Der Segen Jakobs für Juda 10.06.2017

Heute widmen wir uns dem dritten Segen Jakobs. Den ersten Segen hat Ruben erhalten. Doch Jakob konnte für ihn wegen seiner Verdorbenheit keine positiven Worte finden. Daher verlor er sein Erstgeburtsrecht und den besonderen Segen Jakobs. Simeon und Levi haben sich von Hass und Gewalt leiten lassen und Jakob sprach harte Worte über sie aus. Nun kommen wir zu Juda.

Wir lesen 1. Mos. 49:

8 Dich, Juda, dich werden deine Brüder preisen; deine Hand wird sein auf dem Nacken deiner Feinde, vor dir werden sich niederbeugen die Söhne deines Vaters.

9 Juda ist ein junger Löwe; vom Raub, mein Sohn, bist du emporgestiegen.

10 Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin; wer will ihn aufreizen?

11 Nicht weichen wird das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen.

12 Er bindet an den Weinstock sein Eselsfohlen und an die Edelrebe das Junge seiner Eselin; er wäscht im Wein sein Kleid und im Blut der Trauben sein Gewand; die Augen sind trübe von Wein und weiß die Zähne von Milch.

Jakob spricht Juda bei seinem Vornamen an und er verwendet zwei Mal das persönliche Fürwort „dich“. Dadurch betont er die Wichtigkeit seiner Worte. Juda soll aufmerken. Er soll genau zuhören, was ihm sein Vater zu sagen hat. Wir können uns vorstellen, dass nicht nur die drei ältesten Söhne wegen der Worte, die er für sie hatte, betroffen waren. Vermutlich war es auch den anderen Brüdern bang ums Herz. Sie wissen, wie es in ihrem Innersten aussieht, und sie merken, sie können ihr Herz nicht vor Gott verstecken. Ihnen ist bewusst, dass die Worte ihres Vaters prophetische Worte Gottes sind. Die Brüder können vermutlich ihrem Vater nicht in die Augen sehen. Sie sind beschämt, da ihr Innerstes nun aufgedeckt wird. Juda scheint ebenfalls seinen Vater nicht anzuschauen. Jakob spricht ihn daher direkt mit Namen an und ringt um seine Aufmerksamkeit, indem er zwei Mal das persönliche Fürwort „dich“ verwendet. Und wir können vermuten, dass sich Jakobs Tonlage verändert und in Jakobs Stimme Freude mitschwingt, als er zu Juda spricht. Der Grund der Freude liegt an der Botschaft, die er für ihn hat. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Jakob froh ist, sich endlich an einen seiner Söhne richten zu können, den er mit seinem Segen nicht richten muss.

Erinnern wir uns an die Bedeutung des Namens Juda? Er bedeutet Lobpreis. Juda weiß um die Bedeutung seines Namens. Daher ist ihm auch bewusst, was ihm sein Vater durch das Wortspiel in seinem ersten Satz sagen will. Es ist folgendes: „Du, Juda, du weißt, was dein Name bedeutet. Juda bedeutet Lobpreis. Und du sollst wissen, du wirst von deinen Brüdern gepriesen werden und sie werden sich vor dir niederbeugen.“ Jetzt stellt sich die Frage: Haben seine Brüder einen Grund, um ihn zu preisen? Haben sie einen Grund, sich vor ihm zu beugen? Hat er sich unter seinen Brüdern besonders hervorgehoben, so dass sie ihn erheben und ehren sollten? Oder war er nicht nur einfach einer von ihnen? Wir wissen um die Träume Josefs und wir wissen auch, dass sich diese Träume erfüllt haben, als die Brüder nach Ägypten reisten, um dort Getreide zu kaufen. Sie beugten sich vor Josef nieder und mussten nicht einmal dazu gezwungen werden. Doch wir wissen auch, was geschah, als Josef ihnen von seinen Träumen erzählt hat. Die Brüder waren ihm gegenüber feindlich gesinnt und wollten ihn töten. Juda hatte dieselbe Gesinnung wie seine Brüder. Doch letztlich hielt er sie davon ab, Josef zu töten, und wurde – unbewusst – zum Werkzeug Gottes. Dadurch gelangte Josef nach Ägypten und wurde zum Retter für Jakob und seine Söhne. Macht Juda das zu etwas besonderem? Nein, wir sollten uns alle von Gott als dessen Werkzeug gebrauchen lassen.

Jakob hat nur lobende Worte für Juda. Wir finden kein Wort der Kritik. Jetzt können wir uns fragen: Hat Jakob vergessen, wie Juda Tamar behandelt hat? Judas Verhalten ihr gegenüber war alles andere als tadellos. Erst als Juda von ihr mit seinem Fehlverhalten konfrontiert wird, übernimmt er Verantwortung für sie. Wir sehen: Es dauert, bis das Gewissen von Juda auf Unrecht reagiert. Doch wenn es sich meldet, handelt er entsprechend seines Gewissens. Macht Juda das zu etwas besonderem? Nein! Wir sollten alle entsprechend unseres Gewissens handeln und das Böse lassen und das Gute tun.

Juda übernimmt zudem Verantwortung für Benjamin bei der zweiten Reise der Brüder nach Ägypten und bürgt für ihn gegenüber seinem Vater. Er weiß, wie schwer es seinem Vater ums Herz ist bei dem Gedanken, Benjamin verlieren zu können. Doch Juda weiß auch, dass sie alle verhungern werden, wenn sie nicht mit Benjamin nach Ägypten reisen. Er ist somit bereit, sein Leben für seinen Bruder zu geben. Macht ihn nun das zu etwas besonderem? Was denkt ihr?

Der Segen Jakobs für Juda lässt sich in vier Teile einteilen:

1. Juda und seine Brüder

Jakob macht deutlich, dass Juda den ersten Platz unter seinen Brüdern einnehmen wird. Er erhält in Bezug auf seine Stellung das Erstgeburtsrecht, obwohl er nicht der Erstgeborene, sondern der vierte Sohn Jakobs ist. Die drei Söhne zuvor haben durch die Verdorbenheit ihres Charakters dieses Recht verwirkt. Somit nimmt Juda unter seinen Brüdern eine Vorrangstellung ein. Jakob bezieht alle Söhne ein, nicht nur die Söhne seiner Lieblingsfrau. Dies wird in Vers 8 deutlich:

8ac Dich, Juda, dich werden deine Brüder preisen; …vor dir werden sich niederbeugen die Söhne deines Vaters.

Dass sich die prophetischen Worte Jakobs erfüllen, zeigt sich in der Geschichte Israels immer wieder: Auf der Wüstenwanderung der Israeliten übernimmt der Stamm Juda die Führung und wird zum zahlenmäßig größten und mächtigsten Stamm. Das Land, das ihnen im Land Kanaan zugewiesen wird, ist sehr groß. Jerusalem wird zur Hauptstadt ihres Landes. Aus dem Stamm Juda geht zudem die königliche Linie hervor. Diese Linie reicht von David bis Jesus.

Aus Judas Stamm kommt der Messias hervor. Dies macht die Vorrangstellung Judas noch deutlicher. Somit sind die Worte Jakobs auch ein Bild für die kommende Zeit, ein Bild auf Jesus. Jesus hat das Erlösungswerk vollbracht, durch das alle errettet werden können. Er nennt alle, die ihm nachfolgen, seine Brüder. Er hat uns den Vater offenbart (Joh. 20,17). Er ist der wahre Juda, der wahre Gott-Lobende. Mit ihm dürfen wir den Vater preisen. Und wenn wir dies tun, beugen wir uns nicht nur vor dem Vater, sondern auch vor Jesus. Wir ehren den Vater und wir ehren den Sohn. Wir preisen Gott und das Lamm, das gleichzeitig der Löwe aus dem Stamm Juda ist. Darauf kommen wir im dritten Punkt zurück.

2. Juda und seine Feinde

Der Segen Jakobs beinhaltet den Sieg Judas über seine Feinde. Sie haben keine Chance. Sie können Juda nicht entkommen. Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum Juda von seinen Brüdern gepriesen wird und sich vor ihm beugen.

8b ..deine Hand wird sein auf dem Nacken deiner Feinde,..

Diese Aussage zeigt das Bild eines Siegers. Wenn Juda seine Hand auf dem Nacken seiner Feinde hat, kann das doch nur bedeuten: Juda steht seinem Feind nicht gegenüber, sonst könnte er seine Hand nicht auf den Nacken seiner Feinde legen. Juda jagt seinen Feinden nach, weil sie bereits auf der Flucht sind. Doch sie entkommen nicht, denn Juda ergreift seine flüchtenden Gegner beim Nacken. Er besiegt seine Feinde.

In der Geschichte Israels sind auch diese Worte in Erfüllung gegangen. Ein Beispiel ist 2. Sam. 22:

38 Meinen Feinden jagte ich nach und vernichtete sie; und ich kehrte nicht um, bis ich sie aufgerieben hatte.

39 Und ich rieb sie auf und zerschmetterte sie, dass sie nicht mehr aufstanden; und sie fielen unter meine Füße.

40 Und du umgürtetest mich mit Kraft zum Kampf, beugtest unter mich, die gegen mich aufstanden.

41 Du hast bewirkt, dass meine Feinde mir den Rücken zeigen müssen; meine Hasser, ich habe sie vernichtet.

Wir wissen: Saul hat Tausende erschlagen, aber David Zehntausende. Deshalb wird er geehrt unter allen Stämmen Israels.

3. Juda, der Löwe

Das Bild eines Löwen symbolisiert Stärke und verdeutlicht die besondere, triumphierende Macht, über die Juda verfügen soll. Ein junger Löwe ist schnell, er verfehlt sein Ziel nicht. Er ist erfolgreich. Erwachsene Löwen strahlen Ruhe aus und flößen anderen Ehrfurcht ein. Niemand traut sich, ihm zu nahe zu kommen oder gar anzugreifen.

9 Juda ist ein junger Löwe; vom Raub, mein Sohn, bist du emporgestiegen.

10 Er duckt sich, er legt sich nieder wie ein Löwe und wie eine Löwin; wer will ihn aufreizen?

Den Ausdruck „Löwe aus dem Stamm Juda" finden wir in Offb. 5,5. Er bezieht sich auf Jesus. Somit ist das Bild des Löwen ebenfalls ein messianisches Bild.

4. Die Herrschaft Judas

Jakob sagt voraus, dass aus dem Stamm Juda Könige hervorgehen. Eines der Zeichen der Königswürde ist das Zepter. Und dieses Zeichen sollte nicht weichen, bis Schilo kommt.

11 Nicht weichen wird das Zepter von Juda noch der Herrscherstab zwischen seinen Füßen weg, bis Schilo kommt, und ihm werden die Völker gehorchen.

Wir wissen, dass das Königtum der Nachkommen Davids in der Geschichte Israels nicht bleibend ist. Es wird zuerst auf das Zweistämmereich Juda und Israel reduziert. Nach der Wegführung nach Babel gibt es kein Königtum mehr. Doch von Bedeutung ist folgendes: Der Stamm Juda hat seine führende Stellung auch nach der Gefangenschaft behalten. Als die Israeliten wieder in das verheißene Land zurückkehren, werden sie als Judäer oder Juden bezeichnet. Somit verliert der Stamm Juda seine Führungsrolle nicht.

Doch was hat es mit Schilo auf sich. Schilo ist der Titel für den Messias als Friedefürst. Er ist der König der Könige. Er ist der ewige König. Daher gibt es nach ihm keine weiteren Könige mehr aus dem Stamm Judas. Jes. 9:

5 Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott6, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens.

6 Groß ist die Herrschaft, und der Friede wird kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun.

Betont wird, dass alle Völker dem Friedefürsten gehorchen werden. Dieses Wort weist im Hebräischen auf einen freiwilligen Gehorsam hin. Unser Gehorsam gegenüber Jesus trägt den Charakter der Bereitwilligkeit, es ist ein Glaubensgehorsam. Daher müssen wir nicht dazu gezwungen werden, gehorsam zu sein.

Doch diese messianische Prophezeiung ist noch weitreichender. Sie weist schließlich auf das Friedensreich hin, das erst beim Wiederkommen Christi anbrechen wird. Jesus wird in Majestät erscheinen, und die Völker werden Ihm öffentlich dienen und gehorchen. Seine Herrschaft wird sich bis an die Enden der Erde erstrecken und er wird der Mittelpunkt des Segens sein, sowohl für Israel als auch für die Völker.

Wie sieht das Friedensreich aus?



12 Er bindet an den Weinstock sein Eselsfohlen und an die Edelrebe das Junge seiner Eselin; er wäscht im Wein sein Kleid und im Blut der Trauben sein Gewand; die Augen sind trübe von Wein und weiß die Zähne von Milch.

Dieser Vers macht den Überfluss deutlich, den es geben wird. Es gibt Überfluss an Weinstöcken, so dass man sogar die Esel daran bindet, und einen Überfluss an Wein. Wein ist ein Symbol von Freude. Wenn Jesus seinen Platz einnehmen wird, wird Freude herrschen. Zudem ist der Wein auch ein Symbol für die zukünftige Heilszeit. Der Fluch, der auf dem Erdboden liegt, wird weggenommen und die Berge triefen von Wein und Milch.

Zusammenfassung:

Obwohl es im Leben Judas Widrigkeiten gibt und er nicht immer ehrenhaft bzw. tugendhaft ist, lässt er zu, dass Gott an seinem Herzen wirken kann. Er bleibt nicht stur auf den Wegen, die er einschlägt, sondern lässt seine Herzenseinstellung immer wieder von Gott verändern. So wird er zu einem Mann, der Verantwortung zu übernehmen weiß. Die Frage ist: Darf Gott an uns wirken? Darf er uns verändern? Übernehmen wir in unserem Leben Verantwortung nach dem Willen Gottes? Juda lässt diese Dinge zu. Dadurch erhält er den besonderen Segen seines Vaters, der sehr weitreichend ist. Im Segen Jakobs für Juda schwingen sehr viele messianische Prophezeiungen mit, so dass wir nur staunen können. Dies zeigt: Gott hat einen Plan. Sind wir bereit, Teil seines Planes zu sein? Sag JA dazu und staune, was Gott in deinem Leben zu tun vermag. Gott segne dich.

 

Amen.