Worte und Taten/13.06.2015

Ich möchte euch heute eine Geschichte erzählen:

Es ist Montagmorgen und ein Pastor ist unterwegs zu einem Termin. Er nimmt den Bus und löst beim Busfahrer eine Fahrkarte. Er hat nur einen großen Geldschein dabei. Diesen überreicht er dem Busfahrer. Daraufhin nimmt er die Fahrkarte und das Wechselgeld in Empfang. Auf seinem Sitz zählt er das Geld nach und stellt fest, es ist viel zu viel. Er überlegt, was zu tun sei. Verschiedene Gedanken schießen ihm in den Kopf. Er ist versucht, das Geld zu behalten. Letztlich siegt allerdings sein Gewissen und er geht zum Busfahrer mit den Worten:

„Ich habe festgestellt, dass Sie mir zu viel Wechselgeld gegeben haben.“

Daraufhin entgegnet der Busfahrer:

„Ich weiß! Ich war am Sonntag in Ihrem Gottesdienst. Sie haben über die zehn Gebote gepredigt. Ich wollte nur sehen, ob Sie tun, was Sie predigen!“

Was passiert in dieser Geschichte?

Ein Mann, der Busfahrer, geht an einem Sonntag in einen Gottesdienst. Wir wissen nicht, ob er regelmäßig Gottesdienste besucht. Wir können allerdings davon ausgehen, dass er zum ersten Mal in dieser Gemeinde ist, da sich die Männer dieser Geschichte nicht kennen. Die Predigt scheint den Busfahrer beschäftigt zu haben, da er sich am anderen Tag sowohl an den Pastor als auch an den Inhalt der Predigt erinnert. Spontan entschließt sich der Busfahrer zu einem Test. Er will wissen, tut der Pastor, was er sagt. Der Busfahrer gibt dem Pastor bewusst zu viel Wechselgeld, weil er dessen Ehrlichkeit prüfen will. Der Busfahrer riskiert dabei, das Geld zu verlieren. Dieses Risiko geht er bewusst ein. Dies zeigt, wie wichtig ihm es ist, zu erfahren, wie dieser Pastor reagiert. Vielleicht hat er in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Pastoren oder Christen erlebt. Vielleicht hat er immer wieder gute Predigten gehört, aber feststellen müssen, dass die Worte von den Taten stark abweichen. Vielleicht wurde er enttäuscht, weil er aufgrund der Worte große Erwartungen in den anderen gesetzt hat. Vielleicht wurde er verletzt, weil er die Unterstützung, die er sich aufgrund der Worte erhofft hat, nicht erhalten hat. Vielleicht hat er sich vorgenommen, dass ihm so etwas nicht mehr passieren wird. Wir wissen, wie die Geschichte endet. Der Pastor gibt das Geld, das er zu viel bekommen hat, zurück. Wir können Phantasien darüber entwickeln, was der Pastor sich gedacht haben mag, als er erfahren hat, dass er soeben einen Test durchlaufen und bestanden hat. Er ist sicher froh darüber, dass sein Gewissen gesiegt hat. Sein Gegenüber weiß nichts von seinem Kampf und von seinen Gedanken, die ihn fast daran gehindert hatten, das Geld zurückzugeben.

Was zeigt uns diese Geschichte?

Wir werden von anderen Menschen nicht an unseren Worten, sondern an unseren Taten gemessen. Und wir messen andere ebenfalls an dem, was sie tun und nicht an dem, was sie sagen. Wir wissen, was passiert, wenn unsere Worte mit unseren Taten nicht übereinstimmen. Wir sind nicht vertrauenswürdig. Wir werden nicht ernst genommen. Unsere Worte sind wertlos, weil sie den Test in der Praxis nicht bestehen. Wir stoßen andere vor den Kopf, enttäuschen und verletzen sie.

Wenn wir in die Bibel schauen, erfahren wir bereits auf den ersten Seiten, dass das, was Gott sagt, geschieht. (Ps. 33,6: Durch des HERRN Wort ist der Himmel gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes.) Gottes Worten folgen dementsprechende Taten. Sie  haben Macht. Sie zeigen Wirkung. (Lk. 1,37: Denn kein Wort, das von Gott kommt, wird kraftlos sein.)

Hebr. 4,12: Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens;

Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt es ganz deutlich:

·         Gottes Wort ist lebendig. In ihm ist Leben. Es schenkt Leben. Es geht um das ewige Leben.

·         Gottes Wort ist wirksam. Es geschieht, was in ihm steht.

·         Gottes Wort ist schärfer als ein zweischneidiges Schwert. Es trennt Seele und Geist. Unser Körper wird nach unserem Tod verrotten, unsere Seele wird die Ewigkeit an dem Ort verbringen, für den wir uns entschieden haben. Gott sorgt allerdings dafür, dass der Geist bei ihm sein wird.

·         Gottes Wort ist ein Richter der Gedanken und Gesinnungen unseres Herzens. Gott hat uns erschaffen. Er kennt uns. Er kennt unser Herz. Er wird über uns ein Urteil fällen.

Müssen wir nun Angst haben vor dem, was Gott sagt? Nein! Gott ist Liebe. In der Liebe können und werden wir nichts Böses finden. Was beinhaltet Liebe? Denken wir an eine Eltern-Kind-Beziehung. Wenn die Entwicklung dieser Beziehung positiv verläuft, entsteht eine Bindung zwischen den Eltern und dem Kind. Diese Bindung ermöglicht es uns,

·         unserem Kind zu vergeben, auch wenn es Dinge tut, die uns nicht gefallen.

·         unserem Kind immer wieder einen Neubeginn der Beziehung anzubieten.

·         unser Kind nicht aufzugeben, sondern es immer und immer wieder zu unterstützen.

·         offen für unser Kind zu bleiben und es (vielleicht) sogar verstehen zu können.

·         für unser Kind da zu sein und es zu lieben.

·         das zu geben, was es nötig hat.

Zudem wird in 1.Kor. 13 aufgezeigt, was Gott unter Liebe versteht.

Wir haben vorher gehört, dass Gott richtet. Müssen wir daher tun, was Gott sagt? Nein! Gott hat uns einen freien Willen gegeben. Wir dürfen somit über das, was wir tun, selbst entscheiden. Wir wissen, dass jede Entscheidung Konsequenzen nach sich zieht. Daher brauchen wir uns über negative Konsequenzen nicht  zu wundern, wenn wir nicht tun, was Gott sagt. Ungehorsam Gott gegenüber bedeutet nun einmal Trennung von Gott. Diese Trennung bezieht sich nicht nur auf das Leben hier, sondern auch auf das Leben nach unserem Tod. Wenn wir uns jetzt gegen Gott entscheiden, entscheiden wir uns gegen ein Leben mit ihm im Himmel. Gott bietet uns an, seine Kinder zu werden. Es geht darum, ob wir dieses Angebot annehmen wollen.

Gott ist immer derselbe. Er verändert sich nicht. Er ist nicht wie ein Fähnchen im Wind. Er handelt auch nicht aus einer Laune heraus oder nach dem Lustprinzip. Gott steht zu dem, was er sagt. Wir dürfen ihn bei seinem Wort nehmen. Er hält, was er verspricht.

Mt. 24,35: Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber sollen nicht vergehen.

1.Petr. 1,25: ..aber das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit."

Gott hat am Berg Sinai mit dem Volk Israel einen Bund geschlossen. Dieser Bund wird jährlich gefeiert. Das Fest heißt Wochenfest. In Ps. 105,8 steht:

Er gedenkt ewig seines Bundes - des Wortes, das er geboten hat auf tausend Generationen hin -,

Als Gott an Pfingsten den Heiligen Geist gesandt hat, hat er einen neuen Bund mit der Menschheit geschlossen. Gott lädt jeden Menschen dazu ein, diesen Bund mit ihm einzugehen. Dieser neue Bund wurde möglich, weil Gott bereit war, seinen Sohn für uns zu opfern, und weil Jesus bereit war, dieses Opfer zu vollbringen. Jesus ist der Sohn Gottes. Ihn hat Gott gesandt, dass wir durch ihn erkennen, wie Gott ist. Jesus tat die Dinge, die ihm von seinem Vater aufgetragen worden sind. Das wird in Joh. 14, 10 bestätigt:

Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke.

Jesus macht deutlich, dass wir durch das Wort Gottes Leben haben. Da Jesus die Worte seines Vaters spricht, haben wir somit auch durch ihn Leben:

Joh. 6,63: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben;

Joh. 6,68: Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens;

Joh. 14,6: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Mt. 4,4: Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: "Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht."

Wir wissen, Jesus tut, was Gott sagt. Seine Worte stimmen mit seinen Taten überein. Jesus sagt nicht nur die Wahrheit, er ist die Wahrheit. Jesus hat seinen Jüngern das Kommen des Heiligen Geistes verheißen. Der Heilige Geist setzt das Werk fort, das Gott Vater im Paradies begonnen und Jesus während seines Dienstes auf der Erde weitergeführt hat. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht nur danach ausstrecken, mehr über Gott Vater und Jesus zu erfahren, sondern auch danach streben, Erkenntnisse über den Heiligen Geist zu erlangen.

In der Offenbarung erfahren wir nicht nur, dass Jesus wiederkommen wird, sondern auch seinen Namen. Offb. 19:

11 Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hieß: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit
12 Und seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Kronen; und er trug einen Namen geschrieben, den niemand kannte als er selbst
13 Und er war angetan mit einem Gewand, das mit Blut getränkt war, und sein Name ist: Das Wort Gottes.

Sein Name ist: Das Wort Gottes. Namen sagen etwas über die Bestimmung des Namensträgers aus. Was ist somit die Bestimmung, die Jesus inne hatte? Er heißt das Wort Gottes. Er trägt das Wort Gottes somit in sich - und er handelt danach. Dadurch, dass sein Name „Das Wort Gottes“ ist, begreifen wir vielleicht noch mehr, wie eng Jesus mit seinem Vater verbunden ist.

Was hat das nun mit uns zu tun? Wir haben Gottes Wort. Wir haben die Bibel. Wie oft haben wir sie gelesen? Einmal? Zweimal? Es gibt Menschen, die es sich zur Aufgabe machen, die Bibel einmal im Jahr durchzulesen. Ich habe gehört, dass man 18 Stunden benötigt, um die Bibel am Stück durchzulesen. Ehrlich, das ist nicht viel Zeit. Und doch fällt es uns so schwer, die Bibel zu lesen.

Joh. 14,23: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.

Um das Wort halten und somit tun zu können, müssen wir wissen, was darin geschrieben steht. Die Bibel sagt, dass derjenige, der das Wort hört und tut, klug ist (Mt. 7,24). Sind wir klug oder sind wir töricht?

Wir wissen, dass es nicht nur darum geht, das Wort zu hören, sondern darum, es zu tun. Jakobus fordert uns auf, ein Täter des Wortes zu sein (Jak. 1,22). Warum ist das wichtig? Jesus fordert uns auf, unsere Mitmenschen zu seinen Jüngern zu machen. Dies wird nur gelingen, wenn wir tun, was wir sagen. Wir werden von anderen nicht an unseren Worten, sondern an unseren Taten gemessen. In 1. Joh. 3,18 wird es folgendermaßen ausgedrückt:

Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit!

Die Haltung, mit der wir wirken sollen, wird in Kol 3,17 deutlich: 

Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!

Paulus sagt in Eph. 2,10: 

Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

Wir dürfen also vertrauen, dass wir die Werke, die wir tun sollen, nicht aus eigener Kraft heraus tun müssen. Gott geht es nicht darum, dass wir in einen Aktionismus verfallen. Es geht auch nicht um die Bewertung unserer Leistung. Es geht um Gehorsam. Es geht darum, dass wir erkennen, was Gott möchte, und dass wir danach handeln. Wenn wir gehorsam sind, legt Gott seinen Segen auf unser Tun und lenkt das Geschehen. Es kann passieren, dass wir der Meinung sind, dass wir mit unserem Tun einen Misserfolg erlitten haben, Gott aber diese Situation segnet und zum Guten wendet.

Wenn wir Angst haben, unser Ziel zu verfehlen, dürfen wir uns auf Phil. 1,6 stützen: 

Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Christi Jesu.

Es gibt einen weiteren Punkt, der zu bedenken ist: Unser Lohn im Himmel wird von unseren Werken abhängig sein. 1. Kor. 3:

12 Wenn aber jemand auf den Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut,
13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden, denn der Tag wird es klarmachen, weil er in Feuer offenbart wird. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, das wird das Feuer erweisen.

14 Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen;

15 wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden, er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.

Lasst uns mutig sein, zu tun, was Gott von uns will. Ihm gegenüber sind wir zur Rechenschaft verpflichtet. Es ist nicht wichtig, was andere von uns denken oder von uns halten. Wichtig ist, was Gott über uns denkt. Und das ist die gute Nachricht: Er hat gute Gedanken über uns. Er begleitet uns jeden Tag unseres Lebens. Er steht uns zur Seite und hilft uns. Er geht uns voran und er behütet uns. Wir stehen unter seinem Schutz. Ist das nicht wunderbar? Lasst uns also Gott vertrauen. Und lasst uns mutig sein, Jesus nachzufolgen. Gott segne euch!

Amen.