Zufriedenheit 31.01.16

Ich wusste bereits am Dienstag, über was ich heute predigen wollte. Ich wollte eigentlich die letzten Predigten zusammenfassen, damit ihr einen Überblick über das bekommt, mit dem wir uns in den letzten Wochen beschäftigt haben. Am Freitag und am Samstag habe ich mich hingesetzt und festgestellt, das ist nichts. Also habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Thema gemacht und landete schließlich bei dem Thema „Zufriedenheit“. Dazu eine Geschichte:

Es kamen ein paar Suchende zu einem alten, weisen Mann.

"Lieber Mann", fragten sie "was tust du, um glücklich und zufrieden zu sein? Wir wären auch gerne so glücklich und zufrieden wie du."

Der Alte antwortete mit mildem Lächeln: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ich und wenn ich esse, dann esse ich."

Die Fragenden schauten etwas betreten in die Runde. Einer platzte heraus: "Bitte, treibe keinen Spott mit uns. Was du sagst, tun wir auch. Wir schlafen, essen und gehen. Aber wir sind nicht glücklich. Was ist also dein Geheimnis?"

Es kam die gleiche Antwort: "Wenn ich liege, dann liege ich. Wenn ich aufstehe, dann stehe ich auf. Wenn ich gehe, dann gehe ist und wenn ich esse, dann esse ich."

Die Unruhe und den Unmut der Suchenden spürend, fügte der alte, weise Mann nach einer Weile hinzu: "Sicher legt ihr euch hin und ihr geht auch und ihr esst. Aber während ihr liegt, denkt ihr bereits ans Aufstehen. Während ihr aufsteht, überlegt ihr wohin ihr geht und während ihr geht, fragt ihr euch, was ihr essen werdet. So sind eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo ihr gerade seid. In dem Schnittpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft findet das eigentliche Leben statt. Lasst euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und ihr habt die Chance, wirklich glücklich und zufrieden zu sein."

Eines wird aus dieser Geschichte deutlich: Wenn wir uns nicht auf das Hier und Jetzt besinnen, sondern uns immer nur auf das Kommende konzentrieren, kommen wir nicht zur Ruhe und können den Ist-Zustand nicht genießen. Wir fühlen uns gehetzt, weil wir ständig daran denken, was noch alles zu tun ist. Es geht häufig nur noch darum, Dinge besser, schneller, schöner zu machen oder sich noch mehr materielle Dinge anzueignen. Wenn wir nur in der Vergangenheit leben, geht das Leben an uns vorbei. Wir bekommen das Geschehen um uns herum nicht mit. Ob wir zufrieden mit der Vergangenheit sind, hängt von unserem Erlebten ab. Haben wir in der Vergangenheit schreckliche Dinge erlebt, werden uns diese begleiten. D.h. dass die Gefühle, die dieser Schrecken hervorgerufen hat, unsere ständigen Begleiter sein werden. Das können bspw. Gefühle der Angst sein. In der Vergangenheit zu leben ist somit auch keine Garantie dafür, zufrieden sein zu können. Viele denken, dass Reichtum dazu beiträgt, zufrieden zu sein. Ewald hat vor kurzem gesagt: Ein reicher Mensch ist nicht derjenige, der sehr viel Besitz angesammelt hat, sondern derjenige, der nichts braucht. Reichtum bietet Sicherheit und ist eine Garantie für Zufriedenheit. Doch Reichtum ist vergänglich. Sicherheit und Fürsorge werden wir nur bei Gott finden. Wir lesen in Ps. 34:

11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den Herrn suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

In der Bibel finden wir viele Stellen, in denen Menschen unzufrieden sind. Während der vierzigjährigen Reise in der Wüste war das Volk der Israeliten insgesamt zehn Mal  mit Gott und mit Mose unzufrieden. Obwohl die Israeliten bspw. von Gott mit Manna versorgt wurden (4. Mos. 11) und diese Versorgung ein Wunder Gottes war, sind sie dennoch unzufrieden anstatt dankbar zu sein. Ihre Unzufriedenheit geht so weit, dass sie sich wünschen, wieder in Ägypten zu sein. Sie behaupten sogar, dass es ihnen dort gut gegangen sei. Dies zeigt, wie schnell sie vergessen haben, dass sie in Ägypten gelitten haben und wie dankbar sie gewesen waren, dass Gott sie aus diesem Land geführt und gerettet hat. Sie verherrlichen ihre alte Situation, die sie nicht mehr ertragen haben, und beklagen sich über ihre jetzige Situation. Sie sehen nur noch, dass sie kein Fleisch haben und sich nur von Manna ernähren können. Anstatt dankbar über das Manna zu sein, sind sie unzufrieden. Sie murren gegen Gott und handeln wie Menschen, die Gott nicht kennen.

 

Judas schreibt in Vers 16 seines Briefes über gottlose Menschen:

Diese sind Murrende, mit ihrem Los Unzufriedene, die nach ihren Begierden wandeln.

Daraus schließe ich, wer murrt oder klagt ist unzufrieden. Unzufriedene Menschen pflegen einen bestimmten Lebensstil. Sie wandeln in ihren Begierden. Das Problem ist, dass Zufriedenheit nicht erlangt werden kann, wenn wir versuchen, unsere Begierden zu stillen. Was ist eine Begierde? In dem Wort Begierde stecken die Worte Gier und begehren. Gier hört sich negativ an. Niemand von uns will als gierig betitelt werden. Bereits in den 10 Geboten heißt es mehrmals: „Begehre nicht….“ Was verstehen wir unter Begierde? Begierde ist ein auf Genuss und Befriedigung, auf Erfüllung eines Wunsches, auf Besitz gerichtetes, leidenschaftliches Verlangen. Begierde ist somit ein Verlangen, das leidenschaftlich ist. Wir legen also sehr viel Energie und Kraft hinein und gehen zielgerichtet vor, um dieses Verlangen zu stillen. Jetzt können wir fragen: Ist es verboten leidenschaftlich zu sein, ist es verboten, etwas zu genießen und unsere Bedürfnisse zu stillen, ist es verboten, sich einen Wunsch zu erfüllen und etwas zu besitzen? Nein! Darum geht es nicht. Es geht um unsere Haltung und um unser Herz. Es geht darum, woran unser Herz hängt. Es geht  darum, was unser Herz begehrt. Bei der Begierde wird versucht, den eigenen Willen zu befriedigen. Wenn die Begierde keine Erfüllung findet, entsteht Unzufriedenheit. Das Problem bei der Begierde ist zudem, dass sie neu entflammt, sobald sie gestillt ist, weil sie erneut gestillt werden will. Es kann zwar einige Zeit dazwischen liegen, aber es gibt keine dauerhafte Befriedigung und somit entsteht immer wieder Unzufriedenheit.

Begierde kommt aus unserem Fleisch. In  Röm. 8 steht:

7 Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; ..

Das Problem ist somit, dass wir in Feindschaft gegen Gott leben, wenn wir danach leben, was unser Fleisch will. Wir können nicht gleichzeitig das tun, was wir wollen und das tun, was Gott will. So war es bei Israel, und so ist es auch bei uns. Wir müssen uns entscheiden. Paulus hat dieses Problem erkannt. Er hatte ebenfalls damit zu kämpfen. Er schreibt

Röm. 7,18: Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht.

Gal. 5,17: Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt.

In meinem Fleisch wohnt nichts Gutes und das Fleisch begehrt auf gegen den Geist. Wir sehen, wir stehen in einem Kampf zwischen dem, was wir tun wollen, und dem, was, wir tatsächlich tun. Es gelingt uns nicht immer, in Übereinstimmung mit unserem Wollen zu leben. Beispiele:

· Wir wollten die Wahrheit sagen, doch wir haben geschwiegen. Wir haben zwar nicht gelogen, aber nichts dazu beigetragen, dass die Wahrheit ans Licht kommt.

·Wir wollten den Nachtisch nicht mehr essen, da wir uns fest vorgenommen haben, auf Süßes zu verzichten, doch wir konnten nicht widerstehen.

· Wir wollten frühmorgens aufstehen, um ins Gebet zu gehen, doch wir blieben im Bett.

Wie geht es uns, wenn unser Tun und unser Wollen nicht übereinstimmen? Es geht uns nicht gut. Wir sind unzufrieden mit uns. Wir sind frustriert und stehen in der Gefahr zu resignieren.

Zu dem Kampf, der in uns tobt, habe ich eine kurze Geschichte: Die zwei Wölfe

Eines Abends erzählte ein alter Cherokee-Indianer seinem Enkelsohn am Lagerfeuer von einem Kampf, der in jedem Menschen tobt. Er sagte: „Mein Sohn, der Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten, die in jedem von uns wohnen.

Einer ist böse. Er ist der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgefühle, die Lügen, der falsche Stolz und das Ego.

Der andere ist gut. Er ist die Freude, der Friede, die Liebe, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgefühl und der Glaube.

Der Enkel dachte einige Zeit über die Worte seines Großvaters nach, und fragte dann: Welcher der beiden Wölfe gewinnt?

Der alte Cherokee antwortete: „Der, den du fütterst.“

Der Indianer hat eine Lösung gefunden, wie er den bösen Wolf in uns zum Schweigen bringt. Er hat die Entscheidung getroffen, ihn einfach nicht mehr zu füttern. Somit muss er verhungern. Paulus zeigt uns eine Lösung auf, die dieser im übertragenen Sinn ähnelt.

Gal. 5,16: Ich sage aber: Lebt im Geist, so werdet ihr die Begierden des Fleisches nicht vollbringen.

Dies ist eine Entscheidung, die wir treffen und die Konsequenzen bzgl. unserer Zufriedenheit mit sich bringt.

Woran kann ich erkennen, ob jemand im Geist oder im Fleisch lebt? Das ist einfach: Die Begierden offenbaren sich in den Werken der Menschen. Gal. 5:19 Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,

20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen,

21 Neid, Saufen, Fressen und dergleichen.

Wenn wir solche Dinge beobachten, wissen wir, dass dieser Mensch versucht, seine Begierden zu stillen. Somit wird er nie langfristig in einen Zustand der Zufriedenheit kommen, ohne von den Begierden getrieben zu sein.

Und das Leben im Geist zeigt sich an den Früchten. Gal 5:

22 Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue

23 Sanftmut, Keuschheit;

Je mehr wir im Geist leben, je mehr werden diese Früchte wachsen. Dies ist somit ein Prozess, in dem wir uns befinden. Dieser Prozess führt uns zur Zufriedenheit.

Natürlich spielt unser Vertrauen Gott gegenüber eine entscheidende Rolle. Misstrauen ihm gegenüber bringt uns dazu, unsere Nöte allen anderen zu sagen - nur nicht Gott. Vertrauen führt zu Gebet, Misstrauen zu Murren.

Gott möchte, dass wir uns nach ihm ausstrecken. Er möchte derjenige sein, der unsere Bedürfnisse stillt. Er möchte, dass wir zufrieden sind.

Ps. 116,7: Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der Herr tut dir Gutes.

Glauben wir das? Dazu kann ich nur sagen: Gottes Zusagen bewahrheiten sich.

Wer zu Gott gefunden hat, wer erkannt hat, dass Jesus der  Sohn Gottes ist, kommt zur Ruhe. Er spürt, dass er mit dem "immer besser, schöner, schneller" nach Luft hascht und dabei das Wesentliche versäumt. Er merkt, wie sich sein Leben verändert und Zufriedenheit in sein Leben kommt.

Zum Schluss noch eine Frage: Ist euch aufgefallen, dass zufriedene Menschen dankbar sind? 

Ich wünsche euch, dass Gott der Mittelpunkt eures Lebens ist und ihr zufrieden und dankbar sein könnt.