(Un)Glück oder Segen

14.04.2019

Nach einem Schiffsunglück strandete ein Rettungsboot auf einer kleinen unbewohnten Insel.

 

Abgeschnitten vom Rest der Welt, halfen die Schiffsbrüchigen zusammen und bauten sich mit den bescheidenen Möglichkeiten eine Hütte.

 

Sie ergänzten sich bei der Nahrungssuche und lebten friedlich zusammen.

 

Eines Tages wurden alle, bis auf ein kleines Mädchen, von einer sehr schweren Grippe heimgesucht. Das Mädchen sammelte Kräuter und kochte so gut sie konnte Tee und Suppe, um die Kranken zu versorgen.

 

Aus Unwissenheit mit dem Feuer geschah es, dass, als der Wind sich drehte, die Glut die Hütte in Brand setzte.

 

Die Kranken retteten sich mit letzter Kraft ins Freie und große Bestürzung machte sich breit. Allen war bewusst, dass sie ohne den Schutz der Hütte die kalten Nächte nicht überleben konnten. In völliger Verzweiflung lief das kleine Mädchen weinend an den Strand und traute kaum ihren Augen, als ein großes Schiff vor Anker lag.

 

„Wie haben sie uns gefunden?“, fragte das Mädchen überglücklich den Kapitän. Dieser meinte: „Solch ein deutliches Rauchsignal war nicht zu übersehen!“

 

Die verzweifelten Tränen verwandelten sich in Freudentränen. So erkannte das kleine Mädchen, dass hinter vermeintlichem Unglück ein versteckter Segen liegen kann.

 

Die Menschen in dieser Geschichte erfahren ein Unglück nach dem anderen. Zuerst erleiden sie Schiffbruch. Doch sie machen das beste daraus. Sie unterstützen sich und führen ein friedliches Leben. Doch dann kommt das nächste Unglück: Sie werden krank. Die einzige Person, die gesund bleibt, ist ein Mädchen. Dieses Mädchen versucht die Kranken zu versorgen, dabei ereilt sie ein weiteres Unglück. Das Mädchen steckt ausversehen das Haus in Brand. Alle sind bestürzt, denn sie wissen nicht, wie sie jetzt überleben können. Wir können uns die Verzweiflung des Mädchens vorstellen. Doch als sie weinend an den Strand kommt, ist dort ein Schiff, das ohne das brennende Haus nie den Weg zur Insel gefunden hätte. Somit hat das Feuer, das für die Menschen der Insel ein großes Unglück dargestellt hat, zum Segen ihrer Rettung geworden.

 

Ein Zitat eines griechischen Komödiendichters namens Menander (342 -291 v. Chr.) passt ebenfalls zu unserer Geschichte:

 

Verzage nicht, vielleicht ist das Unglück die Quelle deines Glücks.

 

Jetzt möchte ich eine provokante Frage stellen: Können wir davon ausgehen, dass wir als Kinder Gottes von Unglück verschont werden? Ps. 34:

 

20a Vielfältig ist das Unglück des Gerechten, ... .

 

Gott verschont uns nicht vor Unglück. Es kann uns sogar auf vielerlei Arten treffen. Ob uns ein Unglück trifft, hat auch nichts damit zu tun, ob wir vor Gott gerecht oder ungerecht dastehen. Jeden Menschen kann ein Unglück treffen. Welche Ereignisse würden wir als Unglück bewerten? Ich möchte einige Beispiele anführen:

·         eine schwere, chronische Erkrankung.

·         ein schwerer Unfall und die Unfallfolgen.

·         der Verlust eines Menschen.

·         eine finanzielle Krise.

·         eine gescheiterte Ehe.

·         Sucht.

·         materieller Schaden unseres Eigentums.

 

Wenn wir diese Beispiele anschauen, merken wir, dass wir entweder gerade in einem Unglück stecken, ein Unglück hinter uns oder vermutlich vor uns haben. Unglücke sind somit ständige Begleiter unseres Lebens. Was bringt ein Unglück mit sich? Spr. 1:

 

33c … vor des Unglücks Schrecken.

 

Ein Unglück erschrickt uns Menschen. Es kann uns „aus der Bahn werfen“, Angst machen, uns verunsichern, uns „den Boden unter den Füßen wegziehen“, uns in Trauer versetzen u.v.m. Dass wir Menschen angesichts eines Unglücks erschrecken, ist eine menschliche Reaktion. Doch Gott will nicht, dass uns das Unglück „aus der Bahn werfen“, uns Angst machen, uns verunsichern oder uns „den Boden unter den Füßen wegziehen“ kann. Spr. 1:

 

33 Doch wer auf mich hört, wird sicher wohnen, kann ruhig sein vor des Unglücks Schrecken.

 

Gott sagt uns zwar nicht zu, dass wir unglücksfrei durchs Leben gehen, doch er sagt uns zu, dass wir schreckensfrei sein können. Der Schrecken eines Unglücks soll uns nicht ereilen. Wieso können wir angesichts eines Unglücks frei von Schrecken sein? Ps. 34:

 

20 Vielfältig ist das Unglück des Gerechten, aber aus dem allen rettet ihn der Herr.

 

Gott sagt uns zu, dass er unser Retter ist. Er rettet uns aus dem Unglück. Haben wir bereits erlebt, dass Gott uns aus einem Unglück gerettet hat? Vertrauen wir darauf, dass er uns auch zukünftig retten wird? Ich finde, das ist manchmal leichter gesagt als getan. Das Problem ist, dass das Unglück Raum einnimmt in unseren Gefühlen. Wir fühlen den Schmerz, der mit dem Schrecken des Unglücks einhergeht. Und die Gefahr besteht, dass unser Gefühl unser Denken bestimmt. Wir schauen auf das Unglück und machen uns Sorgen, anstatt auf Gott und seine Möglichkeiten zu schauen und ihm zu vertrauen. Doch unabhängig davon, ob ich auf Gott vertraue oder nicht, ist die Wahrheit, dass er uns retten will. Das ist sein Plan, den er für uns hat. Wir finden weitere Bibelstellen, die die Hilfe Gottes belegen. Jes. 59:

 

 

1 Siehe, die Hand des Herrn ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören;

 

Ps. 37:

 

39 Doch die Hilfe der Gerechten kommt vom Herrn, der ihre Fluchtburg ist zur Zeit der Not;

 

Im Wort Gottes finden wir des Öfteren das Wort Bedrängnis. Die Bedeutung von Bedrängnis ist, sich in einer schwierigen Lage, in einer Not oder Not-/Zwangslage oder ausweglosen Situation zu befinden. Diese Situationen stellen Schwierigkeiten oder Krisen dar. Sie machen unserer Seele Not. Somit kann auch ein Unglück für uns zur Bedrängnis werden. 2. Kor. 4:

 

8 In allem sind wir bedrängt, aber nicht erdrückt; keinen Ausweg sehend, aber nicht ohne Ausweg;

 

9 verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht vernichtet;

 

Hier wird deutlich: In allem, was wir tun oder erleben, können wir in Bedrängnis geraten. Doch wir dürfen darauf vertrauen, dass wir durch das Bedrängt Sein nicht erdrückt werden. Wir mögen zwar keinen Ausweg aus unserer Situation sehen. Doch wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott bereits den Ausweg bereitet hat. Das finden wir in 1. Kor. 10 bzgl. der Versuchung bestätigt:

 

13b Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt.

 

Wenn wir verfolgt werden sollten, sind wir dennoch nicht allein. Und wenn wir am Boden liegen sollten, sind wir nicht vernichtet. Das bedeutet: Wir kommen zwar in schlimme Situationen, doch diese führen nicht dazu, dass wir am Ende sind. Denn bei Gott finden wir das Geheimnis unserer Rettung. Er ist da und er lässt uns nicht allein. Er hilft uns auf. 2.Kor. 4:

 

16 Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert.

 

17 Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Bedrängnis bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit,

 

18 da wir nicht das Sichtbare anschauen, sondern das Unsichtbare; denn das Sichtbare ist zeitlich, das Unsichtbare aber ewig.

 

Wir sehen: Unser äußerer Mensch erfährt Leid und wird aufgerieben, ohne dass deshalb unser Inneres leiden muss oder aufgerieben wird. Wie ist das möglich? Wir können uns jeden Tag aufs Neue erneuern lassen! Und dadurch verändert sich unsere Perspektive: Die Bedrängnis, die andere als Unglück betrachten, die andere zusammenbrechen lässt, kann für uns leicht zu ertragen sein, da wir wissen, dass unser Leiden nicht lange dauert und uns eine unendliche, unvorstellbare Herrlichkeit bringen wird. Denn wir schauen nicht auf das, was um uns herum zu sehen ist, sondern wir sehen auf das, was mit den Augen nicht zu sehen ist. Wir vertrauen auf die Möglichkeiten Gottes und auf sein Eingreifen zur rechten Zeit. Und auch wenn wir wissen, dass das Leiden nicht lange dauert, ist es wichtig, dass wir ausharren. Röm. 5

 

3b .. wir rühmen uns auch in den Bedrängnissen, da wir wissen, dass die Bedrängnis Ausharren bewirkt,

 

4 das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung;

 

5 die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.

 

Das Problem ist, dass unser Zeitvorstellung von nicht lange dauern eine andere sein kann als Gottes Vorstellung. Daher ist es umso wichtiger, dass wir uns jeden Tag von Gott erneuern lassen. Durch unseren Blick auf Gott und seine Möglichkeiten wird es uns möglich sein auszuharren. Wir zeigen Gott dadurch: Wir vertrauen dir und harren nicht aus eigener Kraft aus, sondern durch die Kraft, die wir uns tagtäglich neu von ihm schenken lassen. Dadurch wird die Bedrängnis leicht und wir haben das Gefühl, dass sie, nachdem sie weg ist, tatsächlich schnell vorübergegangen ist. Und durch das Ausharren bewähren wir uns. Wieso müssen wir uns bewähren? Wisst ihr, wenn wir keine Probleme haben, fällt es uns leicht zu sagen: Gott, ich vertraue dir. Ob wir ihm aber tatsächlich vertrauen, wird sich erst zeigen, wenn wir in ein Unglück, in eine Bedrängnis oder in eine Versuchung geraten. In diesen Situationen wird sich zeigen, ob wir ausharren und sich unser Glaube bewährt und zu einer Hoffnung in uns wird. Wenn wir Ausharren, werden wir belohnt werden. Wir empfangen Gottes Verheißungen. Hebr. 10:

 

35 Werft nun eure Zuversicht nicht weg, die eine große Belohnung hat.

 

36 Denn Ausharren habt ihr nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung davontragt.

 

Wie lange musste Abraham auf Gottes Verheißung warten? Es waren 25 Jahre! Und aus menschlicher Perspektive war es bereits unmöglich, dass sich Gottes Verheißung erfüllt. Doch Abraham hat an der Verheißung Gottes festgehalten und wurde belohnt.

 

Jetzt können wir sagen: So habe ich mir das Christsein nicht vorgestellt. Wieso erfahre ich als Kind Gottes immer noch ein Unglück, eine Bedrängnis oder eine Versuchung? Wir kennen die Antwort: Wir leben noch in dieser Welt und sind noch nicht im Himmel. Doch wir wissen: Wir müssen nicht mit all dem allein zurechtkommen. Gott sagt uns Rettung zu. Er steht uns bei.

 

Doch was tun wir, wenn uns unsere Gefühle überwältigen? Was tun wir, wenn das Unglück oder die Bedrängnis zu schlimm für uns ist und wir voller Trauer, Verzweiflung und Angst sind? 2. Kor. 1:

 

3 Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes,

 

4 der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden.

 

5 Denn wie die Leiden des Christus überreich auf uns kommen, so ist auch durch den Christus unser Trost überreich.

 

Wir gehen zu Gott und lassen uns trösten. Er ist der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Bedrängnis. Gott weiß, dass wir Trost benötigen. Er enthält uns den Trost nicht vor. Er schenkt uns seinen Trost. Zudem werden wir aufgefordert, uns gegenseitig zu trösten. Gott gebraucht uns für andere und andere für uns, um uns gegenseitig Trost zukommen zu lassen.

 

Wisst ihr, Gott weiß um unsere Schwachheit. Er hat kein Problem damit. Das Gegenteil ist der Fall, denn er will uns helfen. Daher möchte er auch jeden Tag unseren inneren Menschen erneuern und uns stärken. Und wenn wir Trost benötigen, weist er uns nicht als unwürdig ab, sondern gibt, was wir benötigen. Gott wird nicht müde, uns zuzuhören, uns zu trösten, uns beizustehen. Wir werden ihm nicht überdrüssig. Der Grund ist der, dass er uns liebt. Und seine Liebe zu uns hört nicht auf. Deshalb begegnet er uns mit Liebe, mit Frieden, mit Freude, mit Geduld, mit Güte, mit Treue, mit Sanftmut. Er kümmert sich um uns mit einer unvorstellbaren, nie endenden Fürsorge.

 

Amen.