenken. Das äußere Erscheinungsbild ist also sehr einfach gehalten.

Aber gerade dieses einfache Erscheinungsbild bewirkt etwas in uns. An was denken wir denn, wenn wir eine Schafherde sehen, die auf einer schönen Wiese grast und von einem Hirten bewacht wird? Rührt dieses Bild unsere Seele an? Das Bild strahlt idyllisch. Es strahlt Frieden und Ruhe aus. Es lässt uns einen Moment unsere Hektik des Alltags vergessen und uns innehalten. Für einen Moment werden wir herausgerissen aus unserer Welt. Das Bild des Hirten, der seine Herde weidet, scheint aus einer anderen Zeit zu stammen, steht im Kontrast zur Welt, wie wir sie heute wahrnehmen. Bei vielen entsteht eine Sehnsucht nach Geborgenheit oder nach sicherer Wegbegleitung.

Auch wenn dieses Bild idyllisch wirkt, ist die Aufgabe eines Hirten nicht unbedingt einfach. Was hat er zu tun:

   * Er gibt den Weg vor und führt seine Schafe.

   * Er hält sie zusammen.

   * Er sucht diejenigen, die sich verlaufen haben.

   * Er schützt sie vor Gefahr.

   * Er verteidigt sie vor den Angriffen wilder Tiere.

   * Er bringt sie zu guten Weideplätzen.

   * Er macht ihnen Mut, wenn es durch finstere Schluchten und unwegsames Gelände geht.

   * Er bleibt auch nachts bei den Schafen.

   * Sein Leben lebt er für das Wohlergehen seiner Schafe.

Hirten sehen ihren Beruf als Lebensaufgabe und nicht als reinen Broterwerb an. Arbeite ich nur, um Geld zu verdienen, hängt mein Herz nicht an diesem Beruf. Der Hirte hängt an seinen Schafen. Er hat eine Beziehung zu ihnen. Er kennt jedes einzelne Schaf und weiß, wie es jedem geht. Er weiß, welches Schaf besondere Fürsorge benötigt, weil es krank ist. Er weiß, welches Schaf schwach auf den Beinen ist. Er sorgt sich um jedes einzelne Schaf. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, für die Schafe zu leben. Er ist bereit, sein Leben für sie zu geben (s. David).

Ist das Hirtenleben ein einfacher Beruf? Ein Hirte hat Verantwortung für seine Schafe. Das stelle ich mir nicht einfach vor. Schafe sind nämlich ganz schön eigenwillige Tiere. Sie sehen nur ihre eigenen Bedürfnisse und wollen diese befriedigt haben. Sie sind egozentrisch. Sie nehmen keine Rücksicht auf ihren Hirten. Damit muss ein Hirte umgehen. Er muss das einzelne Schaf, aber auch seine Herde im Blick haben. Da ist es kein Wunder, dass man als Hirte den ganzen Tag arbeitet. Er ist „rund um den Uhr“ für die Schafe da.

Um die Arbeit als Hirte tun zu können, muss ein Hirte seine Schafe lieben können. Ohne diese Grundhaltung stelle ich mir die Arbeit mit den Schafen aufgrund ihrer Eigenheiten sehr schwierig vor. Nur aufgrund der Liebe ist ein Hirte in der Lage, sein Leben für die Schafe zu geben.

Unterscheid zwischen guten und schlechten Hirten/ der Mietling

Ich habe mich gefragt, warum Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte. Es heißt nicht nur: Ich bin der Hirte. Betrachten wir die anderen Ich-Botschaften, sehen wir, dass keine Adjektive gebraucht werden Es heißt:                                               und nicht:

- Ich bin die Auferstehung und das Leben.               - die einzige Auferstehung

- Ich bin die Tür.                                                           - die offene Tür

- Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.     - der besondere Weg..

- Ich bin das Licht..                                                      - das helle Licht

- Ich bin das Brot des Lebens.                                  - das schmackhafte Brot

- Ich bin der Weinstock.                                             - der größte Weinstock.

Ich denke, das war bei den anderen Botschaften einfach nicht erforderlich. Sie waren eindeutig. Eine nähere Erklärung durch Adjektive war nicht notwendig.

Bei dem Bild des Hirten fehlt diese Eindeutigkeit. Es scheinen nicht alle Hirten ihre Aufgabe ernst zu nehmen. Deshalb scheint es auch schlechte Hirten zu geben. Schlechte Hirten kommen ihrer Verantwortung nicht nach. Die Schafe werden nicht gesund gepflegt, wenn sie krank sind. Sie sterben. Die Schafe, die sich verlaufen, werden nicht gesucht. Sie gehen verloren. Diesen Hirten ist das Wohlergehen der Schafe gleichgültig. Sie sorgen sich nicht um die Schafe. Sie bringen die Schafe in Gefahr und überlassen sie ihrem Schicksal. Sie erwecken den Anschein, Hirten zu sein, sie sind es aber nicht, da sie ihrer Verantwortung nicht nachkommen. Die Priorität setzen sie nicht auf das Wohlergehen der Schafe, sondern auf ihr eigenes Vorwärtskommen.

In Vers 12 werden diese Personen Mietlinge genannt. Sie arbeiten als Hirten nur wegen des Geldes.

„12 der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sei -,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.“

Wenn Jesus also von sich sagt, dass er der gute Hirte ist, hebt er sich ab von den unguten Hirten, die ihren Beruf nicht als Lebensaufgabe, sondern nur als Broterwerb verstehen. Er setzt sein Leben ein für die Schafe. Ihm ist seine Herde sogar wichtiger als sein Leben. Er hat sein Leben für seine Schafe gelassen.

Habt ihr euch schon einmal überlegt, wo der Hirte seinen Platz hat, wenn er seine Herde führt? Geht er den Schafen voran oder treibt er sie von Hinten an? Er geht ihnen voran. Das können wir in Vers 4 nachlesen:

„4 Wenn seine Schafe den Stall verlassen haben, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.“

Hierzu eine kleine Geschichte:

Ein Fremdenführer in Israel erklärte einmal einer Gruppe von Touristen: „In Ihrem Land haben sie wahrscheinlich schon beobachtet, dass die Hirten hinter den Schafen hergehen und sie über die Felder und Straßen treiben. Bei uns ist das anders. Der Hirte geht vor der Herde her und führt sie.“

Zur großen Erheiterung der Touristen wurde die erste Schafherde, der sie begegneten, getrieben und nicht geführt. Dem Fremdenführer war das überaus peinlich. Er fragte den Mann hinter der Herde: „Wieso treiben sie die Tiere? Ich dachte immer, dass die Hirten im Orient ihre Schafe führen!“

„Das ist richtig“, antwortete der Mann. „Der Hirte führt seine Herde. Aber ich bin kein Hirte. Ich bin Metzger“.

Wenn wir andere führen wollen, müssen wir ihnen vorangehen. Und genau das tut Jesus. Er geht uns voran. Er zeigt uns den Weg. Auch wenn der Weg unsicher scheint, können wir diesen Weg gehen, weil wir darauf vertrauen dürfen, dass er uns sicher führen wird.

Satan, der Dieb

Im Gegensatz dazu ist Satan ein Dieb, ein Metzger und ein Vernichter. Er hat kein Interesse daran, dass es uns gut geht. Er hat nur eigene Interessen. Diese verfolgt er zielstrebig. In Vers 10 steht:

„10 Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.“

Satan will uns also berauben, niedermetzeln und uns den Tod bringen.

Gegenüberstellung Hirte - Dieb

Jesus gab sein Leben, um uns dadurch ewiges Leben zu schenken.               Satan will uns unser Leben nehmen.           Jesus zeigt uns den Weg, er sagt die Wahrheit.                                                 Satan führt uns in die Irre und belügt uns.

Jesus schenkt uns Leben in Überfluss.                                                                 Satan bringt uns den Tod.

Jesus hat durch seinen Tod die Verbindung zu Gott wiederhergestellt.         Satan will uns von Gott trennen.

Durch Jesus haben wir die Vergebung unserer Sünden.                                   Satan führt uns in Versuchung.

                                                                                                                                        Er will, dass wir sündigen.

Jesus liebt uns.                                                                                                            Satan benutzt uns.

Jesus ist um unser Wohl besorgt.                                                                           Satan interessiert unser Wohl nicht.

Jesus bietet uns Schutz.                                                                                            Satan führt uns ins Verderben.

Jesus lässt uns nicht allein.                                                                                     Satan will, dass wir allein und

                                                                                                                                         einsam sind.

Jesus tritt für uns ein.                                                                                              Satan geht gegen uns vor.

Das Schaf

Jetzt haben wir uns den Hirten betrachtet, den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Hirten herausgestellt, den Mietling und den Dieb angeschaut. Jetzt wollen wir unser Augenmerk auf die Schafe lenken.

Wenn ich zu meinem Mann sage: „Du Schaf“, könnte es passieren, dass er gekränkt oder beleidigt ist. Schlimmer ist, wenn wir zueinander sagen würden: „Du dummes oder du blödes Schaf“. Diese Aussagen sind beleidigend und verletzend. Ich möchte weder als dumm, noch als blöd betitelt werden. Und als Schaf bezeichnet zu werden ist auch nicht besonders nett. Schafen werden negative Eigenschaften nachgesagt. Einige habe ich bereits genannt. Schafe sind eigenwillig und haben wenig Geduld. Sie wollen ihre Bedürfnisse nach Hunger und Durst sofort befriedigt haben. Sie schauen nur auf sich selbst. Können wir uns in manchen dieser Eigenschaften wiederfinden?

Aber Schafe haben auch die Eigenschaft, die Stimme ihres Hirten zu erkennen. Sie kennen ihren Hirten seit ihrer Geburt. Sie haben von klein an zu ihm Vertrauen fassen können, weil sie seine Fürsorge erlebt haben. Sie wissen, sie können sich auf ihn verlassen. Sie machen sich keine Sorgen darüber, ob sie auch morgen, übermorgen und die nächsten Wochen über versorgt werden. Sie haben keine Angst vor wilden Tieren, sie wissen, der Hirte wird sie beschützen. Sie haben keine Angst, dass sie verloren gehen. Sie wissen, der Hirte schaut nach ihnen. Sie machen sich um nichts Sorgen, weil sie wissen, der Hirte ist da und kümmert sich um alles.

Mischt man für die Nacht verschiedene Herden in einen Stall, werden sie ganz leicht voneinander getrennt, indem die Hirten die Schafe rufen. Joh. 10.

4 Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme.

5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm, denn sie kennen seine Stimme der Fremden nicht.

Jetzt stellt sich uns die Frage: Kennen wir die Stimme Jesu? Lassen wir uns von ihm führen? Folgen wir ihm nach? Haben wir zu ihm, unserem Hirten, das Vertrauen eines Schafes? Jesus treibt uns nicht an, sondern er geht uns voraus und ruft und bei unserem Namen. Wir entscheiden selbst, ob wir ihm folgen wollen. Es ist unser freier Wille. Jesus sagt uns in Joh. 10 Folgendes zu:

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

Dennoch wird Gott in Psalm 23 mit einem Hirten verglichen. Auch Jesus sagt von sich, er ist der gute Hirte.

Sind das nicht wunderbare Zusagen? Gehören wir zu Jesus, werden wir seine Stimme hören und ihm folgen. Wir werden nicht umkommen. Niemand wird uns aus Jesu Hand reißen. Diese Zusagen vermitteln Geborgenheit und Sicherheit. Dann sagt Jesus noch etwas über die Größe Gottes: Gott ist größer als alles. Niemand kann uns aus seiner Hand reißen. Ich frage euch: Wo kann man sicherer sein als in der Hand unseres allmächtigen himmlischen Vaters.

Gottes Segen