Gemeinde Ordnung 06.03.16

 

 

In der heutigen Predigt geht es um Ordnung. Jeder von uns kennt folgendes Zitat: „Ordnung ist das halbe Leben!" Wie oft wurden wir in unserem Leben mit diesem Zitat gepeinigt? Wie oft haben wir dieses Zitat selbst verwendet, um andere damit zu peinigen? Der Schriftsteller Heinrich Böll hat hierzu eine Gegenfrage gestellt: „Woraus besteht die zweite Hälfte des Lebens, wenn Ordnung das halbe Leben ist?“ Ist unser Leben zweigeteilt?

 

Es gibt aber auch Leute, die behaupten: „Wer Ordnung  hält, ist nur zu faul zu suchen."

 

Was stimmt nun? Ist Ordnung wichtig? Vermutlich werden die meisten das bejahen können. Doch Ordnung zu halten ist zeitaufwendig und arbeitsintensiv. Hausfrauen und -männer können ein Lied davon singen. Aber wie würde unser Zuhause aussehen, wenn wir keine Ordnung halten würden? Es stellen sich dazu noch weitere Fragen: Kann Ordnung zu halten belastend sein? Lähmt Ordnung? Ist Ordnung hinderlich, um sich frei fühlen zu können? Oder ist Ordnung hilfreich, um unser Leben zu bewältigen?

 

Die Wichtigkeit von Ordnung wird beim Straßenverkehr deutlich: Wenn sich die Verkehrsteilnehmer täglich aufs Neue auf Regeln einigen müssten, würde dies zu einem Chaos auf unseren Straßen führen. Dies zeigt: Freiheit ist nicht das Gegenteil von Ordnung, sondern das Chaos ist das Gegenteil.

 

Lasst uns anschauen, was die Bibel dazu zu sagen hat.

 

Gott ist ein Gott der Ordnung. 1. Kor. 14:

 

3 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.

 

Dass Gott ein Gott der Ordnung ist, sehen wir bereits bei der Schöpfungsgeschichte. Gott brachte Ordnung in das Chaos, das zuvor geherrscht hat. In 1. Mos. 1 lesen wir:

 

2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;

 

Im Hebräischen heißt „wüst und leer“ Tohuwabohu (hebräisch תהו ובהו tōhū ṿāṿōhū). Tohuwabohu bezeichnet ein heilloses Durcheinander, ein Chaos oder ein Wirrwarr. Im Alltag benutzen wir dieses Wort immer wieder, wenn wir Unordnung und Chaos vorfinden.

 

Es herrschte allerdings nicht nur Chaos, sondern es herrschte auch Finsternis. Wer ist zu diesem Zeitpunkt auf der Erde? Lk. 10:

 

18 (Jesus) sprach aber zu (den Jüngern): Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz.

 

Da Satan kurz nach der Schöpfung die Menschen zur Sünde verführte, dürfen wir davon ausgehen, dass sich die o.g. Bibelstelle auf ein Geschehen vor der Erschaffung der Erde bezieht. Daher braucht es uns nicht zu wundern, dass auf der Erde ein Chaos war. Und es braucht uns auch nicht zu wundern, dass Finsternis geherrscht hat.

 

In der Schöpfungsgeschichte erfahren wir, wie Gott Schritt für Schritt Ordnung in dieses Chaos gebracht hat. Wie tat er dies? Gott sprach – und es geschah. Dies zeigt, wieviel Macht Gott hat. Der Grund für die Schaffung von Ordnung war, dass er für uns Menschen einen Ort geschaffen hat, der paradiesisch war. In 1. Mos. 2 finden wir den Ausdruck „Garten Eden“. Das ist die biblische Bezeichnung für das Paradies.

 

Wir wissen: Gott verändert sich nicht.  Hebr. 13:

 

8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.

 

Daher können wir davon ausgehen, dass Ordnung nach wie vor ein wichtiger Punkt für Gott ist. Gott war, ist und bleibt ein Gott der Ordnung. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Bibel.

 

Hierzu möchte ich nur zwei Beispiele nennen:

 

·         Gott schuf Ordnung in der Mann-Frau-Beziehung.

 

Wir wissen, dass Gott den Mann schuf und danach die Frau aus der Rippe des Mannes – zu dessen Hilfe. Interessant ist, dass das in der Ursprache verwendete Wort nicht „Gehilfin“ heißt, sondern „das dem Manne fehlende Seitenstück“. Aus der Seite (Rippe) des Mannes geschaffen ist die Frau somit das Gegenüber des Mannes. Im Talmud, der jüdischen Schriftauslegung, lesen wir:

 

„Gott hat die Frau nicht aus des Mannes Kopf geschaffen, dass er ihr befehle, noch aus den Füßen, dass sie seine Sklavin sei, vielmehr aus seiner Seite, dass sie seinem Herzen nahe sei.“

 

Durch den Sündenfall kam die von Gott geschaffene Ordnung durcheinander. In 1. Mos. 3 sagt Gott zur Frau:

 

16 Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!

 

Die Sünde veränderte somit die Beziehung zwischen Mann und Frau. Die Frau ist nun nicht mehr das Gegenüber des Mannes. Durch Jesus kam eine neue Ordnung in diese Beziehung hinein, die auf Liebe gegründet ist. Eph. 5:

 

21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

 

22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn.

 

23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat.

 

24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.

 

25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben,

 

26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er

 

27 sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei.

 

·         Gott schuf auch in allen Lebensbereichen der Menschen Ordnung:

 

Beziehung zwischen Eltern und Kindern

 

Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer

 

Beziehung zwischen Staat und Staatsbürgern

 

Beziehung zwischen den Menschen

 

Die Frage, die ich nun stellen möchte, ist folgende:

 

Gibt es eine von Gott gewollte Ordnung innerhalb der Gemeinde?

 

Apg. 14,23: Und sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.

 

Apg. 20,28: So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist eingesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.

 

Röm. 12, 7: Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. 8 Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er's gern.

 

1. Kor 12,28: Und Gott hat in der Gemeinde eingesetzt erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, dann Wundertäter, dann Gaben, gesund zu machen, zu helfen, zu leiten und mancherlei Zungenrede.

 

1.    Tim. 3: von den Bischöfen und Diakonen

 

1.    Petr. 5: Mahnungen an die Gemeinde

 

Offb. 3,22: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

 

Wie wir an den Bibelstellen sehen, erfolgt Ordnung durch Leiter, durch Dienste oder Dienstgaben und durch den Heiligen Geist.  Was kann passieren, wenn keine Leiterschaft ausgeübt wird? Es fühlt sich niemand für irgendetwas verantwortlich. Die Gemeinde ist ziellos. Es herrscht Chaos. Was kann passieren, wenn es keine Dienste und keine Dienstgaben gibt? Die Glieder dienen einander nicht, sie sind nicht miteinander verbunden, sie verfolgen nur ihre eigenen Interessen. Die Gemeinschaft zerbricht. Und eine Gemeinde, in der der Heilige Geist keinen Raum hat, ist eine tote Gemeinde. Eine Gemeinde dagegen, in der der Heilige Geist wirken darf, sehnt sich danach, den Willen Gottes zu erkennen und umzusetzen.

 

In der Bibel lesen wir auch sehr viel über Unterordnung. Bedeutet Unterordnung, Gehorsam zu sein, keinen eigenen Willen mehr zu haben, die eigene Meinung nicht mehr vertreten zu dürfen und keine Kritik äußern zu dürfen? Im Internet habe ich folgende Aussage gefunden:

Eine Untersuchung des griechischen Wortes für Unterordnung, das in vielen Versen der Bibel verwendet wird, zeigt, dass es nicht Gehorsam, sondern vielmehr ein freiwilliger Akt der Loyalität, der Unterstützung und des gegenseitigen Eingehens auf einander bedeutet.

 

Unterordnung in diesem Sinne hat eine andere Qualität. Schauen wir uns die einzelnen Aspekte an:

 

·         Freiwilligkeit: Es gibt keinen, der mich dazu zwingt.

 

·         Loyalität: bezeichnet eine innere Verbundenheit, die auf gemeinsame moralische Werte basiert und von Vernunft geleitet ist. Dies bedeutet, im Interesse eines gemeinsamen höheren Zieles, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten bzw. diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt, solange dies der Bewahrung des gemeinsam vertretenen höheren Zieles dient.

 

·         Unterstützung: Es geht um keine Ein-Mann-Show sondern um gemeinsames Tun.

 

·         Gegenseitiges Eingehen: Dies hat mit Rücksichtnahme, Verständnis und Empathie zu tun.

 

Des Weiteren habe ich folgende Aussage gefunden, die ebenfalls sehr interessant ist:

 

Biblische Unterordnung ist ein Zeichen von Gleichstellung im Gegensatz zu Ungleichheit. Sie ist auf Liebe aufgebaut.

 

Eph. 5:

 

21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

 

Zum Schluss möchte ich an den ersten Bibelvers erinnern:

 

1. Kor. 14:

 

3 Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.

 

Unordnung steht dem Frieden entgegen. Somit ist Ordnung eine Voraussetzung dafür, dass der Friede Gottes entstehen kann. Die Bibel bietet uns Orientierung, die Ordnung Gottes in unserem Leben und in unserer Gemeinde herzustellen. Daher sollten wir alles vermeiden, was der von Gott gegebenen Ordnung entgegensteht.

 

Ist euch schon einmal aufgefallen, womit ein Neuanfang beginnt? Er beginnt mit der Erkenntnis, dass der bisherige Weg nicht der war, den man gehen wollte. Ein Neuanfang hat somit mit einem neuen Weg zu tun, der eingeschlagen wird. In der Bibel wird von Umkehr gesprochen. Was geht mit der Umkehr einher? Buße! Ich bitte euch: Lasst euch von Gott zeigen, ob Umkehr und Buße in irgendeinem Bereich notwendig ist.