Gemeinde auf dem Weg zur Vision.. 25.10.15

Ich möchte euch heute von einem Traum erzählen, den ich als Teenager hatte. Ich habe damals einen Bericht über eine afroamerikanische christliche Gemeinde im Fernsehen gesehen. Diese Gemeinde sang mitreißende, fröhliche Lieder. Die Menschen tanzten zur Musik. Und das Beste war: Sie waren fröhlich. Ihre Gesichter strahlten vor Freude und sie lachten. So eine Gemeinde hatte ich noch nie erlebt. Ich weiß noch, dass ich fasziniert war. Ich habe zwar kein Wort aufgrund meiner mangelnden Sprachkenntnisse von dem verstanden, was die Menschen gesungen hatten, aber ich hatte nur einen Gedanken: Ich möchte so eine Gemeinde gerne kennen lernen. Eine Sehnsucht entstand in meinem Herzen, diese Fröhlichkeit, diese Freude und diese Freiheit ebenfalls erfahren zu dürfen. Ca. fünf Jahre später zog ich aus meinem Heimatdorf in die Großstadt. Meine Sehnsucht von damals war längst vergessen. Doch Gott hat sie nicht vergessen. Und als ich mit 20 Jahren aufgrund verschiedener Ereignisse beschloss, an nichts mehr zu glauben, höchstens Gott würde sich mir offenbaren, geschah das Wunder. Gott ist mir begegnet – und er hat mich in einen charismatischen Hauskreis geführt. Ihr könnt euch denken, was ich da erleben durfte: Die kleine Schar sang voller Freude Lobpreis- und Anbetungslieder, es wurde sich auch ein bisschen bewegt (Tanzen würde ich das nicht nennen) und auch gelacht. Es war nicht ganz so, wie damals die afroamerikanische Gospelgemeinde. Doch meine Sehnsucht von damals wurde gestillt – und zwar von Gott. Ich hatte das Gefühl, endlich angekommen und zu Hause zu sein.

 

Ich habe damals nicht an meinem Traum festgehalten, habe meinen Traum auch nicht in eine Vision umformuliert und mir Ziele gesetzt. Meine Welt während meiner Jugendzeit war sehr begrenzt. Sie fand hauptsächlich an zwei Orten statt: Meinem Wohn- und meinem Schulort. Und nur wenn ein Besuch bei einem Spezialarzt erforderlich wurde, kam ich mal in eine größere Stadt. Ihr seht, dass ich äußerlich betrachtet sehr behütet aufgewachsen bin. Internet und Handy gab´s noch nicht. Ich konnte mir somit gar nicht vorstellen, dass es ähnliche Gemeinden in Deutschland geben konnte. Und ins Ausland zu verreisen war und ist nicht mein Ding. Ich konnte damals zwei Sprachen: Hochdeutsch und schwäbisch(, obwohl ich in der Schule drei Fremdsprachen hatte). Nachdem ich mich von Gott distanziert hatte, weil ich sehr frustriert war, war es eigentlich unrealistisch, mit freien Gemeinden in Berührung zu kommen. Doch Gott kannte mein Herz, meine Frustration und die dahinter liegende Sehnsucht meines Herzens, ihm begegnen zu wollen.

 

Welche Träume hattet ihr? Könnt ihr euch noch daran erinnern? Welche davon haben sich erfüllt? War es „Zufall“, dass sie sich erfüllt haben oder habt ihr gezielt die Verwirklichung eurer Träume verfolgt? Habt ihr noch Träume? Habt ihr Träume in Bezug auf unsere Gemeinde? Falls ihr jetzt denkt: „Nee, Träume haben wir keine mehr!“, kann ich euch beruhigen. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass ihr Träume habt. Wie komme ich darauf? Ich möchte euch an unser Treffen vor zwei Wochen erinnern. Wir haben ein Brainstorming gemacht und die positiven wie negativen Elemente und Ideen aufgelistet. Aus dieser Liste lassen sich Träume und Visionen entwickeln.

 

Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Gemeinden kennen gelernt. Jede Gemeinde setzte dabei ihre Schwerpunkte, hatte ihren eigenen Führungsstil, ihre Stärken und ihre Schwächen. Nun bin ich hier und manchmal frage ich mich: Was tu ich hier? Ich finde diese Frage nicht erschreckend. Sie dient dazu, dass mir bewusst wird, wo ich stehe. Meine Lebens- und auch meine Gemeindesituation zu hinterfragen ist sinnvoll und dient der Weiterentwicklung. Ich will nicht stehen bleiben, ich will mich weiterentwickeln. Dies gilt nicht nur für meine persönliche Entwicklung, sondern auch für die Gemeindeentwicklung. Diese Entwicklung soll eine Richtung haben, sie soll sich am Plan Gottes orientieren. Vor zwei Wochen habe ich gesagt, dass ich keine Vision hätte außer der, dass Gott mit dieser Gemeinde einen Plan hat. Doch mir wurde bewusst, dass ich nach wie vor Träume und Visionen habe. Diese will ich heute mit euch teilen.

 

Ich habe die Vision, dass das, was die Gemeinde Gottes ausmacht, bei uns in unserer Gemeinde zum Tragen kommt. Was macht die Gemeinde Gottes aus? Auf der Homepage der Gemeinde Gottes KdöR können wir Folgendes lesen:

 

„Zurzeit ist die Gemeinde Gottes in 178 Ländern verbreitet und zählt mit ca. 10 Millionen Gläubigen zu den größten Pfingstkirchen. Charakteristisch für die Gemeinde Gottes ist bis heute, dass sie dem Heiligen Geist große Freiheit in den Versammlungen einräumt und einen biblischen Lebenswandel betont.“

 

Ich habe daher die Vision, dass wir dem Heiligen Geist in unserer Gemeinde großer Freiheit einräumen.

 

Wenn jetzt behauptet wird, das wäre bereits Realität, muss geklärt werden, was darunter zu verstehen ist, dem Heiligen Geist große Freiheit einzuräumen. Ich behaupte, wir lassen dem Heiligen Geist nur einen begrenzten Handlungsspielraum.

 

Dazu gebe ich ein  Beispiel: Würden wir dem Heiligen Geist Handlungsspielraum geben, wüssten wir, wer von uns welche Gaben und Dienste hat. Mit unseren Gaben würden wir uns gegenseitig dienen. Vor zwei Wochen haben wir allerdings festgestellt, dass in diesem Bereich weitgehend Unkenntnis herrscht.

 

Die Frage ist: Könnt ihr diese Vision mit mir teilen? Wollen wir in einer Gemeinde sein, in der dem Heiligen Geist große Freiheit eingeräumt wird?

 

Wer jetzt mit Nein antworten muss, dem muss ich leider sagen: Du bist in der falschen Gemeinde. Warum sage ich das? Eine Gemeinde, die den Namen Gemeinde Gottes trägt, hat die Vision, dem Heiligen Geist großen Raum einzuräumen. Das ist ein charakteristisches Merkmal der Gemeinde Gottes.

 

Weiter können wir in der Homepage der Gemeinde Gottes KdöR lesen:

 

„Wir wollen Menschen aus Gleichgültigkeit, religiöser Erstarrung, Vereinsamung, aus Not und Sünde herausrufen. Sie sollen den Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben in Jesus Christus finden.“

 

Wir haben vor zwei Wochen festgestellt, dass zu wenig Öffentlichkeitsarbeit stattfindet. Die Menschen dieser Stadt kennen uns nicht und wir gehen nicht auf sie zu. Die Frage ist: Soll es so bleiben oder wollen wir das Licht Jesu in unserer Umgebung leuchten lassen?

 

Die Vision dazu lautet: Wir begleiten Menschen, zeigen ihnen den Weg und die Liebe Jesu und helfen ihnen, im Glauben zu wachsen.

 

Bei der ersten Vision geht es um unsere Offenheit dem Wirken des Heiligen Geistes gegenüber. Nun geht es um die Bereitschaft, uns für unsere Mitmenschen zu investieren. Sind wir bereit, uns mit dieser Vision auseinander zu setzen oder lassen wir uns bereits aufgrund der Tatsache abhalten, dass wir nur begrenzte personelle Ressourcen haben?

 

Dazu kann ich nur eine Frage stellen: Wie viel Personen waren für Gott erforderlich, um das Evangelium zu verbreiten und eine Weltmission ins Leben zu rufen? Gott hatte dazu eine klare Vision. Jesus hat diese Vision umgesetzt und erwählte zwölf Jünger. Es waren nicht mehr, es waren auch nicht weniger! Warum waren es gerade zwölf Personen? Wäre es nicht effektiver gewesen, mehr Menschen zu berufen? Nein! Wenn es so gewesen wäre, wäre es geschehen. Zwölf Personen genügten, um daraus eine Weltmission entstehen zu lassen. Jesus hat drei Jahre seines Lebens in diese zwölf Personen investiert. Er hat ihnen seine Liebe geschenkt, sie gelehrt, sie auferbaut und ermahnt. Sie waren sehr unterschiedlich in ihrer Persönlichkeit – und das war kein Hindernis. Wir können davon ausgehen, dass sie nicht zufällig ausgewählt wurden. Waren sie bei ihrer Erwählung bereits reife Menschen, die sofort in den Dienst genommen werden konnten? Nein! Doch Jesus wusste um das Potential jedes einzelnen, er erkannte ihr Herz und ihre Bereitschaft, sich verändern zu lassen und sich Gott hinzugeben. Das Wichtigste dabei war: Sie haben ihren Platz im Plan Gottes eingenommen und das Evangelium verkündet. Sie haben darauf vertraut, dass der Heilige Geist das Seine tut, wenn sie das Ihre tun.

 

Aber warum waren es gerade zwölf Personen? Jesus war quasi Gruppenleiter und hat somit die Leitung dieser zwölf Personen übernommen. Eine Gruppengröße von zwölf Personen ist zum einen überschaubar, zum anderen ist es bei dieser Größe noch möglich, jeden einzelnen im Blick zu behalten und – was noch wichtiger ist - zu jedem eine persönliche Beziehung aufzubauen und sich Zeit für ihre Fragen zu nehmen.

 

Aus Gruppenprozessen wissen wir, dass Gruppen, die größer werden, entweder mehr Leiter benötigen, sich spalten oder auseinanderbrechen. Die Frage ist: Wollen wir, dass unsere Gemeinde wächst oder wollen wir in diesem bisherigen, uns vertrautem Rahmen weiter bestehen bleiben? Wenn wir Wachstum wollen, müssen wir wie die Jünger Jesu den nächsten Schritt gehen. Wir wurden jahrelang in unserem Leben – mal mehr, mal weniger - begleitet. Nun geht es darum, Verantwortung für andere innerhalb der Gemeinde zu übernehmen und andere in ihrem Glauben zu begleiten. Die Jünger haben ihren Platz im Plan Gottes eingenommen. Nehmen wir unseren Platz ein?

 

Ein weiterer Punkt ist mir sehr wichtig, der auch auf der Homepage der KdöR zu finden ist: Unsere Glaubenslehre ist allein an der Bibel orientiert. Ich denke, in diesem Punkt sind wir uns einig. Nachdem vor zwei Wochen der Lobpreis sehr kontrovers thematisiert wurde, ist es erforderlich, dazu eine Vision, Werte und Ziele zu formulieren, bevor wir uns über Strategien Gedanken machen. Die Vision könnte lauten: Gott fühlt sich wohl in unserem Lobpreis!

 

Wie komme ich darauf? Wir wissen, Gott wohnt im Lobpreis seines Volkes. Lasst mich dazu folgendes Bild malen. Wenn wir Gott loben und preisen, kommt Gott und füllt den Raum, in dem wir ihm zur Ehre singen, mit seiner Gegenwart aus. Lobpreis und Anbetung ist somit eine Begegnung mit Gott. Was ist das Wichtigste? Sind es die Instrumente? Ist es die Musikauswahl? Ist es die Lautstärke? Kommt es auf unsere Körperhaltung an? Nein! Das Wichtigste ist unsere Herzenshaltung! Ich stelle folgende These auf: Ist unser Herz auf Gott gerichtet, fühlt Gott sich wohl!

 

Ich möchte euch ermutigen: Fangt an zu träumen! Überlegt euch: Was soll in einem Jahr, in fünf Jahren, in zehn Jahren sein. Wie soll die Gemeinde sein?