Petrus auf dem Wasser/01.02.2015

Mt. 14

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: „Es ist ein Gespenst!“ und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und sie traten in das Boot und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Mk. 6

Und alsbald trieb er seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren nach Betsaida, bis er das Volk gehen ließe. Und als er sie fortgeschickt hatte, ging er hin auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war das Boot mitten auf dem See und er auf dem Land allein. Und er sah, dass sie sich abplagten beim Rudern, denn der Wind stand ihnen entgegen. Um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und ging auf dem See und wollte an ihnen vorübergehen. Und als sie ihn sahen auf dem See gehen, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien; denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!, und trat zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich über die Maßen; denn sie waren um nichts verständiger geworden angesichts der Brote, sondern ihr Herz war verhärtet.


Ich möchte mit euch heute über die Begebenheit zwischen Jesus und Petrus sprechen, als Jesus auf dem See ging und Petrus es ihm gleichtun wollte. Wir kennen diese Begebenheit und wissen, da ging irgendetwas schief. Aus menschlicher Perspektive betrachtet wollte Petrus etwas Unmögliches tun und scheiterte. Jetzt können wir sagen: „Petrus hätte sich denken können, dass das nicht geht. Wer versucht, Unmögliches zu tun, braucht sich über ein Scheitern nicht zu wundern.“ Ich denke, dass jeder von uns das Gefühl kennt, das mit einem Scheitern einhergeht. Wir erleben immer wieder, dass uns manche Dinge nicht gelingen. Es gibt sogar Situationen, in denen uns mögliche Dinge misslingen und wir ein Scheitern erleben. Das ist frustrierend. In manchen Situationen kann ein Misslingen allerdings auch gefährlich sein. Es kann bspw. zu Unfällen und Verletzungen führen. Manchmal überschätzen wir uns, trauen uns zu viel zu oder sind unvorsichtig. Petrus hatte ein ganz anderes Problem, das wir uns nun gemeinsam anschauen wollen.

Zuerst möchte ich mit euch genauer darauf schauen, was der Situation auf dem See Genezareth vorausgegangen ist. Jesus wollte alleine sein. Aus diesem Grund hat er sich entschlossen, mit einem Boot in eine einsame Gegend zu fahren. Einsame Gegenden sind menschenleer, so dass man davon ausgehen kann, dass man alleine sein kann. Allerdings hatte Jesus zu dieser Zeit eine große Anziehungskraft und die Menschen folgten ihm zu Fuß sogar in diese einsame Gegend. Der Plan Jesu, alleine sein zu können, ging somit nicht auf. Es kamen nicht nur 40 oder 50 Menschen, es kamen auch nicht ein paar hundert Menschen. Insgesamt waren es fünftausend Männer, hinzu kamen Frauen und Kinder. Als „der Tag nun fast vorüber war“ (Mk. 6,35) und es Abend wurde, schickte Jesus die Menschen nicht nach Hause. Er gab ihnen zu essen, indem er fünf Brote und zwei Fische vermehrte.

Nach dem Essen beginnt der eigentliche Teil: Jesus treibt seine Jünger, in das  Boot zu steigen. In anderen Übersetzungen steht: Er befahl ihnen, er drängte sie oder er nötigte sie, ins Boot zu steigen. Das bedeutet, dass die Jünger nicht von sich aus gehen wollten. Sie wollten lieber bei Jesus bleiben. Jesus musste somit mit Nachdruck dafür sorgen, dass sie ins Boot steigen, um zum Zielort zu rudern. Vielleicht machten sie sich Sorgen darüber, wie Jesus ans andere Ufer kommen sollte. Vielleicht genossen sie aber einfach nur die Gegenwart von Jesus. Vielleicht wollten sie aber nicht in die Nacht hineinkommen, da man auf dem See Genezareth nie genau wissen konnte, wann ein Sturm aufkam. Was wir erkennen ist, dass sie Jesus – aus welchen Gründen auch immer – nicht verlassen wollten. Er war der, dem sie folgten, der sie lehrte. Sie waren seine Jünger. Jesus hatte sie zu seinen Jüngern gemacht. Jesus hatte allerdings einen Grund, warum er sie fortschickte: Er wollte alleine sein.

Gibt es auch in unserem Leben Situationen, in denen wir von Gott angetrieben werden müssen, etwas zu tun, was wir nicht tun wollen? Manchmal gebraucht Gott Situationen, die für uns unangenehm sind, damit wir uns bewegen. Wir haben es uns bequem gemacht, wir finden unser Leben, so wie es ist, angenehm. Warum also in die Ungewissheit hinausgehen? Warum den Ort verlassen, an dem wir das Wirken Gottes erlebt haben? Warum also in die Dunkelheit der Nacht hineingehen, in der sehr schnell ein unangenehmes Gefühl hervortreten kann? Die Antwort ist einfach: Es ist der Wille Gottes.

Jetzt könnte sich noch die Frage ergeben, warum Jesus nicht mit den Jüngern mitgeht. Vielleicht will er verhindern, dass einige dieser Menschen ihm und den Jüngern über das Meer folgen. In diesem Fall hätte Jesus erneut nicht alleine sein können. Eine weitere Frage könnte sein: Warum schickt er die Jünger zuerst fort? Vielleicht hätten sich die Menschen nicht wegschicken lassen, wenn die Jünger bei ihm hätten bleiben dürfen.

Wir sehen: Jesus ist somit Herr des Geschehens. Er bestimmt den Zeitpunkt, an dem er alle, die bei ihm sind, wegschickt, um alleine sein zu können. Am Abend ist es dann soweit. Jesus ist allein – endlich. Die Jünger befinden sich mit ihrem Boot mitten auf dem See. Die Menschen haben ihn ebenfalls verlassen.

Warum wollte Jesus alleine sein? Der Text gibt Auskunft darüber: Er will beten. Dazu ist er auf einen Berg gestiegen. Die Gemeinschaft mit seinem Vater ist ihm sehr wichtig. Sie ist ihm so wichtig, dass er nicht noch einen Tag versäumen will, um seinem Vater zu begegnen. Er hat sich bestimmt während des gesamten Tages auf diese Zeit mit ihm gefreut. Wir wissen aus anderen Bibelstellen, dass sich Jesus meist am frühen Morgen auf den Weg macht, um einen Berg zu besteigen und um dort mit seinem Vater zu sprechen. Nachdem ihm das an diesem Tag nicht gelungen ist und vermutlich bereits die Nacht eingetreten ist, legt er sich nicht zum Schlafen hin, um erst am anderen Tag ins Gebet zu gehen. Er macht es sofort, als er alleine ist.

Gibt es in unserem Leben Dinge, von denen wir uns abhalten lassen anstatt ins Gebet zu gehen? Es kann uns wie Jesus gehen, dass es äußere Umstände gibt, die wir nicht beeinflussen können. Jesus hätte von Anfang an sagen können: Geht nach Hause, ich will alleine sein, ich habe keine Zeit für euch. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass er die Not der Menschen sah. Er wusste, dass die Begegnung für sie wichtig war. In Mt. 14,14 lesen wir, dass ihn die Menschen jammerten und er ihre Krankheiten heilte. Er diente somit diesen Menschen. Der Grund, der Jesus vom Gebet abgehalten hat, war ein geistlicher. Die Frage ist: Von was lassen wir uns abhalten, um ins Gebet zu gehen? Sind es wirklich wichtige Dinge?

Ich fasse noch einmal zusammen: Es ist Abend. Jesus ist allein auf einem Berg. Die Jünger sind mit ihrem Boot mitten auf dem See Genezareth. Nun erfahren wir in Mt. 6, dass Jesus sah, dass sich seine Jünger beim Rudern abplagten, weil ihnen der Wind entgegenstand. Sie hatten also Gegenwind. Das Rudern wird dadurch nicht einfacher. In Mk. erfahren wir, dass das Boot sogar wegen dem Wind in Not kommt, da dieser Wellen schlägt. Was tut Jesus? Greift er ein? Nein! Jesus hätte sich sofort auf den Weg machen können, um ihnen zu helfen. Er hätte auch ohne ihr Wissen eingreifen können, aber er bleibt auf dem Berg um zu beten. Ist ihm die Not der Jünger gleichgültig? Nein! Er weiß, dass die Jünger zwar in Not, aber nicht in Lebensgefahr sind. Erst als er sein Gebet beendet hat, macht er sich auf den Weg. Das ist in der vierten Nachtwache. Dies ist in der Zeit von 3.00 Uhr bis 6.00 Uhr in der Nacht. Wir können also davon ausgehen, dass Jesus einige Stunden im Gebet mit seinem Vater verbracht hat, bevor er sich auf den Weg an das andere Ufer begibt.

Jetzt stellt sich die Frage: Wo sind seine Jünger in diesem Moment? Sind sie bereits am anderen Ufer angekommen? Nein! Sie befinden sich immer noch auf dem See Genezareth und kämpfen immer noch mit dem Wind. D.h. dass sie seit Stunden mit dem Rudern beschäftigt sind und das andere Ufer immer noch nicht erreicht haben. Der Wind bläst ihnen vermutlich ins Gesicht und es geht nur zäh voran. Sie mühen sich ab, ihre Mühe ist allerdings nicht sehr erfolgreich. Wir können davon ausgehen, dass die Jünger inzwischen ganz schön erschöpft sind. Hilft ihnen Jesus? Ja, aber interessant ist, dass Jesus laut Mk.6,48 an ihnen zuerst vorbeigehen will. Er traut ihnen vermutlich zu, mit der Situation trotz der Mühen alleine zurecht zu kommen. Nach Mt. 14,25 geht Jesus zu ihnen. Im Ergebnis sind sich beide Evangelisten einig. Beide berichten, dass Jesus zu den Jüngern geht. Es gibt einen weiteren Unterschied: Die Szene mit Petrus wird nur im Matthäusevangelium erwähnt.

Bleiben wir aber zuerst bei Mk. 6,48. Was bewegt Jesus dazu, den Jüngern dennoch beizustehen? Das ist das Geschrei seiner Jünger. Sie denken, dass sie ein Gespenst sehen. Sie erschrecken und haben Angst. Sie können Jesus nicht erkennen, weil die Sicht auf dem See nicht gut ist. Vielleicht stürmt es nicht nur, vielleicht regnet es sogar. Sie haben auf jeden Fall keine klare Sicht. Das, was sie sehen, können sie sich nur damit erklären, dass es ein Gespenst sein muss. Auf die Idee, es könnte Jesus sein, kommen sie nicht. In ihrer Angst schreien sie vermutlich wild durcheinander. Sie wissen nicht, was oder wer da auf sie zukommt. Vielleicht befürchten sie das Schlimmste. Vielleicht haben sie Todesangst. Wir wissen es nicht.

Jeder von uns wird Situationen kennen, in denen uns die klare Sicht der Dinge fehlt, in denen uns der harte Wind des Lebens entgegenschlägt, in denen wir in Not und Panik geraten und in denen wir Angst erleben, weil wir sie nicht einschätzen können und das Schlimmste befürchten. Und obwohl Gott ganz nah ist, erkennen wir ihn nicht.

In diese Situation greift Jesus ein. Er gibt sich zu erkennen und spricht sie an: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! Jesus begegnet ihrer Furcht und spricht ihnen Trost zu. Die Jünger hören die Stimme von Jesus – und erkennen ihn.

Wenn wir nun bei Mt. 14,28 weiterlesen, stellen wir fest, dass Petrus sofort auf die Stimme Jesu reagiert. Es verwundert vermutlich keinen von uns, dass es Petrus ist, der als erster reagiert. Er ist meist derjenige, der sofort sagt, was er denkt. Er überlegt nicht erst, wie oder ob er überhaupt etwas sagen soll. Eins wird allerdings deutlich: Petrus schwankt zwischen der Freude, die Stimme von Jesus zu hören, und dem Zweifel, ob er es denn wirklich ist hin und her. Trotz aller Zweifel will er Jesus nahe sein. Er will Anteil haben an der Vollmacht von Jesus. Er sieht Jesus auf dem Wasser gehen und will zu ihm. Er weiß, dass Jesus die Vollmacht hat, ihm ebenfalls die Fähigkeit zu geben, auf dem Wasser gehen zu können. Er weiß, er kann es nicht von sich aus. Er ist allerdings davon überzeugt, dass er auf dem Wasser wird gehen können, wenn derjenige, der da auf dem Wasser ist, Jesus ist und Jesus ihm befiehlt, zu ihm zu kommen. Dennoch ist er sich unsicher, ob es wirklich Jesus ist, der dort auf dem Wasser geht. Deshalb sagt er nicht nur: Befiehl mir auf dem Wasser zu gehen. Petrus schiebt dieser Aufforderung an Jesus eine Bedingung voraus: Jesus, wenn du es wirklich bist, dann befiehl mir auf dem Wasser zu gehen. Petrus versucht es nicht ohne einen klaren Auftrag bzw. nicht ohne einen klaren Befehl von Jesus. Dies zeigt drei Dinge:

1.    Petrus kennt seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen. Er weiß um die Naturgesetze. Er ist also nicht naiv.

2.    Petrus weiß um die Vollmacht von Jesus, Wunder zu tun und Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Er erlebt es gerade: Jesus geht auf dem Wasser. Und er traut Jesus zu, dass er ihn befähigen kann, ebenfalls auf dem Wasser zu gehen. Er weiß, er wird nur auf dem Wasser gehen können, wenn Jesus ihm diese Fähigkeit schenkt.

3.    Petrus akzeptiert Jesus als seinen Herrn. Er akzeptiert nicht nur die Befehle von Jesus, sondern erwartet auch, dass Jesus Befehle gibt. Er hat in der Vergangenheit immer wieder ein Wunder Jesu erlebt, das dadurch eintrat, dass Jesus einen Befehl aussprach. Er hat erlebt, dass Jesu Worte Vollmacht haben. Er weiß, dass das, was Jesus sagt, geschieht. Er traut Jesus zu, Unmögliches möglich zu machen.

Was tut Jesus? Er reagiert auf die Worte von Petrus. Er nimmt Petrus mit dessen Zweifeln ernst. Er lehnt Petrus deswegen nicht ab. Er holt ihn dort ab, wo er im Glauben steht, und spricht zwei Worte zu ihm, das genügt. Er erklärt nicht viel. Zwei Worte reichen aus, um Petrus zu befehlen zu ihm zu kommen. Jesus sagt: Komm her. Dieser Befehl ist klar und eindeutig. Es gibt nichts, was man weglassen kann, und nichts, was dem hinzuzufügen wäre. Dieser Befehl ist unmissverständlich.

Überlegt Petrus, ob er nun wirklich zu Jesus gehen soll? Nein, er will bei Jesus sein! Er weiß, Jesus gibt ihm Sicherheit und Halt! Ich stelle mir vor, dass Petrus ganz enthusiastisch ist, als er den Befehl, um den er gebeten hat, von Jesus hört. Petrus hat seit Stunden gerudert, er ist körperlich erschöpft und das, was auch er für ein Gespenst gehalten und ihm Furcht eingeflößt hat, ist Jesus. Petrus ist einfach nur erleichtert, voller Freude und Begeisterung. Er will nur noch bei Jesus sein. Und in dieser Haltung steht er im Boot auf, steigt aus dem Boot, tritt auf das Wasser und geht auf Jesus zu. Das Wasser trägt ihn. Er geht nicht unter. Doch dann passiert das, was nicht passieren soll. Petrus sinkt. Warum sinkt er? Hat er Jesus nicht richtig zugehört? Hat er sich verhört? Hat er irgendetwas missverstanden? Nein! Petrus sinkt, als er auf den starken Wind schaut. Er erschrickt beim Anblick des Windes. Hätte er sinken müssen? Nein! Warum sinkt er? Er sinkt nicht wegen dem starken Wind. Dieser war bereits die ganze Nacht und auch bei den ersten Schritten von Petrus da. Petrus sinkt, weil er seinen Blick verändert hat. Dadurch verändern sich seine Gedanken. Zuerst hat er Vertrauen in Jesus. Sein Blick ist auf Jesus gerichtet. Die ersten Schritte macht er in diesem Vertrauen. Dann wendet er seinen Blick dem starken Wind zu. Als er den starken Wind sieht, kommen Zweifel und Angst in sein Denken hinein. Dies lässt ihn sinken.

Auch wenn Petrus sinkt, dürfen wir uns dennoch ermutigen lassen von dieser Situation. Sie macht deutlich, dass Jüngerschaft bedeutet, vollen Anteil an Jesu Vollmacht zu haben und zugleich in dauernder Anfechtung aufgrund der auftretenden Zweifel zu stehen. Auch wir werden die Erfahrung machen: Einerseits haben wir Vertrauen in den Herrn, andererseits starren wir angstvoll auf die Gefahr und stehen in der Gefahr zu erstarren. Dadurch können wir nicht tun, was wir tun wollen. Diese Gefahr ist nun einmal eine Realität, die wir nicht beschönigen können. Die Gefahr ist da. Petrus hat sich diese Gefahr nicht eingebildet. Glaube bedeutet nicht, die Gefahr zu beschönigen, totzuschweigen oder sich durch sie unter Druck setzen zu lassen. Glaube bedeutet, sich mit der Gefahr auseinanderzusetzen und sich Hilfe zu holen. Wo finden wir diese Hilfe? Petrus zeigt es uns. Als er sinkt, schreit er: Herr, hilf mir! Er weiß, wo er Hilfe findet. Er schämt sich nicht. Er denkt nicht, irgendwie schaffe ich es aus eigener Kraft. Er vertraut darauf, dass Jesus ihm hilft. Er richtet also sofort wieder seinen Blick auf Jesus. Jesus lässt sich nicht zwei Mal bitten, streckt seine Hand nach Petrus aus und ergreift ihn. Jesus lässt Petrus in dieser lebensbedrohenden Situation nicht im Stich. Er lässt Petrus nicht ertrinken, sondern hält ihn fest.

Petrus macht die Erfahrung: Er kann sich trotz der Zweifel auf Jesus verlassen. Er erlebt, dass er von Jesus nicht im Stich gelassen wird. Jesus ist da. Jesus hilft. Er erlebt, trotz seiner Zweifel lehnt ihn Jesus nicht ab. Er kann in Kontakt mit ihm bleiben, indem er den Blick immer wieder neu auf ihn richtet. Durch diese Erfahrung wächst nicht nur der Glaube von Petrus, sondern auch der Glaube der anderen Jünger.

Eines erfahren wir noch: Als Jesus ins Boot steigt, hört der Wind auf. Ich denke, dass dies nicht zufällig passiert, sondern dass der Wind aufhört, weil Jesus dies will. Die Jünger haben sich bestimmt schon lange danach gesehnt, dass es windstill wird und sie endlich an ihr Ziel kommen. Ich bin mir sicher, dass sie wissen, dass Jesus für die Windstille gesorgt hat. Sie sind froh und dankbar für dieses Eingreifen von Jesus. Sie sagen am Ende dieser Begebenheit: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Wir sehen: Es geht im Glauben darum, im Kontakt mit Gott zu sein und Erfahrungen mit ihm zu machen. Nur so ist ein Wachstum unseres Glaubens möglich. Als Beobachter werden wir im Glauben nicht wachsen. Als Beobachter werden wir keine Beziehung zu Gott aufbauen können. Als Beobachter werden wir nur am Rand stehen bleiben. Wenn wir in Beziehung kommen wollen, geht es unter anderem darum,

·         dass wir offen sind für das Wirken und Eingreifen Gottes.

·         dass wir uns bewusst sind, Gott ist immer da und hilft uns. Wir dürfen ihn um diese Hilfe bitten.

·         dass wir im Kontakt mit ihm bleiben.

·         dass wir die Stimme Gottes erkennen.

·         dass wir eine Vater-Kind-Beziehung aufbauen.

·         dass wir uns durch unsere Zweifel nicht entmutigen lassen.

·         dass wir unseren Blick immer wieder aufs Neue auf Gott richten.

Und was tun wir, wenn wir am Sinken sind? Ich möchte euch ermutigen, die drei Worte des Petrus zu sprechen: Herr, hilf mir! Ihr werdet das Eingreifen Gottes erleben.

Gott segne euch.