Vergebung und Versöhnung/30.10.2014

Letzte Woche wurde in einer Predigt die besondere Bedeutung der zehn Gebote dargestellt. Es wurde aufgezeigt, dass diese von Gott persönlich in Stein gemeißelt worden sind, als er auf dem Berg Sinai Gemeinschaft mit Mose hatte. Die zehn Gebote sind somit ganz persönliche Worte von Gott, die er zu einem Menschen gesprochen hat und die heute noch Gültigkeit haben. Nur noch im Paradies gab es eine Zeit, in der Gott ganz direkt und persönlich zu Menschen geredet hat. Heute möchte ich der Frage nachgehen, was das Besondere an der Bibel ist.

2.Tim. 3,16: Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.

1.Kor. 2,13: Was wir euch verkünden, kommt nicht aus menschlicher Klugheit, sondern wird uns vom Geist Gottes eingegeben. Und so können wir Gottes Geheimnisse verstehen, weil wir uns von seinem Geist leiten lassen.

Diese Bibelstellen zeigen, dass die Bibel nicht aus Menschenworten besteht, son-dern Worte sind, die Gott zu uns spricht. Das Besondere ist: Sie haben heute noch Gültigkeit.

Die meisten Menschen, die sich nicht mit der Bibel beschäftigen, die aber über die Bibel sprechen, haben keine Vorstellung darüber, wie wertvoll sie für uns Christen ist. Es ist Gnade, dass wir dieses Buch zur Verfügung haben. Ich bin froh, dieses Buch lesen zu dürfen und dass derselbe Geist, der den Schreibern der Bibel half, die einzelnen Bücher zu verfassen, uns heute hilft, sie auch zu verstehen. Sie sind ein Geschenk Gottes an uns Menschen.

Wie gehen wir mit dem Wort Gottes um? Welche Bedeutung hat das Wort Gottes für uns? Wie viel Raum hat es in unserem Leben? Hat es Einfluss auf unser Leben? Lassen wir zu, dass es Einfluss ausüben kann? Wollen wir überhaupt, dass es Ein-fluss auf unser Leben nimmt? Wisst ihr, es geht nicht darum, was wir über die Bibel denken. Es geht darum, was Gott dazu sagt. Es geht nicht darum, dass wir uns Bibelwissen anhäufen, sondern dass wir aus der Beziehung zu Gott unser Leben gestalten. Er ist derjenige, der uns all das gibt, was wir benötigen, um unser Leben zu bewältigen und um das Ziel unseres Lebens zu erreichen.

Ich möchte eine Geschichte erzählen:

Es war einmal ein altmodischer Farmer, der sich bemühte, mit den neuen hoch technisierten Farmern seiner Nachbarschaft Schritt zu halten. Da er immer an die guten alten Methoden geglaubt hatte, betrachtete er all diese neuartigen Abkürzun-gen in der Landwirtschaft als vorübergehende Erscheinung. Die modernen Farmer verdoppelten und verdreifachten ihre Ernteergebnisse jedoch durch den Einsatz von widerstandsfähigen, speziell gekreuzten Pflanzen und den neuesten Dünge-mitteln. Der alte Farmer brauchte einen Plan, um konkurrenzfähig zu bleiben. Aber anstatt sich auch der neuen Technologien zu bedienen, wollte er sie aus eigener Kraft schlagen.

Seine Lösung war einfach. Er würde einen großen, bewaldeten Teil seines Landes roden und es für den Ackerbau nutzbar machen. Es gab nur ein Problem: Es würde Monate dauern, all diese Bäume zu fällen und er würde nie und nimmer bis zur Aussaatzeit damit fertig werden. „Wenn es doch nur einen Weg gäbe, diese Bäume schneller zu fällen“, seufzte er.

Wie der Zufall es wollte, stolperte der alte Farmer über eine Anzeige in einer Zeit-schrift. Dort wurde für eine Kettensäge geworben, die in nur 20 Sekunden ein ca. 50 cm dickes Holzstück zerlegen konnte. „2,5 cm pro Sekunde“, dachte er. Bei die-ser Geschwindigkeit würde er sein Land bis zur Aussaat fertig vorbereitet haben. Das war genau das, wonach er gesucht hatte. Also ging er eilig ins Geschäft und kaufte diese Säge.

Am anderen Morgen machte sich der alte Farmer früh auf den Weg, um sein Ackerland zu vergrößern. Voller Tatendrang suchte er sich einen ca. 50 cm dicken Baum als erstes Opfer aus. Gespannt setzte er die Säge am Baum an und begann mit der Arbeit. Zwanzig Sekunden vergingen, aber der Baum stand immer noch. Er sagte sich, dass es ja sein erster Versuch sei und er den Dreh schon herausbekommen würde und probierte es weiter. Als der Baum fünf Minuten später immer noch über ihm aufragte, fragte er sich, ob er nicht doch etwas falsch mache. Und nachdem eine volle Stunde vergangen war und außer einem kleinen Schnitt an der Seite des Baumes nichts weiter zu sehen war, nahm der Farmer die Säge und machte sich auf den Weg zurück ins Geschäft.

Der Verkäufer hörte geduldig zu, während sich der alte Farmer über seinen Misserfolg und die hochtrabenden Versprechungen in der Zeitungsanzeige beschwerte.

„Dann wollen wir mal nachschauen“, schlug der Verkäufer vor. Er nahm den Griff der Säge in die linke Hand und lehnte das Gewicht der Säge gegen das große Außengeländer des Geschäftes. Dann griff er mit seiner rechten Hand nach einem Gummihebel an der Seite der Säge und zog einmal kräftig daran. Sofort erwachte die Säge dröhnend zum Leben. Der alte Farmer wich erschrocken ein paar Schritte zurück und fragte: „Was ist das denn für ein Geräusch?“

Was war das Problem? Zum einen versuchte der Farmer aus eigener Kraft seine Probleme anzugehen, zum anderen hatte er keine Ahnung, wie er mit der Säge umgehen sollte. Es genügt nicht, eine Säge zu haben, um sägen zu können. Wir müssen sie auch bedienen können, um beim Sägen erfolgreich zu sein. Wir benötigen also Kenntnisse, die uns zum Umgang der Säge befähigen. Aber fehlt uns die Kraft, um die Säge bspw. anwerfen zu können, hilft uns das gesamte theoretische Wissen über das Sägen nichts. Wir werden nicht sägen können.

Wie oft versuchen wir, aus unserer eigenen Kraft heraus unsere Probleme anzugehen? Wie oft erleben wir dabei, dass wir scheitern? Wie oft erleben wir, dass wir versagen? Motivation alleine reicht nicht aus, um erfolgreich zu sein. Sämtliche Pläne, Prinzipien und Strategien reichen ebenfalls nicht aus. Was wir brauchen ist Kraft. Genügt unsere eigene Kraft? Mit unserer eigenen Kraft werden wir immer wieder an unsere Grenzen stoßen. Unsere Kraft reicht nicht aus. Wir brauchen Hil-fe. Und Gott ist bereit uns zu helfen. Die Frage ist: Glauben wir das? Glauben wir, dass er bereit ist, uns zu helfen? Ich behaupte: Ja, das ist er! Wie kann ich da so sicher sein? Ich bin mir sicher, weil er es in seinem Wort versprochen hat. Im Wort Gottes steht alles, was wir über Gott wissen können. Dieses Wissen ist Stückwerk, aber es genügt. Mehr müssen wir nicht wissen. Mehr könnten wir womöglich auch nicht begreifen. Wäre Gott der Meinung, wir müssten mehr wissen, würde er es uns wissen lassen.

Aus der Schöpfungsgeschichte wissen wir, dass das, was Gott sagt, geschieht. D.h. alles, was im Wort Gottes steht, ist entweder bereits geschehen, geschieht gerade oder wird in der Zukunft geschehen. Wenn wir wissen wollen, wie Gott ist, wie er uns sieht und was er vorhat, ist es sinnvoll sein Wort zu lesen. Dazu eine kleine Geschichte:

Ein Bibelschullehrer beobachtet eines Tages einen seiner Schüler in einem kleinen Raum, wie dieser mit geschlossenen Augen und andächtigem Gesichtsausdruck auf einem Buch steht. Er ist irritiert und geht daher auf seinen Schüler zu. Er fragt: „Was tust du da?“ Sein Schüler antwortet voller Begeisterung: „Ich habe mich gerade auf das Wort Gottes gestellt, so wie Sie es letzte Woche im Unterricht erklärt haben!“

Was ging schief? Der junge Mann ist eifrig und motiviert bei der Sache. Er ist davon überzeugt, dass er tut, was sein Lehrer gelehrt hat. Allerdings hat er die Botschaft seines Lehrers missverstanden. Der Lehrer meinte, wir sollen dem Wort Gottes ver-trauen und tun, zu was uns sein Wort auffordert. Wir sollen bspw. für Kranke beten, wir dürfen auch darauf vertrauen, dass Gott uns vergibt, wenn wir ihm unsere Sünden bekennen. Ich könnte noch sehr viele Beispiele dazu anbringen.

Gott hat versprochen, dass er uns hilft. Er hat sogar einen Helfer in der Person des Heiligen Geistes gesandt. Der Heilige Geist hilft uns auf unterschiedliche Art und Weise, da er vielfältige Aufgaben hat. Er lehrt uns, führt uns, hilft uns beim Beten, schenkt uns Erkenntnis und Weisheit, rüstet uns mit Gaben aus und schenkt uns die Kraft, die wir brauchen. Der Heilige Geist ist es auch, der Gottes Licht in die dunklen Ecken unseres Herzens hineinleuchten lässt. Das tut er nicht, um uns bloßzustellen, sondern damit wir erkennen, wo wir stehen, und damit in uns die Früchte des Geistes wachsen können.

Gott hat uns einen Helfer zur Seite gestellt. Die Frage ist: Lassen wir uns helfen oder machen wir es wie der Farmer, der davon überzeugt ist, dass er mit seiner eigenen Kraft seine Probleme lösen kann? Aus eigener Kraft leben zu wollen ist so, als würden wir ein Auto schieben, anstatt uns hineinzusetzen und es zu fahren. Kommen wir voran? Ja, aber es geht nur langsam, unregelmäßig und extrem ineffektiv voran. Solange wir dieses Auto schieben, werden wie einige Orte nie erreichen können, Berge werden wir nicht hinaufkommen können und deren Aussichten nicht genießen können. Manchmal werden wir unsere ganze Kraft benötigen, nur um einen Teil des gewonnenen Bodens nicht wieder zu verlieren. Solange wir dieses Auto schieben, werden wir keine Freude du kein Gefühl der Befriedigung erle-ben, weil es anstrengend ist, dieses Auto zu schieben. Zwischen uns wird es aller-dings Unterschiede geben. Je stärker wir sind, desto länger halten wir durch, bis unsere Kraftreserven aufgebraucht sind. Aber irgendwann werden sie aufgebraucht sein. Was ist dann? Wir sind frustriert und enttäuscht, da wir wie die anderen ein Auto haben, aber einfach nicht vorankommen und eines Tages kraftlos zusammenbrechen. Spätestens dann sollten wir Gott um seine Hilfe bitten.

Wir haben die Wahl, auf welcher Grundlage wir unser Leben führen wollen: Wir können aus eigener Kraft oder aus Gottes Kraft heraus handeln. Allerdings besteht ein unvorstellbar großer Unterschied zwischen diesen beiden Kraftquellen. Unsere eigene Kraft ist Grenzen unterworfen. Es gibt ein Limit. Irgendwann sind wir ausgepowert, wenn wir zu lange über unsere Grenzen gehen und uns keine Ruhe gönnen bzw. nicht zur Ruhe kommen. Heutzutage sprechen wir  häufig von Burnout. Der betroffene Mensch ist ausgebrannt. D.h. er hat ´mal gebrannt, er hatte ´mal Kraft, er hatte ´mal Power. Er hat über Monate oder über Jahre seine Grenzen nicht wahrgenommen und über seine Grenzen hinaus agiert. Dann kam der Zusammenbruch und das bedeutet für den Betroffenen: Nichts geht mehr. Was war das Problem. Der Betroffene hat das Auftanken versäumt. Das passiert auch Christen. Ich bin einer davon. Deshalb weiß ich, wovon ich spreche. Deshalb weiß ich auch, wie wichtig es ist, sich Gottes Kraftquelle zuzuwenden und bei ihm aufzutanken. Gottes Kraft wird uns helfen, schwierige Zeiten zu bestehen. Es wird immer wieder schwere Zeiten, Versuchungen und Anfechtungen in unserem Leben geben. Vielleicht sind wir schon einige Zeit krank und wir fragen uns: Wo ist Gott? Hat er nicht versprochen, unser Arzt zu sein? Ich sage euch heute: Gott kennt eure Situation. Er lässt euch nicht allein. Er ist da. Vertraut auf seine Zusagen und tankt bei ihm jeden Tag aufs Neue auf. Er gibt euch die Kraft für den Tag, die ihr braucht.

Bleiben wir bei dem Bild mit dem Auto. Gehen wir ´mal davon aus, wir haben uns entschieden, uns ins Auto zu setzen und zu fahren. Wer hat das Steuer in der Hand? Sind wir es oder überlassen wir das Steuer Gott? Wisst ihr, unsere Verantwortung ist es, Gott zu vertrauen, seinem Wort zu vertrauen. Gottes Verantwortung ist es, zu handeln. Wie und wann – das ist seine Sache. Leider begrenzen wir Gott oft mit unseren Vorstellungen. Wir meinen, wir wüssten, welche Art von Hilfe wir brauchen. Wir denken, wir müssten Gott sagen, wie er zu handeln hat. Wir sind nicht offen für Gottes Vorstellungen und wundern uns dann, dass nichts geschieht. Ich frage euch: Als eure Kinder eure Hilfe wollten, weil sie einen bestimmten Wunsch hatten, habt ihr ihnen geholfen, wenn ihr genau wusstet, das würde ihnen schaden? Nein, das habt ihr nicht! Habt ihr ihnen geholfen, als sie deswegen wütend auf euch gewesen sind? Nein, das habt ihr nicht!  Habt ihr ihnen geholfen, als sie euch deswegen ganz viele Dinge versprochen haben? Nein, das habt ihr nicht! Warum habt ihr das nicht getan? Hattet ihr eure Kinder nicht lieb? Doch, ihr liebt eure Kinder und genau deswegen habt ihr eure Hilfe verwehrt. Ihr wolltet nicht, dass sie zu Schaden kommen. Erwarten wir also wirklich, dass Gott uns auf unsere Art hilft? Denken wir wirklich, wir wüssten es besser als er?

Die Frage ist: Vertrauen wir Gott? Vertrauen wir seinem Wort? Glauben wir, was wir lesen? Was ist Glaube? Hebr. 11,1:

•    Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht (Luther).

•    Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht (Hoffnung für alle).

Glaube hat also mit Zuversicht, Hoffnung, Vertrauen und Nichtzweifeln zu tun. Was tun wir, wenn uns die Zuversicht und das Vertrauen verloren gehen, wir uns hoffnungslos fühlen und uns Zweifel überkommen. Machen wir es wie Hiob! Hiob hat sich mit Gott auseinandergesetzt. Er hat Gott alles gesagt, was er in bzw. auf seinem Herzen hatte. Danach war er offen für Gottes Reden. Es ist wichtig, dass wir alles, was uns bewegt, Gott bringen. Das hilft uns, die Dinge loszulassen. Es hilft uns auch, um Gott zuhören zu können. Solange wir an unseren Zweifeln und unserer Hoffnungslosigkeit festhalten, werden wir Gott nicht zuhören können. Gott hat in Psalm 23 versprochen, dass er in guten wie in schlechten Zeiten bei uns ist – und für uns sorgt.

1 Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf grünen Auen und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir, den Stecken und dein Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, du ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Interessant ist, dass zwischen Vers 3 und Vers 4 ein „und“ steht. Das kann doch nur bedeuten, dass es beide Seiten in unserem Leben gibt. Im Gegensatz dazu stellt das Wort „aber“ im Wort Gottes eine Wende im Leben eines Menschen zum Guten oder Schlechten dar.

Gott ist auch dein Hirte. Vertraue ihm.