Gemeinde 2./Ziele

Letzte Woche habe ich über das Thema Vision gepredigt. In der Bibel finden wir viele Personen, die Visionen oder Träume hatten. Gott hat sie ihnen geschenkt. In Hiob 33 finden wir hierzu eine Bestätigung. Zudem gibt es im AT eine Prophetie über Träume und Visionen, die im NT bestätigt wird.

Joel 3,1: In späterer Zeit will ich, der Herr, alle Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, die alten Männer werden bedeutungsvolle Träume haben und die jungen Männer Visionen;

Apg. 2,17: In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer bedeutungsvolle Träume.

Eine Vision spiegelt die Definition des Glaubens aus Hebräer 11, 1 wider.

Hebr. 11,1: Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

Ein Visionär hat die Erwartung, dass seine Ideen, Gedanken und Vorstellungen eines Tages Realität werden. Er setzt seine gesamte Hoffnung darauf, obwohl noch keine Anzeichen dafür zu sehen sind. Er hält daran fest und zweifelt nicht. Er lässt sich seine Zuversicht von nichts und niemandem rauben. Er ist überzeugt, dass seine Vision eines Tages verwirklicht wird.

Von Visionen lassen sich Ziele, Handlungsschritte und Werte ableiten. Heute lege ich den Schwerpunkt auf die Ziele. Dazu möchte ich eine Geschichte vorlesen:

Es war einmal eine Schnecke, die ganz gemütlich durch die Natur kroch, bis sie bei einem Kirschbaum ankam. Diesen wollte sie erklimmen.

Während die Schnecke begann, Millimeter für Millimeter an diesem Baum hochzukriechen, hörte sie von oben eine Stimme, die rief:

„Hey, du lahme Schnecke! Nimmst du dir da nicht ein bisschen viel vor? Wer hoch hinaus will, der fällt tief. Lass es sein, du bist nur eine Schnecke, das schaffst du nie!“

Die Schnecke blickte nach oben und sah hoch oben im Baum einen Mistkäfer sit-zen, der versuchte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Die Schnecke aber war fest entschlossen, ihr Ziel zu erreichen und antwortete:

„Du kannst mich mal gern haben! Sag was du willst, ich schaffe das. Ich erreiche mein Ziel – ganz egal wie schwierig es auch wird!“

Der Mistkäfer versuchte es weiter:

„Niemals, gib auf! Du bist zu schwach, das kannst du nie. Warum machst du dir das Leben so schwer, finde dich damit ab, dass du für solche Aktionen einfach nicht geschaffen bist!“

Das ließ die Schnecke nicht auf sich sitzen und entgegnete ihm keck:

„Merkst du eigentlich nicht, dass du nur Blödsinn von dir gibst? Wie du siehst, beeindruckt mich dein Geschwätz in keinster Weise. Also lass mich in Ruhe. Du kannst mich nicht davon abhalten durchzuhalten!“

Der Mistkäfer überlegte, wie er die Schnecke aufhalten könnte. Er grübelte und versuchte krampfhaft, einen Weg zu finden, die Schnecke zum Aufgeben zu bewegen. Nach einiger Zeit wandte er sich erneut der Schnecke zu und rief:

„Hey, was bringt dir denn all die Anstrengung, hast du nicht geschnallt, dass noch nicht mal Kirschen am Baum sind?“

Der Mistkäfer war ganz stolz auf seinen tollen Einwand, bis er die Schnecke hörte:

„Du hast Recht! Im Moment sind keine Kirschen am Baum, doch bis ich oben angekommen bin, sind wieder welche da!“

Passend zu dieser Geschichte noch ein Zitat von Gotthold Ephraim Lessing (Dich-ter, 1729-1781):

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert,

geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.

Ziellose Menschen können nicht sehr viel in ihrem Leben erreichen. Dazu möchte ich euch einen Auszug aus „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll vorlesen:

„Grinse-Katze“, begann sie ein wenig zaghaft…

„Würdest du mir sagen, welchen Weg ich von hier aus nehmen soll?“

„Kommt drauf an, wohin du von hier aus gehen möchtest“, antwortete die Katze.

„Es ist mir gar nicht so wichtig, wohin“, sagte Alice.

„Dann spielt es auch keine Rolle, welchen Weg du nimmst“, sagte die Katze.

Die Katze bringt es auf den Punkt, ohne ein gesetztes Ziel ist es gleichgültig, welcher Weg eingeschlagen wird. Alice scheint an dieser Stelle ziellos und planlos zu sein. Sie ist deshalb nicht entscheidungsfähig. Sie weiß zwar, dass sie gehen soll, aber sie weiß nicht wohin.

Vergleichen wir einmal unser Leben mit einer Schiffsreise und stellt euch vor, ihr wärt mit einem wundervollen Schiff auf dem Meer unterwegs, aber ihr wüsstet gar nicht, wo eure Reise hingehen soll. Ihr habt kein Ziel. Das wäre schon ein bisschen komisch, oder?! Natürlich kann es sein, dass ihr per Zufall auf den Malediven lan-det, aber es kann genauso gut sein, dass eure Reise im Rhein-Main-Donau-Kanal endet. Wenn wir es dem Zufall überlassen, wohin das Schiff unseres Lebens steuert, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir an einem Ort ankommen, der uns überhaupt nicht gefällt.

Cicero, ein römischer Politiker, der 106 v.Chr. bis 43 v.Chr. gelebt hat, hat gesagt:

„Wer kein Ziel hat, für den ist kein Wind der richtige.“ Wir können daher den Wind – egal ob er von vorne oder von hinten bläst – nicht nutzen, weil wir ziellos sind. Wir können jetzt dem Wind die Schuld geben, wenn sich unsere Richtung als „falsch“ erweist. Das Problem ist aber, dass derjenige, der keine Ziele hat, nirgendwo ankommt.

Ziele sind wichtig, weil sie

•    uns die Richtung angeben, wohin es gehen soll.

•    uns in unseren Entscheidungen Sicherheit geben.

•    planvolles Handeln möglich machen.

•    unserem Handeln einen Sinn geben.

•    unsere Energie und Aufmerksamkeit bündeln.

•    unsere Kreativität fördern.

•    uns motivieren.

In der Bibel finden wir einige Aussagen, die uns aufzeigen, dass Ziele auf Gott ausgerichtet sein sollen.

4.Mos. 15,39: Die Quasten sollen euch daran erinnern, meinen Geboten zu gehorchen. Immer wenn ihr sie seht, sollt ihr an meine Weisungen denken. Das wird euch helfen, nicht mit euren Gedanken oder Blicken umherzuschweifen und eure eigenen Ziele zu verfolgen.

Ri. 18,5: Sie sprachen zu ihm: Befrage doch Gott, dass wir erfahren, ob unser Weg, den wir gehen, auch zum Ziel führt.

Hos. 14,10: Wer klug und weise ist, der hört auf alle diese Worte und nimmt sie sich zu Herzen. Denn der Herr zeigt uns den richtigen Weg. Wer ihm vertraut, kommt ans Ziel, doch wer sich vom Herrn abwendet, stürzt ins Verder-ben.

Wir werden zudem ermutigt, zielstrebig zu sein.

Ps. 119,32: Zielstrebig will ich den Weg gehen, den deine Gebote mir weisen, denn nur so kann ich froh der Zukunft entgegensehen.

Spr. 4,25: Verliere nie dein Ziel aus den Augen, sondern gehe geradlinig darauf zu.

Spr. 15,24: Der Kluge geht zielstrebig den Weg, der zum Leben führt; er meidet den Weg hinab ins Verderben.

Ps. 37,23: Wenn ein Mensch seinen Weg zielstrebig gehen kann, verdankt er das dem Herrn, der ihn liebt.

Es geht nicht um unsere Ziele, sondern um Gottes Ziele.

Röm. 6,13: Nichts, keinen einzigen Teil eures Körpers sollt ihr der Sünde als Werkzeug für das Böse zur Verfügung stellen. Dient vielmehr Gott mit allem, was ihr seid und habt. Weil ihr mit Christus gestorben seid und er euch neues Leben schenkte, sollt ihr jetzt Werkzeuge in Gottes Hand sein, damit er euch für seine Ziele einsetzen kann.

Schauen wir uns das Leben von Paulus, der diese Worte geschrieben hat, an. Er hat sein Leben ganz in den Dienst Gottes gestellt. Dies war aber nicht immer so. Vor seiner Errettung hat er die Christen verfolgt. Auf dem Weg nach Damaskus, wo er Christen aufspüren und gefangen nach Jerusalem bringen wollte, hatte er ein dramatisches Erlebnis, das zu seiner Errettung geführt hat. Paulus wurde von einem Licht aus dem Himmel umstrahlt. Das Licht scheint so hell gewesen zu sein, so dass er auf die Erde gefallen ist. Außerdem hörte er die Stimme Jesu und es kam zu einem kurzen Gespräch zwischen Jesus und Paulus. Könnt ihr euch vorstellen, wie sich Paulus gefühlt haben muss, als Jesus sich ihm offenbart hat? Paulus war in seinem Tun fanatisch und überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen. Er hat das Gesetz erfüllt. Und nun muss er erkennen, dass sein bisheriges Leben eine falsche Ausrichtung hatte. Zu allem Überdruss erblindet Paulus auch noch. Er war zuvor blind für die Wahrheit. Als er Jesus begegnet, erblinden seine Augen. Ich vermute, dass dieses Erblinden für den Prozess der Erkenntnis sehr wichtig war. Vielleicht hätte Paulus sonst gedacht, er hätte sich das Licht, das ja nur er allein wahrgenommen hat, eingebildet. Die Stimme hatten auch seine Begleiter vernommen, allerdings hätte er vielleicht angenommen, dass irgendjemand einen Streich mit ihm spielen wollte. Nun musste er sich allerdings mit dem Erlebten auseinandersetzen und erkennen, dass er bislang gar nichts begriffen hatte, obwohl er sehr gebildet war. Kurz nach seiner Bekehrung erhält Hananias, der sich zuerst vor Paulus fürchtet, bereits eine Vision über dessen weiteres Leben.

Apg. 9,15 Doch der Herr sprach zu ihm (Hananias): Geh nur hin; denn dieser (Paulus) ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel.

16 Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen.

Die Vision, die auf dem Leben von Paulus lag, war somit von Anfang an klar. Er war bereit, gehorsam zu sein. Er war sich der daraus resultierenden Ziele Gottes bewusst.

1.Kor. 9,26: Ich weiß genau, wofür ich kämpfe. Ich laufe nicht irgendeinem ungewissen Ziel entgegen. Wenn ich kämpfe, geht mein Schlag nicht ins Leere.

Phil. 3:

12 Dabei ist mir klar, dass ich dies alles noch lange nicht erreicht habe, dass ich noch nicht am Ziel bin. Doch ich setze alles daran, das Ziel zu erreichen, damit der Siegespreis einmal mir gehört, wie ich jetzt schon zu Jesus Christus gehöre.

13 Wie gesagt, meine lieben Brüder und Schwestern, ich weiß genau: Noch habe ich den Preis nicht in der Hand. Aber eins steht fest: Ich will alles vergessen, was hinter mir liegt, und schaue nur noch auf das Ziel vor mir.

14 Mit aller Kraft laufe ich darauf zu, um den Siegespreis zu gewinnen, das Leben in Gottes Herrlichkeit. Denn dazu hat uns Gott durch Jesus Christus berufen.

15 Wir alle, die wir auf dem Weg zum Ziel sind, wollen uns so verhalten. Wenn ihr in dem einen oder anderen Punkt nicht meiner Meinung seid, wird Gott euch noch Klarheit und Einsicht schenken.

16 Doch an dem, was ihr schon erreicht habt, müsst ihr auf jeden Fall festhalten. Bleibt nicht auf halbem Wege stehen!

Kol. 1,29: Das ist das Ziel meiner Arbeit, dafür kämpfe ich, und dafür mühe ich mich ab. Christus, der mit seiner Macht in mir wirkt, schenkt mir die Kraft dazu.

Wie lautet seine Vision?

•    Paulus wird Apostel der Heiden.

•    Könige werden das Evangelium durch ihn hören.

•    Das Volk Israel wird das Evangelium durch ihn hören.

•    Er wird um des Evangeliums willen Leid erfahren.

Was sind die Ziele, die sich daraus ergeben?

•    Paulus entwickelt eine enge Beziehung zu unserem Herrn, lernt ihn kennen und ihm zu vertrauen und sein Reden zu erkennen.

•    Er verkündigt das Evangelium und lässt sich nicht von Furcht abhalten.

•    Er geht zu den Nationen.

Ziele sind wichtig für die Umsetzung einer Vision. Sie festzulegen bedeutet Entscheidungen zu treffen. Das fällt uns oft sehr schwer. Das Konzept von smart kann uns bei der Zielformulierung helfen. Die Buchstaben stehen für spezifisch, messbar, aktionsorientiert/ attraktiv, realistisch und terminiert. Wenn wir die Schnecke anschauen können wir sagen, dass alle Kriterien bei ihrer Zielformulierung zugetroffen haben. Zur Erinnerung: Das Ziel war, die Kirschen zu erreichen, wenn diese reif sind.

Nachdem jetzt alles sehr theoretisch war, möchte ich nun ein praktisches Beispiel geben. Stellt euch mal vor, ich hätte die Vision Musiker zu werden. Ein Ziel könnte sein, Teil des Lobpreisteams zu werden und die Gemeinde im Gitarrenspiel zu unterstützen.

Anhand den Kriterien von smart können wir dieses Ziel nun unter die Lupe nehmen.

•    Das Ziel ist spezifisch, also konkret, eindeutig und präzise formuliert.

•    Es ist nicht messbar formuliert. Es fehlt das Erfolgskriterium. Die Frage ist, woran merken wir, dass ich das Ziel erreicht habe?

•    Das Ziel ist aktionsorientiert und attraktiv formuliert.

•    Es ist leider nicht realistisch. Ziele sollen uns herausfordern, aber nicht überfordern. Wichtig ist, dass ich nicht nur in der Lage bin, Lieder fehlerfrei zu spielen und die Griffe zu beherrschen, sondern auch auf die Führung des Heiligen Geistes achte. Das Problem ist, dass ich unmusikalisch bin, die Fingerfertigkeit nicht besitze, eine schlechtes Gehör habe und nie nach Gehör werde spielen können. Mein Gitarrenspiel reicht nur für den Lobpreis im stillen Kämmerlein. D.h. ich werde dieses Ziel nie erreichen können.

•    Der Termin ist das entscheidende Merkmal eines echten Zieles. In meiner Zielformulierung fehlt der klare Termin, bis wann das Ziel erreicht sein soll. Aber da das Ziel sowieso unrealistisch ist, ändert auch eine Terminierung nichts.

Wenn wir Ziele smart formulieren, können wir immer wieder überprüfen, wo wir gerade stehen. An meinem Beispiel wurde deutlich, wie wichtig diese Kriterien sind. Ein Ziel muss erreichbar sein. Für ein unerreichbar scheinendes Ziel werden wir keine Motivation aufbringen. Der Frust ist vorprogrammiert.

Ich möchte euch weiterhin bitten, weiterhin im Gebet zu bleiben. Bittet Gott, dass er uns Visionen schenkt und wir weise damit umgehen, so dass wir konkrete, erreichbare Ziele daraus formulieren können. Bittet ihn um Weisheit und um Einheit. Bittet ihn darum, dass er uns in dem vor uns liegenden Prozess begleitet.

Wir wissen, dass Gott seine Gemeinde liebt. Er ist das Haupt dieser Gemeinde. Daher dürfen wir darauf vertrauen, dass er alles in seiner Hand hat. Wichtig ist, dass wir auf ihn schauen und uns von ihm leiten lassen.

Gott segne euch.