Sich Sorgen machen

Ich habe heute dieses Glas mit Wasser mitgebracht? Was denkt ihr? Wie schwer mag es wohl sein? Ich habe es gewogen. Es wiegt 500 Gramm. Das Glas ist leicht. Ich kann es sogar mit zwei Fingern halten. Doch stellt euch vor, ich muss es eine Stunde lang halten? Was meint ihr? Bekomme ich das hin? Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich kann mir vorstellen, dass ich nach einiger Zeit einen Schmerz im Arm verspüren werde. Was ist, wenn ich es einen ganzen Tag lang halten müsste? Ich denke, dass mein Arm taub werden würde. Das Interessante ist, dass sich das Gewicht des Glases nicht verändert, aber umso länger ich es halten muss, umso schwerer wird es.

Sorgen im Leben sind wie dieses Glas mit Wasser. Wenn ich nur eine kurze Zeit darüber nachdenke, hinterlassen sie keine Spuren. Doch wenn ich etwas länger über sie nachdenke, fangen sie an, mir Probleme zu bereiten und zu schmerzen. Wenn ich den ganzen Tag über Sorgen nachdenke, wird die Last, die dadurch hervorgerufen wird, immer schwerer. Irgendwann, und das ist ein Problem, kann ich gar nicht mehr anders, als über die Sorgen nachzudenken. Meine Stimmung kann dadurch sehr düster werden.

Wer von euch hat schon einmal die Bekanntschaft mit Sorgen gemacht? Ich denke, Sorgen kennen wir alle. Doch was sind Sorgen? Ich habe nach Definitionen gesucht und folgende gefunden.

Eine Sorge ist eine subjektiv erwartete Not, die gedanklich vorweggenommen wird und sich im Fühlen, Denken und Handeln des Besorgten oder Sorgenden auswirkt. Das Spektrum reicht dabei von innerlichem Besorgt- oder Beängstigt-Sein bis zur tätigen Sorge für oder um etwas.

Diese Definition zeigt: Sorgen können quälende Gedanken oder bedrückende Gefühle der Unruhe und Angst hervorrufen. Wir können sogar in Panik geraten und unüberlegt handeln.

In der Bibel finden wir viele Aussagen über das Thema Sorgen. Gott weiß um das Problem des Sorgenmachens. Wir lesen bspw.:

Ps. 94,19 Als mir die Sorgen keine Ruhe mehr ließen, (hast du mich getröstet und wieder froh gemacht.)

Spr. 12,25 Sorgen drücken einen Menschen nieder, (aber freundliche Worte richten ihn wieder auf.)

Pred. 2,23 Sein Leben lang hat er (der Mensch) nichts als Ärger und Sorgen, sogar nachts findet er keine Ruhe! Und doch ist alles vergeblich.

Pred. 5,16 Sein ganzes Leben bestand aus Mühe und Trauer; er hatte nichts als Ärger und Sorgen und plagte sich mit vielen Krankheiten.

Wir finden aber auch Menschen in der Bibel, die gegenüber Gott eine klare Haltung haben. Sie erwarten, dass er für sie sorgt.

Ps. 70,6 Ich bin hilflos und ganz auf dich angewiesen; Gott, sorge für mich, denn du bist mein Helfer und Befreier! Komm rasch zu mir! HERR, zögere nicht länger!

Ps. 74,22 Gott, greife endlich ein, denn ihr Angriff gilt dir! Sorge dafür, dass du recht behältst! Sieh auf diese Meute, die dich Tag für Tag verspottet!

Ps. 119,154 Nimm dich meiner Sache an und sorge für Recht, ja, erhalte mein Leben, so wie du es versprochen hast!

Ist es also damit getan, dass ich Gott sage, er solle für mich sorgen und für mich eintreten? Ist es denn so einfach? Was erwartet Gott von uns?

1. Sorgt euch nicht!

Mt. 6,34a Deshalb sorgt euch nicht um morgen …

Jesus fordert uns auf, uns um den morgigen Tag keine Sorgen zu machen. Was bedeutet das? Bedeutet das, dass es am morgigen Tag nichts geben wird, über das wir uns Sorgen machen könnten? Werden wir als Christen ohne Nöte, Schwierigkeiten, Krisen durchs Leben gehen? Nein, das heißt es nicht. Das erfahren wir im zweiten Teil des Verses. Wer weiß, wie er weitergeht?

Mt. 6,34b – der nächste Tag wird für sich selber sorgen! Es ist doch genug, wenn jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt.

Wir erfahren, dass jeder Tag seine eigenen Schwierigkeiten mit sich bringt. Soll uns das trösten? Tröstende Worte sehen anders aus. Jesu Worte sollen uns hier auch nicht trösten. Er zeigt uns die Realität unseres Lebens auf. Schwierigkeiten gehören zum Leben. Die Frage ist, wie gehen wir mit diesen Schwierigkeiten um. Es gibt zwei Möglichkeiten:

a) Wir können uns Sorgen machen über das, was morgen, übermorgen usw. an Schwierigkeiten kommen kann. Die Konsequenz ist, dass wir das Hier und Jetzt aus dem Blickfeld verlieren. Wir versäumen dadurch wertvolle Augenblicke, die uns Freude bereiten könnten, weil wir uns nicht mehr auf das konzentrieren, was gerade passiert oder anfällt. Wir können den heutigen Tag nicht mehr genießen, wenn wir uns um den morgigen Tag sorgen.

b) Wir machen uns darüber keine Sorgen, sondern kümmern uns um den heutigen Tag und leben somit im Hier und Jetzt. Das bedeutet nicht, dass wir für die kommenden Tage keine Vorsorge treffen dürfen und uns um die Gestaltung unseres Lebens keine Gedanken machen dürfen. In der Bibel finden wir dazu sogar viele Ratschläge.

Das Erste ist eine unkluge, ungesunde Sorge, das Zweite eine kluge, gesunde Vorsorge. Warum ist das erste unklug und ungesund? Sorgen wollen uns den Verstand rauben. Sie halten uns in Atem. Sie machen uns fertig. Das Problem ist: Um jede Kleinigkeit können wir uns sogar Sorgen machen. Wir sind bspw. nicht zu Hause, haben die Wäsche draußen aufgehängt und sorgen uns darum, ob es regnen könnte. Wir fahren in den Urlaub und sorgen uns bereits Wochen vorher um die Verkehrslage an diesem Tag. Diese Beispiele machen deutlich, dass wir auf viele Dinge gar keinen Einfluss haben. Und dennoch lassen wir unsere Gedanken um solche Themen kreisen. Das ist Energieverschwendung! Jesus möchte, dass wir unsere Energie nicht mit Dingen verschwenden, die wir nicht ändern können.

Zudem hat das sich Sorgen machen negative Auswirkungen. In Ps. 94,19 haben wir bereits erfahren, was Sorgen bewirken. Sie lassen einen nicht zur Ruhe kommen. Unsere Gedanken drehen sich im Kreis, wir können gar nicht mehr damit aufhören. Wir können Gott allerdings nur begegnen, wenn wir in der Stille zur Ruhe kommen können. Sorgen verhindern somit die Begegnung mit Gott. Sie stören unsere Beziehung zu ihm und wir entfernen uns immer mehr von ihm. Sorgen belasten uns, sie drücken uns nieder (Ps. 12,25). Jesus sagt, wir sollen zu ihm kommen, wenn wir mühselig und beladen sind, denn sein Joch ist sanft und seine Last ist leicht. Er bietet uns einen Lastentausch an. Ochsen haben ein Joch, wenn sie arbeiten. Das Joch Jesu ist ein Bild für den Dienst, den wir für ihn tun. Das Joch Jesu erfolgt in Sanftmut. Sanftmut entspricht dem Charakter Jesu. Die Last Jesu, die mit dem Joch einhergeht, ist leicht. Sie bereitet uns keine Sorgen.

Sorgen können uns sogar ängstigen. Unsere Gefühlswelt kommt dadurch aus dem Gleichgewicht. Wir fühlen uns nicht gut. Wir können von dem Sich-Sorgen-Machen sogar krank werden. Dazu kann ein weiterer Faktor kommen: Sorgen können uns sogar handlungsunfähig machen oder uns zu unüberlegten Handlungen verleiten. Beides kann fatal sein.

2. Vertraut Gott!

Was ist die Lösung? Dazu dürfen wir die vorherigen Verse lesen.

25 „Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um euren Lebensunterhalt, um Nahrung und Kleidung! Bedeutet das Leben nicht mehr als Essen und Trinken, und ist der Mensch nicht wichtiger als seine Kleidung?

26 Seht euch die Vögel an! Sie säen nichts, sie ernten nichts und sammeln auch keine Vorräte. Euer Vater im Himmel versorgt sie. Meint ihr nicht, dass ihr ihm viel wichtiger seid?

27 Und wenn ihr euch noch so viel sorgt, könnt ihr doch euer Leben um keinen Augenblick verlängern.

28 Weshalb macht ihr euch so viele Sorgen um eure Kleidung? Seht euch an, wie die Lilien auf den Wiesen blühen! Sie mühen sich nicht ab und können weder spinnen noch weben.

29 Ich sage euch, selbst König Salomo war in seiner ganzen Herrlichkeit nicht so prächtig gekleidet wie eine von ihnen.

30 Wenn Gott sogar die Blumen so schön wachsen lässt, die heute auf der Wiese stehen, morgen aber schon verbrannt werden, wird er sich nicht erst recht um euch  kümmern? Vertraut ihr Gott so wenig?

31 Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: ›Werden wir genug zu essen  haben? Und was werden wir trinken? Was sollen wir anziehen?‹

32 Nur Menschen, die Gott nicht kennen, lassen sich von solchen Dingen   bestimmen. Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht.“

In der Bibel „Hoffnung für alle“ finden wir folgende Überschrift: Ein Leben im Bewusstsein der liebevollen Fürsorge Gottes. Jesus macht in diesen Versen deutlich, dass wir uns der Fürsorge Gottes bewusst machen und uns ihr anvertrauen dürfen. Gott kümmert sich um die Vögel und um die Lilien auf dem Feld. Wenn wir eine Rangliste erstellen, wo stehen wir? Stehen wir Menschen bei Gott über den Vögeln und über der Lilie auf dem Feld oder stehen wir darunter? Natürlich sind wir Gott viel wichtiger als die Vögel und die Blumen. Jesus sagt es sogar ausdrücklich in Vers 26: „Meint ihr nicht, dass ihr ihm viel wichtiger seid?“ Wenn sich Gott sogar um die Vögel und die Blumen kümmert, um wie viel mehr will er sich um uns kümmern? Und in Vers 30 begegnet Jesus den Zweiflern: „Vertraut ihr Gott so wenig?“ Wir dürfen uns sicher sein, dass Gott um unsere Bedürfnisse weiß. Jesus betont es in Vers 32: „Euer Vater im Himmel weiß doch genau, dass ihr dies alles braucht.“

3. Setzt Prioritäten!

33 „Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen.“

Das ist eine interessante Bedingung: Gott sagt uns zu, uns mit allem, was wir tagtäglich benötigen (Lebensunterhalt, Nahrung, Kleidung), zu versorgen, wenn wir uns für sein Reich einsetzen und dafür, dass sein Wille geschieht. Wie soll denn das geschehen? Ist das nicht Zuviel verlangt? Lasst mich dazu drei Dinge betrachten:

a) Gott kennt uns. Er weiß um unsere Fähigkeiten und Begabungen. Er weiß um unsere Grenzen. Er wird mich bspw. nicht ins Ausland schicken, um dort einen Dienst zu übernehmen, weil er um meine Sprachbarrieren weiß. Ich darf darauf vertrauen, dass er mir nichts zumuten wird, wozu ich ungeeignet bin. Gott hat meine Fähigkeiten und Begabungen in mich hineingelegt. Würde er von mir erwarten, ins Ausland zu gehen, hätte er mich dahingehend auch begabt.

b) Wir haben den Heiligen Geist nicht nur an unserer Seite, sondern sogar in uns. Wir müssen und sollen nicht aus eigener Kraft heraus handeln. Wir dürfen und sollen auf die Führung des Heiligen Geistes achten. Wir lesen in

Phil. 4,13 ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.

Das bedeutet doch: Wenn Gott mich fähig macht, kann ich alles schaffen, was er von mir erwartet.

c) Gott wirkt in uns – wenn wir es zulassen. Er weckt in uns den Wunsch, dass wir wollen, was er will, und er hilft uns sogar dabei, dass wir das erreichen.

Phil. 2,13 Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Lasst uns das Ganze zusammenfassen:

Gott will nicht, dass wir uns Sorgen machen. Wir haben den Grund gesehen. Sorgen rauben uns Energie, Zeit und den Blick für das Wesentliche und stören die Beziehung zu Gott.

Er will stattdessen, dass wir ihm vertrauen. Wisst ihr: Das Vertrauen in Gott, setzt uns frei. Zum einen können wir dadurch die Aufgaben, die heute zu erledigen sind, mit einem fröhlichen Herzen tun, und zum andern können wir Gott für morgen sorgen lassen. Haben wir es nicht gut? Gott ist da und steht uns zur Seite.

Er will, dass wir Teil seines Reiches sind und uns für sein Reich einsetzen. Er hilft uns dabei. Es geht in erster Linie um unsere Bereitschaft. Er ist es, der uns Gelingen schenkt.

 

Gottes Segen.