Gibt es Bedingungen für Gottes Verheißungen?/23.01.2011

1. TEIL

In Josua 1,5 finden wir eine Zusage Gottes, die wir uns sicher alle wünschen. Sie lautet: Es soll dir niemand widerstehen dein Leben lang. Ist das nicht eine gewaltige Zusage Gottes? Warum äußerte Gott Josua gegenüber diese Zusage? Kurz zuvor starb Mose, der viele Jahre das Volk Gottes geführt hat. Er hatte eine ganz besondere Beziehung zu Gott. Das wusste jeder. Es gab keinen im Volk, der eine ähnliche Beziehung zu Gott gehabt hätte. Wir können in 5. Mos. 34,10 ff  lesen:

10 Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose, den der HERR erkannt hätte von Angesicht zu Angesicht,

11 mit all den Zeichen und Wundern, mit denen der HERR ihn gesandt hatte, dass er sie täte in Ägyptenland am Pharao und an allen seinen Großen und an seinem ganzen Lande,

12 und mit all der mächtigen Kraft und den großen Schreckenstaten, die Mose vollbrachte vor den Augen von ganz Israel.

Gott selbst hat nun einen neuen Anführer in Josua erwählt, es war nicht das Volk. Denn wen hätte das Volk ernennen sollen? Und Gott rüstete Josua für seinen Dienst zu. Er zeigte ihm seinen Auftrag in Jos. 1,2ff:

"so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gegeben habe.

3 Jede Stätte, auf die eure Fußsohlen treten werden, habe ich euch gegeben, wie ich Mose zugesagt habe.

4 Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang, das ganze Land der Hetiter, soll euer Gebiet sein."

Josua sieht die Zukunft. Er sieht, was sein wird. Aber sie ist noch nicht eingetreten, denn das Land muss erst noch in Besitz genommen werden.

Nachdem Gott Josua den Auftrag erteilt, tröstet er Josua. Es gibt dabei drei Phasen.

1. Phase:

 Gott sagt in Jos. 1,6:

Sei getrost und unverzagt; denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihnen zum Erbe geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe.

Warum benötigt Josua Trost? Er kannte die Situation der letzten Jahrzehnte seit dem Auszug aus Ägypten. Mose hatte keine leichte Aufgabe in der Führung des Volkes erhalten. Das Volk murrte oft, hatte oft wenig Vertrauen und sündigte. Und nun soll Josua der Nachfolger von Mose werden. Josua soll genau dieses Volk führen. Er weiß, was auf ihn zukommt.

Gott will, dass sich Josua keine Sorgen macht, Josua soll getrost und unverzagt sein. Er zeigt Josua auf, dass er die Verheißung bzgl. des Landes nicht vergessen hat, und verheißt, dass Josua dieses Land austeilen wird.

2. Phase

Gott sagt einen Vers später:

7 Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst.

8 Und lass das Buch dieses Gesetzes nicht von deinem Munde kommen, sondern betrachte es Tag und Nacht, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem, was darin geschrieben steht. Dann wird es dir auf deinen Wegen gelingen und du wirst es recht ausrichten.

Gott spricht Josua noch einmal Trost zu und zeigt ihm die Bedingungen für ein Gelingen auf. Er braucht letztlich nur tun, was Mose ihn bereits gelehrt hat. Er darf das Gesetz Gottes nicht vergessen, nicht nach rechts oder links abweichen. In diesen Worten liegt eine gewisse Strenge. Aber nur, wenn sich Josua daran hält, wird er "es recht ausrichten, wohin er auch geht".

Er soll das Gesetz Tag und Nacht betrachten, damit er das Gesetz erfüllen kann. Das ist Voraussetzung, damit er den Auftrag umsetzen kann, weil Gott ihm Gelingen und Weisheit schenkt. Eine enge Beziehung zu Gott ist also erforderlich, denn die entsteht, wenn wir uns Tag und Nacht mit seinem Wort beschäftigen.

3. Phase

Im darauffolgenden Vers kommt es nochmals zu einer Steigerung. Gott sagt:

9 Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.

Anscheinend fühlt sich Josua bisher immer noch nicht getröstet. Jetzt gebietet Gott den Trost und die Unverzagtheit und sagt Josua zu, dass er mit ihm in allem ist, was er tut.

Dieses Mal scheint der Trost Gottes bei Josua angekommen zu sein. Josua wird aktiv. Jos. 1:

10 Da gebot Josua den Amtleuten des Volks und sprach:

11 Geht durch das Lager und gebietet dem Volk und sprecht: Schafft euch Vorrat; denn nach drei Tagen werdet ihr hier über den Jordan gehen, dass ihr hineinkommt und das Land einnehmt, das euch der HERR, euer Gott, geben wird.

2. TEIL

In Jos. 6 hören wir von der Eroberung Jerichos. Wir sehen, Gott hält seine Verheißung, seine Zusage Josua gegenüber ein.  Aber in Jos. 7 scheint sich plötzlich das Blatt zu wenden. Das Volk ist zuversichtlich und will sofort die nächste Stadt erobern und es scheitert. Josua zweifelt, ihn plagen Ängste und er macht Gott gegenüber Vorwürfe, er kann nicht verstehen, warum sie eine Niederlage erleben. Jos. 7,6ff:

6 Josua aber zerriss seine Kleider und fiel auf sein Angesicht zur Erde vor der Lade des HERRN bis zum Abend samt den Ältesten Israels, und sie warfen Staub auf ihr Haupt.

7 Und Josua sprach: Ach, Herr HERR, warum hast du dies Volk über den Jordan geführt und gibst uns in die Hände der Amoriter, um uns umzubringen? O dass wir doch jenseits des Jordans geblieben wären!

8 Ach, Herr, was soll ich sagen, nachdem Israel seinen Feinden den Rücken gekehrt hat?

9 Wenn das die Kanaaniter und alle Bewohner des Landes hören, so werden sie uns umringen und unsern Namen ausrotten von der Erde. Was willst du dann für deinen großen Namen tun?

Gottes Antwort lesen wir einen Vers später:

10 Da sprach der HERR zu Josua: Steh auf! Warum liegst du da auf deinem Angesicht?

Diese Antwort war sicher sehr unerwartet. Als Gott weiter spricht, wird deutlich, dass der Grund für die Niederlage eine Sünde ist. Wenn Verheißungen nicht eintreffen oder aufhören, sich weiter zu erfüllen, kann es an einer Schuld liegen. Interessant dabei ist, dass Josua diese Schuld nicht selbst begangen hat, aber dennoch die Konsequenzen der Schuld eines anderen mittragen muss.

11 Israel hat sich versündigt, sie haben meinen Bund übertreten, den ich ihnen geboten habe, und haben von demGebannten genommen und gestohlen und haben's verheimlicht und zu ihren Geräten gelegt.

12 Darum kann Israel nicht bestehen vor seinen Feinden, sondern sie müssen ihren Feinden den Rücken kehren; denn sie sind dem Bann verfallen. Ich werde hinfort nicht mit euch sein, wenn ihr nicht das Gebannte aus eurer Mitte tilgt.

13 Steh auf, heilige das Volk und sprich: Heiligt euch auf morgen! Denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Es ist Gebanntes in deiner Mitte, Israel; darum kannst du nicht bestehen vor deinen Feinden, bis ihr das Gebannte von euch tut.

14 Und morgen früh sollt ihr herzutreten, ein Stamm nach dem andern; und welchen Stamm der HERR treffen wird, der soll herzutreten, ein Geschlecht nach dem andern; und welches Geschlecht der HERR treffen wird, das soll herzutreten, ein Haus nach dem andern; und welches Haus der HERR treffen wird, das soll herzutreten, Mann für Mann.

15 Und wer so mit dem Gebannten angetroffen wird, den soll man mit Feuer verbrennen mit allem, was er hat, weil er den Bund des HERRN übertreten und einen Frevel in Israel begangen hat.

16 Da machte sich Josua früh am Morgen auf und ließ Israel herzutreten, einen Stamm nach dem andern; und es wurde getroffen

Die Folge der Sünde ist der Tod. Dies war bereits bei der ersten Sünde durch Adam und Eva so und wird auch so bleiben. Gott ist nicht derjenige, durch den der Tod erlitten wird, unsere Sünde ist es. Aber in Jesus haben wir eine Zuversicht und Hoffnung. In Kol. 2,13f steht:

13 Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.

14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet.

Auch im Neuen Bund erhalten wir Anweisungen.

Kol. 3:

2 Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

Zu Beginn der Predigt haben wir uns die Frage gestellt, ob wir die Verheißung, dass niemand uns widerstehen soll, empfangen wollen. Wollen wir das immer noch?