Krisen und Erschütterungen/25.07.2015

Es gibt verschiedene Phasen im Leben jedes Menschen. Es gibt Höhen und Tiefen. Es gibt Wüstenzeiten und Wachstumsphasen. Es gibt Phasen, in denen wir meinen, dass uns niemand und nichts erschüttern wird können, und Phasen, in denen wir verzweifelt sind und nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Wir erleben Zeiten, in denen uns scheinbar alles gelingt, und wir erleben Krisen, die uns erschüttern und in denen das Gefühl entsteht, dass etwas in uns zusammenbricht. In einem Buch habe ich einmal gelesen, dass jeder Mensch entweder eine Krise vor sich hat, in einer Krise steckt oder gerade eine Krise hinter sich hat. Das hört sich nicht gerade ermutigend an. Wir könnten dazu die Frage stellen: Besteht das menschliche Leben denn nur aus Krisen? Nein! Wenn wir nun wissen, dass unsere Zeit auf der Erde nicht ohne Krisen sein wird, könnte die nächste Frage sein: Können wir Krisen vermeiden? Nein, das wird uns nicht immer gelingen. Natürlich wäre es einfacher, wenn wir bereits im Vorfeld alle auf uns zukommenden Krisen vermeiden könnten. Das Problem dabei ist, dass wir nicht auf alle Ereignisse unseres Lebens einen Einfluss haben werden. Wir können versuchen, unser Leben und unser Umfeld kontrollieren zu wollen. Aber dadurch werden wir Krisen nicht vermeiden. Über Schicksalsschläge werden wir bspw. keine Macht haben. Daher stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit Krisen um?

George Foreman ist ein Beispiel eines Mannes, der viele Krisen erlebt hat. Als Box-Weltmeister wurde er ein Millionär und verlor von heute auf morgen sein gesamtes Vermögen, weil die Menschen, denen er vertraut hatte, mit seinen Finanzen dementsprechend umgegangen sind. Und als wäre diese Situation nicht genug, trennte sich seine Frau von ihm. Sie scheint nicht bereit gewesen zu sein, in dieser Situation zu ihrem Mann zu halten. George Foreman hat sehr darunter gelitten. Er lernte mit der Zeit mit dieser Situation umzugehen. Wie hat er das geschafft? Er hat sich Gott anvertraut. Immer und immer wieder hat er seinen Kummer vor den Thron Gottes gebracht. Und irgendwann gelang es ihm, wie Hiob vor Gott zu treten und zu sagen:

Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt  werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat`s genommen. Der Name des Herrn sei gelobt. (Hi. 1,21).

Dies zeigt: George Foreman hat seine Situation annehmen können und er hat Gott vertraut.

Was ist dann passiert? George Foreman hat einige Zeit in Armut gelebt und wurde erneut ein Millionär. Er hat erlebt, dass er von Gott durch die schwierige Zeit hindurch getragen wurde und Gott Türen geöffnet hat. Das Wichtigste, was George Foreman allerdings erlebt hat, ist, dass sein Glück nicht von seinen Finanzen, sondern allein von seiner Beziehung zu Gott abhängig war.

Vor ein paar Tagen haben wir erfahren, dass jemand bei uns in die Scheune eingebrochen ist und von da in unser Haus einbrechen wollte. Wir haben es nur deshalb mitbekommen, weil unser Türschloss von der Zwischentür nicht mehr funktioniert hat und wir dieses reparieren ließen. Diese Situation hat mich ganz schön durcheinandergebracht. Ich bin betroffen und schockiert und fühle mich in meinem Haus nicht mehr sicher. Diese Unsicherheit kommt daher, weil ich auf so viele Fragen keine Antwort bekommen werde. Ich weiß nicht, wer, was, wie, wann und warum gemacht hat und ob nicht doch ein neuer Versuch gestartet wird.

Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, dass in solchen Situationen weitere Dinge passieren, die einen nicht aus der Bahn werfen, wenn sie einzeln auftreten, aber einen in gehäufter Form ganz schön durchschütteln. Hiob hat dies erlebt. Kaum war er dabei, den einen Schicksalsschlag zu verarbeiten, kam bereits die nächste Schreckensnachricht. Zuerst war nur sein Besitz betroffen, danach seine Familie und anschließend wurde er gesundheitlich angegriffen. Jede einzelne Nachricht war bereits hart. Alles zusammen war eine Katastrophe, die sein Leben von heute auf morgen auf den Kopf gestellt hat.

Ich habe Gott mein Leid geklagt. Er hat mir gezeigt, dass er mich versteht, indem er mir aufgezeigt hat, wie sein Sohn von den Menschen um ihn herum behandelt worden ist. Das Leid, das Jesus erfuhr, steht nicht im Verhältnis zu dem, was ich erlebe. Wie kann ich da noch jammern? Ich bin immer noch etwas durcheinander. Aber ich habe erneut erleben dürfen: Gott versteht mein Leid und kann mitfühlen und sich hineinfühlen, weil sein Sohn Mensch geworden ist. Unser Leid ist Realität. Gott will aber nicht, dass wir in unserem Leid versinken, sondern dass wir uns an ihn wenden und ihm vertrauen.

In der Bibel gibt es einige Beispiele von Menschen, die Krisen und Erschütterungen erlebt haben. Hiob habe ich bereits erwähnt. Ich möchte jetzt allerdings Petrus als Beispiel anbringen. Petrus hat eine umfangreiche Offenbarung über Jesus empfangen. Er ist der erste der Jünger, dem offenbar geworden ist, wer Jesus wirklich ist. Er erlebt sehr viel mit Jesus und ist der einzige der Jünger, der auf dem Wasser ging. Auf dem Berg der Verklärung erlebt er Jesus, Moses und Elia.

Aber bis zu dem Abend, an dem Jesus verraten wurde, lebt Petrus nicht im Charakter und in der Demut Jesu. Petrus hat sein Leben und seinen Dienst auf vergangene Siege und Stolz aufgebaut. Er hat einen starken Willen und eine persönliche Selbstsicherheit. Das können wir an der Situation beim letzten Abendmahl erkennen. Jesus teilt seinen Jüngern mit, dass er verraten wird, und zwar von jemand unter ihnen. Und was tun seine Jünger? Im ersten Moment befragen sie sich (Lk. 22,23), wer es wohl sei, aber im nächsten Bibelvers sehen wir, dass sie darüber in Streit geraten, wer von ihnen für den Größten zu halten sei. Dadurch wird ihr Stolz und Egoismus deutlich. Ihre Sorge gilt nicht Jesus, sondern sie verstricken sich in ein Gerangel um Macht und Autorität. Es ist Petrus, der dieses Streitgespräch angezettelt hat. Er ist davon überzeugt, dass er der Größte unter den zwölf Jüngern ist. Die Grundlage für dieses Bewusstsein ist nicht Liebe sondern Stolz.

Jesus hätte zu Recht verletzt sein können, da er ihnen von dem Leid und der Qual erzählt, die ihn erwarten sollte, und die Jünger dafür kein Interesse  zeigen. Sie interessiert nur ihre Stellung und sie denken nur an sich selbst. Wie reagiert Jesus? Wirft er sie hinaus? Wird er zornig? Nein, er reagiert in Liebe und macht ihnen deutlich, dass sie jetzt nicht wie Söhne des Königreichs reagiert haben, sondern wie gewöhnliche Menschen (Lk. 22, 25-27).

In Vers 31 sagt Jesus zu Petrus:

Simon, Simon, siehe der Satan hat euer begehrt, um euch zu sichten wie den Weizen.

Im griechischen Urtext steht für das Wort sichten „siniazo“ und es bedeutet in einem Sieb schütteln. Im übertragenen Sinn ist damit gemeint, dass der Glaube einer Person durch eine innere Erschütterung bis an den Rand der Kapitulation geprüft wird.

Im nächsten Vers wird deutlich, dass Jesus für Petrus betet. Allerdings betet er nicht darum, dass Petrus dieser Prüfung entkommen kann. Er betet darum, dass der Glaube von Petrus in diesem Prozess nicht schwächer wird. Diese Prüfung ist erforderlich, damit in Petrus ein neuer Charakter geformt werden kann, den er benötigt, um seine Bestimmung zu erfüllen und seine Brüder zu stärken.

Satans Plan war, Petrus so zu erschüttern, dass dieser seinen Glauben aufgeben würde. Satan wollte den Glauben von Petrus vernichten. Doch Gott hat mit dieser Erschütterung einen anderen Plan verfolgt. Gott denkt viel weiter als Satan.

Ziel Gottes bei Petrus war:

·         Petrus sollte aufwachen und seinen wahren Zustand erkennen.

·         Er sollte zukünftig auf Gottes Fundament stehen.

·         Er sollte die reifen Früchte ernten, nachdem das Abgestorbene beseitigt worden ist.

Vor der Erschütterung war Petrus mutig:

·         Er sagt: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und sogar in den Tod zu gehen.“ (Lk. 22,33)

·         Als die Tempelwache in den Garten Gethsemane kommt, um Jesus festzunehmen, zieht er sein Schwert und schlägt einem Diener des Hohenpriesters das rechte Ohr ab (Joh. 18,10).

Sein Mut und seine Stärke beruht auf seinem Selbstvertrauen und nicht auf die Demut vor Gott. Dieser mutige Petrus begegnet nach der Festnahme Jesu einer kleinen Dienstmagd. Er lässt sich von ihr einschüchtern und streitet alles ab. Hier wird deutlich, dass es nicht die großen Dinge sind, die Menschen zu Fall bringen, sondern dass es die kleinen Sachen sind, die einem zu schaffen machen. Daran erkennen wir die Sinnlosigkeit des Selbstvertrauens. Nachdem Petrus noch zwei weitere Male Jesus verleugnet und danach der Hahn kräht – so wie es Jesus voraussagte – weinte Petrus bitterlich. Sein Selbstvertrauen ist erschüttert.

Vergleichen wir einmal Petrus und Judas. Sie kommen beide an den Punkt, an dem sie Jesus ablehnen. Trotzdem gibt es einen gewaltigen Unterschied:

·         Judas hat sich niemals danach gesehnt, Jesus in einer solchen Tiefe kennen zu lernen wie Petrus.

·         Judas war nicht in Jesus gegründet, auch wenn es äußerlich so schien, als würde er Jesus lieben und auch wenn er wie die anderen elf Jünger Dämonen austrieb, Kranke heilte und die frohe Botschaft predigte.

·         Judas hatte von Anfang an seine eigenen Pläne.

·         Judas tat für seine selbstsüchtigen Motive niemals Buße. Schon während der Zeit mit Jesus nahm er bspw. Geld aus der Kasse.

Am Tag der Gefangennahme Jesu tut beiden Männern Leid, was sie getan haben. Judas hat aber nicht das Fundament, das Petrus hat. Judas empfindet Reue und weiß, dass er gesündigt hat. Aber er hat nicht die Offenbarung über Jesus, sonst wäre er zu ihm zurückgekehrt und hätte ihm seine Sünde bekannt. Er ist sich allerdings nicht der Güte des Herrn bewusst. Sein Freitod verdeutlicht, dass er weiterhin versuchte, unabhängig von Gott und seiner Gnade zu leben. Die Erschütterung zeigt, dass Judas kein Fundament in Jesus hatte, obwohl er Jesus drei Jahre lang nachgefolgt ist.

Petrus, der ebenfalls eine Erschütterung erlebt, kann nun nicht länger prahlen, der Größte zu sein. Er hat sein Selbstvertrauen verloren. Er demütigt sich vor Gott und erfährt dadurch Gottes Gnade. Demut ist die Voraussetzung, um die Gnade Gottes empfangen zu können. Petrus weiß dies

1.Petr. 5,5: … Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Die Erschütterung bringt Petrus an einen Punkt, an dem er vermutlich am liebsten aufgegeben hätte. Petrus benötigt daher Ermutigung. Diese erhält er bspw. durch die Botschaft des  Engels, der zu den drei Frauen (Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome) am offenen Grab sagt:

…. sagt seinen Jüngern und Petrus (Mk. 16,7).

Dieser Engel erwähnt Petrus mit Namen. Die anderen Jünger werden nicht namentlich genannt. Dies zeigt, dass Petrus eine besondere Zuwendung und Ermutigung nötig hatte.

Nach seiner Auferstehung begegnet Jesus Petrus auch persönlich. Petrus erlebt nicht nur die Vergebung Jesu, Jesus baut ihn auch wieder auf. Erst durch die Erschütterung konnte Petrus eine Schlüsselfigur in der Gemeinde werden. Zuvor hätte er aus eigener Kraft heraus versucht, Dinge zu tun, von denen er der Meinung gewesen wäre, sie seien der Wille Gottes. Nachdem er erschüttert worden ist, vertraut er Gott. Und in der Kraft des Heiligen Geistes verkündigt er mutig das Evangelium. Er geht sogar zu denen, die Jesus gekreuzigt hatten. Er steht vor dem gesamten Hohen Rat mit großer Kühnheit und Autorität und war nicht mehr schwach wie vor dem Dienstmädchen, vor der er Jesus verleugnete.

Krisen, Erschütterungen, Versuchungen und Prüfungen zeigen, was sich wirklich in unserem Herzen befindet. Die Frage ist, wie gehen wir mit dieser Erkenntnis um. Werden wir demütig wie Hiob und Petrus oder denken wir wie Judas, dass es keinen Ausweg geben kann. Wenn wir in der Erschütterung den Weg zur Demut finden, werden unsere Wurzeln tiefer und unsere Zukunft stabiler.

Satan macht heute noch, was er von Anfang an gemacht hat: Er möchte uns von unserem Vertrauen zu Gott abbringen, indem er versucht, das Bild Gottes zu verzerren, Gottes Gebote zu verdrehen, Gottes Charakter in Frage zu stellen und in ein falsches Licht zu stellen.

Gott lässt auch heute noch Situationen zu, die wir nicht verstehen. Paulus sagt folgendes dazu:

1. Kor. 10,13: Was eurem Glauben bisher an Prüfungen zugemutet wurde, überstieg nicht eure Kraft. Gott steht zu euch. Er lässt nicht zu, dass die Versuchung größer ist, als ihr es ertragen könnt. Wenn euer Glaube auf die Probe gestellt wird, schafft Gott auch die Möglichkeit, sie zu bestehen.

Dies zeigt: Krisen, Erschütterungen usw. gehören zu unserem Leben dazu. Sie sind Teil unseres Lebens. Allerdings steckt in dieser Bibelstelle auch eine wunderbare Zusage. Gott achtet darauf, dass wir die Versuchungen nicht nur ertragen können, er schafft auch die Möglichkeit, sie zu bestehen. Wir dürfen Gott vertrauen, dass er einen Plan hat mit den Dingen, die uns widerfahren. Ich wünsche euch für die kommende Woche, dass Gott euch die Augen öffnet für die Möglichkeiten, die er schafft.

Gott segne euch.