Die Stimme Gottes hören/12.03.2014

Wer von euch kann sich denn noch an das Thema von letzter Woche erinnern? Andrea hat uns ermutigt, als Gemeinde nach vorne zu gehen.

Womit endete ihre Predigt? Ich habe auf jeden Fall die Aufforderung herausgehört, auf Gottes Stimme hören zu sollen. Das soll das heutige Thema meiner Predigt sein. Ich möchte zu Beginn eine Bibelstelle aus 1. Sam. 3 vorlesen.

4 Und der HERR rief Samuel. Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich!

5 und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen. Und er ging hin und legte sich schlafen.

6 Der HERR rief abermals: Samuel! Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen.

7 Aber Samuel hatte den HERRN noch nicht erkannt, und des HERRN Wort war ihm noch nicht offenbart.

8 Und der HERR rief Samuel wieder, zum dritten Mal. Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich! Du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der HERR den Knaben rief,

9 und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, HERR, denn dein Knecht hört. Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort.

10 Da kam der HERR und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel! Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.

11 Und der HERR sprach zu Samuel

Wir kennen diese Geschichte. Samuel war noch ein Knabe. Und obwohl er noch ein Knabe war, sprach Gott zu ihm. Das Problem dabei war, dass Samuel zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Stimme Gottes kannte. Er lief zu Eli, da er davon ausging, dass dieser ihn gerufen hat. Aber Eli war weise genug, Samuel zu erklären, was er zu tun hatte. Die Anweisung Elis war ganz einfach. Samuel sollte Gott antworten, dass er bereit ist zu hören. Aber gerade diese Anweisung stellt immer wieder aufs Neue – auch für uns heute noch - eine Herausforderung dar. Warum? Wir sind herausgefordert, uns zu entscheiden, Gottes Stimme hören zu wollen oder uns zurückzunehmen. Diese Entscheidung stellt ein Wagnis dar. Ich wage, Gott zu vertrauen, dass er es ist, der zu mir spricht. Dabei kommt es nicht darauf an, wie intensiv der Eindruck ist. Mose scheint es da einfacher gehabt zu haben. Mit dem brennenden Dornbusch hat er ein intensives Erlebnis gehabt. Das machte ihn neugierig und offen für Neues, Unbekanntes. Jetzt kann jemand einwerfen: Ja, wenn mir Gott heute noch in einem brennenden Dornbusch begegnen würde, ja, dann würde ich zuhören und auch tun, was Gott sagt. Ich wage zu bezweifeln, dass das so wäre. Mose hat die Stimme gehört, ihm war bewusst, es ist Gott, der da zu ihm spricht, dennoch hatte er so seine Probleme mit dem Gehorsam.

Ein anderes Beispiel ist Abraham. Wir wissen kaum etwas über ihn aus der Zeit vor seiner Berufung. War er eine herausragende Persönlichkeit? Hatte er besondere Führungsqualitäten oder andere besondere Begabungen und Fähigkeiten. War sein Lebenswandel außergewöhnlich? Ich gehe nicht davon aus. Wenn das wichtig für seine Berufung gewesen wäre, würde es im Wort Gottes stehen. Es ist nicht wichtig. Gott beruft uns in die Beziehung zu ihm. Er beruft uns mit unserem Namen. Das ist von Bedeutung. Derjenige, der mit Namen berufen wird, kann durch niemand anders ersetzt werden. Abraham hat sich berufen lassen, er hat auf die Stimme Gottes gehört und ihr vertraut. Er hat das Land verlassen, in dem er in Sicherheit gelebt hat, und hat sich auf eine ungewisse Zukunft eingelassen. Warum? Er hat es gemacht, weil er  auf die Stimme Gottes gehört und ihr vertraut hat. Er hat es gemacht, obwohl es ein Wagnis war. Er hat es gemacht, obwohl ihn andere sicher als verrückt betrachtet haben, weil er ein Leben in Sicherheit aufgab.

Noah war auch jemand, der etwas Verrücktes gemacht hat. Er hat ein großes Schiff gebaut, obwohl kein See, kein Meer in der Nähe war. Er war vermutlich dem Spott anderer ausgesetzt. Er hat es ertragen. Warum? Noah war sich sicher, Gottes Stimme gehört zu haben. Er war sich sicher, er konnte dieser Stimme vertrauen. Er war sich sicher, nicht enttäuscht zu werden. Deshalb konnte er gehorsam sein.

Was können wir daraus schließen?

Können wir eine bestimmte Technik oder Methode erkennen? Nein! Die Menschen aus der Bibel haben keine Technik angewendet, um Gottes Stimme hören zu können. Als sie die Stimme gehört haben, hat sich Gott zu erkennen gegeben. Sie waren aber nicht nur bereit, die Stimme zu hören, sondern sie haben zugehört und sich darauf eingelassen, was ihnen Gott zu sagen hatte. Dadurch sind sie eine Beziehung mit ihm eingegangen. Diese Beziehung hat sich darin gezeigt, dass sie Vertrauen zu ihm hatten. Sie haben die Entscheidung getroffen, sich herausfordern lassen und zu tun, was Gott ihnen sagte.

Wie steht es um uns?

Haben wir das Vertrauen, dass Gott auch heute noch ganz konkret zu uns spricht? Wenn wir dieses Vertrauen nicht investieren, werden wir keine Erfahrungen mit dem Hören auf die Stimme Gottes machen.

Lassen wir uns herausfordern, indem wir uns entscheiden, Gottes Stimme hören zu wollen, oder nehmen wir uns zurück? Wenn wir uns zurücknehmen, nehmen wir Gott die Möglichkeit, zu uns reden zu können. Wir berauben uns selbst.

Gehen wir das Wagnis ein, Gott durch unser Handeln Antwort auf sein Reden zu geben? Gehen wir dieses Wagnis ein, auch wenn wir verunsichert sind, ob es wirklich Gottes Stimme war? Wisst ihr, ein Kind lernt nicht laufen, wenn es sich nicht traut, sich auf die Füße zu stellen. Ein Kind, das Laufen lernt, wird anfangs immer und immer wieder hinfallen. Was passiert, wenn das Kind umfällt? Bleibt es liegen? Nein! Es probiert es wieder von Neuem und irgendwann wird es laufen gelernt haben. So sollte es auch bei uns sein. Wagen wir Schritte im Glauben zu gehen, auch wenn wir die Folgen nicht immer absehen können? Wagen wir Schritte im Glauben zu gehen, auch wenn wir Angst haben, wir könnten uns verhört haben? Wagen wir Schritte im Glauben zu gehen trotz der Angst vor dem Unbekannten? Wagen wir Schritte im Glauben zu gehen trotz schmerzhafter Erfahrungen, trotz der Angst vor Fehlern, vor Strafe, vor Leid oder Ablehnung? Ist unsere Angst berechtigt? Ich denke schon. Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst, doch ich habe die Welt überwunden. Jesus ist stärker als all das, was uns in der Welt begegnet und uns Angst machen kann. Er hat die Welt überwunden. Und in seiner Kraft, durch ihn, gelingt uns das auch. Deshalb brauchen wir  uns von unserer Angst nicht lähmen lassen. Wir wollen doch alle im Glauben wachsen! Aber wir werden im Glauben nicht wachsen, wenn wir uns nur an bekannten Dingen festhalten. Außerdem hat Gott nicht gesagt, dass wir als Christen nie Schwierigkeiten haben werden. Er hat auch nicht gesagt, dass wir uns immer gut fühlen werden. Aber er hat uns zugesagt, dass er bei uns sein wird. Dies zeigt deutlich, wie wichtig ihm die Beziehung zu uns ist.

Machen wir unser Vertrauen davon abhängig, wie intensiv wir Gottes Stimme erleben, oder vertrauen wir darauf, dass es tatsächlich Gott ist, der zu uns spricht? Wenn uns das Vertrauen fehlt, kann die Intensität des Eindrucks sehr stark sein, wir werden dennoch nicht auf die Stimme Gottes hören. Wenn wir aber Vertrauen haben, werden wir auch auf einen kleinen Wink Gottes reagieren. Wir werden unsere Ohren spitzen und zuhören.

Wollen wir Gott in eine bestimmte Schublade stecken? Wollen wir, dass er zu uns redet, wie wir es uns vorstellen? Hätten wir gern eine Gebrauchsanleitung für das Hören auf Gottes Stimme. Wäre es nicht schön, wenn es einen Knopf gäbe, auf den wir drücken können, um mit Gott sofort Kontakt zu haben? Es könnte passieren, dass uns jetzt ein „Ja“ herausrutscht. Aber wir würden Gott damit in seinen Möglichkeiten beschränken. Bei diesen Vorstellungen würde es nur noch um unseren Willen, um unsere Vorstellungen, um unsere Bedürfnisse gehen. Wir würden Gott als Automaten betrachten, der von uns nur noch bedient zu werden braucht. Aber es geht nicht um unsere Vorstellungen und Erwartungen. Es geht um eine lebendige Beziehung zu Gott.

Was macht es uns schwer, auf die Stimme Gottes zu hören? Was hindert uns, die Stimme Gottes zu hören?

Dafür gibt es sicher die verschiedensten Gründe. Vielleicht haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir bei dem Versuch, auf Gottes Stimme  hören zu wollen, ihn zu erleben, enttäuscht worden sind. Deshalb ist Angst entstanden, nochmals in die Irre geführt zu werden. Vielleicht wollen wir aber nur unabhängig sein, wollen selbst Entscheidungen treffen. Gott lässt uns diese Entscheidungen treffen, aber auch die Konsequenzen unserer Entscheidungen erleben. Er drängt sich uns nicht auf. Vielleicht haben wir auch ein verzerrtes Gottesbild, wodurch Zweifel in uns entstehen. Wir sehen, wie Gott im Leben anderer wirkt und fragen uns, warum erlebe ich solche Dinge nicht. Wir zweifeln zwar nicht an seiner Existenz, aber an seiner Liebe für uns.

Was sagt Gott?

 In Jes. 43 steht:

1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat…: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!

4 du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe.

Gott sagt zu dir – heute – und jeden Tag auf´s Neue: Du bist erlöst, er hat dich bei deinem Namen gerufen, du bist sein, du bist wert geachtet, du bist herrlich, er hat dich lieb.

Jesus ist für uns gestorben, damit wir seine Kinder sind. In Joh. 1, 12 steht: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.

Gott ist es, der eine Beziehung zu uns herstellt. Er sagt uns Erlösung zu. Er sagt uns zu, seine Kinder werden zu dürfen. Durch das Opfer Jesu hat er den Weg dafür bereitet. Wir sind versöhnt mit Gott, nehmen wir dieses Opfer an. Das Wunderbare ist, dass dadurch der Heilige Geist in uns lebendig wird.

Betrachten wir weitere Verheißungen:

Joh. 14,26: Aber der Tröster, der heilige Geist, ... der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Joh. 16,13: Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.

Röm. 8,16: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

2. Kor. 13,13: und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen.

Kennen wir Gottes Stimme?

Dazu möchte ich aus Joh. 10 lesen. Jesus sagt:

11 Ich bin der gute Hirte.

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

Jesus vergleicht uns hier mit Schafen. Wir sind seine Schafe. Wir gehören ihm. Wir sind sein Eigentum. Er hat für uns die Aufgabe des guten Hirten übernommen. Ein guter Hirte pflegt eine enge, fürsorgliche Beziehung zu seinen Schafen. Seine Schafe vertrauen ihm, deshalb hören sie auf ihn. Mir geht es oft so, dass ich will, dass mir Gott den ganzen Weg – quasi von A bis Z – zeigt. Ich will Sicherheit, will wissen, wo es hingeht, was auf mich zukommt. Aber habt ihr schon einmal erlebt, dass sich ein Hirte vor oder inmitten seiner Herde gestellt hat und seinen Schafen genau erklärt hat, wie der Weg aussieht? Sicherheit entsteht nicht durch das Wissen über den Weg, sondern durch die Nähe und Gegenwart Gottes. Seine Nähe schafft Vertrauen und Geborgenheit – trotz auftretender Schwierigkeiten.

Haben wir dieses Vertrauen? Wir wissen, dass wir dieses Vertrauen haben dürfen, aber haben wir es wirklich? Haben wir eine offene, vertrauensvolle und wahrhaftige Beziehung zu Jesus? Hören wir auf seine Stimme? Hören wir noch seine Stimme? Erleben wir seine Gegenwart oder haben wir das Gefühl, getrennt von ihm zu sein?

Wenn wir diese Fragen mit Nein beantworten müssen, haben wir eine Beziehungsstörung. Sünde führt zu einer Beziehungsstörung. Diese lässt sich nur beheben, wenn wir unsere Sünde bekennen. Vielleicht lässt sich die Sünde in unserem Leben gar nicht so leicht entdecken, weil es ein schleichender Prozess war, und wir der Meinung sind, Dinge, die wir tun, für Gott zu tun. Deshalb ist es wichtig, dass wir immer wieder unsere Motivation überprüfen: Tun wir Dinge, weil Gott es uns gesagt hat oder weil wir denken, Gott will, dass wir diese Dinge tun? Tun wir Dinge, die Gott uns gesagt hat, sind wir im Willen Gottes. Denken wir, diese Dinge für Gott zu tun, könnten wir in die Irre gegangen sein.

Deshalb

- achten wir darauf, dass wir im Vertrauen zu Gott leben

- überlassen wir die Führung in unserem Leben Gott.

- lasst uns immer wieder überprüfen, warum wir etwas tun.

- lasst uns umkehren, umdenken und bereit sein, auf Gott zu hören.

- legen wir unser Augenmerk auf die Beziehung zu Gott und nicht auf blinden Aktionismus.

- lasst uns unsere Sünden bekennen und die Vergebung annehmen, damit die

  Beziehungsstörung beseitigt werden kann.

- lasst uns lernen, Gottes Stimme immer besser zu hören.

- lasst uns offen sein, bereit sein für Gott und sein Reden.

- lasst uns unsere Vorstellungen darüber, wie Gott reden soll, loslassen.

- lasst uns unsere Lösungen und Antworten für unsere Lebenssituation beiseite legen und bereit sein, Antworten Gottes zu hören.

- lasst uns offen sein für die Antworten Gottes, auch wenn uns diese nicht gefällt und seine Antworten annehmen.

- lasst uns Gott bitten, zu uns in konkrete Situationen sprechen zu dürfen.

Wir brauchen keine Angst vor dem Reden Gottes haben, denn er kennt uns nicht nur, sondern er ist voller Liebe für uns. Er weiß, wie wir denken, und er kennt unsere Gefühle. Daher spricht er zu jedem so, dass jeder ihn auf seine eigene Art verstehen kann. Ich möchte uns ermutigen, neu das Wagnis einzugehen, auf seine Stimme zu hören und ihr zu vertrauen. Gottes Liebe sei mit euch.