Zeugnis geben 10.01.16

Heute möchte ich über das Zeugnis geben sprechen. Im Alltag begegnen wir diesem Ausdruck kaum – höchstens wir befinden uns in christlichen Kreisen. Im christlichen Rahmen fällt es uns in der Regel leicht, ein Zeugnis zu geben. Sind wir aber mit Menschen zusammen, die dem Glauben fern stehen, kann es eine Herausforderung sein, ein Zeugnis zu geben. Was ist ein Zeugnis? Ich habe folgende Definition gefunden. Ein Zeugnis ist ein Bericht über eine persönliche Gotteserfahrung oder über ein lebensveränderndes Ereignis, das zur Bekehrung geführt hat. Es geht also um persönliche Erfahrungen, in der das Wirken Gottes spürbar war. Erlebtes, Gesehenes oder Gehörtes wird an andere weitergegeben.

In der Bibel finden wir verschiedene Beispiele für Zeugen. Johannes der Täufer ist einer dieser Zeugen. Sein äußeres Erscheinungsbild ist vermutlich nicht förderlich, um ihm auf den ersten Blick Vertrauen zu schenken. Er muss auch für die damalige Zeit den Menschen sehr merkwürdig erscheinen. Er trägt ein Kamelhaarkleid mit ledernem Gürtel und ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Und dennoch zieht er Menschen aus Jerusalem, Judäa und sogar aus den Nachbarländern an. Er ruft sie zur Buße auf und sie lassen sich in großer Zahl taufen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die hohe Geistlichkeit Jerusalems auf ihn aufmerksam wird und ihn bedrängt. Sie wollen wissen, wer er ist. Ihnen ist bewusst, dass Johannes nicht nur aus sich heraus handelt, sondern einen Auftrag von Gott haben muss. Daher lassen sie ihn fragen: Bist du ein Prophet, Elia oder sogar Christus selbst? Johannes wehrt ab und entgegnet: Nein! Ich bin nur die Stimme des Predigers in der Wüste: „Ebnet den Weg des Herrn!“ Er wusste, wer er war und welche Stellung er hatte.

Joh. 1

19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden zu ihm sandten Priester und Leviten von Jerusalem, dass sie ihn fragten: Wer bist du?

23 Er sprach: „Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Ebnet den Weg des Herrn!“, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. (Jesaja 40,3).

24 Und sie waren von den Pharisäern abgesandt

25 und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus bist noch Elia noch der Prophet?

26 Johannes antwortete ihnen und sprach: Ich taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennt.

27 Der wird nach mir kommen, und ich bin nicht wert, dass ich seine Schuhriemen löse.

Am nächsten Tag geschieht etwas Unerwartetes. Jesus steht vor ihm und lässt sich taufen. Es ist vermutlich der Höhepunkt des Dienstes von Johannes. Was tut er? Ist er verdattert? Ist er sprachlos? Nein,  er weist auf Jesus hin. Er bezeugt, wen er vor sich hat.

 

Lasst uns gemeinsam versuchen, dieses Zeugnis zu verstehen und daraus zu lernen, wen, wie und warum wir bezeugen sollen.

1. Wen wir bezeugen

Das Zeugnis des Johannes von Jesus beginnt mit einer klaren Aussage:

„DAS IST GOTTES LAMM, DAS DER WELT SÜNDE TRÄGT."

1.1  Jesus, das Lamm Gottes

Das ist der Ehrentitel, mit dem Johannes Jesus vorstellt. Für unsere modernen Ohren klingt das fremd. Aber den Menschen damals, die mit der Bildersprache des Alten Testamentes vertraut waren, war klar, was der Täufer meinte:

Jeden Morgen und jeden Abend wurde im Jerusalemer Tempel ein Lamm geopfert. Das hatte Gott angeordnet. Dadurch sollten sich die Tempelbesucher daran erinnern, dass es Gott mit der Sünde ernst meint und dass Sünde Konsequenzen hat. Sünde ist eine bluternste Sache. Es geht um Leben und Tod. Gott war und ist es aber wichtig, das gestörte Verhältnis zwischen ihm und den Menschen wieder herzustellen. Daher bot er an, dass stellvertretend ein Opfertier sterben sollte. Dieses Tier sollte fehlerlos sein. Im wahrsten Sinne des Wortes sollte es ein Unschuldslamm sein. Die Menschen durften leben, weil das Opferlamm für sie Versöhnung erwirkte. Das Lamm lässt sein Leben, damit wir das Leben gewinnen.

Wir können die Schuld, die wir durch unsere bösen Taten auf uns geladen haben, aus eigener Kraft heraus nicht ungeschehen machen. Deshalb hat Gott selbst gehandelt, um die Beziehung zwischen ihm und den Menschen wiederherzustellen. Durch das Opfer eines einzigen, unbefleckten Lammes, durch das Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, durch das Opfer Jesu am Kreuz ist dies möglich geworden. Jesus ist das Lamm Gottes. Er nimmt uns die Lasten unserer Schuld und unseres Versagens ab. Er ist die Vergebung in Person. Er wird für uns zum Lamm, das geschlachtet ist und mit seinem Blut Menschen aus Völkern und Nationen für Gott erkauft hat, alle Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob (Offenbarung 5, 12).

Am Ende der Begegnung mit Jesus kann Johannes der Täufer nur noch sagen:

34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

 

1.2  Jesus, der Sohn Gottes

Das ist der Ehrentitel, mit dem Gott selbst dieser Welt Jesus vorstellt. Als Lamm Gottes löst Jesus die Schuldfrage des Menschen. Als Sohn Gottes löst Jesus die Machtfrage Gottes.

Gehen wir zurück zu unserer Bibelstelle. Es geschieht im Alltag des Johannes plötzlich etwas Einmaliges: Der Heilige Geist kommt scheinbar wie eine Taube vom Himmel auf Jesus herab. Das sieht Johannes. Er weiß: Auf Jesus ruht Gottes Kraft und Weisheit. Und doch regiert Jesus als Sohn Gottes nicht als König auf der Erde, sondern wird zum Lamm Gottes für alle Menschen.

Die Menschen haben in den vergangenen Jahrhunderten sehr viel über Gott nachgedacht.  Welche Vorstellung die Mehrheit von Gott hat, tut allerdings nichts zur Sache. Wichtig ist nur, was der Sohn uns vom Vater bezeugt. Durch Jesus erst können wir ermessen, was es heißt, einen Vater im Himmel zu haben. Erst der Sohn schließt uns auf, was es heißt, Gottes Kind zu sein.

 

2.    Wie wir bezeugen

Wenn wir denken, dass dies früher leichter war als heute, irren wir uns gewaltig. Damals wie heute fällt es den Menschen nicht leicht, das, was Jesus in unserem Leben getan hat, zu bezeugen. Anstatt zu sagen, was wir erlebt haben, versuchen wir oft, das Zeugnis von Jesus aufzupeppen. Wir denken, wir müssten es attraktiver machen, damit uns überhaupt zugehört wird. Manchmal haben wir auch Angst, als Spinner betrachtet zu werden, wenn wir von unseren Erfahrungen berichten. Das wollen wir auf keinen Fall.

Daher ist es wichtig, mit welcher Haltung wir ein Zeugnis geben. Es geht nicht darum, dass wir im Vordergrund stehen. Es geht darum, dass wir uns unserer Schwäche und Schuld bewusst sind und auf den hinweisen, der die Macht hat, uns von unserer Schuld zu erlösen. Jesus als Lamm Gottes und gleichzeitig als Sohn Gottes steht daher im Mittelpunkt des Zeugnisses.

Wir kennen die Begebenheit des Blinden, den Jesus sehend machte. In Joh. 9  wird geschildert, wie sich dies zugetragen hat.

6 … spuckte Jesus auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden.

7 Und er sprach zu ihm: Geh zum Teich Siloah - das heißt übersetzt: gesandt - und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Jesus gibt dem Blinden einen klaren Auftrag. Musste der Blinde tun, was ihm aufgetragen wurde? Nein! Warum hat er es dennoch getan? Dazu können wir nur Vermutungen anstellen, da hierzu nichts in unserem Text steht. Wir lesen weiter:

10 Da fragten ihn die Nachbarn: Wie sind deine Augen aufgetan worden?

11 Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend.

Wir sehen: Als der ehemals Blinde gefragt wird, wie er sehend wurde, fügt er dem, was sich ereignet hat, nichts hinzu. Er berichtet es genauso, wie es sich ereignet hat. Er zeigt auf, was Jesus gesagt und getan hat.

15 Da fragten ihn auch die Pharisäer, wie er sehend geworden wäre. Er aber sprach zu ihnen: Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend.

Bei der weiteren Erzählung lässt er den Auftrag Jesu weg. Interessant ist, dass er etwas weglässt, anstatt etwas hinzuzufügen. Sein Erlebnis mit Jesus schmückt er nicht aus. Er bleibt sachlich und erzählt das Wichtigste.

24 Da riefen die Pharisäer noch einmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.

25 Er antwortete: Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend.

26 Da fragten sie ihn: Was hat er mit dir getan? Wie hat er deine Augen aufgetan?

27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt und ihr habt's nicht gehört! Was wollt ihr's abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden?

Beim dritten Mal ist der ehemals Blinde nicht mehr bereit, alles noch einmal zu wiederholen. Wir können davon ausgehen, dass er merkt, dass ihm nicht geglaubt wird.

 

Wie sollten wir ein Zeugnis geben? Wichtig ist,

 

  • dass es einen roten Faden hat. Dieser wird zu Beginn benannt.
  • dass es einfach, klar, verständlich, nachvollziehbar und kurz ist.
  • dass die Botschaft auf den Punkt gebracht wird.
  • dass sie zu einer Reaktion des Zuhörers führt und er ermutigt wird, Jesus nachzufolgen.
  • dass Jesus und das, was er in unserem Leben getan hat, im Mittelpunkt der Botschaft steht.

 

3.    Warum wir bezeugen

Wir bezeugen Jesus deshalb,

 

  • damit unsere Mitmenschen ihn als das „Lamm Gottes“ und „Gottes Sohn“ kennen und lieben lernen.
  • damit sie an ihn glauben und gerettet werden, damit sie frei werden von der Last ihrer Schuld und Sünde.
  • damit sie Frieden haben.
  • damit sie Hoffnung haben, im Leben und im Sterben.

 

Die Menschen brauchen die ausgestreckte Hand der Liebe Gottes. Es gibt so viel Leid, Elend, und Not in dieser Welt. Es gibt so viel Ungerechtigkeit in dieser Welt. Es gibt so viel Wut und Hass in dieser Welt. Es gibt so viele Kriege und auch Terror in dieser Welt. Jetzt können wir sagen: Das betrifft uns in Deutschland nicht. Lasst euch nicht täuschen. Auch in unserem Land gibt es Leid, Elend, Not, Ungerechtigkeit, Wut und Hass. Und Terror erleben einzelne Menschen auch in unserem Land (bspw. durch Stalking). Gibt es Krieg in unserem Land? Denken wir doch an Nachbarschaftskriege, die viele seelischen Verletzungen hinterlassen.

Lasst euch ermutigen, Zeugnis zu geben vom Lamm Gottes. Es darf schlicht sein. Wisst ihr, es gibt viele Menschen, die auf unser Zeugnis warten. Worauf warten wir? Geben wir doch dieses Zeugnis!

 

Amen.