Sebulon 02.07.2017

Was wissen wir über Sebulon? Er ist der sechste und jüngste Sohn von Lea und der zehnte Sohn von Jakob (1. Mos. 30,20). Sein Name bedeutet Wohnung. Ansonsten erfahren wir nichts Konkretes über Sebulon. Taucht allerdings das Wort Brüder bzgl. der Söhne Jakobs auf, ist auch er gemeint. Somit ist er bei der Plünderung der Stadt Sichems, bei dem Mordplan gegen Josef und den Reisen nach Ägypten dabei.

Die Segnungen Jakobs entsprechen anfangs der Reihenfolge der Geburt der Söhne. Somit sind zuerst die vier Söhne Leas an der Reihe, um den Segen des Vaters zu erhalten. Anschließend sind Dan und Naftali geboren, die Söhne Bilhas, der Magd Rahels. Und im Anschluss daran kommen die Söhne Silpas, der Magd Leas, zur Welt. Erst danach kommen Issachar und Sebulon zur Welt. Jakob zieht nun Sebulon vor.

Der Segen für Sebulon besteht aus einem einzigen Satz. 1. Mos. 49,13:

Sebulon, am Gestade der Meere wird er wohnen, und am Gestade der Schiffe wird er sein, und seine Seite gegen Sidon hin.

Wir finden keine persönliche Bemerkung. Dieser Satz enthält weder Lob noch Kritik. Er bezieht sich lediglich auf das zukünftige Erbteil Sebulons im verheißenen Land. Jetzt können wir uns fragen, ob dies positiv oder negativ ist. Es entsteht der Eindruck, dass sich Sebulon unter den Brüdern nicht besonders hervorgehoben zu haben scheint.

Wenn wir das Erbteil ansehen, das der Stamm Sebulon erhalten hat, können wir feststellen, dass es nicht direkt ans Mittelmeer angrenzt. Es ist eingeklemmt zwischen dem Gebiet Assers und Naphtalis im Norden des Landes. Josua 19:

10 Das dritte Los fiel auf die Söhne Sebulon nach ihren Geschlechtern. Und die Grenze ihres Erbteils war bis Sarid

11 und geht hinauf westwärts nach Marala und stößt an Dabbeschet und dann an den Bach, der gegenüber von Jokneam fließt,

12 und wendet sich von Sarid gegen Sonnenaufgang bis an das Gebiet Kislot-Tabor und läuft hin nach Daberat und reicht hinauf nach Jafia.

13 Und von da geht sie gegen Sonnenaufgang nach Gat-Hefer und Et-Kazin und läuft hin nach Rimmon, neigt sich nach Nea

14 und biegt um im Norden nach Hannaton und endet im Tal von Jiftach-El.

15 Dazu Kattat, Nahalal, Schimron, Jidala und Bethlehem. Das sind zwölf Städte mit ihren Gehöften.

16 Das ist das Erbteil der Söhne Sebulon nach seinen Geschlechtern; das sind seine Städte und Gehöfte.

Somit tauchen drei Fragen auf?

· Wieso erhält Sebulon an fünfter Stelle den Segen Jakobs?

· Wieso finden wir keine persönlichen Worte in diesem Segen?

· Wieso stimmt nach der Einnahme des verheißenen Landes nach dem Auszug aus Ägypten das zugewiesene Erbteil nicht mit dem Erbteil des Stammes Sebulons entsprechend der Verheißung Jakobs überein?

Zur ersten Frage können wir feststellen, dass es bedauerlich sein mag, dass der Segen Jakobs nicht nur über Juda, Josef und Benjamin ausgesprochen wurde. Für diese Söhne spricht Jakob sehr positive Dinge aus. Aus menschlicher Sicht könnten wir denken, dass Gott es doch damit hätte belassen können. Doch Gott lässt uns Menschen nicht im Ungewissen. Die Segnungen Jakobs stellen eine prophetische Übersicht der gesamten Geschichte des Volkes Gottes dar. In seiner Prophetie sind daher nicht nur die positiven Botschaften wie das Kommen des Messias enthalten, sondern auch die kommenden Schattenseiten, die das Volk Israel erleben wird.

Wir erinnern uns an Ruben, der Ehebruch begangen hat, und an Simeon und Levi, die sich von Gewalt und Hass haben leiten lassen. Diese drei Söhne haben sich von ihrer menschlichen Natur leiten lassen und stellen für uns symbolisch dar, wo wir Menschen ohne Gott stehen. Aus eigener Kraft heraus gelingt es uns genauso wenig wie diesen drei Söhnen, ein ihm wohlgefälliges Leben zu führen. Verdorbenheit und Bosheit liegen in unserer menschlichen Natur. Dafür fand Gott damals klare Worte und dafür findet er auch heute klare Worte. Nachdem Gott die Verdorbenheit und Bosheit der Menschen dargelegt hat, zeigt er im Segen für Juda die Rettung. Dieser Segen ist sehr weitreichend. Er beinhaltet eine klare messianische Prophezeiung. Das Thema ist das Kommen des Messias zu seinem Volk und die Herrschaft, die ihm gegeben wird. Der Name Sebulon beinhaltet bereits das nächste Thema. Sein Name bedeutet Wohnung. Somit folgt auf den Segen, in dem die Rettung des Volkes Israel durch den Messias angekündigt wird, die Zusage der zukünftigen Wohnstätte.

Der Segen für Sebulon setzt somit inhaltlich an dem Segen für Juda an. Als Jakob diesen Segen ausspricht, hat das Volk Israel noch keinen festen Wohnsitz, den sie ihr eigen nennen können. Abraham, Isaak und Jakob waren im Land Kanaan immer Fremde gewesen. Sie waren geduldet und zogen im Land umher. Durch Josef kamen Jakob und seine Söhne nach Ägypten. Sie durften sich in Goschen niederlassen, doch es gehört ihnen nicht. Erneut sind sie nur geduldet. Die immer wiederkehrende Zusage Gottes Abraham, Isaak und Jakob gegenüber bzgl. des Landes, das er ihnen geben will, hat sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erfüllt. Ihre Nachkommen haben das ihnen verheißene Land immer noch nicht eingenommen. Erst Josua erobert das ihnen verheißene Land und verteilt es unter den zwölf Stämmen. Wir haben bereits festgestellt, dass das Land, das der Stamm Sebulon zu diesem Zeitpunkt erhält, nicht mit dem Land übereinstimmt, von dem Jakob in seinem Segen spricht. Dies kann nur bedeuten: Entweder spricht Jakob von einem anderen Zeitpunkt oder er meint tatsächlich damit nicht nur den Stamm Sebulon, sondern das gesamte Volk Israel. Allerdings befindet sich der Stamm Sebulon in der weiteren Geschichte nie am Mittelmeer. Wir wissen zudem, dass das Volk Israel nicht immer in diesem Land bleiben kann. Einerseits geraten sie bspw. in Gefangenschaft, andererseits werden sie immer wieder zerstreut.

Bei diesem Segen für Sebulon geht es somit nicht um ihn persönlich. Es geht auch nicht nur um seinen Stamm, sondern es geht um das gesamte Volk Israel. Daher spricht Jakob ihn auch nicht persönlich an und findet für ihn weder positive noch negative Worte. Gott verheißt ihnen in diesem Segen, wo sie in der Zukunft leben werden. Diese Gegend wird ihr Wohnsitz bzw. das ihnen verheißene Land sein. An dieser Stelle möchte ich nochmals auf die Bedeutung des Namens Sebulon hinweisen. Er wird mit Wohnung übersetzt. Eine Wohnung ist für uns ein Symbol für Geborgenheit und für das Sich-zu-Hause-fühlen können. Durch eine Wohnung wird unser Bedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit – zumindest zum Teil - gestillt.

Wenn wir uns den Segen genauer betrachten, stellen wir fest, dass Israel „am Gestade der Meere .. und am Gestade der Schiffe“ wohnen wird. Gestade bedeutet am Ufer eines Meeres oder eines Flusses. Jakob sagt somit voraus, dass das Volk Israel am Meer und an einem bzw. mehreren Häfen wohnen wird. Wenn wir die Geschichte des Volkes Israel betrachten, stellen wir fest, dass dies immer wieder der Fall war. Und schauen wir uns den heutigen Staat Israel an. Er wurde im Jahr 1948 gegründet und liegt ebenfalls am Mittelmeer. An Häfen für Schiffe zu wohnen eröffnet die Möglichkeit, Handel mit den verschiedensten Völkern zu treiben.

Im letzten Teil des Segens lesen wir: „..und seine Seite gegen Sidon hin.“. Wer ist Sidon? Sidon ist der erstgeborene Sohn Kanaans (1. Mos. 10,15), der Enkel von Ham und der Urenkel von Noah. Seine Nachfahren wurden Sidonier genannt und es gibt eine Stadt, die Sidon heißt und in Phönizien liegt. Sidon steht somit stellvertretend für die Phönizier, die sehr viel Handel betrieben haben. Der Stamm Asser hat Sidon eingenommen, als die Stämme von Josua in das verheißene Land geführt wurden. Allerdings hat der Stamm Asser versäumt, die Bewohner zu vertreiben. Dies hat zur Folge, dass die Israeliten begannen, den Göttern Sidons zu dienen (Richter 1,31; 10,6). Sidon wird sogar zum Zentrum des Baalsdienstes (1. Kön. 16,31). Somit wird deutlich, dass sich das Volk Israel dem Meer und der Schifffahrt zuwendet, mit den anderen Völkern Handel treibt, sich immer mehr an den Nationen orientiert und sich dadurch auch beeinflussen lässt. Wir wissen, dass die entsprechenden negativen Konsequenzen nicht ausgeblieben sind. Die Hinwendung zu den Völkern führte zum Verlust ihrer Selbständigkeit und zur Knechtschaft.

Mose segnet den Stamm Sebulon gemeinsam mit dem Stamm Issachar. 5. Mos. 33:

18 Und über Sebulon sprach er: Sebulon, freue dich deiner Fahrten; und Issachar, freue dich deiner Zelte.

19 Sie werden die Stämme auf den Berg rufen und daselbst opfern rechte Opfer. Denn sie werden den Reichtum des Meeres gewinnen und die verborgenen Schätze im Sande.

Mose tadelt Sebulon nicht wegen ihrer Hinwendung zu den Nationen. Das Gegenteil ist der Fall. Mose ruft zur Freude auf. Wir kennen den Grund seiner Freude. In den letzten Tagen wird es beim Los Israels eine Wende zum Guten geben. Israel wird der Mittelpunkt des Segens für die ganze Erde sein. In Übereinstimmung mit der Prophezeiung Jesajas (Jes. 2,1-5) werden die Völker im Friedensreich zum Berg des Herrn und zum Tempel hinaufziehen. Über diese zukünftige Heilszeit spricht Mose in seinem Spruch über Sebulon und Issachar. Diese beiden Stämme werden die Völker dazu aufrufen, mit Geschenken nach Jerusalem zu kommen; gemeinsam werden sie ihre Schätze dem Friedefürsten darbringen. Gemeinsam – Israel und die Nationen – werden sie sich unter die segensreiche Herrschaft von Jesus stellen. Sie erkennen Jesus als ihren Messias an.

Was können wir lernen? Gott offenbart sich dem Volk Israel immer und immer wieder. Doch sie wenden sich immer und immer wieder von ihm ab und betreiben Götzendienst oder lieben die Welt mehr als ihn. Wie kann das passieren? Kann uns das auch passieren? In Offb. 2 stellen wir bzgl. der Gemeinde in Pergamon und der Gemeinde in Thyatira fest, dass auch wir in der Gefahr stehen, Götzendienst zu betreiben und die Welt mehr zu lieben als Jesus. Deshalb müssen wir uns immer wieder hinterfragen, wo unser Herz ist und nach wem oder nach was wir uns sehnen. Gott kennt unser Herz. Wir können es nicht vor ihm verstecken. Muss uns das Sorge bereiten? Müssen wir uns nun fürchten? Nein! Die Bibelstellen in Offb. 2 enden nicht mit der Kritik an dem sündhaften Verhalten der Gemeinden, sondern gehen weiter mit der frohen Botschaft, dass Vergebung möglich ist. Die Voraussetzung einer Vergebung ist Buße. Daher werden die Gemeinden dazu aufgefordert, Buße zu tun. Wir dürfen auch heute noch darauf vertrauen, dass, wenn wir Buße tun, wir die Vergebung Gottes erleben dürfen. Diese Vergebung hat Jesus ermöglicht, indem er unsere Strafe auf sich genommen hat. Er war bereit, sein Leben zu geben, damit wir ewiges Leben haben können.

Joh. 3:

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.